Was denn nun, Freiberufler, freier Mitarbeiter, Freelancer, Honorarkraft, selbstständig?

Da steht man da wie der Depp und weiß sich nicht zu helfen, was ist man denn nun, Freiberufler, freier Mitarbeiter, Freelancer, Honorarkraft oder selbstständig?

Beim Wirrwarr der Bezeichnungen kann einem ganz anders werden. Wie gesagt bin ich kein Steuerberater oder Finanzwirt, aber mir hat es geholfen folgendes zu beachten:

Wenn es geht, sollte man versuchen Freiberufler zu sein, denn Freiberufler haben einige steuerliche Vorteile. Sie müssen im Gegensatz zu anderen Selbstständigen keine Gewerbesteuer bezahlen und dementsprechend kein Gewerbe anmelden. Freiberufler heißen nicht umsonst Frei-berufler, sie sind nämlich freier als andere Selbstständige, da sie kein Zwangsmitglied in der IHK sind, sie müssen keine doppelte Buchführung machen, sondern können eine einfache Einahmeüberschussrechnung einreichen (dazu an anderer Stelle mehr). Laut deutschem Einkommenssteuergesetz wird ein Freiberufler folgendermaßen in Paragraph 18 definiert:

„Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe“, siehe komplett auch hier. Da dies eine Auflistung ist, werden Freie Berufe als Katalogberufe bezeichnet. Die allgemein unter „wissenschaftlich, künsterlisch, schriftstellerisch, unterrichtend und erzieherisch“ zusammengefassten Berufe, werden oft als Tätigkeitsberufe bezeichnet.

Natürlich gibt es Streitfälle. Findet man seinen Beruf in der oben genannten Auflistung (z.B. Dolmetscher), kann kein Finanzamt einem den Status als Freiberufler streitig machen. Leider bietet jedoch der kleine Zusatz „und ähnliche Berufe“ Raum für Interpretationen. Deswegen hat es sich eingebürgert zu den sogenannten Katalogberufen der Auflistung auch noch „katalogähnliche“ Berufe als freie Berufe zu bezeichnen. Nehmen wir mal das Beispiel eines Musikers. Ein Musiker ist klar künstlerisch tätig, wird jedoch nicht in der Auflistung explizit mit genannt, wodurch typischerweise ein Musiker einen katalogähnlichen Beruf als auch Tätigkeitsberuf hat und somit auch Freiberufler ist. Bei einem Social Media Manager gestaltet es sich schon schwieriger, denn schriftstellerisch tätig ist diese Person zwar auch, aber in weitaus geringerem Maße als z.B. der Journalist. Zählt dieser dann noch als Freiberufler oder muss er ein Gewerbe anmelden?

Zusätzlich zum oben genannten Gesetz wird auch oft das sogenannte Partnerschaftsgesellschaftsgesetz hinzugezogen, um genauer zu fassen, was ein Freiberufler ist. In Paragraph 2 findet sich folgende Aussage: „Die Freien Berufe haben im allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt. Ausübung eines Freien Berufs im Sinne dieses Gesetzes ist die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Heilpraktiker, Krankengymnasten, Hebammen, Heilmasseure, Diplom-Psychologen, Mitglieder der Rechtsanwaltskammern, Patentanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer (vereidigte Buchrevisoren), Steuerbevollmächtigten, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Lotsen, hauptberuflichen Sachverständigen, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer und ähnlicher Berufe sowie der Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, Lehrer und Erzieher“ (Hervorherbungen meinerseits), komplettes Gesetz siehe hier.

Mein Tipp an dieser Stelle lautet, sich im Zweifelsfall an seinen Sachbearbeiter im Finanzamt zu wenden und den Sachverhalt zu klären, denn schließlich ist es diese Person, die die Einkommenssteuererklärung anschauen und über den Fall entscheiden wird, da sollte man lieber direkt zu Beginn wissen woran man ist, wenn man seine Einkommenssteuererklärung ausfüllt, bevor dann das böse Erwachen kommt. Es gibt insbesondere bei den katalogähnlichen Berufen zahlreiche Fälle, wo das Finanzamt im Nachgang dann noch die Gewerbesteuer einfordert und eben nicht die Tätigkeit als freien Beruf einstuft.

Natürlich kann man auch einen Steuerberater hinzuziehen oder, wenn man es ganz genau wissen will, auch eine verbindliche Auskunft von seinem Finanzamt einfordern, jedoch kostet dies eine Gebühr, siehe hier. Wenn der Beruf jedoch nicht klar aufgelistet ist, würde ich empfehlen diesen Antrag zu stellen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Nun aber zurück zu der Unterscheidung von Freiberufler, freier Mitarbeiter, Freelancer, Honorarkraft und Selbstständigem. Kurz gesagt ist es oft branchenabhängig, ob man vom freien Mitarbeiter redet (z.B. gang und gäbe im Journalismus) oder aber von der Honorarkraft (z.B. üblich im Bildungsbereich und Sozialpädagogik). Schlussendlich ist die wichtigste Unterscheidung Freiberufler oder Gewerbetreibender, auch wenn diese Unterscheidung seltsamerweise im Alltag so gut wie nie vorgenommen wird. Denn nur diese Unterscheidung ist schlussendlich wichtig für das Finanzamt und die Steuererklärung. Auch als Freelancer (wie z.B. es oft in der IT-Branche üblich ist), ist es möglich, dass man Gewerbetreibender ist (z.B. wenn man hauptsächlich das Produkt Software verkauft), anders verhält es sich jedoch, wenn man die Software selbst programmiert.

Dass heißt, bevor man den ersten Auftrag bekommt, sollte man sich als erstes klar werden, was man denn nun genau ist und wie man steuerlich eingeordnet wird. Sobald das klar ist, kann man dann den ersten Schritt gehen und seine selbstständige Tätigkeit beim Finanzamt anmelden. Doch aufgepasst: Nur Freiberufler melden sich direkt beim Finanzamt, Gewerbetreibende müssen sich erst beim Gewerbeamt melden bevor sie sich auch beim Finanzamt melden, deshalb ist diese Unterscheidung auch so wichtig.

Wie man sich beim Finanzamt anmeldet, werde ich morgen erklären.

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3 Gedanken zu “Was denn nun, Freiberufler, freier Mitarbeiter, Freelancer, Honorarkraft, selbstständig?

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