Netzwerken klappt nur, wenn man nicht an sich denkt

Ich höre öfter mal Aussagen wie „Jetzt habe ich mich bei Xing und LinkedIn angemeldet, habe wie blöd Kontakte ausfindig gemacht und das war jetzt alles umsonst, da ist nichts bei rumgekommen, ich lösche meine Accounts wieder“.

Wer so denkt, sollte auch unbedingt die Account löschen, denn Netzwerke funktionieren wenig bis gar nicht, wenn sich alles nur um einen selbst dreht.

Die meisten Leute meinen, wenn sie nur reichliche Anfragen stellen und eine ansehnliche Kontaktliste vorweisen können, würden wie von selbst die Jobangebote und Nachfragen hereinflattern während sie Däumchen drehen. Aber warum sollte das passieren? Wenn ich meinen Lebenslauf ganz vielen Leuten in die Hand drücke, heißt das automatisch, dass ich Jobangebote erhalte? Wohl nicht unbedingt, die meisten werfen ihn weg im übertragenen Sinne.

Das Zauberwort lautet Altruismus, was der Duden mit „selbstlose Denk- und Handlungsweise; Uneigennützigkeit“ definiert. Nur, wenn ich anfange zu überlegen welche zwei meiner Kontakte wohl voneinander profitieren, wenn ich bereit bin Fragen in Gruppenforen zu beantworten, die ich beantworten kann, aus meinem Wissensschatz bereit bin weiterzugeben und eben nicht mich selbst als den Fokus meines Netzwerkes sehe, sondern meine Kontakte, macht man positiv auf sich aufmerksam.

Viele Leute fragen mich, was denn z.B. eine Anfrage zu meinem Wissensschatz mit dem zukünftigen Job zu tun hat. Es stimmt, oft nichts. Oft sind die Leute, denen man hilft und die man miteinander verbindet nicht unbedingt auch die Leute, die mir im Gegenzug helfen werden oder tolle Stellenangebote parat haben. Aber seltsamerweise kommt meist genau dann ein Jobangebot, vielleicht auch über tausend Ecken, wenn man gerade mit jemand völlig anderen beschäftigt ist und uneigennützig ein paar Tipps z.B. in den Gruppenforen mitgegeben hat. Manchmal ist es auch so, dass die Leute sich für die Hilfe bedanken und fragen, was sie im Gegenzug für einen tun können. Und dann kann man ganz offen sagen, dass man im Augenblick auf Jobsuche ist und sich freuen würde, wenn sie einfach mit die Augen und Ohren offen halten. Jemand, der mich in guter Erinnerung hat, wird um ein Vielfaches aufmerksamer seine Umgebung auf mögliche Stellen abgrasen, als wenn ich als leidiger Bittsteller an die Person herangetreten bin.

Manchmal wird man auch von stillen Lesern, die aufmerksam die verfassten Gruppenbeiträge verfolgen, kontaktiert. Solche Leute schauen gerne eine Weile zu, sie schauen wie man sich in der Gruppe verhält, wie man mit Kritik umgeht, wie oft man Beiträge schreibt und ähnliches, bevor sie an einen herantreten. Sie wollen vorab wissen mit was für einer Person sie es zu tun haben, wollen sich sicher sein, dass man auch bereit ist zu investieren, selbst wenn es zunächst keine „Belohnung“ gibt. Manchmal sind genau solche Leute dann bereit zu erzählen wo man sich umhören sollte oder wo gerade eine Stelle frei geworden ist. Weil man in diesem Fall mit seinem Fachwissen überzeugt hat und die Person sich sicher ist, dass man von seiner Art her zum Unternehmen X passen würde.

Deshalb sollte man als „echter“ Netzwerker immer wieder überlegen: Habe ich etwas zu bieten, kann jemand von meinem Wissen profitieren? In welchen Gruppen kann ich Wissen weitergeben? Welche meiner Kontakte sollten einander vorgestellt werden? Um welche Kontakte sollte ich mich mehr kümmern (das kann auch so etwas Banales sein wie ihnen zum Geburtstag zu gratulieren)?

Denn: netzwerken klappt nur, wenn man nicht an sich denkt, sondern an seine Kontakte.

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4 Gedanken zu “Netzwerken klappt nur, wenn man nicht an sich denkt

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