Careerdate – auf informelle Art den zukünftigen Arbeitgeber kennenlernen

Eigentlich wollte ich heute etwas zur Krankenversicherung bei Freiberuflichkeit schreiben, bin aber auf etwas Interessantes gestoßen und disponiere deshalb um. Ich habe nämlich die Plattform namens Careerdate entdeckt, die das informelle Kennenlernen zwischen Bewerber und potenziellem Arbeitgeber in Form eines „Dates“ als ihr Ziel sieht.

Ziemlich gute Idee, oder? Die Arbeitgeber kreieren über die Plattform Events, zu denen man sich dann als Interessent anmelden kann. Das kann etwas Klassisches wie ein Firmen-Karrieretag sein, aber im Prinzip ist es auch möglich den wöchentlichen Stammtisch der IT-Abteilung als Event einzustellen. Auf der Plattform habe ich Online-Chats entdeckt und, für mich besonders reizvoll, Einladungen, bei denen man den Geschäftsführer beim Frühstück oder Mittagessen persönlich kennenlernen kann mit begrenzter Teilnehmerzahl.

Ich finde diese schlichte Idee Recruiting über den informellen Kanal anzugehen, faszinierend. Aus verschiedenen Gründen. Hier mal einige Argumente:

1. Wie oft erlebt man es, dass Bewerbungsverfahren einer Massenabfertigung gleichkommen. Selbst wenn man sich glücklich schätzen kann und zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, hat man das Gefühl klinisch abgefertigt zu werden. Ich kann den Personalern das auch nicht zum Vorwurf machen, wenn man zum tausendsten Mal das gleiche Gespräch für eine Position führt, verliert man irgendwann den Überblick als auch das persönliche Interesse. Die Frage lautet sowieso, ob man durch das klassische Vorstellungsgespräch wirklich einen passenden Kandidaten finden kann. Vielleicht fachlich. Vielleicht sogar menschlich, aber ob jemand wirklich in das Unternehmen passt, ob jemand genauso denkt, ob jemand auch ins Team passt, mit den Schrullen verschiedener Charaktere auskommen wird, das kann mal wohl kaum in einem einstündigen Gespräch herausfinden, bei dem es primär um die fachlichen Qualifikationen geht. Dazu ist die Situation viel zu künstlich. Dazu haben Bewerber viel zu lange Ratgeber gelesen und schon tausend Mal die Frage beantwortet, warum man sie nehmen sollte statt einen anderen Mitbewerber.

Dreht man nun aber dem Spieß um und trifft sich eben nicht in einer künstlichen Atmosphäre, sondern ganz ungezwungen beim Stammtisch oder gemeinsamen Essen, so findet man viel besser heraus, ob jemand von der Persönlichkeit her passt. Natürlich hängt es auch davon ab wie man sich als Arbeitgeber verhält, natürlich kann man auch hier den Interessenten mit fachlichen Fragen bombardieren, kann schnell eine Art Vorstellungsgespräch fabrizieren, aber das wird man wohl kaum machen, wenn man gemeinsam Volleyball spielt oder aber bewusst nicht nur die Personaler beim „Date“ agieren lässt, sondern andere Abteilungen oder Personen.

2. Ich glaube, dass Geisteswissenschaftler und Quereinsteiger hier eine weitaus bessere Chance haben. Ja, man muss sich für die Teilnahme an einem bestimmten „Date“ bewerben und seinen Lebenslauf hochladen und natürlich kann es hier genauso passieren, dass Personaler sich gegen einen entscheiden. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Latte hier nicht so hoch angesetzt wird, wie wenn man Bewerbungen auf eine ausgeschriebene Stelle sichtet. Und damit hat man die erste Hürde geschafft, kann sich persönlich ein Bild machen und sich im Falle einer späteren Bewerbung auf das Event beziehen.

3. Ich glaube, dass das Fachliche, die schlussendlichen Aufgaben und Projekte, die man durchzuführen hat, nur einen ziemlich kleinen Anteil ausmachen, ob man gerne zur Arbeit geht oder nicht. Natürlich will ich nicht sagen, dass ich selbst zum Beispiel in Begeisterung ausbrechen würde, wenn man mir mitteilen würde, dass ich ab sofort nicht mehr mit Menschen zu tun hätte, sondern den lieben langen Tag Software programmieren dürfte mit C++. Natürlich muss man seine eigenen Aufgaben grundsätzlich mögen. Aber mal ganz ehrlich, wenn man nette Kollegen hat, wenn man mit seinem Chef gut kann, dann lassen sich auch nicht so schöne Aufgaben gut ertragen. Ich weiß von mir selbst, dass ich mich auch deshalb schon so oft in komplett neue Themenfelder eingearbeitet habe, weil ich wusste, dass ich meine Kollegen um Rat fragen konnte oder aber meine Kollegen mit genau den gleichen Fragen zu kämpfen hatten. In jedem Job gibt es Routineaufgaben, die einen vielleicht nerven und die man gerne aufschiebt. Aber wenn man zur Arbeit geht und das Gefühl hat etwas im Team zu machen, wenn man weiß, dass Kollegen und/oder Chef hinter einem stehen, dann lässt man sich auch auf das Langweilige ein.

Und deshalb ist diese informelle Art des Recruitings meiner Meinung nach so reizvoll. Denn eben dieses Zwischenmenschliche kann man dabei viel besser und insbesondere vor Vertragsunterschrift herausfinden.

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2 Gedanken zu “Careerdate – auf informelle Art den zukünftigen Arbeitgeber kennenlernen

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