Generation Y: von wegen Überstunden sind out

In den letzten Jahren wurde ja viel zur Generation Y geschrieben, hier mal exemplarisch zwei Artikel. So viel, dass man es bald schon nicht mehr hören kann. Jaja, wir sind die böse Generation, die am liebsten gleich mit einem Sabbatical ins Berufsleben einsteigt und ständig Home Office machen will. Jaja, wir sind arbeitsfaul und selbstbewusst, wechseln Arbeitgeber so oft wie unser Smartphone und finden es amüsant, wenn mittelständische Unternehmen zaghaft eine Facebook-Seite einrichten, auf der sie dann alle zwei Monate einfach die Neuigkeiten ihrer Homepage kopieren.

Da ist schon ein Fünkchen Wahrheit enthalten, das will ich gar nicht abstreiten. Aber mir stößt es mittlerweile auf, wenn ich dieses ewige Gejammere höre, dass wir nicht arbeiten wollen und nicht bereit sind Überstunden zu schieben. Denn in meiner Umgebung nehme ich das ganz anders wahr. Da habe ich sogar eher den gegenteiligen Eindruck. Gerade weil wir die sogenannten „Digital Natives“ sind, gerade weil wir Home Office fordern und ein ergebnisorientiertes Arbeiten, sind wir auch bereit um 6 Uhr morgens E-Mails der Arbeit zu beantworten, schieben schnell noch eine Stunde Kundenanfragen abarbeiten nach dem Feierabend ein oder sitzen auch mal an einem Freitag bis 20 Uhr im Büro.

Es ist nicht nur so, dass wir Flexibilität fordern, von wo aus wir arbeiten und wann es ist, sondern mein ganz subjektiver Eindruck ist, dass wir auch sehr viel arbeiten und regelmäßig Überstunden machen. Wenn wir denn dahinter stehen, wenn wir Sinn in der Arbeit sehen. Ich habe mit vielen Kollegen der Generation X zusammengearbeitet und auch mit vielen der Generation Y. Ja, natürlich ist meine Generation durchaus mal an einem Montag schon wieder mittags verschwunden, wohin weiß niemand so genau, vielleicht Sonne tanken. Und manchmal führt diese Unverbindlichkeit dazu, dass wichtige Meetings nicht wahrgenommen werden oder ein wichtiger Kundenbesuch ins Wasser fällt.

Aber mir fällt oft auf, dass nur Generation Y es schafft irgendwie die Deadline einzuhalten, während alle anderen um Verlängerung bitten. Nur Generation Y schafft es irgendwie alles unter einen Hut zu bekommen, zu jonglieren und basteln, drumherumzubauen, sodass am Ende das Ergebnis sich sehen lassen kann. Und damit spreche ich insbesondere die Geisteswissenschaftler der Generation Y an. Denn sie haben ihr Studienfach bewusst nach Neigung gewählt, nach Interesse. Sie haben eben nicht knallhart durchkalkuliert wie viel Gehalt sie am Ende mit ihrem Studiengang machen werden. Die Geisteswissenschaftler der Generation Y sind Idealisten, oft aufopfernde Menschen, die für etwas Sinnvolles alles geben, bis das Ergebnis steht und perfekt ist.

Und das geht nicht einfach so. Ganz bestimmt nicht. Als ich in einem Betrieb gearbeitet habe, bei dem bis auf die Minute erfasst wurde wie lange man arbeitet, war ich zu Beginn erschrocken zu merken, dass ich jeden einzelnen Tag mehr als die acht Stunden arbeitete. Ich erlebe es weder bei mir noch bei anderen der Generation Y, dass sie angeblich so arbeitsscheu sind. Sind wir nicht, vielleicht verschwinden wir öfter mal ganz schnell, wenn es kaum etwas zu tun gibt, sind öfter später da oder erscheinen gar erst mittags. Aber wenn es Stress gibt, sind wir die ersten, die länger bleiben und das Ding bis zum Ende bringen. Also bitte gebt endlich Ruhe, wir sind alles andere als arbeitsscheu, wir wollen nur wissen, dass wir dann arbeiten dürfen, wenn wir es wollen und es tatsächlich dran ist. Aber dann arbeiten hart.

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