Wie war das nochmal mit den Versicherungen?

Gleich vorweg eine kleine Warnung, beim Thema Versicherungen habe ich mir ziemlich die Zähne ausgebissen als ich selbstständig wurde. Da geht es ans Eingemachte, da habe ich einige Stunden am Telefon verbracht, manchmal verzweifelt, weil ich es immer noch nicht verstand, manchmal leicht hysterisch, weil meine Situation so kompliziert war und manchmal frustriert. Hier also ein Versuch ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Zunächst einmal die Frage, welche Versicherungen für einen Selbstständigen Pflicht sind. Und da geht es gleich schon los. Pflichtversicherungen sind

  • Gesetzliche Rentenversicherung, dies gilt jedoch nur für bestimmte selbstständige Berufsgruppen und
  • Krankenversicherung (ob freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse oder privat versichert)

Das klingt einfach, nicht wahr? Schön überschaubar? Pustekuchen. Denn diese beiden Versicherungen haben es in sich.

Heute widme ich mich nur dem Thema Rentenversicherung. Da ich selbst jahrelang Sprachtrainerin war, musste ich gesetzlich rentenversichert sein. Warum? Das ist mir bis heute schleierhaft, aber es ist nunmal so, dass einige selbstständige Berufe als besonders „schutzwürdig“ angesehen werden, die also unbedingt in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen müssen. Dazu gehören auch Sprachlehrer, Erzieher, Künstler und Publizisten (hier kann man beim SGB VI genauer nachlesen, wer dazugehört, die deutsche Rentenversicherung gibt hier einen Überblick der „schutzwürdigen“ Berufe). Bitte also unbedingt schnell klären, ob man dazugehört, denn ansonsten hat man seine Altersvorsorge selbst in der Hand und kann sich privat rentenversichern.

Als Sprachlehrer hat man nun mehrere Auswahlmöglichkeiten wie man gesetzlich versichert sein möchte (einen guten Überblick gibt die Deutsche Rentenversicherung hier, allerdings stammt die Broschüre noch vom Jahr 2014, die Beträge haben sich leicht geändert):

  • In den ersten drei Jahren nach Existenzgründung besteht die Möglichkeit den halben Regelsatz monatlich zu zahlen. Dieser liegt im Jahr 2017 bei 278,16 EUR, siehe hier. Der Antrag dafür muss gesondert gestellt werden.
  • Einkommensabhängiger Prozentsatz (liegt im Augenblick bei 18,7%), dabei wird Einkommen definiert als Überschuss nach Abzug der Betriebsausgaben, allerdings dient als Grundlage der Berechnungen immer der Einkommenssteuerbescheid des vorherigen Jahres. Folgt also auf ein  ertragreiches Jahr ein schlechteres, so hat man hier doppelt das Nachsehen. Allerdings ist es zumindest einmalig möglich von dieser Regelung abzuweichen, auch dazu muss gesondert ein Antrag gestellt werden. Diese Art der Beitragsfestlegung ist bei bestimmten Berufen bereits festgelegt (z.B. Künstler).
  • Man kann auch den vollen Beitrag zahlen, unabhängig von seinem Einkommen, der im Augenblick bei 556,33 EUR monatlich liegt (siehe hier)

Der Versicherungspflicht kann man nur entgehen, wenn man entweder regelmäßig monatlich keine Gewinne über 450 EUR erwirtschaftet (siehe hier) oder aber mindestens einen versicherungspflichtigen Angestellten einstellt (also keinen 400-Euro-Jobber oder aber mindestes zwei Minijobber, die gemeinsam mehr als 450 EUR verdienen). Da dies meist zu Beginn für selbstständige Geisteswissenschaftler außer Frage steht, muss in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt werden.

Übrigens kann die gesetzliche Rentenversicherung Nachzahlungen fordern. Wenn nämlich klar wird, dass man versicherungspflichtig war und sich nicht gemeldet hat. Zu den Nachforderungen können dann noch saftige Strafzahlungen hinzukommen. Auch wenn es viel Arbeit macht, kann ich nur raten möglichst schnell zu klären, ob Versicherungspflicht besteht oder nicht. Die Rentenversicherung legt als Frist drei Monate nach Beginn der Existenzgründung fest, siehe hier.

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2 Gedanken zu “Wie war das nochmal mit den Versicherungen?

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