Blogtürchen Nr. 2, doppelte Ladung

Das Thema Netzwerk ist in aller Munde. Jeder spricht davon auf Veranstaltungen zu netzwerken, es ist en vogue. Mich nervt oft an solchen Modewörtern, dass sie zu Worthülsen verkommen, keiner mir so richtig sagen kann, ob Smalltalk auf einer Messe schon netzwerken ist und vorallem, was das ganze eigentlich soll und warum man sich als eher schüchterner Mensch überhaupt zu durchringen sollte.

Deshalb beschreibe ich in diesem Beitrag „Von der Kunst beim Kaffeetrinken zu netzwerken“ was ich da eigentlich genau gemacht habe und wie mir tatsächlich diese Kaffeegespräche bei der Jobsuche geholfen haben.

Beim Beitrag „Netzwerken klappt nur, wenn man nicht an sich denkt“  geht es darum, dass netzwerken nur funktioniert, wenn man das Wohl der anderen im Blick hat. Denn sonst wird das Netzwerk ganz schnell in sich zusammenbrechen.

Adventsaktion

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Ich habe beschlossen eine Adventsaktion zu machen. Während der Adventszeit möchte ich jeden Donnerstag ein altes Blogtürchen für euch öffnen. Das heißt, bereits veröffentlichte Beiträge, die ich besonders wertvoll finde, stelle ich hier nochmal kurz vor.

Heute öffne ich die Blogtür „Das Wunder von Hamburg“: Es gibt auch die Erfolgsgeschichten, eine Bachelorstudentin der Geisteswissenschaften bewarb sich nach Studienabschluss nur in Hamburg und wurde fündig.

Bewerbungsfrust: Bleib dran!

Habe ich schon erzählt, dass meine letzte Bewerbungsphase im Jahr 2015 (ja, du hast richtig gelesen, ich bin jetzt 34 und 2015 war meine letzte Bewerbungsphase) mit Abstand die schlimmste von allen war? Und dabei habe ich schon so einige mitgemacht.

2009 kurz vor Ende des Studiums: 50 Bewerbungen, sehr magere Ausbeute, aber glücklicherweise wurde ich als Berufsanfängerin in einer NGO genommen.

2010: Nachdem meine Stelle aus finanziellen Gründen gestrichen werden musste, schrieb ich 100 Bewerbungen, weil ich gerne in der gleichen Stadt bleiben wollte, blieb jedoch erfolglos.

2012: Umzug in eine Großstadt, überraschend schnell erhielt ich nach 50 Bewerbungen eine Stelle.

2013: Zum ersten Mal Bewerbung aus einer Festanstellung heraus, nach 25 Bewerbungen klappte es.

2015: Umzug nach Hamburg, weil mein Mann hier ein attraktives Angebot erhielt, ich kündigte also und begann mich wieder einmal zu bewerben. Meine detaillierte Bilanz zu dieser Bewerbungsphase kann man hier nachschauen, hier traf ich nach 30 Bewerbungen die Entscheidung für eine Stelle.

Insgesamt also ca. 255 Bewerbungen geschrieben und so einige Vorstellungsgespräche geführt. Für die visuellen unter uns, anbei noch die Grafik:

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Die letzte Phase fand ich am allerschlimmsten. Besonders, weil ich schon Berufserfahrung hatte und es trotzdem länger dauerte als geplant. Ich schrieb also Tagebuch. Zusätzlich zum Blog. Und schrieb folgenden Eintrag (gekürzt und anonymisiert):

„Da kommt sie also. Die fünfte Absage nach dem fünften Vorstellungsgespräch. Wie leicht fängt man an, an sich selbst zu zweifeln. Wie leicht ist es sich zu fragen, ob man zu hohe Ansprüche hat, ob man sich vielleicht doch mit weniger zufriedengeben sollte.

Irgendwie habe ich immer Pech. Das erste Vorstellungsgespräch, das zweieinhalb Stunden gedauert hat, ist ein so klassisches Beispiel. Woran ist es schlussendlich gescheitert? Laut Aussagen der Dame, die mich interviewt hat und die meine direkte Chefin gewesen wäre, lag es weder an mir noch an ihr. Sie hätte mich eingestellt. Sie hätte mich genommen. Ich war bis zum Schluss ihre Lieblingskandidatin. Aber dann wurde von oben entschieden, dass lieber jemand intern die Stelle besetzten sollte. Lieber bleibt man unter sich und zieht sich selbst den Nachwuchs hoch. Die Person, die diese Entscheidung gefällt hat, hat mich nie gesehen, vielleicht hat sie auch nicht einmal meinen Lebenslauf angeschaut. Aber sie hat entschieden, dass ich eine Absage erhalte.

Oder dann Gespräch Nr. 2. Das kann ich bis jetzt nicht so richtig einordnen. Eigentlich hatte ich gedacht, dass es ziemlich gut gelaufen ist. Es gab zwar auch dort einige Warnsignale, wie zum Beispiel, dass ein Gesprächspartner partout das Gespräch auf Deutsch führen wollte, obwohl er kaum deutsch konnte und sich dann schnell vom anderen Kollegen zwischendurch im Hausruckverfahren alles übersetzen lassen musste. Dann doch gleich auf Englisch, das alle Beteiligten fließend und verhandlungssicher beherrschten. Ein wenig hatte ich das Gefühl das Vorstellungsgespräch wurde zum Deutschunterricht missbraucht, mich vorstellen konnte ich kaum, wir wurden ständig unterbrochen. Auch konnte ich nur einseitig den Gesprächspartner fragen, der deutsch sprach. Es besserte sich erst als wir nach der Hälfte endlich auf Englisch umschwenkten.

Gespräch Nr. 3 lief super, bis wir zum Thema Gehalt kamen. Noch mal eine Gehaltsverschlechterung wollte und konnte ich nicht hinnehmen. Ich sagte also ab. Und da hätte ich mir gewünscht, dass das Unternehmen bereits in der Stellenausschreibung oder gar vor Einladung eine Gehaltsspanne genannt hätte, dann hätten wir uns den ganzen Stress sparen können. Schade.

Gespräch Nr. 4 ähnlich, an der Reaktion, als man partout keine Zahl rausrücken wollte, sondern unbedingt von mir mein Gehalt wissen wollte, sah man direkt, dass ich zu hoch gegriffen hatte. Dumm gelaufen. Viel Lärm um nichts.

Gespräch Nr. 5 schoss dann den Vogel ab. Es begann mit ganz unsubtilen Fangfragen, die mit dem Satz eingeleitet wurden „Diese Frage müssen Sie mir nicht beantworten, aber…“. Ja, genau, so geht man mit potenziellen neuen Mitarbeitern um, man horcht sie gleich zu Beginn aus zu Thema Familienplanung etc. und lässt durchblicken, dass man sich durchaus bewusst ist, dass man sich im Graubereich bewegt. So lerne ich doch meinen zukünftigen Arbeitgeber gerne kennen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und dann diese seltsame Vorgehensweise zum Ende des Gesprächs. Kaum hatte ich mich von den Fangfragen erholt, bat man mich fünf Minuten vor die Tür zu gehen, man besprach sich kurz und machte mir anschließend ein Jobangebot. An sich ja schön, wenn Entscheidungen so schnell gefällt werden, aber leider hatte die Sache einen Haken, ich „durfte“ genau eine Nacht über das Angebot nachdenken. Als ich am Folgetag anrief und sagte, ich würde gerne ein weiteres Gespräch abwarten, kam knallhart die Absage. Offensichtlich war man also doch nicht so begeistert von mir wie man beim Angebot tat, sondern wollte mich nur nehmen, weil ich gleich einen Tag später anfangen konnte.

Bin ich irgendwie komisch? Werde ich vom Pech verfolgt? Warum passieren nur mir solche Sachen? Immerhin wurde ich schon fünf Mal eingeladen und dann? Fünf Mal absoluter Mist in zig Variationen. Fünf Mal für die Katz. Toll, wirklich toll…“

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Doch dann, nach all den komischen Gesprächen, nach dem ganzen Drama und Chaos kam über Umwegen endlich das attraktive Angebot. Als ich schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte. Und darauf will ich mit diesem Beitrag hinaus. Es gibt sie doch, die netten Arbeitgeber, die Geisteswissenschaftler nehmen. Die einem zutrauen, dass man sich in Fachthemen einarbeiten kann. Es gibt sie doch, die Unternehmen, die nicht für jede Stelle erneut Bewerber bittstellen lassen, sondern für ähnliche Positionen die alten Stapel durchgehen, weil es neben der einen Person, die die Stelle erhielt, andere gibt, die ähnlich gut waren. Ich hätte es damals auch nicht geglaubt. Knapp eine Woche nachdem ich den Tagebucheintrag schrieb, rief mich mein jetziger Arbeitgeber an. Nach zwei Gesprächen und einem Test wurde ich genommen und bin jetzt nach anderthalb Jahren immer noch gerne dabei und finde weiterhin, dass mein Arbeitgeber mir sehr viel bietet. Gib nicht auf, der lange Atmen macht es!

100. Beitrag: Was mache ich eigentlich den lieben langen Tag?

Heute ist es soweit. Dies ist mein 100. Beitrag nach gut anderthalb Jahren Blog. Ob das viel ist oder wenig, das ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal, was ihr da denkt. Ich persönlich bin stolz. Ich habe lange gewartet bis ich mit dem Bloggen angefangen habe. Ich wollte nicht etwas anfangen, was ich dann nicht zu Ende bringe. Das find ich ganz schlimm, so verwaiste Blogs, wo einige Zeit etwas passiert und auf einmal ist es still, ganz ganz still und man fragt sich, ob der Blogger selbst zu Tode gekommen ist, weil der Blogtod so plötzlich kam. Ich habe übrigens einen Blogtod erlebt, weil der Blogger einen Tumor hatte und seine letzten Lebensmonate im Blog festgehalten hat. Bis heute berührt mich der Blog „Ungebetener Gast“ sehr, der letzte Beitrag wurde von den Eltern geschrieben, dass der Blogger nicht mehr ist und es deshalb keine weiteren Beiträge geben wird.

Aber ich schweife ab. Mein 100. Beitrag, das habe ich für mich beschlossen, soll ein besonderer Beitrag sein. Deswegen habe ich auch etwas gewartet bis ich hiermit um die Ecke komme. Weil es ein Thema ist, das mich schon länger bewegt. Das ich in vielen Gesprächen diskutiert habe und neulich dann auch mal auf Facebook zur Sprache gebracht habe. Den Fakt, dass wir so wenig Bilder von unserer Arbeit auf Facebook, Instagramm und wie sie alle heißen, zeigen, dass wir kaum wissen was selbst enge Freunde von uns den lieben langen Tag machen und dass wir selbst in Erklärungsnot kommen, wenn wir erklären sollen, woran wir arbeiten. Da geht es nicht nur darum zu erklären, was wir beruflich machen, sondern auch um die Frage, was wir, sagen wir mal, heute um 9:38 Uhr bis 10:38 Uhr gemacht haben. Da war ich im Büro, da war mein Rechner an, da habe ich telefoniert und E-Mails geschrieben. Ja, genau, aber was heißt das eigentlich? Machen das nicht irgendwie alle, die morgens zur Arbeit juckeln und abends wieder zurück? Rein äußerlich ist unsere Arbeit vielleicht relativ ähnlich, aber was wir inhaltlich machen, wenn wir nicht gerade ein Werk produzieren oder irgendwie anders etwas erschaffen, tja, da klaffen die Welten dann komplett auseinander. Und deshalb habe ich beschlossen einen ganz winzigen kleinen Einblick in meine Welt zu geben. In die Welt von Mitarbeiterentsendungen oder internationaler HR-Arbeit.

Wir machen jetzt also den Lupenblick auf meine Arbeit, wir tauchen ganz tief ein. Thema: Visum und Arbeitserlaubnis. Ajit Bandi ist ein fiktiver Mitarbeiter meiner Firma in Indien, er soll in zwei Monaten nach Hamburg zur Zentrale entsendet werden für die Dauer von drei Jahren. Ajit hat Familie, Frau und Kind werden für die drei Jahre mitkommen. Und nun soll ich mich kümmern, dass Familie Bandi eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland bekommt und Ajit eine Arbeitserlaubnis. Ich könnte zwar einen Dienstleister einsetzen, der das für mich macht, aber da ich selbst bereits Erfahrung habe eine Arbeitserlaubnis einzuholen und vorher als Dienstleister in dem Bereich gearbeitet habe, mache ich es also selbst.

Ich schreibe also Ajit an und erkläre ihm, dass ich ihn beim Visumsprozess unterstützen werde. Ich bitte ihn, dass er mir als Scan/Dokument seinen Lebenslauf, seinen höchsten Universitätsabschluss und seinen Pass zuschickt, für die Frau brauche ich neben dem Pass die Heiratsurkunde und für das Kind die Geburtsurkunde. Ich bereite ihn außerdem in der E-Mail darauf vor, dass er in Mumbai zur deutschen Botschaft gehen muss und bitte ihn gleichzeitig online einen Termin bei der Botschaft zu vereinbaren. Zeitgleich recherchiere ich auf der Seite der deutschen Botschaft in Mumbai welche Dokumente vorgelegt werden müssen (das ändert sich immer wieder mal), wenn man eine Arbeitserlaubnis erhalten möchte und schaue auch bei der sogenannten Zentralen Auslands- und Fachvermittlung, quasi die Unterabteilung der Agentur für Arbeit, die den lieben langen Tag entscheidet welche Ausländer in welcher Form in Deutschland arbeiten dürfen, ob es Änderungen gibt und was ich eventuell zu beachten habe. Dann schreibe ich wieder Ajit an und gebe ihm eine Checkliste mit, was er alles bei seinem Botschaftsbesuch vorzulegen hat und beantrage bei der Agentur eine sogenannte „Zustimmung“, dass Ajit in Deutschland in unserer Firma arbeiten darf.

Ich telefoniere, ganz viel. Mit der deutschen Botschaft in Mumbai, wenn die plötzlich andere Dokumente verlangt oder wenn ich wissen will, was der Stand ist, mit Ajit, wenn er ganz aufgeregt ist, je näher sein Termin bei der deutschen Botschaft rückt, mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung, die manchmal die sonderbarsten Unterlagen erhalten möchte oder wenn ich beim Sachbearbeiter wissen will, ob es eventuell Probleme geben könnte, weil Ajits Universitätsabschluss nicht in Deutschland anerkannt ist.

Meine Kollegen wissen schon, dass ich mich immer freue, wenn ich Post von der Agentur für Arbeit erhalte und die erlösenden Worte „Hiermit erteilen wir die Zustimmung…“ zu lesen sind. Dann mache ich einen kleinen Freudentanz und gieße mir als Ritual eine Tasse schönen Tee auf. Damit ist eine Hürde geschafft. Viele wissen nicht, dass nicht nur die Botschaften im Ausland darüber entscheiden können, ob jemand ein Visum erhält oder nicht, sondern dass auch die Agentur für Arbeit entscheiden muss, ob jemand in Deutschland arbeiten darf oder nicht. Und wenn jemand hier nicht arbeiten kann, können auch die Familienangehörigen nicht her. So einfach ist das. Deshalb ist die Zustimmung so wichtig und muss im Original beim Termin bei der deutschen Botschaft vorgelegt werden. Die dann übrigens immer noch entscheiden kann, dass sie die Aufenthaltserlaubnis trotzdem nicht erteilen möchte.

Und deshalb gibt es noch einen zweiten Freudentanz, wenn der Termin bei der Botschaft reibungslos verläuft und die Botschaft keine weiteren Dokumente verlangt. Und den dritten und letzten Freudentanz führe ich vor, wenn dann der zukünftige Mitarbeiter brav das Einreisevisum abfotografiert und mir zuschickt, nachdem die Botschaft mitgeteilt hat, dass das Visum abgeholt werden kann. Dann kann ich ruhig schlafen, auch wenn ich erst ganz beruhigt bin, wenn Familie Bandi direkt in Hamburg gelandet ist. Denn auch am Flughafen kann es nochmal Schwierigkeiten geben, auch am Flughafen haben die Beamten die Möglichkeit Leute zurückzuschicken oder Dokumente zu verlangen. Ist alles schon vorgekommen.

Deshalb instruiere ich Ajit auch neben den gewünschten Dokumenten noch weitere Dokumente dabei zu haben, wenn er sich auf den Weg zur Botschaft macht. Deswegen instruiere ich ihn auch neben Arbeitsvertrag, Einreisevisum und anderen Belegen noch Dokument X und Y dabei zu haben, wenn er in Frankfurt landet. Bisher haben alle Mitarbeiter, die ich betreut habe, ein Visum erhalten und haben es nach Hamburg geschafft, aber ja, wir hatten durchaus welche, die am Flughafen aufgehalten wurden, auch das Einwohnermeldeamt hat sich quer gestellt oder eine Botschaft wollte ein Dokument haben, dass ich hätte höchstens in einem halben Jahr hätte auftreiben können, weil die Behörde so unglaublich langsam ist. Ich gehe lieber auf Nummer sicher. Lieber stelle ich als Arbeitgeber zu viele Bescheinigungen aus als zu wenig.

Wenn man mich also betrachtet, wenn ich am Telefon hänge, dann wird man mich also entweder zähneknirschend freundlich flötend vorfinden, weil ich nun mal etwas von der Agentur oder der Botschaft möchte und es mir deshalb nicht mit diesen Behörden verscherzen sollte. Vielleicht schnacke ich auch mit Ajit, strahle meine Kollegen an, weil er gerade bei der Botschaft war und die keine Sonderwünsche hatten, vielleicht bin ich wild gestikulierend dabei einem Flugzeugbeamten zu versichern, dass meine Firma wirklich existiert und der Mitarbeiter auf jeden Fall nach deutschen Vorschriften krankenversichert sein wird.

Vielleicht hacke ich auch laut auf meinen Computer ein, weil ich mit Paragraphen um mich werfe und der Botschaft deutlich machen will, dass laut deutscher Beschäftigungsverordnung genau das gewünschte Dokument nicht vonnöten ist, vielleicht bitte ich händeringend Ajit zum dritten Mal endlich, endlich den Termin bei der Botschaft zu machen, weil die Monate im Voraus ausgebucht sind und jeder Tag warten uns Zeit kostet. Vielleicht bereite ich auch gerade Unterlagen vor, die ich zwecks Zustimmung vorzulegen habe und haue viele Stempel und noch mehr Unterschriften auf diverse Dokumente, bevor ich ganz ernsthaft die E-Mail überprüfe, ob ich auch nichts vergessen habe.

Ich habe leider nicht wie z.B. die Bloggerin Carina so tolle Werke vorzuweisen, Wortskizzen nennt sie sie, die sie in einem Projekt jeden Tag für ein Jahr produziert hat. Mein Werk ist nach einigen Wochen die Arbeits- und Aufenthalserlaubnis. Diese Kärtchen, die aussehen wie EC-Karten und die mich einige Stunden Arbeit und viele Sorgewolken kosten.

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Vielleicht bin ich albern, aber wenn Ajit irgendwann in meinem Büro auftaucht, bitte ich ihn mir sein Kärtchen zu zeigen. Das bestaune ich dann ganz ehrfürchtig. Das sind die Früchte meiner Arbeit. Dann gebe ich das Kärtchen Ajit wieder zurück, vielleicht scanne ich es doch nochmal zur Sicherheit, mache mir eine Notiz, wann sie abläuft, damit ich mich dann um alles weitere kümmern kann. Ich lasse mir dann nochmal berichten wie der Botschaftsbesuch war und ob es irgendwelche Schwierigkeiten am Flughafen gab. Ich freue mich, dass es geklappt hat und Ajit Bandi lebend vor mir steht und nicht des Landes verwiesen wurde. Bevor ich gedanklich bei der fiktiven Sarah Ng lande, die nächste Mitarbeiterin aus Singapur, die in einigen Monaten nach Deutschland kommen und ich den Visumsantrag stellen soll. Da gibt es aber ein Problem, sie hat keinen Universitätsabschluss, der in Deutschland anerkannt ist…

Studieren oder nicht studieren?

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Ich finde es extrem spannend immer wieder hier bei WordPress zu analysieren wie man meinen Blog gefunden hat und wer sich überhaupt für das Thema interessiert. Interessanterweise wird mein Blog am meisten per Suchmaschine gefunden. Mein Beitrag mit der langen Überschrift „Was denn nun, Freiberufler, freier Mitarbeiter, Freelancer, Honorarkraft, selbstständig?“ ist weiterhin Spitzenreiter.

Seit ich jedoch vor kurzem den Beitrag „Warum ich mein abgebrochenes Studium nicht bereue“ veröffentlicht habe, bemerke ich, dass dieses Thema sehr viele zu beschäftigen scheint. Suchanfragen lauten „Werde ich bereuen, wenn ich nicht studiere?“ oder „Studium abgebrochen froh“. Ob man studieren sollte oder nicht, lässt sich pauschal nicht beantworten. Sorry. Ich will hier nur einige Gedanken weitergeben, die aus meiner persönlichen Erfahrung erwachsen und dementsprechend subjektiv sind.

  1. Mir wäre als Abiturientin nie der Gedanke gekommen nicht zu studieren. Für mich war es immer sonnenklar, dass ich studieren würde. Wenn ich ehrlich bin, lag das auch daran, dass ich einfach nicht wusste, was ich wollte, dass ich mich für so vieles interessierte und mich nicht festlegen wollte. Ausbildung? Das klang öde, das klang nach schlechter Bezahlung und noch schlechterer beruflicher Perspektive in zehn Jahren. Nein, ich wollte lieber jetzt länger in eine universitäre Ausbildung investieren und später dann finanziell dafür belohnt werden. Es ist nun schon ein paar Jährchen her, dass ich Abitur gemacht habe, um genau zu sein 14 und wenn ich hier so schwarz auf weiß lese, wie ich begründet habe, warum ich studieren wollte, dann muss ich irgendwie müde lächeln. Denn leider beobachte ich jetzt, dass es nicht unbedingt in jedem Fall finanzielle Sicherheit bedeutet, wenn man studiert. Natürlich hängt das auch davon ab, was man studiert. Ein Mediziner wird wohl weiterhin gut bezahlt werden, ein Lehrer hat je nach Bundesland die Chance verbeamtet zu werden, aber ich entschied mich zunächst für ein Musikstudium, dass ich dann abbrach (siehe oben genannter Beitrag) und ein anschließendes geisteswissenschaftliches Studium. Je mehr ich mich in der Personalabteilung mit meinen Kollegen austausche, die das Recruiting übernehmen und je mehr ich mitbekomme wie berufliche Werdegänge aussehen, desto mehr habe ich aber auch den Eindruck, dass auch z.B. BWL nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist. Es ist schon lange nicht mehr so, dass ein Studium in jedem Fall eine Investition ist, die sich später auszahlt. Ich habe eher den gegenteiligen Eindruck, dass eine Ausbildung eine Investition ist, die sich lohnt. Nur zu studieren, damit man hinterher finanziell besser steht, sollte man also nicht.
  2. Meine Kollegin, die den Nachwuchs in der Personalabteilung betreut, klagt, dass es sehr schwierig ist gute Azubis zu finden, in einigen Fällen scheint es ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Das liegt daran, dass mittlerweile auch bei Azubis vorausgesetzt wird, dass sie Abitur haben, Abiturienten sich aber zu schade sind eine Ausbildung zu machen und wir grundsätzlich in Deutschland den Trend zu einem höherwertigen Schulabschluss und entsprechendem Studium sehen, z.B. hier. Diese Akademisierung der kaufmännischen Berufe und mittlerweile auch des Handwerks und der technischen Berufe löst diesen Teufelskreis aus, aus dem wir sehr schwer herauskommen werden, wenn diese Berufsfelder weiterhin schlecht von Abiturienten bewertet werden und Unternehmen gleichzeitig immer höhere Erwartungen an Azubis haben. Wenn die Option Ausbildung besonders bei Gymnasiasten völlig unter den Tisch fällt, wenn man nicht einmal den Gedanken zulässt eine Ausbildung als Möglichkeit zu sehen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn es Fachkräftemangel gibt. Ich hätte damals zumindest darüber nachdenken sollen, ob es eventuell eine Option hätte sein können.
  3. Die oben genannten Überlegungen haben mich 2015 dazu bewogen mir ernsthaft Gedanken zu machen, ob ich nicht vielleicht doch, nach bereits einigen Jahren zurückliegendem und erfolgreichem Studienabschluss, noch eine Ausbildung zu machen. Weil anscheinend alle sich zu schade sind Sachbearbeiter zu werden (übrigens ein weiterer Suchbegriff, der sehr oft im Zusammenhang mit dem Wort „langweilig“ bei den Suchanfragen in meinem Blog auftaucht und wohl auf diesen Beitrag „Das böse Wort Sachbearbeiter“ zurückzuführen ist). Am Ende musste ich diesen Gedanken nicht weiter konkretisieren, weil ich dann doch über Umwegen eine Stelle erhielt. Aber als ich immer wieder und wieder in Stellenbeschreibungen, die mich interessierten, die Anforderung sah „kaufmännische Ausbildung“, begann ich zu überlegen, ob ein IHK-Abschluss evtl. doch die bessere Option gewesen wäre statt Studium. In diesem Fall haben mir die Anforderungen in Stellenbeschreibungen die Augen geöffnet, dass ein Studium vielleicht doch nicht alles ist.
  4. Kein Studium der Welt bereitet einen trotz Bologna-Prozess und Bachelor und Master wirklich und ernsthaft auf das Berufsleben vor. Sich das vorzumachen, ist schlicht Illusion. Deutschland ist leider ein Land, dass das noch überhaupt nicht verstanden hat. Da muss man möglichst genau in der Richtung, die einen beruflich interessiert, möglichst viele Abschlüsse haben. Hat man etwas abgebrochen oder gar keinen Abschluss, sieht es ganz schlecht aus. Ich hatte mal überlegt den berühmt berüchtigten Master of Business Administration (MBA) zu machen. Weil ich ja offensichtlich diesen Abschluss brauchte, um in den von mir favorisierten Berufsfeldern Fuß zu fassen. Weder Fernuniversität Hagen oder sonstige deutsche Institutionen waren bereit mich aufzunehmen, obwohl ich bereits ein fünfjähriges Studium mit Bravour abgeschlossen hatte. Ich will nicht pauschal sagen, dass alle deutschen Institutionen mich abgelehnt hätten, irgendwann zählt dann auch in Deutschland, man höre und staune, die Berufserfahrung. Aber als Geisteswissenschaftler hätte ich bei den meisten erst einmal ein Bachelorstudium in der wirtschaftswissenschaftlichen Richtung absolvieren müssen, bevor der Master in Frage kam. Ironischerweise hätte mich eine Universität in UK genommen, denen war egal, was ich studiert hatte. Da war nur wichtig, dass ich studiert hatte. Aber davon mal abgesehen, ein Studium ist in den wenigsten Fällen wirkliche Berufsvorbereitung. Das soll es auch nicht unbedingt. Dieser Fakt war mir jedoch, als ich mich immatrikulierte, wenig bewusst. Abgesehen von Lehrern und Ärzten ist selbst bei einem Fach wie Jura nicht unbedingt klar wohin die Reise gehen wird.

Die oben genannten Punkte lassen vermuten, dass ich jedem raten würde nicht zu studieren. Aber dem ist nicht so. Vielmehr sollte sich jeder, der studieren will, überlegen, was er/sie den oben genannten Punkten entgegenzusetzen hat. Es gibt natürlich auch viele Gründe, die für ein Studium sprechen.

  1. Ein Studium bietet sich immer dann an, wenn man tiefer einsteigen möchte. Mir hat das Studium sehr viel Spaß gemacht, auch wenn die Zeit der Magisterarbeit sehr stressig war, so habe ich gerne wissenschaftlich geschrieben (schreiben ist sowieso etwas, was ich gerne mache). Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich auch kein Problem damit gehabt zu promovieren. Zu dem Zeitpunkt war ich jedoch schon desillusioniert genug, lieber nicht eine akademische Laufbahn einzuschlagen, sondern stattdessen mein Glück in der freien Wirtschaft zu versuchen.
  2. Ein Studium kann, wenn richtig umgesetzt, der Schlüssel für den späteren Berufseinstieg sein. Natürlich wird oft ein Studium bei einer Stellenbeschreibung vorausgesetzt und es wird ständig in der Presse breitgetreten, dass Akademiker die geringste Arbeitslosigkeitsquote haben. Auch wenn ich manchmal darüber traurig bin, dass ich so wenig von meinem Studiumsfachwissen jetzt im Berufsleben umsetze, so habe ich definitiv viele Dinge während des Studiums gelernt: mich selbst zu organisieren, mich schnell in unbekannte Themenfelder einzuarbeiten, Themen für andere verständlich aufzubereiten, mir einen Überblick zu verschaffen, kritisch zu hinterfragen und zu diskutieren und nicht gleich alles als bare Münze anzunehmen. So simpel es klingt, aber mit Studium hat man einen hochqualifizierten Abschluss. Das bedeutet nicht, dass einem automatisch die Türen offengehalten werden, aber dieser hohe Abschluss ist oft Voraussetzung, um eine Stelle antreten zu können.
  3. Zu studieren bedeutet gleichzeitig auch zu lernen. Damit meine ich nicht unbedingt das stupide Büffeln vor einer Klausur. Ich meine damit, dass man gezwungen wird sich mit Themen auseinanderzusetzen, mit denen man sich von selbst nicht unbedingt in der Form auseinandergesetzt hätte und sie vielleicht so intensiv bearbeitet, dass man sie sogar spannend findet. Niemand meiner Generation oder jünger wird je einen Job länger als 25 Jahre haben. Da bin ich fest überzeugt von. Was unsere Eltern und Großeltern erlebt haben, ist Vergangenheit. Wir werden nicht unser Leben lang immer ins gleiche Büro fahren und immer die gleichen Tätigkeiten ausüben, da bin ich mir sicher. Wir alle müssen ständig Neues lernen, egal, ob neue Software oder neue Themen, neue Prozesse oder aber der Umgang mit dem neuen Chef oder Abteilungsleister. Bisher habe ich noch keinen einzigen meiner Generation getroffen, der/die mehr als zehn Jahre lang beim gleichen Arbeitgeber war. Immer gibt es Bewegung, wir sind viel stärker gefordert als früher mobil zu sein, nicht nur räumlich und zeitlich, sondern auch inhaltlich. Dafür ist ein Studium gut. Zumindest so wie ich es erlebt habe. Es zwingt uns dazu unsere Neugier wach zu halten und immer wieder Veränderung anzunehmen und das Lernen zu lernen. Ich weiß nicht inwieweit das in den angeblich verschulten Bachelors und Masters immer noch der Fall ist, aber wie man nachhaltig und insbesondere selbstorganisiert und strukturiert lernt und Dinge behält, habe ich deutlich besser im Studium erlernt als in der Schule.
  4. Ein Studium gibt einem viel stärker als eine Ausbildung die Möglichkeit zu schnuppern und durchaus mal in verschiedene Richtungen zu gehen. Durch Wahlpflichtfächer, Ringvorlesungen, freiwillige Besuche von fachfremden Vorlesungen oder sonstigen anderen Angeboten an der Uni kann man sich verschieden orientieren. Man kann ganz langsam prüfen, ob das Berufsfeld etwas für einen ist, man kann langsam einsteigen. Ich verstehe durchaus, wenn mir ein 16-jähriger sagt, dass er/sie noch gar nicht weiß wohin die Reise geht. Ich wusste es noch nicht mal mit 30, nachdem ich bereits drei Jahre meinen Studienabschluss in der Tasche hatte. Mich haben schon zu Schulzeiten Mitschüler verunsichert, die ganz klar definiert ihr Berufsfeld in die Welt hinausposaunten. Davon gab es zwar nicht viele, aber einige schienen sich sicher. Aber gerade diese Mitschüler sattelten dann doch um. Eine, die immer Apothekerin werden wollte, machte nach der Ausbildung dann doch per zweitem Bildungsweg ein Studium, eine andere setzte einen anderen Master drauf, ein anderer wurde doch nicht glücklich als Polizist und arbeitet nun in der Beratung.

Wie schon zu Beginn gesagt, es gibt keine einfache Entscheidung, ein Studium ist nicht immer richtig, ein Studium gibt einem nicht automatisch mehr finanzielle Sicherheit, doch gleichzeitig ist ein Studium für viele, viele Stellen mittlerweile Voraussetzung und kann einem helfen verschiedene Optionen für sich zu prüfen und auf einer ganz anderen Metaebene Fähigkeiten zu erwerben, die einem im späteren Berufsleben nützlich sind.

Wie immer freue ich mich über Kommentare, eigene Erfahrungen und Diskussionswillige!

Die Hoffnung stirbt zuletzt

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Auch wenn ich in der Personalabteilung arbeite, habe ich leider selten das Vergnügen den Einstellungsprozess mitzuerleben. Dazu arbeite ich in einem zu spezifischen Spezialbereich, den ich mal hier genauer erklärt habe. Meine Personalabteilung ist sehr groß, wir sind mehr als 30 Leute und entsprechend übernehmen es andere, die Bewerbungsgespräche zu terminieren und zu führen.

Jetzt ergab sich aber endlich die Chance, ich durfte also miterleben wie zunächst die Stellenausschreibung nach heißen Diskussionen online ging, wie die Bewerbungen langsam reintrudelten, gesichtet wurden, Telefon-, Videointerviews und Gespräche stattfanden und langsam einige wenige übrigblieben. Auch wenn ich erst sehr spät eingebunden wurde und erst an Zweit- oder Drittgesprächen teilnahm und noch viel später meine Meinung dazu abgeben durfte, ob die Person eingestellt werden sollte oder nicht, ein wenig habe ich erahnen dürfen wie unglaublich schwierig es ist in so einer kurzen Zeitspanne jemanden auszuwählen. In meinem ersten Beitrag habe ich mal darüber sinniert wie künstlich dieser ganze Bewerbungsprozess ist und wie sehr es einem einstudierten Balztanz ähnelt, den wir nie mehr in der Form aufführen werden.

Aber Balztanz hin oder her, es gibt Hoffnung. Das habe ich diesmal live miterleben können. Es besteht die Möglichkeit statt Balztanz einen Breakdance hinzulegen, die Rituale kann man manchmal doch noch abändern, für sich zu Vorteil nutzen. Denn in diesem Fall hat man einer Quereinsteigerin eine Chance gegeben. Und wenn ich ganz subjektiv urteilen darf, gab es diese Gründe, warum man sich für sie entschied:

  • Ehrlichkeit: Sie stand ganz klar zu ihren Lücken im Fachwissen. Natürlich war auch schon in ihrem Lebenslauf ersichtlich gewesen wo es hapert, aber sie versuchte es auch nicht zu vertuschen, sie stand schlicht dazu.
  • Der Wunsch die Branche zu wechseln wurde klar und einsichtig begründet. Jeder Quereinsteiger wird an irgendeiner Stelle im Vorstellungsgespräch gefragt werden wieso man wechseln möchte. Normalerweise hat auch jeder Quereinsteiger sich dazu ausgiebig Gedanken gemacht. Soweit so gut. Aber der große Unterschied zeigt sich dann, wenn gefragt wird, was genau die Person sich von der Position erhofft und was sie meint ihre Aufgaben sein werden. Sie hatte sich genau informiert, das merkte man sofort. Sie hatte sich klar Gedanken gemacht, sie wusste wo sie sich ganz reinhängen musste, was ihr leichter von der Hand gehen würde. Ihr spürte man es ab, sie hatte Leidenschaft für das Thema, sie war begeistert. Meist scheitert es entweder daran, dass Quereinsteiger nicht genau wissen, auf was sie sich einlassen, reden sehr diffus davon, was sie sich vorstellen oder aber sie zeigen zu wenig Motivation für das unbekannte Neue. Da wird gewechselt, weil der Chef scheiße war oder weil aus anderen Gründen die Langeweile oder der pure Stress aufkam. Ganz schlechte Karten im Gespräch.
  • Es mag nach einer Binsenweisheit klingen, aber sie passte ins Team. Ich habe das große Glück in einer Firma arbeiten zu dürfen, die Quereinsteigern, Geisteswissenschaftlern oder sonstigen Fachfremdem zugesteht, dass sie lernen können und wollen. Das ist leider nicht in jeder Firma der Fall. Zu sehr ist es ein Markt mit zu viel Angebot, sodass viele Firmen lieber auf Nummer sicher gehen, als dass sie einen Quereinsteiger nehmen. Aber ob jemand im Team harmoniert, ob jemand von der Firmenkultur passt, ob jemand mit den Schrullen und Kanten der vorhandenen Personen zurechtkommen wird, das ist etwas, wo unsere Personalabteilung zum Glück ganz genau drauf achtet. Denn es ist die halbe Miete. Wissen kann man sich aneignen, Prozesse erlernen, sich einarbeiten. Das alles ist machbar. Aber ob jemand im Team zurechtkommt, ob jemand hineinpasst in das vorhandene Puzzle an Mitarbeitern, das ist etwas, was man nicht erzwingen kann. Deshalb wird oft als letzte Instanz auch ein Gespräch im Team mit der Person geführt. Meist ist es etwas kürzer, die verschiedenen Teammitglieder stellen sich vor und erklären ihre eigenen Aufgaben als auch, wie die zukünftige Mitarbeiterin sich in allem einfügt und was ihre Rolle bisher war und sein soll. Jedes Mal habe ich bisher von den Bewerbern gehört, dass sie es unglaublich bereichernd fanden, dass das Team auch eingeladen wurde, dass man sich gegenseitig beschnuppert. Warum dies anscheinend bisher noch so selten in der Praxis umgesetzt wird, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Denn mit diesen Teammitgliedern wird der potenzielle neue Mitarbeiter einen Großteil seiner Lebenszeit verbringen. Da sollte man nicht gleich ablehnende Gefühle im Gespräch entwickeln oder gleich von vorne herein ein schlechtes Bauchgefühl haben. Da ist Chaos, Ärger, Frust und Krach vorprogrammiert, wodurch dann automatisch die Arbeit drunter leidet. Deshalb lernte das Team sie also auch kennen und anschließend wurde das Team befragt, ob sie sich vorstellen könnten mit ihr zusammenzuarbeiten. Die einhellige Antwort lautete ja, obwohl der Fakt, dass sie Quereinsteigerin ist, für einige Teammitglieder bedeutet, dass sie mehr Arbeit haben werden, um sie entsprechend in alle Thematiken einzuführen.

Es besteht also Hoffnung, auch für Quereinsteiger. Dass man nach tausendfachen Absagen doch eine Zusage erhält. Ich weiß, das sagt sich immer so leicht. Aber es ist möglich. Bereite dich entsprechend vor, triff dich mit Leuten aus deiner Wunschbranche, frage sie Löcher in den Bauch. Ich habe hier mal erklärt wie ich das sogar mit ganz unbekannten Leuten per Xing ausprobiert habe und darüber sogar eine Stelle bekam. Gleiche deine Wunschvorstellung mit der Realität ab bevor du dich gezielt auf Stellen bewirbst. Wer weiß, vielleicht stößt du auch auf so viel Begeisterung wie diese Bewerberin, die qualifizierte Fachkräfte ausstach.