Hättest du nochmal das Gleiche studiert?

Irgendwann die Tage bin ich über diesen Satz in einem Interview gestolpert, ob ich nochmal das Gleiche studieren würde, nämlich die beiden Hauptfächer Amerikanistik und Deutsch als Fremdsprache im Magisterstudiengang, wenn ich nochmal die Wahl hätte?

Die Antwort lautet jein. Ich bin weiterhin froh, dass ich mich allen Ratschlägen zum Trotz gegen ein Lehramtstudium entschieden habe, denn bis heute kann ich es mir nicht vorstellen vor pubertierenden Neuntklässlern die Autoritätsperson zu spielen. Ich würde weiterhin stattdessen Magister wählen, auch wenn ich heute weiß, dass eine „gutbezahlte“ Festanstellung in der Bildung außerhalb des schulischen Kontextes ungefähr gleichzusetzen ist mit dem Gehalt eines Trainees im BWL-Bereich.

Wahrscheinlich würde ich auch immer noch Sprachen als zumindest Teil des Studiums wählen. Dazu finde ich Sprache an sich viel zu interessant und würde auch sonst nicht diesen Blog schreiben.

Aber ich würde definitiv niemals wieder nur Sprachen studieren. Ich bin sehr froh, dass ich im Fach Deutsch als Fremdsprache einen sehr hohen pädagogischen, didaktischen und methodischen Anteil hatte. Natürlich ging es primär um die Frage wie eine Person eine Sprache lernt, wie man sie motivieren oder wie man den Leistungsstand messen und bewerten kann. Aber ich habe mittlerweile festgestellt, dass man diese Fragestellungen auch übertragen kann. Ich habe im Studium auch das Handwerk mitbekommen zu klären wie man grundsätzlich Fähigkeiten und Skills trainiert, entwickelt und fördert, wie man Lernziele feststeckt und dass man Lerntagebücher nicht nur für Sprachen, sondern genauso auch für Führungskräfte einsetzen kann, die als Mentor ausgebildet werden.

Auch wenn ich froh um den Pädagogikanteil bin, so würde ich heute ganz sicher als Hauptfach etwas anderes als eine Sprache wählen. Hätte man mir zu Beginn des Studiums geraten, dass ich lieber BWL im Hauptfach studieren soll, ich hätte den Vogel gezeigt. Heute muss ich jedoch kleinlaut zugeben, dass es die bessere Wahl gewesen wäre. Natürlich wusste ich bereits zu Beginn des Studiums, dass ich als Geisteswissenschaftlerin wenig verdienen würde. Ich wusste, dass ich volles Risiko fuhr, weil ich mich gegen das Lehramtstudium entschied. Ich wusste, dass es kein klar definiertes Berufsfeld gab, auf das ich hinarbeiten konnte. Ich wusste es und gleichzeitig wusste ich es nicht.

Mir war nicht klar, dass man als freiberufliche Sprachtrainerin, wie es viele sind, die Deutsch als Fremdsprache studieren, so wenig honoriert wird, dass man immer an der Armutsgrenze lebt. Mir war nicht klar, dass in den Köpfen der deutschen Personaler leider doch noch wichtig ist, was man studiert hat, auch nach drei bis fünf Jahren Berufserfahrung, dass die meisten doch keinen Quereinsteigern eine Chance geben, weil sich schlicht und einfach genügend andere mit den „richtigen“ Studienfächern bewerben und sie auf Nummer sicher gehen können. Mir war auch nicht klar, dass ich viel zu viel Hoffnungen auf die Karte „Fremdsprache“ gesetzt hatte. Fremdsprachen sind wichtig, das steht völlig außer Frage, aber sie sind nach meinem Gefühl nur dann relevant, wenn man andere Fähigkeiten aufweisen kann, wenn man z.B. als Ingenieur freiwillig in ein anderes Land geht und dort seine Kenntnisse weitergibt. Sprachkenntnisse sind ein wichtiger Zusatz, nicht aber Mittel zum Zweck außer in sehr wenigen Sparten wie z.B. als Übersetzer.

Deshalb: Überlege dir gut, was du studierst. „Irgendwas mit Medien“ ist nicht genau genug. Sprich mit Leuten, die in Bereichen arbeiten, die interessant klingen. Suche mindestens fünf Berufsfelder heraus, die du dir vorstellen kannst später mal auszuüben und finde heraus, was für Studiengänge klassischerweise dafür benötigt werden.

Wenn ich heute nochmal ins Jahr 2004 zurückversetzt werden könnte, würde ich BWL im Hauptfach und Amerikanistik und Pädagogik im Nebenfach studieren.

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