Die leidliche Frage des Honorars

Wer meine vorherigen Blogbeiträge gelesen hat wie viele Ausgaben man bereits durch die Sozialversicherungen hat, geschweige denn Lebenshaltungskosten, der wird vielleicht langsam begreifen, warum Honorar-Dumpingpreise im Endeffekt einem selbst schaden.

Zu Beginn ist man unsicher, hat noch keinerlei Erfahrungswerte und kennt weder den Wert der eigenen Arbeit, noch weiß man um die vielen Ausgaben, die man als Selbstständiger zu bestreiten hat.

Vor kurzem bin ich über einen interessanten Blogeintrag gestolpert, wo der Autor das deutsche Durchschnittsgehalt als Anhaltspunkt genommen hat, um das Stundenhonorar oder den Tagessatz für einen Freiberufler oder Selbstständigen zu berechnen. Wer mag, kann sich den kompletten Artikel hier anschauen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass man einen Tagessatz von mindestens 610,69 EUR und einen Stundensatz von 76,34 EUR zuzüglich Mehrwertsteuer fordern sollte, wenn man vergleichbar mit einem Angestelltem leben möchte.

Mir ist klar, dass insbesondere im geisteswissenschaftlichen Bereich ein solches Honorar undenkbar ist, gerade auch, wenn man gerade erst angefangen hat. Aber dennoch sollte man genau solche Überlegungen machen (wie z.B., dass man auch als Selbstständiger mal Urlaub machen möchte und dementsprechend in der Zeit keine Einnahmen hat, aber dennoch weiterhin seine Versicherungen zu zahlen hat, oder der Fakt, dass man nicht 365 Tage im Jahr arbeiten kann und somit die Anzahl der Tage, an denen man Einnahmen erwirtschaften kann, deutlich reduziert), bevor man einen zu niedrigen Stundensatz angibt.

Teilweise muss man auch erst lernen seinen Stundensatz selbstbewusst vorzutragen und oft genug zu verteidigen. Die meisten Kunden werden versuchen den Preis runterzuhandeln, es gibt einige, die auf die Tränendrüse drücken und sich so einen Preisvorteil erhoffen. Sich ein gutes Honorar zu überlegen, dauert seine Zeit. Auch sollte man immer den Kontakt zu anderen Freiberuflern in seiner Branche suchen, Plattformen und Netzwerke gibt es zuhauf. Auch über den Weg wird man schnell lernen, was ein realistisches Honorar ist und erhält wertvolle Tipps wie man vorzugehen hat.

Aber eine weitere Anmerkung würde ich zum Schluss gerne noch mitgeben wollen: Wie viel Honorar verlangen Friseure oder Handwerker für eine halbe Stunde oder eine Stunde Arbeit? Oft genug habe ich mir als Freiberuflerin das Gejammer der Kunden angehört, die über die horrenden Stundenpreise klagten. Wenn ich dann aber darauf hinwies wie viel Geld sie beim Friseur für eine halbe Stunde Arbeit hinterließen, wurden sie meist still. Deshalb: Netzwerke, suche dir andere Freiberuflern in deiner Branche und frage nach Einstiegshonoraren. Du wirst schnell feststellen wo die sich bewegen und langsam, aber stetig mehr verlangen können, je besser du wirst.

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2 Gedanken zu “Die leidliche Frage des Honorars

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