Challenge geschafft

Die 14 Tage sind rum. 14 Tage lang habe ich mich in Dankbarkeit geübt. Insbesondere im Job. Dazu gab es jeden Tag eine Frage, die ich versucht habe im Laufe des Tages immer wieder zu bedenken und am Ende zu beantworten. Zum Beispiel welche Aufgaben mir bei der Arbeit Spaß machen oder wer mein Lieblingskollege ist. An manchen Tagen hat das besser geklappt als an anderen. Manchmal war die Frage sehr schnell und leicht zu beantworten und manchmal habe ich mich schwer getan. Zu einigen Fragen werde ich hier vielleicht ausführlicher antworten, aber heute will ich ein Gesamtfazit geben. Und das lautet: Dankbar zu sein ist anstrengender als gedacht, aber es lohnt sich.

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Ein wenig hat es mich schon erschreckt, dass ich manchmal so gar keine Lust hatte dankbar zu sein. Es ist viel einfacher alles schrecklich zu finden und zu meckern. Bewusst seine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, auf die positiven Dinge zu achten, das ist anstrengend. Aber gleichzeitig war ich auch positiv überrascht wie sehr meine dankbare Einstellung einen Einfluss auf den gesamten Tag hatte. Vieles ging mir leichter von der Hand, blöde Telefonate steckte ich einfacher weg, langweilige Aufgaben waren nicht ganz so übel. Ja, dankbar zu sein ist definitiv Arbeit, aber sie lohnt sich.

Unsere Gedanken sind viel machtvoller als ich gedacht habe. Wenn man versucht sie zu ändern, in andere Bahnen zu lenken, fällt einem erst auf wie schwer es ist die eingetretenen Wege zu verlassen. Zwar hat jeder von uns schon mal gehört, dass unsere Gedanken der Ursprung für unser Handeln sind, aber wenn man bewusst seine Gedanken lenkt, dann erst fällt es einem wirklich auf wie wichtig sie sind und wie sehr wir sorgsam auf sie achten sollten. So ging es zumindest mir.

Das bestätigte sich besonders gestern. Beim Joggen begegnete ich wieder der weithin berüchtigten alten Dame, die mit Gehstock und Hund öfter in der Schrebergärtenanlage zeitgleich mit mir unterwegs ist. Diese Dame hat eindeutig etwas gegen Läufer. Einmal schrie sie, dass Jogger eine Plage sind und fuchtelte gefährlich nah mit ihrem Gehstock bei meinen Beinen herum, gestern murmelte sie die ganze Zeit: „Furchtbar, furchtbar!“, als ich an ihr vorbeilief. Dass sie den Nachbarn bekannt ist, zeigte sich auch, als sich einmal zwei Jungs auf Skateboarden lautstark unterhielten, dass man in ihrer Nähe sehr aufpassen muss und die Dame ihren kläffenden Hund auf alles loslässt, was sich bewegt.

Als ich also gestern an ihr vorbeilief und sie eindeutig durch mein Laufen gestört war, musste ich darüber nachdenken, dass diese Dame unglaublich verbittert ist. Ich kenne sie nicht, aber ihre Verbitterung ist meilenweit zu sehen und hören. Ich bin wildfremd und dennoch sehe ich förmlich vor mir, wie sie sich nicht nur über die bösen Läufer und spielenden Kindern aufregt, sondern genauso auch über ihren Ehemann oder ihre Kinder, die sie nie besuchen und die lauten Nachbarn, die nichts Besseres vorhaben als sie in ihrem Frieden zu stören. Diese Dame hat ein ganzes Leben lang negative Gedanken gedacht. Sie hat der Bitterkeit viel Raum in ihrem Leben gelassen. So viel, dass die Bitterkeit nun alles andere überwuchert und nicht nur in ihren Gedanken den ersten Platz eingenommen hat, sondern genauso aus ihr herauswuchert.

Diese Dame zeigt mir ganz eindeutig, wie ich nicht enden möchte. Ich möchte nicht dauerhaft die Welt furchtbar finden, ich möchte mich nicht aufregen, weil sich etwas um mich herum bewegt. Sie hätte genauso gut den wunderbaren Frühlingsanfang genießen können. In der Schrebergärtenanlage waren viele verschiedene Vögel zu hören, die geschäftig dabei waren Nester zu bauen. Von Eichelhäher bis hin zum Rotkehlchen waren sie alle anzutreffen. Sie hätte die Sonnenstrahlen auf ihrer Haut spüren und tief die frische Luft einatmen können. Sie hätte Krokusse bestaunen können und Narzissen, Primeln und Hyazinthen, überspannt von einem hellblauen Himmel. Doch stattdessen fokussierte sie sich darauf sich über die Jogger aufzuregen, derer es übigens viele in der Anlage gibt. Sie wählte den lange ausgetretenen Pfad des Meckerns.

So anstrengend diese 14 Tage auch waren, so hat mich die Begegnung mit der Dame darin bestärkt mich weiterhin in Dankbarkeit zu üben. Nein, ich habe es nicht jeden Tag geschafft und manchmal ist es mir wie gesagt schwer gefallen. Aber darum geht es nicht. Es geht nicht darum zu gewinnen oder sich damit zu bürsten besonders dankbar zu sein. Ich möchte einfach lernen eine andere Haltung zu haben. Ich möchte lernen, egal, ob ich nun gerade arbeite oder nicht, dankbar zu sein. Natürlich geht das manchmal leichter, aber ich möchte lernen in jeder Situation das Positive zu sehen. Denn, das habe ich jetzt festgestellt: die eigene Einstellung macht einen großen Unterschied!

Kleines Resümee nach 4 Tagen

Hier nochmal eine kleine Erinnerung, ich übe mich gerade 14 Tage lang in Dankbarkeit im Job. Heute ist der 4. Tag der Challenge, die ich mir selbst gestellt habe. An jedem Tag war eine Frage zu beantworten, hier nochmal die Frage von Tag 2:

Was magst du an deiner jetzigen Arbeitsstelle/im Studium/in deiner Situation?

Ich habe hier auf dem Blog in zwei verschiedenen Beiträgen davon berichtet, warum ich meine Arbeitsstelle mag. Einmal war das zum Einjährigen bei meiner jetzigen Arbeitsstelle, einmal als ich drei Wochen im Urlaub gewesen war und dankbar für meine Vertretung war. Deshalb belasse ich es erst einmal dabei.

Tag 3 bestand aus dieser Frage:

Wer ist dein Lieblingskollege/Lieblingskommilitone/Lieblingsmensch und warum?

Auch hier habe ich schon einmal einen Beitrag verfasst, bei dem ich über meine damalige Lieblingskollegin, noch bevor ich in diesem Unternehmen angestellt war, berichtet habe. Natürlich habe ich mir jetzt Gedanken zu einer heutigen Kollegin gemacht.

Heute lautete die Frage:

Mache dir heute für mitten am Tag (z.B. zum Mittagessen) eine Erinnerung (z.B. auf dem Handy) und überlege dir in dem Moment ganz spontan drei Dinge, für die du dankbar bist.

Dazu möchte ich mich jetzt nicht äußern, das werde ich an anderer Stelle tun, denn mir geht es heute darum ein kleines Fazit zu ziehen. Bringt es was, hat sich etwas verändert, helfen mir diese Fragen dankbarer zu sein?

Mein Antwort lautet heute schon: Ja! Ich finde es spannend zu sehen, dass selbst eine kleine simple Frage, die ich mir im Laufe des Tages immer wieder stelle, bereits zu einer Veränderung führt. Ich empfinde mich schon jetzt ein klitzekleines bisschen positiver, nehme dröge Aufgaben eher mit Schwung und sehe insgesamt dem Tag gelassener entgegeb. Das finde ich sehr wertvoll und begeistert mich. Ich möchte definitiv die 14 Tage komplett durchziehen, sicherlich auch noch länger.

Ich würde mich sehr freuen auch von dir zu hören, wenn du mitmachst, wie geht es dir mit den Fragen, siehst du irgendeine Veränderung?

Tag 1 der 14-Tage-Challenge Dankbarkeit (im Job)

Krokusse

Heute habe ich mit der 14-Tage-Challenge Dankbarkeit (im Job) angefangen. 14 Tage lang möchte ich mich in Dankbarkeit üben, denn wir meckern und jammern viel zu viel. Dazu hatte ich mir 14 Fragen überlegt. Die Frage für heute lautete:

Entferne heute mindestens drei Dinge von deinem Schreibtisch (wegräumen/wegwerfen) und suche dir einen symbolischen Gegenstand, der dich erinnert Dankbarkeit (im Job) zu üben, auch über diese 14 Tage hinaus. Erkläre den Gegenstand.

Klingt einfach, war dann aber doch schwieriger als erwartet. Da habe ich mir ja was eingebrockt. Ich habe nämlich einen ziemlich leeren Schreibtisch. Alles, was sich darauf befindet, brauche ich regelmäßig auch. Wirklich. Es finden sich so klassische Sachen wie Stift, Tacker und Locher. Bestimmte Listen, Nachschlagdokumente oder Kostenstellen, die ich fast täglich im Einsatz habe, genauso wie das Stempelkissen. Da stand ich also heute vor meinem Schreibtisch wie der Depp und musste erst einmal drei Gegenstände finden, die ich nicht brauche. Schwierig. Am Ende wurden es Bilder und alte Broschüren, die ich wegräumte.

Der zweite Teil war dann deutlich einfacher. Ich malte mir ein großes „D“ auf ein weißes Blatt Papier, schnörkelte ein paar Blumen drauf und werde sicherlich in der einen oder anderen Minute noch weiter an meinem Buchstaben malen. Das „D“ steht für Dankbarkeit. Das ist der Grund, warum ich diese Challenge angefangen habe. Ich möchte lernen dankbar zu sein. Vielleicht kann ich es miteinander verbinden. Dass ich, während ich meinen Buchstaben verschönere, meditativ an positive Dinge denke. Vielleicht ist mein „D“ am Ende der 14 Tage dann ganz bunt mit vielen verschiedenen kleinen Details. Mal schauen…

14 Tage Challenge: Wofür bin ich (im Job) dankbar?

Vor einigen Tagen bin ich über die 14-Tage-Challenge von Goldenmelancholy gestolpert. Darin ruft sie auf 14 Tage lang Dankbarkeit mithilfe einer kleinen Frage zu üben. Auch wenn ihre Fragen sehr allgemein gehalten sind (wie z.B. für welchen Ort man dankbar ist), hat mich ihre Grundidee nicht losgelassen. Dankbarkeit ist etwas, was man üben muss.

Insbesondere im Job. Es ist sehr einfach sich über seinen Job aufzuregen. Blöde Projekte, blöde Kollegen, blöder Chef und bekloppter Vorstand. Es gibt immer irgendwas, was scheiße ist. Über seinen Job zu jammern, kann eine Gewohnheit werden. Vielen Menschen ist es zu einer Gewohnheit geworden ohne dass sie es merken. Man trifft sich in der Teeküche und schnackt und irgendwie kommt man unweigerlich darauf zu sprechen was alles schlecht läuft. Ist dir das schon mal aufgefallen? Sich aufzuregen, abzulästern, über Kollegen herziehen, das können wir gut. Es ist wie ein Sog, bei dem man mitgerissen wird und in dem wir schwimmen, was das Zeug hält.

Ich weiß selbst, dass es manchmal gut tun kann, wenn man mal den ganzen Frust loswird. Manchmal kann es helfen, wenn man mit einem Kollegen seines Vertrauens ein Gespräch führt und alles ablädt. Um diese speziellen Gespräche geht es mir hier gar nicht. Worauf ich hier hinauswill, sind diese typischen Teeküchengespräche, wenn zum Beispiel ein Kollege aus einer anderen Abteilung nachfragt wie es läuft und dann ein „Muss ja“ zu hören ist. Wenn auf einmal ein hochkomplexes Problem wegen der einen schnöseligen Kollegen nicht gelöst werden kann oder weil der Vorstand schon wieder zurückgerudert ist und jetzt doch auf einmal alles links soll, was vorher nur rechts richtig war.

Wir sind Weltmeister im Klagen, im Jammern, Meckern und Aufregen. Leider. Und um davon wegzukommen, möchte ich dich einladen an meiner Challenge teilzunehmen. Ich selbst werde diese Challenge am 13. März beginnen und am Ende meine Antworten in einem separaten Beitrag besprechen, vielleicht werden es sogar mehrere Beiträge. Du kannst auch teilnehmen, wenn du nicht arbeitest. Ich habe entsprechende Fragevariationen vorbereitet. Wie auch Goldenmelancholy möchte ich in diesem Beitrag die 14 Fragen auflisten und würde dich bitten jeden Tag nur eine Frage zu beantworten. Wann du startest, ist dir überlassen, du musst nicht unbedingt mit mir zusammen loslegen. Egal wann es bei dir losgeht, ich würde mich freuen, wenn du entweder auf deine Antworten verlinkst und hierauf verweist, du kannst aber auch nur ein Resümee als Kommentar hinterlassen.

Ich freue mich auf euer Mitmachen, hier nochmal genau, was geplant ist:

14-Tage-Challenge, Dankbarkeit (im Job) zu üben

Was: 14 Fragen (siehe unten), die an 14 aufeinanderfolgenden Tagen von dir beantwortet werden. Die Reihenfolge ist relativ egal, ich habe sie chronologisch so sortiert, dass es sich anbietet an einem Montag zu starten falls man arbeitet, aber grundsätzlich gibt es keine Regel, weder zur Abfolge noch Startwochentag.

Start: jederzeit, wann es bei dir passt, ich selbst beginne am 13.03.2017

Am Ende verlinkst du per Kommentar deine Antworten auf deinem Blog und verweist auf diesen Beitrag oder hinterlässt per Kommentar eine Art Resümee

14 Fragen (können hier ausgedruckt werden)

  1. Entferne heute mindestens drei Dinge von deinem Schreibtisch (wegräumen/wegwerfen) und suche dir einen symbolischen Gegenstand, der dich erinnert Dankbarkeit (im Job) zu üben, auch über diese 14 Tage hinaus. Erkläre den Gegenstand.
  2. Was magst du an deiner jetzigen Arbeitsstelle/im Studium/in deiner Situation?
  3. Wer ist dein Lieblingskollege/Lieblingskommilitone/Lieblingsmensch und warum?
  4. Mache dir heute für mitten am Tag (z.B. zum Mittagessen) eine Erinnerung (z.B. auf dem Handy) und überlege dir in dem Moment ganz spontan drei Dinge, für die du dankbar bist.
  5. Welche Aufgabe, die du im Augenblick bearbeitest, macht dir am meisten Spaß und warum?
  6. Nenne drei positive Eigenschaften, die deine Firmenkultur/Unikultur/eigene Arbeitsweise ausmachen.
  7. Drucke dir ein farbenfrohes Motiv aus, z.B. hier und schreibe diesen Satz zu Ende: Ich mag meine Arbeit/mein Studium/meine Situation, weil… (zur Not geht natürlich auch ein einfaches Blatt Papier). Hänge das Blatt gut sichtbar an deinem (Arbeits-)tisch auf.
  8. Spiele heute Raucherpause. Stehe mitten in einer Aufgabe, die du bearbeitest, auf und gehe für 5 Minuten an die frische Luft.
  9. Schreibe drei positive Dinge auf, die heute bei der Arbeit/im Studium/in deinem Alltag passiert sind.
  10. Gehe heute auf die Person von Frage Nr. 3 zu und sage ihr/ihm, warum du sie/ihn magst. Schreibe auf, wie du dich danach fühlst.
  11. Beschreibe eine Situation, die bei der Arbeit/im Studium/im Alltag heute passiert ist, die dich positiv überrascht hat.
  12. Was hat dich heute bei der Arbeit/im Studium/im Alltag glücklich gemacht?
  13. Auf welches (Arbeits-)Projekt, das du in den letzten drei Monaten gestartet/beendet hast, bist du stolz?
  14. Überlege dir drei Dinge, die du an deinem Chef/Professor/Sachbearbeiter Arbeitsamt/Partner/guten Freund magst.

Tabuthema Trauern bei Arbeitsverlust

Silke ruft in ihrem Blog „In lauter Trauer“ auf, heute über das Thema Trauer in seinen verschiedenen Facetten nachzudenken. Heute, weil heute der Geburtstag ihres Partners Julian ist, der vor vier Jahren aus ihrem Leben gerissen wurde, als er in Nepal plötzlich umkippte und verstarb.

Über Trauer, Tod und Verlust zu sprechen, fällt vielen Menschen sehr schwer. Oft fehlen die Worte, es kommen nur noch Worthülsen zum Vorschein und es gibt betretenes Schweigen. Das ist natürlich besonders der Fall, wenn jemand stirbt. Das gilt aber auch, wenn man seine Arbeitsstelle verloren hat. Auch hier gibt es viele Worthülsen a la „Das wird schon wieder!“, „Bald findest du was!“ oder noch schlimmer „Ich beneide dich, jetzt kannst du endlich ausschlafen!“, die einen verfolgen, wenn einem gekündigt wird.

Ich werde nie vergessen wie ich bei meinem ersten Job nach meinem Uniabschluss vom Chef herbeizitiert wurde und er mir mitteilte, dass meine Stelle gestrichen wurde. Ironischerweise war ich zum Termin mit einem Vorschlag erschienen wie man das Jugendprogramm, das ich koordinierte, noch bekannter machen konnte. Ursprünglich war der Termin angesetzt für die Ausarbeitung der Marketingtour. Vielleicht erklärt es, warum ich sehr lange im Gespräch brauchte bis mir dämmerte, was mein Chef gerade versuchte mir mitzuteilen. Ich war wie vor dem Kopf gestoßen. Als das Gespräch beendet war, ging ich zurück ins Büro zu meiner Kollegin und packte stumm meine Sachen. Es war gerade mal 10 Uhr morgens, aber an diesem Tag wollte und konnte ich nicht mehr arbeiten. Ich erzählte meiner Kollegin kurz und knapp, dass mir gekündigt worden war und dass ich jetzt nach Hause gehen würde. Sie nickte, ähnlich fassungslos wie ich, und ich verschwand.

Ich fühlte mich wie ein Roboter. Ich kann mich kaum an die nächsten Wochen erinnern. Irgendwie schaffte ich es weiterhin zur Arbeit zu gehen, aber jetzt machte ich so gut wie nichts und schloss nur noch halbherzig einige Sachen ab. Man wollte mich hier nicht, warum sollte ich Energie reinstecken in etwas, was sowieso für die Katz war. Auch wenn mein Chef mir versuchte zu erklären, dass es finanzielle Gründe waren, warum meine Stelle gestrichen wurde und es nichts mit meiner Arbeitsweise zu tun hatte, ich war betäubt und geschockt. Ich fing an auf Arbeit auf Stellensuche zu gehen, es war mir völlig egal, was meine Kollegen von mir hielten, denn lange würden sie mich nicht mehr erleben.

Irgendwann war es dann wirklich soweit, mein letzter Arbeitstag kam, ich ging, sehr leise und kaum einen interessierte es. Ich suchte also Zuflucht bei meinem Mann, meiner Familie und Freunden und versuchte mich aufzuraffen wieder Bewerbungen zu schreiben. Denn das ist das schlimme bei einer Kündigung, es bleibt einem kaum Zeit wirklich zu trauern. Es bleibt keine Zeit viel darüber nachzudenken, denn der finanzielle Druck war bei mir groß.

Heute weiß ich, dass ich mich viel über meine Arbeit identifiziere. Heute weiß ich, dass eine gute Arbeitsstelle mir viel bedeutet. Damals war es mir nicht so klar bewusst. Ich ging also mit dem Identitätsverlust so um, dass ich mich bis zur Erschöpfung mit Bewerbungen und Stellensuche beschäftigte. Aus finanzieller Not heraus baute ich meine bis dahin nebenberuflich ausgeführte Selbstständigkeit stärker aus und kam irgendwann an den Rande eines Burnouts.

Mein erster Job war mir gekündigt worden und es wollte einfach nicht mit einer neuen Stelle klappen. Zwischen all dem hektischen Suchen nach einer Stelle, dem Ausüben der Selbstständigkeit und dem ständigen Grübeln warum gerade mir das passieren musste, klammerte ich die Trauer komplett aus. Ich meinte keine Zeit zu haben der Wut, Verzweiflung, Angst und Frustration Raum zu geben oder diese Gefühle gar der Welt kundzutun.

Außerdem isolierte ich mich, igelte mich ein und sprach bald mit niemanden mehr über meine Arbeitslosigkeit. Ich schämte mich, weil es nicht klappen wollte und scheinbar niemand sonst so zu kämpfen hatte wie ich. Außerdem hatte ich keine Lust mir blöde Sprüche anzuhören und mich angeblich glücklich zu schätzen, weil ich nun endlich Zeit hatte. Nein, mein Arbeitsverlust war definitiv kein Gewinn für mich, er war ein Verlust, den ich aber nicht verstand gebührend zu verarbeiten, sondern den ich versuchte zu verdrängen und zu ignorieren. Meine Lösung bestand darin mich abzulenken.

Bei meiner letzten Arbeitslosigkeit hatte ich wenigstens im Ansatz einige Strategien, die mir halfen in dieser schwierigen Phase durchzuhalten. Ich habe meine persönlichen Tipps in diesem Beitrag beschrieben. Aber der Trauer bei Arbeitsverlust Raum zu geben und zum Beispiel um den Verlust zu weinen, das habe ich noch nicht so richtig gelernt.

Ich weiß im Moment nur, dass Arbeitslose niemals von mir hören werden, dass sich ganz bestimmt bald etwas ergeben wird. Ich weiß, dass ich nach den ersten Wochen der allgemeinen Bestürzung, wenn sie von der Kündigung erzählt, nachfragen und vielleicht zwischendurch hartnäckig ein Treffen anbieten muss, auch wenn die Person behauptet keine Lust zu haben. Ich weiß, dass ich beim Treffen auf einen Kaffee nicht fragen darf wie es gerade mit Bewerbungen oder Vorstellungsgesprächen aussieht, sondern über Gott und die Welt philiosophieren werde. Wenn die Person von sich aus auf das Thema zu sprechen kommt, höre ich erst einmal still zu und hüte mich gleich Ratschläge zu verteilen. Sollte die arbeitssuchende Person sportlich sein, würde ich ein Fitnessstudio-Abo abschließen und gemeinsam mit der Person regelmäßig hingehen oder zumindest versuchen sie dazu zu bewegen.

Ich weiß nur, dass der Verlust der Arbeit bei einigen Menschen ebenso tief einschlägt wie der Verlust einer geliebten Person. Die Arbeit zu verlieren ist etwas, was einen verändert, selbst wenn man selbst kündigt. Arbeitslosigkeit geht unter die Haut, verkneif dir blöde Sprüche, wenn du mit jemanden unterwegs bist, der/die gerade eine Stelle sucht und mach dir bewusst, dass diese Person einen Verlust erlitten hat.

Eure Fragen – meine Antworten Teil 1

Hallo an alle,

Zu Weihnachten hatte ich eine Gewinn-Aktion gestartet und euch gebeten mir mitzuteilen welche Fragen euch interessieren, hier könnt ihr alle Kommentare auch nochmal gesammelt nachlesen. Die Gewinnerin hat das Mindestabo des Wissenschaftsladens Bonn erhalten, eine Zeitschrift, die wöchentlich deutschlandweit Stellenanzeigen für Geisteswissenschaftler auswertet und zusammenstellt.

Heute möchte ich nun ein paar der aufgeworfenen Fragen aufnehmen und aus meiner persönlicher Sicht beantworten.

Heute stehen Marijkes Fragen im Vordergrund. Sie schrieb:

Was sind ihre (gemeint sind Geisteswissenschaftler) Tätigkeiten? Wie haben sie nach Stellen gesucht ? Sprich, welche Jobbezeichnungen haben sie angegeben? Gab es externe Unterstützer (jobcenter etc)?

Gehen wir mal die Fragen einzeln durch:

1. Was sind meine Tätigkeiten?
Ich habe mal in diesem Beitrag beschrieben, was ich heute den lieben langen Tag so mache. Ich bin mir sicher, dass andere mit der gleichen Jobbezeichnung ganz andere Aufgaben übernehmen, denn da spielen immer so viele Faktoren hinein: wo groß ist das Unternehmen, wie groß die Abteilung, welche Rolle hat man, was liegt einem und macht einem Spaß. Als ich vor zwei Jahren nach Hamburg zog und gezielt unbekannte Personen über Xing ansprach, ob sie mir bei einem Kaffee etwas aus ihrem Berufsalltag erzählten, war ich erstaunt, was für unterschiedliche Antworten ich erhielt. Denn damals war mir klar, dass ich in den Personalbereich wollte. Ich suchte also nur Personen auf Xing, die in diesem Bereich in Hamburg arbeiteten. Und war völlig erstaunt, als mir langsam dämmerte, wie verschieden die Berichte doch klangen, obwohl sie alle im Personalbereich arbeiteten.

Deshalb ist es sehr schwierig zu beantworten welche Tätigkeiten man ausführt, die Antworten werden so vielfältig ausfallen wie die Unternehmen. Ich arbeite in der Personalabteilung, aber ich habe noch nie ein Arbeitszeugnis erstellt oder eine Stellenanzeige geschaltet. Denn Global Mobility ist ein sehr spezifischer Bereich, der besondere Spezialkenntnisse erfordert und eben nicht die Betreuung des Durchschnittsfirmenmitarbeiters darstellt.

Wenn dich ein bestimmtes Berufsfeld interessiert, kann ich dir nur raten mit möglichst vielen Leuten zu sprechen, die in diesem Berufsfeld arbeiten. Falls du dich traust, mache es wie ich über Xing. Mehr als die Hälfte aller angeschriebenen Personen waren bereit dazu und wie gesagt kannte ich niemanden vorher. Du wirst viel über die Tätigkeiten lernen und kannst für dich ausloten, ob dir das Berufsfeld grundsätzlich zusagt oder nicht.

2. Wie habe ich nach meiner Stelle gesucht und welche Jobbezeichnungen angegeben?
Du wirst lachen, aber ich habe mich jeden Morgen sehr geduldig durch Monster, stepstone usw. geklickt. Ich hatte genau ein Suchwort: Hamburg. Ja, natürlich waren 99,9% der Stellen, die ich dann angezeigt bekam, nichts für mich. Ja, ich hätte so etwas wie HR, Personal oder ähnliches eingeben können. Aber wenn es eine Sache gibt, die ich im Laufe meiner häufigen Bewerbungsphasen gelernt habe, dann, dass Geisteswissenschaftler alles und nichts können und dass es deshalb kaum Stellen gibt, die auf mich zugeschnitten sind. Die Suchbezeichnung „Geisteswissenschaftler“ ist für die Katz, das hatte ich sehr schnell raus. So klickte ich mich also geduldig durch die vielen Stellen und blieb dann hängen bei den wenigen, die interessant klangen und für die ich in Frage kam. Oft nahm ich dann die interessante Stelle zum Anlass genau die Jobbezeichnung nochmal bei Jobsuchmaschinen einzugeben und zu schauen, ob es noch weitere Stellen in Hamburg gab.

Natürlich habe ich dann im Laufe der Zeit gemerkt, dass es doch einige Stichworte gab, die hilfreich waren. Aber dazu muss man schon eine Weile dabei sein, ich konnte das erst nach einigen Wochen, nachdem ich jeden Tag mindestens eine oder zwei Stunden gesucht hatte. Und ich bin kein Berufsanfänger mehr. Ich weiß, das klingt dröge und anstrengend. Das ist es auch, aber ich weiß, dass mir sonst einige interessante Stellen durch die Lappen gegangen wären.

Meine zweite Strategie war mithilfe der Zeitschrift Wila Bonn, die wie oben beschrieben wöchentlich Stellen für Geisteswissenschaftler deutschlandweit zusammenstellt, unabhängig von der Postleitzahl zu schauen, was für Stellen für Geisteswissenschaftler gelistet waren. Die Zeitschrift half mir, mir einen Überblick zu verschaffen und besser zu begreifen welche Qualifikationen und Anforderungen gestellt wurden, was für Jobbezeichnungen typisch waren, denn diese ändern sich ja auch immer wieder, als auch besser zu fassen, was es alles für Berufsfelder überhaupt gibt.

Die dritte Strategie war gezielt Leute über Xing anzusprechen als auch an diversen Veranstaltungen teilzunehmen, wie zum Beispiel dem Bewerbungscafe Kiel, das sich als „Netzwerkforum für arbeitssuchende Akademiker/innen, die Erfahrungen und Fragen rund um das Thema Bewerbung und Jobsuche austauschen möchten“ bezeichnet.

Meine jetzige Stelle habe ich übrigens tatsächlich über Umwege mithilfe der ersten Strategie gefunden. Ich bewarb mich zunächst per stepstone auf eine Stelle, wurde abgelehnt, um dann zwei Wochen später vom Unternehmen angerufen zu werden, ob ich nicht an einer anderen Stelle Interesse hätte.

Aber in der Vergangenheit habe ich insbesondere mit dem Ansprechen über Xing gute Erfahrungen gemacht und darüber auch einmal eine Stelle als Relocation Managerin antreten können.

3. Wurde ich bei meiner Suche unterstützt?
Nein, leider nein. Deswegen habe ich auch diesen Blog gestartet, weil ich weiß, dass so viele auf sich alleine gestellt sind und im stillen Kämmerlein verzweifeln. Arbeitssuchend zu sein macht keinen Spaß, vielen geht das an die Nieren, mir auch. Meine Begegnungen mit der Agentur für Arbeit waren sporadisch und eher kontraproduktiv (meine Sachbearbeiterin raufte sich die Haare, weil sie nicht „Amerikanistik“ als Studienfach in der Datenbank auswählen konnte). Da scheinen mir eher Programme wie „Mentor Me“ mehr Sinn zu ergeben, wenn man sich Unterstützung wünscht.

Soweit zunächst meine Antworten. Fragt gerne mehr, wollt ihr was genauer wissen, habt ihr vielleicht ganz andere Erfahrungen gemacht? Ich freue mich wie immer über Kommentare!

Grüße,
Jenny