Wie kann ich ein Unternehmen dazu kriegen einen Geisteswissenschaftler einzustellen?

Ich habe heute einen Vortrag gehalten vor studierenden Geistes- und Sozialwissenschaftlern. In meinem Vortrag ging es unter anderem um meinen eigenen Berufseinstieg. Eine der Fragen, die nach dem Vortrag gestellt wurde, lautete, inwieweit es möglich ist Unternehmen dazu zu bekommen einen Geistes- oder Sozialwissenschaftler einzustellen.

Die kurze Antwort lautet, man kann es nicht. Ich glaube, dass ist auch gut so. Denn ganz ehrlich, ist es nicht besser, dass das Unternehmen mich gar nicht erst zum Gespräch einlädt, wenn es mich von vornherein misstrauisch beäugt, mir nichts zutraut? Da sollte man nichts erzwingen. Da kann man die Absage als Glück sehen, man hat sich die ganze Mühe gespart herauszufinden, dass man nicht zueinander passt. Gut so. Da freut man sich dann umso mehr über Einladungen zum Gespräch. Denn diese Unternehmen haben schon gesehen, dass ich Geisteswissenschaftler bin. Und wollen mich trotzdem oder vielleicht sogar deshalb.

Ich glaube aber auch, dass Geisteswissenschaftler sich sehr schwer damit tun sich selbst zu verkaufen. Sich als Produkt wahrzunehmen, als Verkäufer, das geht vielen gegen den Strich. Kontraproduktiv ist es ganz bestimmt, wenn man an die Firma herantritt und fragt, was sie denn für Möglichkeiten für einen Japanologen haben. Wahrscheinlich keine. Was soll ein Unternehmen denn mit einem Japanologen? Selbst wenn die Firma in Japan tätig sein sollte, reichen die Sprachkenntnisse nicht. Auch nicht nur die allerseits geschätzten Soft Skills a la Empathie, Kommunikationsvermögen, Analysefähigkeiten oder die Fähigkeit sich schnell in neue Themen einarbeiten zu können, werden ausreichen. Die Mischung macht es. Ja, wir als Geisteswissenschaftler haben einen großen Schatz an Soft Skills, in vielen Unternehmen werden diese auch geschätzt. Jedoch ist das noch nicht alles. Soft Skills haben schließlich alle Geisteswissenschaftler. Aber irgendwas anderes muss man noch können. Man muss sich ein Verkaufsargument erarbeiten.

Ich wurde für meinen jetzigen Job nicht nur wegen meiner Soft Skills eingestellt, auch wenn diese wichtig waren (in meinem Fall standen ganz vorne ausgezeichnete Englischkenntnisse und Kommunikationsstärke), sondern auch, weil ich schon Berufserfahrung in einem ganz bestimmten Bereich hatte. Ich war Spezialistin, natürlich in einem eher kleinen Gebiet, aber ich hatte Ahnung. Wie man eine Arbeitserlaubnis einholt und was für Visumsarten es in Deutschland gibt und für einen Arbeitgeber überhaupt relevant sind.

Ich war sehr offen im Vorstellungsgespräch, habe sehr klar formuliert, dass ich von bestimmten Themen keine Ahnung habe. Aber auch wenn ich das zugegeben habe, so konnte ich damit punkten in anderen Teilbereichen sogar besser informiert gewesen zu sein und Fachwissen zu haben als viele andere Bewerber. Das war mein Verkaufsargument. Ich konnte schon etwas, ich konnte dem Unternehmen etwas bieten, was für sie von Relevanz war.

Unser Japanologe hat vielleicht schon im Vertrieb gearbeitet, meinetwegen auch im Call Center. Hat Erfahrung im Kundenumgang. Und kann dann an das Unternehmen herantreten und sagen: Ich spreche japanisch und könnte mir vorstellen Ihre Kunden in Japan zu betreuen, vielleicht brauchen Sie auch Unterstützung im Bereich Business Development. Wäre das eine Option?“

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