Onlinebewerbungen aus Bewerbersicht

In meiner jetzigen Bewerbungsphase im Jahr 2015 habe ich zahlreiche Onlinebewerbungen verschickt. Ich meine damit nicht die Bewerbung per E-Mail mit Anhang, sondern die Bewerbungen, die man hochlädt und/oder noch zusätzlich per Hand Daten einzugeben hat, bevor es den „Abschicken-Button“ gibt und man sofort im Anschluss eine Bestätigungs-E-Mail erhält, dass die Bewerbung erfolgreich verschickt wurde.

Hier mal meine ganz subjektive Wahrnehmung und Meinung zu diesem Verfahren:

  • Bis jetzt ist mir nicht klar was angeblich der große Vorteil gegenüber einer E-Mailbewerbung sein soll. Fast alle Online-Tools fragen im Prinzip nur die persönlichen Daten ab, die man dann zusätzlich einzutragen hat, aber zu gefühlten 90% der Zeit hat man sowohl Anschreiben als auch Lebenslauf und Zeugnisse dann als pdf hochzuladen. Ist das wirklich so viel vergleichbarer als wenn man die Bewerbung per E-Mail verschickt? Ich glaube nicht. Natürlich, wenn man Pflichtfelder vorgibt, wie zum Beispiel die Gehaltsvorstellungen oder unter welcher Nummer man am besten erreichbar ist, kann man zumindest bei gewissen Punkten schon vorselektieren. Aber diese angebliche Vergleichbarkeit von Kandidaten erschließt sich mir überhaupt nicht. Denn wenn es wirklich darum geht Qualifikationen, Berufserfahrung, Fähigkeiten und ähnliches miteinander vergleichen zu wollen, dann muss man doch wieder die pdf-Dokumente anschauen und damit ist die Hauptaufgabe der Bewerbermanagementsysteme meiner Meinung nach nicht erfüllt. Nur Bestätigungs-E-Mails, dass die Bewerbung angekommen ist, die braucht man dann nicht mehr zu verschicken. Aber auch das lässt sich ganz einfach bei einem E-Mailaccount einrichten. Aus meiner Sicht deshalb ein Ungenügend. Ob es auf Recruiter-Seite anders ist, weiß ich natürlich nicht, wage jedoch zu bezweifeln, dass in der Masterdatei die pdf-Dokumente anders aufbereitet sind.
  • Die wenigen Unternehmen, bei denen man tatsächlich seine Berufserfahrung und Studiengang einzutragen hat, haben nie genügend Auswahlfelder. Nie. Fast nie gibt es die Auswahl Magister beim Studienabschluss. Jedes Mal sitzt man dann da und fragt sich, was man dann angeben soll. Ich habe mich bisher immer für Diplom entschieden, denn schließlich ist das alte Magisterstudium der gleiche Abschluss wie ein Diplomstudium, nur eben für die Geisteswissenschaften. Beim Studienfach hört es dann ganz auf, ich habe bisher noch nie gesehen, dass man Amerikanistik auswählen konnte, auch Anglistik findet man nicht oft. Oder dann bei der Berufserfahrung, hier habe ich geschildert, was ich als Relocation Managerin gemacht habe, aber natürlich kennt keines der Systeme diesen Beruf. Welche Branche ist das? Logistik, Dienstleistung? Irgendwie beides. Aber am Ende kann man nur eines angeben. Und wird deshalb vielleicht zu Unrecht aussortiert.
  • Nach meiner subjetiven Wahrnehmung brauchen Unternehmen, die nur Online-Bewerbungen zulassen, deutlich länger als andere. Ja, mir ist klar, dass insbesondere die sehr großen Unternehmen von Bewerbungen erschlagen werden. Mir ist auch klar, dass kleinere oder mittelständische Unternehmen schneller auf Veränderungen, sprich Mitarbeitermangel, reagieren können. Ist mir schon klar. Aber ist es nicht trotzdem ironisch, dass ich locker zwei Monate warten muss, um irgendeine Reaktion zu bekommen, auch wenn ich direkt nach dem Verschicken die vermaledeite Bestätigung erhalten habe? Ist es nicht komisch, dass das Heer an Recruitern trotzdem so lange braucht, um meine Bewerbung zu sichten? Bewerbungsfristen habe ich bisher keine gesehen, die gibt es bei den großen Unternehmen irgendwie nicht, da gibt es auch Stellen, die dauerausgeschrieben sind. Mit der Begründung, dass die Sichtung deshalb so lange dauert, können sie also nicht um die Ecke kommen und dennoch passiert es jedes einzelne Mal, dass man sehr lange wartet, wie geschrieben gerne mal zwei oder drei Monate. Das scheint mir ziemlich kontraproduktiv. Da habe ich dann ehrlich gesagt lieber die Ansage wie vor kurzem von einem mittelständischen Unternehmen, dass die Bewerbungsfrist einen Monat beträgt und sie deshalb nicht vor Kalenderwoche X reagieren werden. Damit kann ich arbeiten. Aber so lange von einem großen Unternehmen links liegen gelassen zu werden, das gefällt mir nicht.
  • Ich kann auch verstehen, dass man bestimmte Pflichtfelder einführt, damit Bewerber gezwungen sind Angaben zu machen. Aber so oft habe ich mir gewünscht, dass ich nicht dazu gezwungen werde eine genaue Angabe zu machen. Wie zum Beispiel beim Gehalt, weil es da auch von meiner Seite aus Spielraum gibt und ich, je nachdem wie das Vorstellungsgespräch läuft, durchaus auch meine Zahl korrigiert habe, in beide Richtungen. Wenn man aber vorher schon die Zahl nennen musste, kann man wenig bis gar nicht mehr verhandeln.

Fazit: Diese starren Systeme, die diese Onlinesysteme nun mal sind, versprechen mehr Vergleichbarkeit, die sie meiner Meinung nach nicht liefern und sind obendrein noch unflexibel. Wegen mir könnten sie deshalb gut und gerne wieder abgeschafft werden.

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