„Was machst du beruflich?“

Die Frage kommt. Ständig. Da ich in meinem Leben schon viel umgezogen bin, habe ich sie schon viele, viele Male beantworten müssen. Neben der Frage „Wo kommst du her?“ ist sie eine meiner persönlichen Hassfragen. Denn das, was ich jetzt beruflich mache, lässt sich wieder einmal schwer erklären. Das war schon öfter so. Sowohl als Relocation Managerin als auch jetzt im Bereich Global Mobility weiß ich darauf nicht so recht zu antworten. „Ich ziehe Menschen um die Welt“ trifft es wohl nicht so richtig. „Ich bin Personalerin“ auch nicht. Da war Sprachtrainerin in der Erwachsenenbildung oder Pianistin zumindest noch einfacher.

Auch wenn ich die Frage nicht leiden kann, stelle ich sie anderen Menschen auch. Und habe festgestellt, dass es immer mehr gibt, deren Beruf man nicht in einem Satz erklären kann. Wegen Spezialisierung, Digitalisierung und zunehmender Komplexität in der Berufswelt.

Ich bin fasziniert davon, wie andere, die in der gleichen Situation stecken wie ich, sich versuchen aus der Affäre zu ziehen. Versuchen mit wenigen Worten einen Einblick zu geben, der keiner ist, weil die Beschreibung viel zu kurz war. Und die dann meist mit einem Seufzen beginnen genauer zu erklären, was sie wirklich machen, wenn ich hartnäckig bleibe. So als ob es anstrengend ist jemanden zu erklären, was man den lieben langen Tag macht.

Ich finde es auch spannend zu beobachten, dass die Reaktion auf „Pianistin“ eine ganz andere ist als auf „Personalerin“. So als ob mein Beruf meine Persönlichkeit so verändern würde und die Menschen nun anders mit mir umgehen müssen.

Warum die Frage immer so früh gestellt wird, warum es so wahnsinnig wichtig ist, was man beruflich macht, ist mir sowieso schleierhaft. Die meisten lassen sich nämlich mit „Ich ziehe Menschen um die Welt“ abspeisen. Eine Konversation entsteht dadurch meist nicht, warum die Frage gestellt wurde, bleibt offen. Schublade auf, Schublade zu, wobei ich mich frage, in welche Schublade ich gesteckt werde, wenn ich mein Sprüchlein aufsage, „Beruf undefiniert?“

Sie wird wieder kommen, die Frage. Auch ich werde sie wieder stellen. Bleibt nur zu hoffen, dass etwas mehr herauskommt als ein anschließendes „Aha.“

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2 Gedanken zu “„Was machst du beruflich?“

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