Verdeckter Stellenmarkt – persönliche Erlebnisse

Vorab: ich habe mich schon viel in meinem Leben ganz klassisch beworben. Sehr viel. Die längste Strecke war ein ganzes Jahr lang, in dem ich mehr als hundert Bewerbungen verschickte. Meine letzte Bewerbungs-Bilanz aus dem Jahr 2015 kann man sich hier anschauen.

Heute möchte ich jedoch von eigenen Erlebnissen berichten, bei denen ich über Beziehungen oder durch andere Umstände Jobangebote erhalten habe. Für mich war es nämlich immer schwierig zu fassen wie man denn sonst vorgehen soll, wenn man nicht ganz klassisch eine Bewerbung verschickt. Es wird viel über den verdeckten Arbeitsmarkt geredet, aber außer, dass irgendwie Beziehungen wichtig sind, konnte mir niemand so richtig sagen, wie man über den verdeckten Markt an Stellen rankommt. So vage Ratschläge wie „netzwerken“oder „Kontakte knüpfen“ finde ich bis heute wenig hilfreich. Deshalb also an dieser Stelle einige persönliche Erlebnisse, die vielleicht besser fassen, worauf es ankommt und wie man vorgehen kann.

  • Mein erstes Jobangebot per Anfrage erhielt ich von einem Kunden. Damals war ich Sprachtrainerin und unterrichtete unter anderem auch Führungskräfte. Per Empfehlung hatte ich angefangen einen Kunden zu unterrichten, der Englischanfänger war und ganz plötzlich ein Projekt in Dubai gewonnen hatte. Natürlich bedeutete dies, dass er ganz schnell Englisch lernen musste. Zwei Mal die Woche fuhr ich also in die Firma und gab ihm Intensiv-Einzelunterricht über mehrere Monate hinweg. Zwischendurch flog er nach Dubai und konnte sogleich seine neuerworbenen Englischkenntnisse ausprobieren. Eines Tages, mein Kunde war gerade wieder in Dubai, erhielt ich plötzlich einen Anruf aus Dubai von ihm. Es war gerade die heiße Phase der Verhandlungen, bei denen es um einen Millionenvertrag ging und die Kommunikation mit dem Vertragspartner war kaum möglich, er verstünde einfach nichts, ob ich wohl spontan am Telefon übersetzen könnte? Urplötzlich sah ich mich der Aufgabe gegenüber angestrengt einem Araber per schlechter Verbindung zu lauschen, der mir etwas im gebrochenem Englisch mitteilte und gab dann das Verstandene auf Deutsch an meinen Kunden weiter, bevor er mich wieder instruierte, was ich dem Araber auf Englisch mitteilen sollte. Ich war sehr erleichtert, als mein Kunde am Ende des Telefonats meinte, er wüsste jetzt, worum es geht und fände das Angebot gut, er würde den Vertrag unterschreiben. Als mein Kunde wieder in Deutschland war und die nächste Englischstunde anstand, fragte er mich spontan, ob ich mir nicht vorstellen könnte als festangestelltee Übersetzerin im Unternehmen eingesetzt zu werden und nach Dubai mitzufliegen.

Ich erhielt also in dem Fall eine Anfrage, weil ich mein Können unter schwierigen Bedingungen unter Beweis gestellt hatte und man jemanden mit genau diesen Kenntnissen im Unternehmen suchte. Dass jemand überhaupt gebraucht wurde, wurde der Führungskraft erst klar, als er in großer Kommunikationsnot mich auf meinem Handy anrief.

  • Ich hatte mich klassisch per Onlinebewerbung für einen Bereich beworben, wurde abgelehnt und dann zwei Wochen später angefragt, ob ich nicht stattdessen Interesse an einer anderen Stelle hätte, die zwar auch im gleichen Bereich, aber in einer anderen Unterabteilung angesiedelt war. Hier war das Unternehmen schlau genug nicht gleich eine neue Stelle auszuschreiben, sondern bereits eingereichte Bewerbungen nochmals mit einem anderen Fokus zu sichten.

Eine Kollegin erzählte mir später, dass sie mehr als 300 Bewerbungen für die Stelle erhalten hatten, auf die ich mich als erstes beworben hatte. Sie fand es sehr traurig, dass sie so vielen guten Leuten absagen musste, weil nunmal nur eine Stelle ausgeschrieben war. Sie war dann aber um so glücklicher, dass es bei mir dann doch geklappt hatte, auch wenn es dann in einer anderen Unterabteilung war.

In dem Fall erhielt ich also eine Anfrage, weil die Firma sich die ganze Arbeit sparen wollte, die eine Neueinstellung mit sich bringt. Wenn es in einer großen Abteilung mehrere Stellen gibt, kann ich jedem Unternehmen nur raten bereits abgelehnte Bewerbungen nochmals hervorzuholen statt mit einer Stellenausschreibung zu starten. Das spart viel Zeit und Kosten und kann, wie in meinem Fall, durchaus klappen.

  • Ich habe mittlerweile schon viele Jobangebote per Xing erhalten. Auch wenn natürlich die meisten Anfragen von Headhuntern stammen, so gibt es vereinzelt auch Anfragen von Firmen. Ich persönlich sehe keine Relation, dass man mehr angefragt wird, je mehr Kontakte man hat. Was ich aber schon merke, ist, dass es wichtig ist sein Netzwerk zu informieren, wenn man auf Jobsuche ist. Einmal erhielt ich über eine Xing-Bekanntschaft ungefragt ein Stellenangebot, das ich niemals selbst entdeckt, geschweige denn von gewusst hätte. Ein anderes Mal konnte ich über eine Xing-Bekanntschaft per Empfehlung meine Bewerbung verschicken, da ich wusste, dass er in der Firma arbeitete, die die Stelle ausgeschrieben hatte. Auch als Freiberuflerin erhielt ich oft über Xing Anfragen, weshalb ich sehr bald dazu überging nachzuhaken nach welchen Stichwörtern die Person gesucht hatte und meine „Ich biete“ und „Ich suche“ Kategorieren sehr genau zu spezifizieren.

Im Falle von Xing und Linkedin  gibt es also zwei Punkte, die einem helfen können den verdeckten Arbeitsmarkt für sich zu erschließen: sein Profil ordentlich zu pflegen (SEO sag ich da nur) und seine Kontakte darüber zu informieren, wenn man auf Suche ist. Abgesehen davon bin ich weiterhin ein großer Fan über Xing Leute anzuquatschen, die in dem Wunschberufsfeld und in der Wunschstadt arbeiten, um von möglichen Stellen zu erfahren. Wie das funktioniert, habe ich hier mal erklärt.

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