„Fake it till you make it“

Es gibt sie manchmal, die überraschenden Einladungen zum Gespräch. Bei den Bewerbungen, bei denen man sich eigentlich nicht so viel erhofft hat. Bei denen man weitaus weniger als die gewünschten 80% aller Kriterien der Stellenausschreibung erfüllt, bei denen man sich vielleicht nicht sicher ist, was die genauen Aufgaben sein werden, da die Stellenbeschreibung ziemlich vage bleibt.

Ironischerweise sind es oft die Stellen, bei denen man sich sicher war, dass man 100% zusammenpasst, wo es Absagen hagelt. Das ist dann wie ein Schlag in die Magengrube. Man kommt dann nicht umhin zu spekulieren, dass die Stellenausschreibung eine reine Formalie war und von vorneherein schon klar war, wer die Position besetzen würde. Zu oft ist es mir schon passiert, dass ich ernüchtert vor der Absage-E-Mail saß, obwohl ich meiner Meinung nach mindestens 95% der Kriterien erfüllt und eine sorgfältig vorbereitete und maßgeschneiderte Bewerbung abgeschickt habe.

Aber dann kommen, sozusagen als Ausgleich, die Anrufe zu den Bewerbungen, bei denen man sich eigentlich keine Chance ausgerechnet hat. Man ist überrascht, erleichtert, erstaunt und auch ein wenig verwirrt. Oft sind es die Bewerbungen, bei denen man sich vielleicht nicht ganz so viel Mühe gemacht hat, wo man im Nachgang feststellt, dass sich Tippfehler eingeschlichen haben. Man fragt sich, warum man eingeladen wurde, weil man offensichtlicher Weise bei weitem nicht alle Kriterien erfüllt. Aber natürlich geht man doch zum Vorstellungsgespräch.

Im Gespräch stellt man dann vielleicht überrascht fest, dass es spannend klingt, dass zwar teilweise Aufgaben dabei sind, bei denen man ganz von vorne eingearbeitet werden muss, aber worauf man Lust hat und am Ende zusagt.

Deshalb mein Plädoyer: Ich bin kein Fan von Millionen von Bewerbungen, nur damit man sagen kann, dass man sich beworben hat. Wer als Geisteswissenschaftler mehr als zwei bis drei Bewerbungen pro Woche verschickt, bewirbt sich eindeutig auf Stellen, die kaum dem eigenen Profil gerecht werden und die meiner Meinung nach ein reiner Verzweiflungsakt sind. Meine persönliche Bilanz sind aktuell 20 Bewerbungen in 13 Wochen, womit ich im Schnitt bei ein bis zwei Bewerbungen pro Woche dabei bin.

Aber, und darauf will dieser Eintrag hinaus, manchmal kann es auch sinnvoll sein sich auf Stellen zu bewerben, bei denen man nicht so gut passt, bei denen vielleicht teilweise neue Aufgaben hinzukämen, die man sich aber sehr gut vorstellen könnte auszuführen. Denn wie gesagt wird man öfter auch eingeladen, auch wenn man sich kaum Chancen ausgerechnet hat und im Gespräch als Quereinsteiger punkten kann.

Deshalb: Fake it till you make it. Quereinsteiger werden zwar nicht überall gern gesehen, aber es stimmt nicht, dass sie nie eine Chance bekommen.

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