Vorbilder – meine Lieblingskollegin

Ich habe beschlossen bei der Blogparade zum Thema Vorbilder mitzumachen. Und da es in meinem Blog um den Berufseinstieg für Geisteswissenschaftler geht, habe ich überlegt, ob ich beruflich ein Vorbild habe. Da ist mir spontan eine Ex-Kollegin eingefallen, die ich aus den verschiedensten Gründen bewundere.

  • Sie geht Konflikten nicht aus dem Weg, sondern spricht sie klar an. Da sie im Dienstleistungsbereich arbeitet, hat sie oft Kunden unschöne Nachrichten mitteilen, Erwartungen zerschlagen oder eben ein klares Nein mitteilen müssen. Sie hat dabei nie rumgedruckst, sie hat einfach klar und deutlich die Sachlage beschrieben und ein großes Stoppschild aufgestellt. Das fand und finde ich bewundernswert. Da bin ich noch weit von entfernt.  Ich habe versucht mir das abzuschauen. Denn natürlich haben die Kunden daraufhin selten ebenso ruhig reagiert, sondern haben geschimpft, gezetert oder sie gar beschuldigt für Umstände für die sie gar nichts konnte. Und das hat sie sich ganz geduldig angehört und irgendwie immer geschafft, dass die Kunden es am Ende akzeptiert haben, was auch immer nicht nach ihren Wünschen lief.
  • Ich weiß bis heute nicht wie, aber sie hat es irgendwie immer geschafft, dass die Kunden ihr aus der Hand gefressen haben. Oft saß der Rest des Großraumbüros staunend dabei, wenn sie wieder mal ein Telefonat mit einem Kunden führte und dieser ihr die persönlichsten Geschichten anvertraute. Und unser Kundenstamm, nur mal so nebenbei, bestand zu 90% aus Führungspersönlichkeiten, Top Managern, CEOs und ähnlich gewichtigen Leuten. Sie hatte keine Angst, sie hat jeden Kunden respektvoll behandelt. Und irgendwie haben die Kunden das gespürt, hatten immer einen guten Draht zu ihr, haben teilweise noch ein halbes Jahr nach Ende der Dienstleistung angerufen und wollten einfach so mit ihr reden. Bei ihr war im wörtlichen Sinne der Kunde König. Sie haben zwar nicht immer alles bekommen, was sie wollten, aber sie wurden immer respektvoll und wertschätzend behandelt.
  • Sie war und ist immer ehrlich. Es gab keinen Zickenkrieg mit ihr, keine Machtspiele, kein Ablästern hinter dem Rücken oder der Versuch jemanden die Schuld zuzuschieben. Das fand ich nicht nur bewundernswert, sondern auch erholsam. Da mir selbst Ehrlichkeit sehr wichtig ist, habe ich gerne Zeit mir ihr verbracht. Denn meiner Meinung nach kann ein echtes Vertrauensverhältnis nur dann entstehen, wenn man ehrlich zueinander ist. Und das kann man auch daran ablesen inwieweit die Person nicht nur mir gegenüber ehrlich ist, sondern auch anderen gegenüber. Kollegen oder dem Chef gegenüber, ganz zu schweigen von den Kunden. Ehrlichkeit ist oft besonders dann erfrischend, wenn Leute einen Eiertanz hinlegen und hinterm Berg halten. Da war sie Meisterin drin, mitten im Eiertanz mit einer ehrlichen Bemerkung endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Berufliche Vorbilder zu haben, finde ich persönlich sinnvoll. Einige der Blobeiträge zur Blogparade verfechten den Standpunkt, dass man sich selbst treu sein soll und mit der Vorbildsuche zu sehr in der Gefahr steht zu kopieren statt man selbst zu sein. Insbesondere als Musikerin finde ich es jedoch albern zu glauben, man könne nur aus sich selbst heraus bestimmte Fähigkeiten oder Charaktereigenschaften entwickeln.

Ich kann mich noch gut erinnern wie mich insbesondere ein Klavierlehrer vehement im Unterricht drängte den Größen des jeweiligen Musikstils zu lauschen, die ich gerade übte. Er sagte immer wieder: „Wenn du klingen willst wie Ray Charles, dann musst du Ray Charles Tag und Nacht hören.“ Natürlich ist die Nachahmung falsch, wenn es bei ihr bleibt, wenn sie die Persönlichkeit aushöhlt, obwohl ich der Meinung bin, dass wir diese Fähigkeit mittlerweile komplett verlernt haben. Wir fallen gerade eher auf der anderen Seite vom Pferd, wir meinen uns selbst finden zu müssen und vergessen dabei, dass es in unserem Alltag Leute gibt, von denen wir lernen können. Kollegen zu kopieren, die bestimmte Eigenschaften haben, die wir bewundern, sehe ich als tolle Herausforderung. Denn wenn man diese Kollegen vielleicht auch noch bittet einen zu unterstützen, wenn man z.B. Konfliktmanagement lernen möchte, glaube ich, dass daraus sehr Gutes entstehen kann.

Denn mal ganz ehrlich, wann war das letzte Mal, dass du darüber nachgedacht hast wen du z.B. beruflich zum Vorbild hast, geschweige denn gezielt eine Fähigkeit einer Person nachgeahmt hast?

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