Bewerbungsgespräch in der Wirtschaft vs. Wissenschaft

Nachdem ich in einem Beitrag berichtet hatte wie ich ein Bewerbungsgespräch für eine Stelle an einer privaten Hochschule erlebt habe, haben mir einige Leute Rückmeldung gegeben, dass meine Beschreibung des Prozederes gar nicht so ungewöhnlich war (abgesehen vom Verhalten der Interviewerin, das auch alle meine Gesprächspartner ziemlich unmöglich fanden). Ich war völlig überrascht und fing an nachzubohren. Ließ noch mal die 30 Bewerbungesgespräche, bei denen ich Bewerberin war, Revue passieren und fragte herum. Am Ende stand fest: Es gibt tatsächlich einige gravierende Unterschiede zwischen Bewerbungsgesprächen in der freien Wirtschaft und der Wissenschaft.

Hier der Versuch eines Vergleichs (Kommentare und Amerkungen sind herzlich willkommen):

Bewerbungsfrist und Bewerbungsform

  • Hochschulen geben eine Bewerbungsfrist und bitten teilweise bis zum heutigen Tage um Bewerbungen in Papierform. Hat man bis zum genannten Datum seine Unterlagen nicht eingereicht, hat man Pech.
  • Unternehmen wiederum müssen keine Bewerbungsfrist vorgeben. Zwar gibt es auch hier manchmal welche, aber wenn sich bis dahin immer noch kein passender Kandidat gefunden hat, verlängert man kurzerhand die Frist oder lässt es gleich bleiben. Bewerbungen sind entweder per E-Mail erbeten oder aber man muss online seine Angaben machen.

Gehaltsangaben

  • Im universitären Kontext werden Tarifangaben gemacht. Man kann also laut Entgelttabelle ziemlich schnell errechnen wie viel Gehalt einem geboten wird. Das hat den Vorteil, dass man sich erst gar nicht bewerben muss, wenn einem das Gehalt zu niedrig ist.
  • In der freien Wirtschaft hingegen wird in gefühlten 90% der Fälle gebeten Gehaltswünsche anzugeben. Hier hat mal also als Bewerber die Bringschuld und liegt vielleicht völlig daneben. Zwar kann es auch sein, dass man auch hier nach Tarif bezahlt wird, jedoch teilen die wenigsten Unternehmen das bereits im Stellenangebot mit.

Einladung zum Vorstellungsgespräch

  • In der Wissenschaft erhält man oft sogar noch per Brief die Einladung zum Vorstellungsgespräch oder alternativ per E-Mail. Der Termin ist festgelegt und man muss zusehen, dass man zum genannten Zeitpunkt verfügbar ist. Bewirbt man sich also, sollte man sichergehen, dass man jederzeit vorstellig werden kann.
  • In der Wirtschaft ist es üblich entweder einige Terminvorschläge per E-Mail zu machen oder mit dem Bewerber per Telefon die Terminfrage zu klären. Das gilt natürlich nicht bei Assessment Centern, wobei diese Veranstaltungen meist mindestens einen halben, wenn nicht gleich ganzen Tag in Anspruch nehmen.

Anzahl der Personen im Vorstellungsgespräch

  • Im universitären Kontext ist es durchaus üblich, dass bis zu fünf Personen das Gespräch führen. Ich selbst erlebte einmal ein Gespräch, bei dem zehn Personen anwesend waren. Oft sind zwei Personen die Gesprächsführer, aber manchmal erhält man überraschend dann doch noch von einer bis dahin still teilnehmenden Person eine Einzelfrage.
  • In der Wirtschaft sind es meist maximal drei Personen, oft zwei oder auch nur eine. Assessment Center wieder ausgeschlossen.

Dauer des Gesprächs

  • Ich habe oft etwas von 30 bis maximal 45 Minuten erlebt. Oft waren die Fragen schon vorformuliert. Grundaussage lautet, dass man eine Vergleichsbasis haben will und die Bewerber nach den gleichen Kriterien bewerten möchte. Oft ist eine Person abkommandiert während des Gesprächs emsig Protokoll zu führen. Entsprechend „normal“ ist es, wenn man dem nächsten Bewerber die Türklinke in die Hand gibt (abgesehen davon, dass man sich schnell an mündliche Prüfungen zu Studienzeiten zurückversetzt fühlt).
  • In der freien Wirtschaft sind längere, aber auch kürzere Gespräche möglich. Durchschnitt ist ca. eine Stunde. Es können Standardfragen gefragt werden oder auch nicht. Man muss auf alles vorbereitet sein.

Antwort nach dem Gespräch

  • Aufgrund der Bewerbungsfrist kann es manchmal sein, dass man monatelang auf Antwort von der Universität wartet.
  • In der freien Wirtschaft kann man durchaus nach zwei Wochen nachfragen, wenn man keine konkrete Angaben bekommen hat wann die Entscheidung gefällt wird.
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