Stärken, die keine Stärken sind

Die Blogparade von Svenja Hofert zum Thema Stärken, an der ich auch bereits im Februar teilgenommen habe, ist gerade zum Ende gekommen. Entsprechend habe ich in letzter Zeit viele andere Beiträge zu dem Thema gelesen und mir dazu Gedanken gemacht. Eine Sache, über die ich immer wieder gestolpert bin, ist eine „Stärke“, die nur von außen wie eine Stärke wirkt.

Nehmen wir mal das Beispiel, wenn einer Person gesagt wird, dass sie eine gute Managerin/Leiterin ist. Das wird ihr immer wieder und wieder gesagt, sie traut sich also und leitet. Ehrenamtlich als auch beruflich, kleine homogene Teams als auch größere, sie ist Managerin und Leiterin und glaubt aufgrund der Rückmeldung, dass dies eine Stärke von ihr ist. Aber trotz aller Rückmeldungen kostet es sie immer wieder viel Kraft und Energie. Sie kann zwar leiten, sie kann zwar managen, aber sie macht es nicht gerne, es geht ihr nicht leicht von der Hand. Es fühlt sich eher so an, also ob ihr diese Aufgabe aufgedrückt wird, übergestülpt. Es ist weniger eine Stärke von ihr als eine Fähigkeit, die sie sich angeeignet hat.

Das ist meiner Meinung nach eine wichtige Unterscheidung. Wir setzen Stärken und Fähigkeiten oft gleich. Wenn jemand gut vor einem großen Publikum reden kann, gehen wir automatisch davon aus, dass diese Person das gerne tut. Dass sie es aus dem Ärmel schüttelt. Vielleicht sehen wir aber nicht, dass die Person stundenlang an der Präsentation gefeilt hat, viel Zeit damit verbracht hat sie zu üben, immer wieder Änderungen vorgenommen hat und bis zum letzten Augenblick Blut und Wasser schwitzt. Vielleicht sehen wir nicht, dass die Person die Präsentation halten muss, weil sie den kürzeren gezogen hat und sich nun versucht damit zu arrangieren diese undankbare Aufgabe zu übernehmen.

Das ist genau das Problem mit unseren wahren Stärken. Gerade weil wir sie so gerne machen, gerade weil sie uns so leicht von der Hand gehen, gerade weil unsere Augen aufleuchten, wenn wir sie einsetzen können, übersehen wir sie oft. „Das ist doch normal“, dass jemand den Durchblick beim Zahlensalat hat, „das ist doch normal“, dass man nicht lange überlegen muss, wenn der jährliche Weihnachtsbrief an die Kunden formuliert werden muss.

Und weil wir unsere eigenen Stärken als eine solche Selbstverständlichkeit hinnehmen, weil wir betriebsblind sind, vertrauen wir darauf, dass andere uns sagen, was wir gut können, was unsere Stärken sind. Daran ist an sich nichts falsch, jedoch kann es wie im oben geschilderten Beispiel zu einer verzerrten Wahrnehmung kommen. Eine wahre Stärke ist für mich nicht automatisch gleichzusetzen mit einer (vielleicht mühsam) angeeigneten Fähigkeit. Nur weil jemand etwas kann, bedeutet dies nicht automatisch, dass die Person es auch gerne macht.

So hilfreich es sein kann andere zu fragen wie sie einen einschätzen und welche Stärken und Schwächen man mitbringt, so ist es aber genauso wichtig sich selbst dabei zu fragen, ob man es genauso sieht. Sicherlich wird als Eigenreaktion die typische Überraschung dabei sein („Wie, das soll jetzt so speziell sein?“), aber viel wichtiger ist eher die Reaktion („Hm, das kann ich zwar, aber so richtig mit Herzblut bin ich nicht dabei“).

Mit anderen Worten: Der Abgleich von Fremdeinschätzung und Eigenwahrnehmung sollte nicht vergessen werden. Ein Außenspiegel ist gut und wichtig, aber er ist nur das – ein Spiegel.

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