Mut zum Jobwechsel

Melanie Vogel lädt auf ihrer Blogparade „Mut zum Jobwechsel“ ein darüber nachzudenken, was das Positive an einem Jobwechsel ist. Ich bin jetzt 34 und war in meinem Berufsleben bereits Koordinatorin eines Jugendaustauschprogrammes, Jazzpianistin, Sprachtrainerin, Leiterin in einer Sprachschule, Relocation Managerin und arbeite jetzt im internationalen Bereich in der Personalabteilung. Ich habe als Angestellte erst ein Team von 50 Personen geleitet, bevor ich als Assistentin gearbeitet habe und war ebenso fünf Jahre lang mit zwei Standbeinen selbstständig. Mein Lebenslauf ist ein Flickenteppich und Jobs als auch Branchen habe ich gefühlt so oft gewechselt wie manch einer seine Unterhemden.

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Die meisten meiner Jobwechsel waren extern bedingt. Einmal wurde meine Stelle aus betrieblichen Gründen gestrichen und zwei Mal erhielt mein Mann ein attraktives Jobangebot in einer anderen Stadt, sodass ich kurzerhand kündigte und mir etwas Neues suchte. Ein anderes Mal reizte es mich etwas Neues auszuprobieren, andere Wege zu gehen.

Auch wenn die meisten meiner Jobwechsel extern bedingt waren und ich also gezwungen wurde erneut zu wechseln, habe ich im Laufe der Zeit gemerkt, dass sie gar nicht so schlimm sind wie alle immer meinen. Jobwechsel bergen eine Chance. Sie bergen die Chance neue Fähigkeiten an sich zu entdecken. Hätte man mir vor zehn Jahren gesagt, dass ich mal großer Excelfan werde, ich hätte gelacht. Es ist nicht umsonst, dass ich einen Abschluss in Sprachen und eine Zeitlang Jazzkklavier an einer Musikhochschule studiert habe. Von selbst wäre ich nie auf die Idee gekommen Gedankengänge in Excel festzuhalten oder Listen zu erstellen. Excel, so meine damalige Ansicht, braucht man nur, wenn man irgendwelche Budgets macht. Aber jetzt bin ich fasziniert, was man alles damit anstellen kann, nachdem ich beruflich gezwungen wurde mich mit der Materie auseinanderzusetzen.

Jobwechsel haben mich auch entspannter gemacht, wenn es um den Umgang mit Kollegen geht. Denn egal wie groß die Firma ist, egal welche Branche es ist, man wird immer wieder die gleichen Typen an Mensch vorfinden. Da gibt es die netten Kollegen, die guten Seelen des Hauses, mit denen man es sich auf keinen Fall verderben sollte. Dann gibt es die hochnäsigen Besserwisser, die überall ihren Senf dazugeben während sie durch die Trakte schreiten und die meist ziemlich empfindlich sind. Dann gibt es auch noch die stillen Mäuschen, oft sitzen sie bereits hochkonzentriert am Schreibtisch, wenn man selbst eintrifft. Zu Beginn übersieht man sie vielleicht, aber schon bald stellt man fest, dass sie die meiste Arbeit still und leise im Hintergrund erledigen während andere lärmend ein Meeting anberaumen. Konflikte unter Kollegen gibt es überall, es ist eher die Frage wie man in der Firma mit ihnen umgeht und wie man selbst auf die einzelnen Typen reagiert bzw. gelernt hat mit ihnen zurechtzukommen.

Jobwechsel führen auch dazu, dass man schneller auf das Wesentliche achtet. Die Software mag eine andere sein, die Prozessabläufe komplett verschieden, aber die grundlegenden Arbeitsschritte sind die gleichen. Ich habe es schon erlebt, dass ich mit anderen Augen auf die Prozesse schaue. Nicht nur, weil ich noch nicht betriebsblind bin, sondern auch, weil ich den gleichen Prozess bereits bei zwei verschiedenen Firmen erlebt habe und somit eine ganz andere Vergleichsbasis habe. Somit habe ich oft schon angestoßen Prozesse neu zu durchdenken und anders aufzusetzen.

Meine vielen Jobwechsel haben mich auch gelehrt mit Ungewissheit und Unsicherheit anders umzugehen. Wie zum Beispiel beim letzten Jobwechsel. Der Umzug von München nach Hamburg aufgrund eines Jobangebots für meinen Mann traf in meinem Bekanntenkreis auf viel Unverständnis. Warum wir denn unbedingt gemeinsam nach Hamburg wollten. Wäre es nicht sinnvoller, wenn mein Mann erst einmal alleine nach Hamburg ginge, bis er die Probezeit überstanden hatte und ich dann nachkam? Wäre es nicht klüger, wenn ich erst einmal ein Stelle in Hamburg hätte bevor ich kündigte?

Wir schlugen alle Ratschläge in den Wind. Wir hofften einfach darauf, dass mein Mann seine Probezeit bestehen und ich ebenso eine Stelle in Hamburg finden würde. Immerhin erhielt ich im schlimmsten Falle ja auch Arbeitslosengeld. Wir legten einfach los. Sollte es in Hamburg in die Hose gehen, so überlegten wir uns, würden wir einfach zurückkehren. Mein Arbeitgeber in München hätte mich mit Kusshand wieder genommen, auch mein Mann hätte sicherlich etwas Neues gefunden.

Es mag vielleicht naiv klingen, aber ich hatte durch meine vielen Jobwechsel gelernt darauf zu vertrauen, dass es immer irgendwie klappt. Denn so war es in der Vergangenheit immer gewesen. Irgendetwas ergab sich immer. Irgendwie ging es immer weiter. Auch wenn ich eine Weile in Hamburg arbeitslos war und sogar einen Tiefpunkt erlebte, weil ich gehofft hatte, dass die Stellensuche einfacher würde, da ich kein Berufseinsteiger mehr war, ergab sich nach einigen Monaten etwas. Mein Mann bestand die Probezeit und ich fand einen Job – unser Konzept ging auf.

Ich bin heute so froh, dass wir nach Hamburg gezogen sind. Denn ich habe jetzt zum ersten Mal das Gefühl beruflich angekommen zu sein. Ich habe jetzt den Wunsch tiefer in die Materie einzusteigen, mich zu spezialisieren und mich auch noch in fünf Jahren Personalerin im internationalen Bereich zu schimpfen. Ich wäre nie hierhingekommen, wenn ich in den meisten Fällen nicht dazu gezwungen wäre mich wieder neu zu bewerben. Zu jedem Jobwechsel gehört Mut. Mut loszulassen, Mut sich ins Ungewisse zu stürzen. Mut zum Risiko. Ich kann nur dazu ermutigen es einfach mal zu versuchen. Jeder einzelne Jobwechsel war für mich wertvoll. Entweder, weil ich im Kundenumgang geschult wurde, weil ich gemerkt habe, was ich nicht will oder weil ich als Quereinsteigerin zu neuen Ufern aufgebrochen bin und Fähigkeiten an mir entdeckt habe, von denen ich bis dato nicht wusste.

Natürlich sind Jobwechsel auch anstrengend. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren nicht schon wieder als die „Neue“ allen die Hand schütteln muss, während ich geduldig darauf warte, dass die IT meine E-Mailadresse aufsetzt und die Software installiert, bis ich erschöpft ins Bett falle, ob der vielen neuen Informationen, Abläufe und Prozesse. Natürlich sehne auch ich mich nach Stabilität. Ich mag, man mag es kaum glauben, durchaus auch Routine und erfreue mich an geregelten Arbeitsabläufen.

Aber diese Angst, dieser Fokus auf vermeindliche Sicherheit, die kann man meiner Meinung nach getrost in den Wind schlagen. Denn wenn ich etwas durch die Jobwechsel gelernt habe, ist, dass es sowieso immer alles anders kommt als man denkt. Deshalb: Mut zum Jobwechsel!

PS: Wer mag, kann hier nachlesen, warum ich auch meinen Studienabbruch nicht bereue.

Gastbeitrag

Auf dem Blog des Wissentransferzentrums Süd der eine Kooperation mit verschiedenen Unis in Graz, Österreich hat, habe ich heute Rede und Antwort gestanden. Wer mag, kann hier das Interview nachlesen.

Hiermit möchte ich auch erneut Leser einladen mir gerne zu schreiben, wenn jemand Lust auf einen Gastbeitrag hat, von seinem/ihrem Berufseinstieg erzählen oder eine Frage loswerden möchte. Per Kommentar oder per E-Mail info at jennywarkentin.de kann ich gerne kontaktiert werden.

 

Die Geisteswissenschaftler der Zukunft

Geisteswissenschaftler studieren meist nicht, weil irgendjemand ihnen dazu geraten hat. Sie studieren nicht, weil ihr Feld in der Zukunft relevant sein könnte oder weil gerade an allen Ecken und Enden Geisteswissenschaftler händeringend gesucht werden. Eher das Gegenteil. Sie studieren, weil sie sich für ihr Fach interessieren, weil sie ganz tief in ein Thema einsteigen wollen oder weil sie es den „Was willst du später denn damit überhaupt machen“ Leuten so richtig zeigen wollen. Deswegen scheren sich die meisten Geisteswissenschaftler auch nicht um düstere Prognosen oder überlegen sich, wie ein Geisteswissenschaftler der Zukunft auszusehen hat. Wozu auch, die Prognosen bleiben düster, die Horde an Leuten, die in Frage stellen, was man später wird, werden einen stetig begleiten, Zukunftsaussichten hin oder her.

Dabei haben Geisteswissenschaftler zwei Fähigkeiten, die in der Zukunft meiner Meinung nach eine wichtige Rolle spielen werden und es sich lohnt sich Gedanken zum Geisteswissenschaftler der Zukunft zu machen.

Während des Studium lernen sie Urteilskraft. Sie lernen aus der Informationsflut zu filtern, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, sie lernen kritisch zu hinterfragen und Theorien und Schulen voneinander abzugrenzen, zu analysieren und in Beziehung zueinander zu setzen. Im Zeitalter der Informationsflut und Zunahme an Informationsdichte eine wichtige Kompetenz.

Ich kann mich noch sehr lebhaft an Referate und Hausarbeiten zu abstrusen Themen erinnern, die ich zu halten und zu schreiben hatte. Wenn ich wieder mal zur Universitätsbibliothek eilte, um mich in ein Thema einzuarbeiten, das mich bis dato herzlich wenig interessiert hatte, bereute ich manchmal meine Studienwahl. Aber das hohe Maß an schriftlicher Aufbereitung von Informationen, die mir bis dahin noch unbekannt waren, zwang mich, eine bestimmte Kompetenzen zu entwickeln: mir schnell einen Überblick zu schaffen und gezielt nach den großen Zusammenhängen zu schauen, bevor ich mich in die Details stürzte.

In meinem jetzigen Berufsleben ist es nicht anders. Oft müssen Entscheidungen getroffen werden, bei denen verschiedene Optionen mit den jeweiligen Konsequenzen und Risiken vorgestellt werden, mit einer abschließenden Empfehlung für eine Option. Eine Entscheidungsmatrix erstellen wird diese Aufgabe genannt. Bei der zunächst alle Fakten zusammengetragen werden müssen, bevor eine Empfehlung ausgesprochen werden kann. Dies gilt insbesondere dann, wenn die eigene Abteilung bei der Entscheidung nicht mehr alleine involviert ist, sondern die nächsthöhere Instanz oder gar der Vorstand zu entscheiden hat. Dann müssen die Informationen so aufbereitet sein, dass auch ein Fachfremder sie versteht, die Optionen klar ersichtlich sein und welche Folgen jede Entscheidung mit sich bringt.

Wir können Informationen zusammentragen. Das haben wir als Geisteswissenschaftler gelernt. Wir haben gelernt nach dem roten Faden Ausschau zu halten, Strukturen zu erkennen, Zusammenhänge zu sehen und zu erstellen. Eine Entscheidungsmatrix zu erstellen, wird uns nicht erschüttern, vielleicht sogar Spaß machen.

Die zweite Fähigkeit möchte ich Visualisierung von Informationen nennen. Jeder wird mir wohl zustimmen, wenn ich behaupte, dass wir in einer extrem visuellen Welt leben. Die meisten Informationen erhalten wir über das Sinnesorgan Auge. Wir werden überflutet von Instagramm, whatsapp oder Facebook, tausende Bilder, lebend oder starr begleiten uns Tag für Tag. Auch Worte, egal ob E-Mail, twitter, Blogs oder Slack, das geschriebene Wort begleitet uns, per Klingelton, wenn die nächste E-Mail eintrifft und per Vibration, wenn wir eine Nachricht auf dem Handy erhalten haben.

Diese Kunst, das Übersetzen von dem geschriebenen oder gesprochenen Wort ins Bild, in eine Graphik oder einem Diagramm, das ist meiner Meinung nach eine Fähigkeit, die wichtig in der Zukunft sein wird und bei der Geisteswissenschaftler gute Voraussetzungen mitbringen. Denn wenn man bereits geschriebene Sprache lernt zusammenzufassen, komplexe Inhalte herunterbricht in anschauliche Einheiten, ist es nicht mehr weit bis zur Visualisierung. Diese muss nicht mal bildlich sein.

Nur ein kleines Beispiel: Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir zu Schulzeiten im Matheunterricht mit den Begriffen „konkav“ und „konvex“ herumhantierten und meine Schulfreundin irgendwann meinte, sie würde ständig die beiden Begriffe durcheinanderbringen, weil beide mit der Silbe „kon“ anfingen. Ich überlegte mir also eine Eselsbrücke, wie wir dieser Verwechslung ein Schnippchen schlagen konnten und schlug vor ab sofort den Satz „Der Bauch des Direx ist konvex“ herzunehmen, da unser damaliger Schuldirektor ein deutliches Bäuchlein hatte und somit die Auswölbung nach außen bildlich dargestellt wurde. Ihr ist dieser Vergleich so deutlich hängen geblieben, dass sie bis zum heutigen Tage keinerlei Probleme hat beide Begriffe auseinanderzuhalten und sich ihr Leben lang den Direktor beim Wort „konvex“ vorstellt.

Das ist die Macht der Visualisierung, wenn komplexe Gegenstände heruntergebrochen werden in verständliche Einheiten. Das ist auch vor dem Hintergrund wichtig, weil wir von Informationen überflutet werden und deshalb sehr bewusst filtern. Wir können uns Dinge besser merken, die visualisiert wurden, die heruntergebrochen wurden in kleine Einheiten und die in einem größeren Zusammenhang stehen.

Aus diesem Grund glaube ich ganz fest, dass Geisteswissenschaftler in der Zukunft wichtig sein werden. Ihr ganzes Studium üben sie Urteilskraft, üben Zusammenhänge zu erstellen und Informationen zusammenzufassen, zu filtern und für Laien aufzubereiten. Sie spielen mit Informationen und lassen sich nicht von ihnen spielen.

Weisheiten am Wegesrand

Ich finde es immer wieder spannend, wie ich über den Blog Menschen kennengelernt habe, denen das Thema Geisteswissenschaftler und Berufseinstieg genau wie mir auf dem Herzen liegt. Ich lerne gerne weitere Leute kennen, die sich darüber mit mir austauschen möchten. Wer mir persönlich schreiben möchte, kann gerne ein Kommentar hinterlassen oder mich per info at jennywarkentin.de direkt anschreiben.

Eine Leserin, die gerne anonym bleiben möchte, hat sich bereiterklärt, ein wenig von sich zu berichten wie ihr Berufseinstieg verlaufen ist und was sie angehenden geisteswissenschaftlichen Absolventen mit auf die Reise geben möchte. Ein bisschen ist das für mich so, als ob ich eingeladen bin sie auf einem kleinen Ausschnitt ihrer Lebensreise zu begleiten, wir zwischendurch anhalten und Steine der Weisheit aufheben, die wir dann gemeinsam von allen Seiten bestaunen können. Aber hebt selbst ein paar Steine auf:

  1. Was haben Sie studiert und was hat Sie dazu motiviert?

Schon in meiner Schulzeit haben mich andere Kulturen, Literatur, Geschichte sowie Fremdsprachen interessiert und begeistert. Studieren wollte ich immer ein Fach, das in keiner Weise ein Schulfach fortsetzte, sondern ich wollte mir neue Wissenswelten erschließen. So fiel meine Wahl auf die Orientalistik und Geschichte.

  1. Wie haben Sie sich während des Studiums finanziert?

Noch heute bin ich sehr dankbar dafür, dass ich mein Studium durch ein Stipendium finanzieren konnte. Das Studentenleben ohne finanzielle Sorgen war ein großes Privileg. Die Förderung hat mir Freiheit geschenkt, die ich bis zum letzten Tag meines Studiums genutzt und auch genossen habe.

  1. Hatten Sie im Studium schon eine Vorstellung davon, was Sie später einmal machen wollen?

Während meines Studiums hatte ich verschiedene Ideen, was ich mit meinem Wissen und meinen Kenntnissen sowie mit meiner Auslandserfahrung machen könnte und wollte. Aus heutiger Sicht hätte ich mir hier mehr Beratung und Unterstützung gewünscht. Internet gab es damals (leider) noch nicht.

  1. Was hat Sie dazu bewogen zu promovieren?

Nach Abschluss meines Studiums mit einem Magister Artium hatte ich nach wie vor große Freude und Begeisterung am wissenschaftlichen Arbeiten.

  1. Wie verlief Ihr Berufseinstieg?

Der Einstieg ist unkompliziert verlaufen. Ich habe nach Stellen Umschau gehalten, die meinen breiten Interessen entsprachen. Beworben habe ich mich auch auf Stellen, die nicht explizit für Geisteswissenschaftler ausgeschrieben waren. Vier Monate nach Studienabschluss hatte ich drei Jobs zur Auswahl. Übrigens habe ich damals bei der Organisation, bei der ich meinen ersten Job bekam, angerufen und um einen kurzen Termin gebeten, um mehr über die Stelle zu erfahren. Wie ich später erfuhr, hat die Eigeninitiative den Personalchef sehr beeindruckt. Gleichwohl hatte ich noch eine Vorstellungsrunde bei sieben unterschiedlichen Personen zu absolvieren, bevor ich die Stelle tatsächlich erhielt.

  1. In welcher Branche sind Sie heute tätig und was sind typische Aufgaben für Sie?

Tätig bin ich seit vielen Jahren im Wissenschaftsmanagement. Das ist eine spannende Aufgabe mit immer neuen Herausforderungen. Meist geht es bei der Arbeit darum, komplexe Diskussionsprozesse in all ihren Facetten und Widersprüchlichkeiten schriftlich darzustellen mit dem Ziel, eine Entscheidung vorzubereiten. Dabei sind immer viele Beteiligte mit unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen.

Gefragt ist hier die Fähigkeit, sich schnell in neue Sachverhalte einzuarbeiten, das Ganze verständlich und korrekt schriftlich aufzubereiten. Hinzu kommen Aufgaben wie z.B. Gremien- und Prozessmanagement sowie Mitwirken bei Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Das sind alles Tätigkeiten, die man durch praktische Arbeit lernt. Fähigkeiten, die man in einem geisteswissenschaftlichen Studium erworben hat, sind hier eine wertvolle und hilfreiche Basis.

  1. Was geben Sie allgemein angehenden geisteswissenschaftlichen Berufseinsteigern mit auf die Reise?

Geisteswissenschaftler verfügen über fachübergreifende Kompetenzen und je nach Fach auch fachspezifische Kompetenzen. Das ist sehr wertvoll für die Arbeitswelt. Ein geisteswissenschaftliches Studium bildet zwar nicht primär für einen bestimmten Beruf aus, wie zum Beispiel ein Ingenieurstudium oder das Studium der Rechtswissenschaften, es ist aber auch keine Einbahnstraße. Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler stehen quasi vor der Herausforderung, sich mit ihren Kompetenzen als nützlicher und wertvoller Arbeitnehmer zu definieren und sich erfolgreich auf dem Bewerber- und Arbeitsmarkt zu vermarkten. Letzteres dürfte für Geisteswissenschaftler oft nicht leicht sein, weil sie oft nicht selbstbewusst genug auftreten. Es erfordert immer Mut, Eigeninitiative und Entschlossenheit, neue Wege zu gehen und sich in unbekanntes Berufsterrain zu wagen. Auch eine berufliche Selbstständigkeit kann im Einzelfall eine Alternative sein.

Das Wichtigste ist – Sie müssen sich für Tätigkeit und Aufgaben im angestrebten Job begeistern. Zeigen Sie sich offen, Neues zu lernen und sich neue Wissenswelten zu erschließen. Der Arbeitgeber, bei dem Sie arbeiten möchten, sollte ebenfalls zu Ihnen passen. Sie verbringen dort einen beträchtlichen Teil Ihrer (Lebens)-Zeit. Im Berufsleben wird immer die eine oder andere Aufgabe auf Sie zukommen, die Ihnen vielleicht nicht so liegt. Aber wenn Sie auch Aufgaben haben, die Sie mit Freude und Begeisterung lösen, dann gehen die nicht so geliebten Aufgaben meist leichter von der Hand. Dieser Rat ist unabhängig davon, in welchem Bereich Sie arbeiten bzw. arbeiten wollen.

Nie den Mut und die Zuversicht verlieren. Absolventen geisteswissenschaftlicher Fächer sollten sich beim Berufseinstieg nicht von den Gefühlen und Stereotypen anstecken und leiten lassen, dass Geisteswissenschaftler nur Taxi fahren oder an der Tankstelle jobben oder Jobs machen, die mit dem Mindestlohn vergütet werden.

In ihrem Buch „Brotgelehrte – andere Perspektiven für Geisteswissenschaftler“ beschreibt Mareike Menne 26 Tätigkeitsfelder für Geisteswissenschaftler. Das Buch liefert eine Menge Ideen und Anregungen für spannende berufliche Tätigkeiten nach einem geisteswissenschaftlichen Studium. Studierenden und Absolventen geisteswissenschaftlicher Fächer sei dieses Buch als lohnende und inspirierende Lektüre empfohlen. Hier der Link zu Amazon oder direkt zur Verlagsseite.

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Wie bin ich beruflich hierhin gekommen?

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Irgendwann die letzten Tage bin ich über diese Frage gestolpert, wie ich beruflich hierhin gekommen bin. Da ich in meinem Leben schon einige berufliche Stationen durchlaufen habe (von Jazzpianistin, Koordinatorin eines Jugendaustauschprogrammes, Sprachtrainerin, Leiterin der Sprachabteilung bis hin zu zwei Stellen im Bereich Global Mobility oder Relocation), wage ich zu behaupten, dass ich einige Dinge auf der Reise mitgenommen habe, bis ich hier gelandet bin.

  1. Wie so viele andere Studenten der Geisteswissenschaften, wollte auch ich mich nicht festlegen, was ich mal beruflich machen wollte. Zu viel interessierte mich und zu wenig beschäftigte ich mich damit, was man eigentlich mit meiner Fächerkombination überhaupt später machen konnte. Als das Studium abgeschlossen war, schrieb ich viele Bewerbungen, erhielt Absage um Absage und durfte dann gnädigerweise in einer gemeinnützigen Gesellschaft meinen Berufsstart wagen. So genau wusste ich selbst dann nicht, was mich erwarten würde, aber ich war dankbar um meinen ersten Job. Was ich damit sagen will, ist, dass ich einfach mal ausprobiert habe. Die lange Liste an Berufen, die ich in gerade mal zehn Jahren Berufserfahrung ausgeübt habe, zeigt deutlich, dass ich nicht immer wusste wohin ich wollte. Sicherlich habe ich nicht gerade den gradlinigsten Lebenslauf und habe diesen auch nie beschönigt. Ich bin auch heute noch der Meinung, dass man einfach mal ausprobieren muss. Vielleicht ist es nicht gerade der Traumjob, aber jegliche Art von Berufserfahrung zählt und hilft einem längerfristig in die richtige Richtung zu gehen.
  2. Auch wenn ich einen Flickenteppich an Berufserfahrung habe, so findet sich trotz der sehr unterschiedlichen Berufe bestimmte Fähigkeiten und Kompetenzen immer wieder: Sprachen, Internationalität und Interkulturalität sind ein Themenbereich, der mich schon mein ganzes Berufsleben begleitet und mich auch biografisch bedingt durch das Aufwachsen als Kind in unterschiedlichen Ländern brennend interessiert. Der zweite Komplex ist die Fähigkeit zu organisieren und zu koordinieren, die ich als meine persönlichen Stärken klassifiziert habe und beruflich gerne umsetze. Der letzte Aspekt, der in einigen Berufen eher weniger oder gar nicht vorhanden war, ist der Bereich Pädagogik und Didaktik, den ich sehr spannend finde und mich fasziniert. Dies bedeutet also, dass ich meine Berufserfahrung analysiert habe. Ich habe mich hingesetzt und geschaut; gibt es vielleicht trotz des Flickenteppichs erkennbare Überlappungen, wiederholen sich vielleicht immer wieder bestimmte Kompetenzen und Fähigkeiten? Wonach halte ich Ausschau, wenn ich mal wieder auf Stellensuche bin, was spricht mich an? Den meisten Geisteswissenschaftlern fällt es nicht schwer zu analysieren und größere Zusammenhänge herzustellen. Ich kann jedem nur empfehlen diese Fähigkeiten auch auf das eigene Berufsleben anzuwenden und sich zu zwingen den roten Fadem im bisherigen Berufs- oder Praktikaleben zu suchen. Dann fällt es auch um einiges leichter die Bewerbungsunterlagen so aufzubereiten.
  3. Ich weiß, dass es sich im Nachhinein immer leicht sagen lässt, aber hab Geduld. Unsere Gesellschaft setzt uns vehement unter Druck, uns wird suggeriert, dass wir mit spätestens 30 beruflich angekommen, Karriere machen und beruflich erfolgreich sein müssen. Wenn man aber bedenkt, dass die Zeit, in der man beruflich tätig ist, immer länger wird (ich fürchte ja fast, dass ich erst mit 75 in Rente gehen darf), sehe ich nicht ein, warum man sich den Stress machen muss. Dann brauche ich halt zehn Jahre, bis ich mich orientiert habe, ja und, ich werde ja mindestens noch zwanzig weitere Jahre arbeiten müssen. Ja, natürlich war auch ich ziemlich verzweifelt, wenn ich wieder einmal eine Absage erhielt. Natürlich nagt es am Selbstbewusstsein, wenn man das Gefühl hat nicht gut genug zu sein. Auch ich habe zwischendurch das Muffensausen gehabt und mich gefragt, ob mich überhaupt eine Firma nehmen würde. Aber Geduld hat sich ausgezahlt. Sowohl mit mir selbst, dass ich einige Dinge erst über eine längere Zeitspanne hinweg gelernt habe (wie zum Beispiel als Dienstleister zu denken), aber auch mit meinem Berufsweg. Natürlich kann man jetzt im Nachhinein behaupten, dass einige meiner beruflichen Stationen überflüssig waren. Ich bin beruflich erst vor anderthalb Jahren angekommen. Egal, was man von meinem beruflichen Werdegang hält, für mich war jede Station hilfreich und hat mich etwas gelehrt. Lass dich deswegen nicht verunsichern, wir haben noch alle Zeit der Welt herauszufinden, was zu uns passt. Solange man wenigstens einen Anfang macht, wird sich der Rest ergeben.

Mein persönlicher Umgang mit Absagen

Ich kann mich noch ziemlich genau erinnern, wie ich vor etwa anderthalb Jahren vor meinem Computer saß und die Absage nach dem Vorstellungsgespräch erhielt. Ich musste schlucken, es traf mich hart. Besonders deshalb, weil ich bisher oft Erfolge verzeichnet hatte, wenn ich es zum Vorstellungsgespräch geschafft hatte. Wenn ich denn eingeladen wurde, was ja selten genug war, dann erhielt ist fast immer den Job im Anschluss. Doch diesmal nicht. Diesmal wollte man mich nicht. Diesmal hatte ich also nicht überzeugt, diesmal hieß es weitersuchen, hieß es wieder einmal den Markt nach potenziellen Stellen abgrasen.

Als erstes musste was zu essen her, ab der Absage nach dem meiner Meinung nach sehr gut verlaufenen Vorstellungsgespräch zügelte ich mich nicht mehr, es brachte ja doch nichts. Wenn ich schon zu Hause herumhocken musste, wenn ich denn schon nichts anderes tat als stundenlang durch das Internet zu surfen, die verschiedensten Jobbörsen besuchte und geduldig Suchbegriffe bei Google eingab, dann machte es ja wohl nichts aus, wenn ich im Pyjama, was zu knabbern und einer Tasse Tee in der Hand mich ein wenig gehen ließ. Schokolade zum Frühstück? Aber sicher, um 11 Uhr zweites Frühstück, warum denn nicht? Interessierte ja doch niemanden. Abends nochmal was kochen, ja, klar!

Es zeigte sich auf der Waage, ich legte innerhalb kurzer Zeit 6 kg zu. Es zeigte sich im Äußeren, Schlabberpulli und verwaschene T-Shirts begleiteten mich tagein und tagaus. Es zeigte sich im Internetverlauf, statt Stellen zu suchen, las ich private Blogs oder entdeckte lustige Videos und beobachtete erbitterte Forenkämpfe. Ich wollte und konnte einfach nicht mehr. Zu oft hatte ich Bewerbungen geschrieben, hatte mich zur Schau gestellt, hatte einfach keine Lust mehr auf dieses ewige Auf und Ab, das Zittern und Bangen, ob es was wird, die Aufregung und Nervosität bis die E-Mail endlich, endlich eintraf, um mich entweder von dem Leiden zu erlösen oder aber mich weiter zu bestätigen, dass ich anscheinend nichts konnte und man mir absagen musste.

Die Bewerbungszeit ist eine harte Zeit, da gibt es nichts dran zu rütteln. Da ich schon so einige Bewerbungsphasen mitgemacht habe, weiß ich nur zu gut wovon ich spreche. Ich weiß nicht so genau warum meine letzte Bewerbungsphase von 2015 mich so besonders hart traf, ich kann zwar ein paar Gründe nennen, aber irgendwie gibt es auch einen undefinierbaren unlogischen Wutgrund, der mich gleichzeitig tatenlos und lieblos werden ließ. Lieblos auch im Bezug auf das Schreiben von Bewerbungen. Einen Scheiß muss ich, so lässt sich meine letzte Bewerbungsphase wohl am besten zusammenfassen. Ich hatte einfach keine Lust, weder zu suchen, noch zu schreiben, noch diese Bewerbungsmaske aufzusetzen, die man unweigerlich aufsetzt, wenn man zum Gespräch eingeladen wird.

Ich war lustlos und ließ mich treiben. Bis ich mich eines Tages tatsächlich auf die Waage traute und die 6kg mir unbarmherzig zeigten, dass ich mich langsam aber sicher auf den Abgrund zubewegte. Zwischen dem Seriengucken und der Snacks, die ich mir fortwährend in den Mund schob, gab ich mir schließlich einen Ruck. Die Absagen flatterten weiterhin rein, ich musste weiterhin mühsam Stellen suchen, es ging nicht auf einmal alles besser und einfacher. Der Bewerbungssumpf war immer noch der gleiche. Aber mit einem müden Seufzen beschloss ich, dass ich etwas ändern musste. Und machte folgendes:

1. Ich begann diesen Blog. Mein erster Eintrag, aus dem März 2015, befasst sich mit der Künstlichkeit von Vorstellungsgesprächen. Ihm folgte ein Beitrag zum Thema Bitterkeit, was mich selbst zu dem Zeitpunkt sehr beschäftigte. Denn zynisch und bitter wird man bei der Jobsuche schnell.

Der Blog strukturierte meinen Alltag. Während meiner Arbeitslosigkeit schrieb ich jeden Wochentag einen Beitrag, Themen fielen mir viele ein. So entwickelte ich schnell eine Routine, stand morgens auf, um mir erst einmal Gedanken zu machen worum es im Blog gehen würde, machte den Grobentwurf oder veröffentlichte den Artikel gleich und machte mich dann im Anschluss mit etwas mehr Elan an die Jobsuche.

Der Blog half mir auch mich stärker zu vernetzen. Wenn auch nicht oft, so lernte ich manchmal andere Bewerber kennen, tauschte mich aus und bekam wieder etwas mehr Mut. Es gab noch andere, denen es genauso ging wie mir. Ich war nicht allein.

2. Ich machte regelmäßig Sport. Die 6kg mussten weg, wenn nicht gleich noch ein paar mehr.

Wann, wenn nicht während der Arbeitslosigkeit hatte ich die Möglichkeit Sport in einem solchen Maße zu treiben? Wann würde ich jemals wieder so viel Zeit finden mithilfe einer App ganz langsam das Laufen zu trainieren? Jetzt war die Gelegenheit dazu. Ich raffte mich also auf und ging laufen. Hier habe ich mal beschrieben, was es für mich bedeutet, dass ich jetzt in der Lage bin regelmäßig 7km zu laufen ohne tot umzufallen. Schnell merkte ich, dass ich beim Laufen tolle Ideen bekam wie ich ein Anschreiben formulieren sollte oder konnte mit frischen Augen erneut die Jobbörsen durchsuchen und wurde plötzlich dort fündig, wo ich zuvor offensichtlich die interessante Stelle übersehen hatte.

3. Ich bepflanzte zum ersten Mal meinen großen Balkon.

Als Arbeitslose hatte ich natürlich einen schmaleren Geldbeutel. Klar. Also beschloss ich statt bereits ausgewachsener Blumen Blumensamen zu kaufen. Sie sind deutlich günstiger und viel ergiebiger. Ich las welche Blumen pflegeleicht waren, welche wohl auf meinem Balkon gedeihen würden und machte mich alsdann ans Werk und deckte mich mit Blumensamen ein. Einige Pflanzen mussten eher ausgesät werden als andere, einige hatte ich zunächst drinnen aufzuziehen bevor ich sie nach draußen bringen konnte, andere brauchten feuchtere Erde als andere. Ich probierte also fröhlich herum, verteilte großzügig Samen in verschiedenen Töpfen, machte mir einen Spaß daraus einige Töpfe akribisch zu beschriften und bei anderen eine völlig willkürlich zusammengestellte Samenmischung einzupflanzen und mich einfach überraschen zu lassen. Jeden Tag verbrachte ich automatisch gleich morgens etwas Zeit auf dem Balkon und hatte nach überraschend kurzer Zeit Sämlinge sprießen, unterschiedlicher Couleur und Größe. Es dauerte nicht lang und dann kamen die Bienen und Schmetterlinge, auch ich wurde magisch angezogen meine Bewerbungen lieber bei den duftenden Blumen auf dem Balkon zu schreiben als drinnen.

Das tägliche Blumengießen, das Abknicken von verblühten Blüten, das regelmäßige Prüfen, ob die Erde entsprechend den Vorlieben der Blume feucht oder trocken genug war, erdete mich. Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch und komme innerlich besonders gut zur Ruhe, kann mich entspannen, wenn Natur um mich ist. Ich atme automatisch tiefer, ich fühle mich gleich wohl. Wenn auch der Balkon ein eingeschränkter Naturraum ist, so halfen mir meine selbstgepflanzten Blumen den Bewerbungsstress etwas gelassener zu nehmen.

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Und das bringt mich zu dir. Wie gehst du mit Absagen um? Was sind deine Strategien, wie du mit dem Bewerbungsfrust umgehst, dem entgegenwirkst? Ich freue mich wie immer über Anmerkungen und Kommentare.