Jedes Unternehmen braucht Geisteswissenschaftler

Jedes Unternehmen braucht Geisteswissenschaftler, da bin ich mir sicher. Hier mal der Versuch einer Auflistung. Weitere Vorschläge sind gerne willkommen.

1. Geisteswissenschaftler können überzeugen.
Eine der großen Stärken von Geisteswissenschaftlern ist ihre Kommunikationsfähigkeit. Sie mussten hunderte von Bücher lesen, Referate halten, Hausarbeiten schreiben. Worte, Schrift, schreiben, sich ausdrücken, formulieren, diskutieren, das können sie im Schlaf, meist schon von Kindesbeinen an und bauen diese Fähigkeit im Studium dann aus. Und weil sie die Waffe Wort so gut beherrschen, können sie auch gut überzeugen.

Mal ein kleines Beispiel. Zu Schulzeiten war mir das Fach „Werken“ verhasst. Ich stamme aus einer Familie mit zwei linken Händen. Ein Heizungsausfall im Winter kam einem Weltuntergang gleich. Und unter diesen Bedingungen war das Fach „Werken“, wo wir sägen, löten, schnitzen, veröden, schmiergeln, feilen oder ausstanzen mussten, für mich unsäglich technisch und unsäglich furchtbar. Also überlegte ich mir einen Plan. Ich fing gezielt an mit den Technik-Assen meiner Klasse zu plaudern. Bestaunte ihre Werke und ließ mir erklären wie man diese Wunderdinge vollbrachte. Lobte sie und bat sie, mir doch an meinem meist noch jämmerlichen oder kaum vorhandenen Werk zu zeigen wie man das besser hinkriegen könnte. Sie fielen alle darauf rein. Jedes Mal überzeugte ich ein anderes Technik-Ass mir an meinem Werk zu zeigen was ich alles falsch machte und wie ich es verbessern konnte. Sie fühlten sich alle geschmeichelt und halfen gerne.

Einmal hatte ich sogar gleich zwei Technik-Asse an meinem Werk zugange und das war auch das erste und einzige Mal, dass mein Lehrer Verdacht schöpfte. Falls er das hier je lesen sollte: Ich habe kein einziges Werk im Werkunterricht alleine gemacht, es bestand immer aus Teamwork, mein Anteil ging entweder ganz gegen Null oder lag unter zwanzig Prozent.

Das muss man aber erst einmal hinkriegen! Das kann man nur mit Charme, mit Überredungskunst, ein wenig Dramatik und Fingerspitzengefühl. Alles Fähigkeiten, die Geisteswissenschaftler von Natur aus mitbringen und im Unternehmen einsetzen können. Um Kunden zu überzeugen.

2. Geisteswissenschaftler halten den Laden zusammen.
Geisteswissenschaftler sind so etwas wie der Kleber eines jeden Unternehmens. Sie sind von Natur aus der Typ Mensch, der sich nicht von Prestige, Macht oder Autorität beeindrucken lässt. Sie sind vielleicht nicht immer die besten, wenn es um die Analyse von Zahlenkolonnen geht, aber sie sind meist am Menschlichen im Unternehmen interessiert. Und weil sie Menschen interessieren, haben sie gute Beziehungen zu Kollegen. Sie sind mit vielen Kollegen befreundet, weil sie sich gerne unterhalten und Anteil am Schicksal eines jeden nehmen. Sie lassen sich nicht blenden von Hierarchie und schmieden auch keinen Coup gegen den Chef oder eine Abteilung. Berechnung ist ihrem Wesen meist fremd. Deswegen vertrauen Kollegen ihnen und packen aus. Wenn ein Geisteswissenschaftler an der richtigen Schnittstelle im Unternehmen sitzt, kann er oder sie schlichten und glätten, geradebiegen und es wieder richten. Wenn man sie denn lässt.

3. Geisteswissenschaftler hinterfragen. Ständig.
Sie lassen sich nicht so schnell beeindrucken und hinterfragen hochglanzpolierte Präsentationen. Denn schließlich mussten sie ihr ganzes Studium Theorien und Thesen auf den Zahn fühlen, sie mussten vergleichen, analysieren und Gedankenschulen sowohl voneinander abgrenzen als auch miteinander verbinden. Von einer Lösung lassen sie sich nicht so schnell begeistern. Sie nerven manchmal mit ihrem „Wozu?“, sie verlangsamen manchmal Prozesse, weil sie jede Thematik von allen Seiten beleuchten wollen. Aber damit sind sie gleichzeitig auch der Garant dafür, dass Lösungen hieb- und stichfest und auf einem guten Fundament gegründet sind.

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