Noch mehr zum Thema Gehalt

Es wird, wie ich finde, leider immer noch zu wenig in Deutschland über das Thema Gehalt gesprochen. Das ist insbesondere deshalb tragisch, weil Gehaltsangaben bereits bei gefühlten 90% aller Bewerbungen verlangt werden. Jedes Mal sitzt man also da und rätselt, was man denn nun als Gehalt angeben soll.

Wie ich schon in meinem vorherigen Blogeintrag geschrieben habe, sind Seiten wie gehaltsvergleich.com hilfreich für eine erste Orientierung. Auch die Consultingfirma Kienbaum gibt manchmal gute Studien heraus, besonders interessant fand ich die Studie zum Jahresende 2014 zu den Einstiegsgehältern von Hochschulabsolventen nach Studienfach, siehe hier, auch wenn man debattieren kann, inwieweit hier tatsächlich die Realität abgebildet wird.

Was gibt man also an? Ich weiß sehr wohl, dass die Gehaltsangaben ein sehr wichtiges Kriterium sind jemanden nicht zum Vorstellungsgespräch einzuladen, wenn die Vorstellungen des Bewerbers extrem über das hinausschießen, was man sich als Rahmen überlegt hat. Oft ist es das K.-o.-Kriterium. Zu viel darf man also nicht verlangen, zu wenig ist aber auch nicht gut.

Es ist natürlich einfacher, wenn man bereits etwas Berufserfahrung hat und bei der Folgestelle etwas mehr verdienen möchte. Ich habe leider die bittere Erfahrung machen müssen, dass selbst das nicht immer gegeben ist. Von vielen anderen berufstätigen Geisteswissenschaftlern weiß ich, dass das Gehalt fast immer sehr klein ist, oft zu klein, dass Frust entsteht, weil wir nun mal alle jahrelang studiert haben und das Gefühl einen nicht verlässt, dass das Studium in der Gesellschaft nicht anerkannt wird. Zumindest nicht ganz. Oft fühlt man sich als Mensch zweiter Klasse.

Manchmal habe ich in Bewerbungsgesprächen lapidare Aussagen gehört wie z.B. „Sie haben doch einen gutverdienenden Partner“, als ob es deshalb logisch wäre sich mit weniger zufrieden zu geben. Oft habe ich auch gehört, dass das Gehalt von oben festgelegt wird, also alle gleich viel oder besser gesagt wenig verdienen, wobei ich mich schon oft gefragt habe, warum so viele das mitmachen und keiner aus dem System ausbricht.

Ich habe keine gute Antwort auf die Frage, was man denn als Gehaltsangaben in der Bewerbung angeben soll. Ich habe für mich beschlossen, dass ich immer eine Zahl angeben werde, mit der ich selbst gut leben kann. Ich möchte mich nicht mehr komplett unter meinem Wert verkaufen, nur, damit ich sagen kann, dass ich etwas habe. Ich weiß auch, dass ich bei bestimmten Stellen tiefer ansetzen muss, aber das heißt nicht, dass ich unter eine bestimmte Schmerzgrenze gehe, die ich für mich persönlich festgelegt habe.

Einmal habe ich sogar eine Antwort von einer Personalerin auf meine Bewerbung bekommen, die mir in einer E-Mail schrieb, dass mein Profil sehr interessant klingt und sie mich gerne zu einem Kennenlerngespräch einladen möchte, aber leider würde ich mit meinen Gehaltsvorstellungen deutlich über dem liegen, was man mir bieten könne. Ich habe dann kurzerhand zurückgeschrieben und gefragt, was denn ihr Budget ist und siehe da, sie hat mir tatsächlich schriftlich per E-Mail den Rahmen genannt. Das fand ich gut, denn dadurch haben wir uns den ganzen Stress gespart. Es war mir nämlich zu wenig, es war deutlich unter meiner persönlichen Schmerzensgrenze und entsprechend habe ich das Angebot ausgeschlagen ohne überhaupt erst ein Kennenlerngespräch zu vereinbaren.

Natürlich ist Geld nicht alles und wie gesagt habe ich einmal ein kleineres Gehalt in Kauf genommen als ich die Stelle gewechselt habe, weil mir die Aufgaben und das Berufsfeld viel mehr lagen als auch erfüllt haben. Geld ist definitiv nicht alles und ich glaube, die meisten Geisteswissenschaftler wissen bereits zu Studienbeginn, dass sie nie das große Geld verdienen werden. Geisteswissenschaftler entscheiden sich bewusst gegen Studiengänge, wo das gute Gehalt am Ende sicher ist, wie in der Informatik oder Medizin. Aber ohne Geld geht es auch nicht und da finde ich, dass wir als Geisteswissenschaftler uns oft genug unter unserem Wert verkaufen.

Die Zahl, die man am Ende als seine Gehaltsvorstellung in der Bewerbung angibt, sollte deshalb meiner Meinung nach eine Zahl sein, die gut recherchiert ist, aber mit der man sich auch vorstellen kann zu leben ohne ständig frustriert zu sein.

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