Gehaltsverhandlung – wie geht das?

Bei allen 25 Vorstellungsgesprächen, die ich als Bewerberin mitgemacht habe, waren alle Gehaltsverhandlungen zum Ende des Gesprächs Thema. Entweder ganz am Ende, nachdem ich gebeten wurde meine Fragen zu stellen und bevor es hieß sich zu verabschieden oder zum Ende der Befragung zu mir als Bewerberin.

Jedes Mal wurde die Frage in etwa so formuliert: „Was haben Sie sich als Gehalt vorgestellt?“ Jedes Mal habe ich die Gegenfrage gestellt: „Was ist denn Ihr Budgetrahmen?“ Und jedes einzelne Mal wurde ich, in welcher Form auch immer, abgewimmelt und man wollte eine Zahl hören. Von mir. Und zwar jetzt.

Man muss sich also sehr genau überlegen, was man sagen will bevor man das Gespräch überhaupt antritt. Dazu gibt es als erste Orientierung Seiten wie www.gehaltsvergleich.com, die einem helfen den eigenen Marktwert zu kennen und auch einen Überblick geben was es für Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern und Städten gibt. Man nennt dabei immer das Bruttogehalt, entweder das Monats- oder Jahresgehalt. Ich selbst habe mir angewöhnt das Bruttojahresgehalt zu nennen, was im englischsprachigen Raum die Norm ist, das ist aber reine Geschmackssache.

Wenn man irgendwie die Chance hat und jemanden kennt, der/die in dem Beruf arbeitet, zu dem man zum Gespräch erscheinen soll, sollte man erfragen, was man für genannte Stelle verlangen sollte. Es tun sich leider immer noch viele Leute schwer damit zu sagen, was sie selbst verdienen, ich habe aber bisher noch niemanden getroffen, der mir nicht bereitwillig erklärt hat, was ein typisches Einstiegsgehalt als XY ist und wo man sich nach fünf oder zehn Jahren ungefähr bewegen sollte. Manchmal erlebt man da auch Überraschungen und erhält vielleicht wertvolle Informationen zum Unternehmen selbst und wie es von der Konkurrenz gesehen wird.

Natürlich ist die Größe der Firma auch ein Faktor, den man beachten sollte, bei einem börsennotierten Unternehmen wird man mehr verlangen können als in einem Startup.

Es kann auch hilfreich sein Mitglieder zum Beispiel bei Xing zu suchen, indem man einfach den Firmennamen bei der Suchmaske eingibt und sich anschaut wie lange die Mitarbeiter bereits bei der Firma sind und wie schnell sie innerhalb der Firma die Position gewechselt bzw. die Karriereleiter erklommen haben. Normalerweise ist von einem Junior zum Senior oder Mitarbeiter zum Abteilungsleiter jedes Mal auch ein Gehaltssprung dabei gewesen. Wie oft und wie schnell Personen innerhalb eines Unternehmens neue Positionen einnehmen, ist auch ein guter Indikator für die potenzielle eigene Weiterentwicklung im Unternehmen, quasi der Gehaltscheck auf lange Sicht.

Das Stichwort lautet also Recherche. So viel und so genau wie möglich zum Unternehmen und dem eigenen Marktwert. Und dann überlegt man sich darauf basierend eine Zahl.

Mir ist es mehrmals in Bewerbungsgesprächen passiert, dass mir klar wurde, dass die Stelle viel höher in der Hierarchieebene angesiedelt war, als vorab angenommen. Ich habe dann durchaus meine „innere Zahl“ noch während des Gesprächs angepasst. Auch das ist möglich und legitim, aber wie gesagt sollte man dies auf Basis von bereits gemachten Überlegungen machen.

Wenn man dann seine Zahl im Gespräch nennt, sollte man sein Gegenüber sehr genau beobachten. Wie wird reagiert? Ich habe bisher folgende Reaktionen erlebt:

  • Ohne mit der Wimper zu zucken wurde mir bestätigt, dass das möglich sein sollte. Für mich hieß das im Nachgang, dass ich zu wenig verlangt hatte. Wenn keiner reagiert oder prompt gesagt wird, dass das überhaupt kein Problem sein sollte, hat man sehr wahrscheinlich zu wenig verlangt. Sollte man am Ende eine Zusage erhalten, sollte man sich ernsthaft Gedanken machen noch nachzuverhandeln. Spielraum gibt es da immer, aber gute Argumente sollte man auf jeden Fall parat haben, warum man seine Meinung geändert hat. Ein Argument kann zum Beispiel sein, dass einem nach dem Gespräch klargeworden ist, dass die Stelle doch um einiges anspruchsvoller ist als angenommen und man deshalb der Ansicht ist, dass das höher honoriert werden sollte. Natürlich ist die Spanne bei Nachverhandlungen grundsätzlich viel kleiner als vorher, deshalb sollte man sich vorher schon so viele Gedanken wie möglich gemacht haben und um seinen Wert wissen.
  • Mein Gegenüber druckst herum. Vielleicht fragt die Person drei Mal nach, ob sie meine Zahl richtig verstanden hat, vielleicht zuckt sie zusammen und schüttelt leise den Kopf, vielleicht tauschen meine beiden Gesprächspartner stumm Blicke aus. Das bedeutet fast immer, dass man weit über das Ziel geschossen hat. Wenn niemand gewillt ist einem das direkt zu sagen, sollte man an dieser Stelle nachfragen, wo das Gehalt ihrer Meinung nach angesiedelt sein sollte. In so einer Situation sollte man schnell reagieren können, denn liegt die Zahl meines Gegenübers deutlich unter dem, was ich mir vorgestellt habe, muss man sofort entscheiden, ob man grundsätzlich noch weiterhin Interesse hat oder vielleicht lieber doch an dieser Stelle Abschied nimmt. Möchte man nicht so schnell entscheiden, kann man sich Bedenkzeit erbeten und deutlich machen, dass man eigentlich mehr erwartet hat.
  • Keine Reaktion. Leider habe ich es oft genug erlebt, dass meine Zahl stumm mit einem solchen Pokerface aufgeschrieben wurde, dass ich die Reaktion meines Gegenübers überhaupt nicht deuten konnte. Ich habe es noch nicht so oft gemacht, mir aber fest für die Zukunft vorgenommen an dieser Stelle dann zu fragen, ob das den Erwartungen entspricht. Insbesondere, wenn man sehr an der Stelle interessiert ist und das Gefühl hatte, dass das Gespräch gut gelaufen ist, sollte man versuchen eine Antwort zu entlocken. Nichts ist schlimmer als wenn es daran scheitert, auch wenn man gewillt gewesen wäre für etwas weniger die Stelle anzutreten.

Die Kurzversion lautet also:

Den eigenen Marktwert gut recherchieren, eine konkrete Zahl vor dem Gespräch überlegen und ggf. im Gespräch anpassen und dann sehr genau beobachten wie mein Gegenüber auf diese Zahl reagiert.

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3 Gedanken zu “Gehaltsverhandlung – wie geht das?

  1. Vielen Dank für den informativen Artikel. Ich habe seit kurzem auch relativ viele Bewerbungsgespräche hinter mich bringen müssen und die Frage nah dem Gehalt war anfangs wirklich gewöhnungsbedürftig. Irgendwie redet kaum jemand gerne offen über sein Gehalt und wenn ja, dann weiß man, dass man nicht das wirkliche Gehalt genannt bekommt. Aber bei mir war es so, dass mit der Zeit das Thema mit dem Gehalt besser wurde, ich mehr selbstbewusstsein hatte und auch in der Verhandlung (die i.d.R. es bei der Rückmeldung auf das Bewerbungsgespräch statfand) mehr Ähne zeigen konnte. Der Artikel oben, aber auch andere Infos im Internet wie z.B. https://dabego.de/ich-will-mehr-geld-die-unliebsame-verhandlung-ums-gehalt/ helfen bei der Vorbereitung zur Gehaltsverhandlung. Folglich kann man sich ganz gut darauf vorbereiten und mit der Zeit wird man auch immer selbstbewusster.

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    1. Seitdem ich in der Personalabteilung arbeite und sehe wie viel Gehalt für welche Position gezahlt wird, bin ich da auch noch wesentlich unerschrockener für sich das Beste herauszuholen. Ja, Selbstbewusstsein hilft auf jeden Fall.

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