Schritt 1: Beim Finanzamt anmelden

Wie bereits in meinem vorherigen Eintrag geschrieben, muss man als erstes feststellen, ob man Freiberufler oder Gewerbetreibender ist. Dann erfolgt die Anmeldung beim Finanzamt, wenn man Freiberufler ist oder bei der jeweiligen Kommune, wenn man Gewerbetreibender ist, erst dann erfolgt als Gewerbetreibender im Anschluss ebenso die Anmeldung beim Finanzamt.

Heute will ich einige Tipps weitergeben zwecks Anmeldung beim Finanzamt als Freiberufler. Nochmal der Hinweis, dass ich kein Steuerberater bin, sondern mich alleine durch alles gekämpft habe als ich fünf Jahre selbstständig war. Sollte sich irgendwo ein Fehler eingeschlichen haben, freue ich mich auf jeden Fall über eine Reaktion.

Da ich selbst in Hamburg lebe, hier das Formular vom Finanzamt aus Hamburg. Wenn du selbst in deiner Stadt deine selbstständige Tätigkeit als Freiberufler anmelden möchtest, solltest du „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ + deine Stadt googeln. In den Ausführungen unten beziehe ich mich auf das Formular aus Hamburg.

Die erste Seite des Formulars ist noch ziemlich leicht auszufüllen. Einzig die „Art der Tätigkeit“ sollte genau überlegt sein. Denn hiernach wird das Finanzamt entscheiden, ob man tatsächlich Freiberufler ist und entsprechend keine Gewerbesteuer zahlen muss oder nicht. Da sollte man sich also die Jobbezeichnung gut überlegen.

Auch die zweite Seite lässt sich schnell ausfüllen. Als Freiberufler ist man meines Wissens nicht verpflichtet einen Steuerberater hinzuzuziehen. Auch Seite 3 sollte keine Probleme hervorrufen, da man meist zunächst von zu Hause aus arbeitet. Seite 4 bleibt auch ziemlich leer, weder ist es nötig sich bei der Kammer (wie das z.B. Ärzte tun müssen) oder beim Handelsregister anzumelden. Einzig das Datum zu wann die freiberufliche Tätigkeit aufgenommen wird, gilt es anzugeben.

Der wirklich schwierige Teil beginnt ab Seite 5. Wie ich vorher schon geschrieben habe, darf man als Freiberufler eine einfache Einnahmeüberschussrechnung einreichen. Jedoch ist es wichtig sich zu Beginn Gedanken zu machen, ob man die Mehrwertsteuer auf seinen Rechnungen angeben will und dementsprechend monatlich dem Finanzamt zu melden hat wie viel man abgeführt hat oder aber günstigere Preise für seinen Kunden bieten kann, indem man darauf verzichtet. Dabei gibt es allerdings die Einschränkung, dass man pro Finanzjahr nicht mehr als 17.500 EUR verdienen darf, wenn man auf die Mehrwertsteuer verzichten möchte, andernfalls verpflichtet man sich als Kleinunternehmer, der trotzdem die Mehrwertsteuer angeben möchte, fünf Jahre lang die Umsatzsteuer dem Finanzamt monatlich mitzuteilen. Es gibt also im Endeffekt folgende Möglichkeiten:

Einkommenssteuermöglichkeiten bei Freiberuflern-001Und als ob diese Entscheidung nicht schon kompliziert genug wäre, hat man auf Seite 6 auch noch anzugeben, ob man eventuell Einnahmen hat, die entweder steuerbefreit sind oder den verminderten Steuersatz von 7% unterliegen. Es gibt viele verschiedene Dienstleistungen, die steuerbefreit sind, wer mag kann sich hier informieren. Ich zum Beispiel habe viele Jahre lang als Sprachtrainerin gearbeitet und unter anderem gemeinnützige Sprachschulen (das klassische Beispiel wäre die Volkshochschule) als Auftraggeber gehabt. Selbst wenn ich nicht als Kleinunternehmerin gemeldet gewesen wäre, hätte ich keine Mehrwertsteuer auf meine Rechnungen setzen dürfen, da gemeinnützige Institutionen davon befreit sind (siehe UStG §4 22a). Viele Finanzämter verlangen einen Nachweis der Umsatzsteuerbefreiung seiner Kunden, wenn man seine Steuererklärung einreicht. Im Falle der Steuerbefreiung solltest du gleich zu Beginn so etwas bei deinen Auftraggebern verlangen, bevor du deine erste Rechnung schreibst.

Der verminderte Steuersatz von 7% ist insbesondere für Künstler wichtig zu beachten, hier zunächst das Gesetz dazu. Ich zum Beispiel habe auch einige Jahre als Pianistin gearbeitet. Die CDs, die ich verkauft habe, hätte ich nur mit 7% versteuern dürfen (UStG §12, 7c und dann wiederum Urheberrecht §2) wenn ich nicht Kleinunternehmerin gewesen wäre, da ich „Werke der Musik“ erschaffen habe. Deswegen gilt auch bei Büchern der verminderte Steuersatz. Auch hier solltest du überlegen, ob du Einnahmen hast, die anders versteuert werden und entsprechend angeben.

Seite 7 zur „Soll- und Istversteuerung“ habe ich mir damals von meiner Sachbearbeiterin im Finanzamt erklären lassen. Nehmen wir zum Beispiel den Fall, dass du eine Rechnung im April 2015 an deinen Kunden schickst. Das Geld erhältst du jedoch erst im Mai. Nach der Istversteuerung würdest du erst im Mai dem Finanzamt mitteilen wie viel Mehrwertsteuer du auf die Rechnung gesetzt hast und entsprechend abführen musst, nach der Sollversteuerung würdest du das bereits für die Aprilmeldung machen. Achtung, diese Frage ist also nur relevant, wenn du dich entschieden hast die Mehrwertsteuer auf deine Rechnung zu setzen. Als Kleinunternehmer kannst du dieses Feld frei lassen. Natürlich brauchst du dann auch keine Umsatzsteuer-Idenitifikationsnummer, sondern musst nur auf die zugeteilte Steuernummer vom Finanzamt warten.

So weit, so gut. Und jetzt würde mich mal interessieren, was für Fragen und Kritik ihr noch habt.

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