Weisheiten am Wegesrand

Ich finde es immer wieder spannend, wie ich über den Blog Menschen kennengelernt habe, denen das Thema Geisteswissenschaftler und Berufseinstieg genau wie mir auf dem Herzen liegt. Ich lerne gerne weitere Leute kennen, die sich darüber mit mir austauschen möchten. Wer mir persönlich schreiben möchte, kann gerne ein Kommentar hinterlassen oder mich per info at jennywarkentin.de direkt anschreiben.

Eine Leserin, die gerne anonym bleiben möchte, hat sich bereiterklärt, ein wenig von sich zu berichten wie ihr Berufseinstieg verlaufen ist und was sie angehenden geisteswissenschaftlichen Absolventen mit auf die Reise geben möchte. Ein bisschen ist das für mich so, als ob ich eingeladen bin sie auf einem kleinen Ausschnitt ihrer Lebensreise zu begleiten, wir zwischendurch anhalten und Steine der Weisheit aufheben, die wir dann gemeinsam von allen Seiten bestaunen können. Aber hebt selbst ein paar Steine auf:

  1. Was haben Sie studiert und was hat Sie dazu motiviert?

Schon in meiner Schulzeit haben mich andere Kulturen, Literatur, Geschichte sowie Fremdsprachen interessiert und begeistert. Studieren wollte ich immer ein Fach, das in keiner Weise ein Schulfach fortsetzte, sondern ich wollte mir neue Wissenswelten erschließen. So fiel meine Wahl auf die Orientalistik und Geschichte.

  1. Wie haben Sie sich während des Studiums finanziert?

Noch heute bin ich sehr dankbar dafür, dass ich mein Studium durch ein Stipendium finanzieren konnte. Das Studentenleben ohne finanzielle Sorgen war ein großes Privileg. Die Förderung hat mir Freiheit geschenkt, die ich bis zum letzten Tag meines Studiums genutzt und auch genossen habe.

  1. Hatten Sie im Studium schon eine Vorstellung davon, was Sie später einmal machen wollen?

Während meines Studiums hatte ich verschiedene Ideen, was ich mit meinem Wissen und meinen Kenntnissen sowie mit meiner Auslandserfahrung machen könnte und wollte. Aus heutiger Sicht hätte ich mir hier mehr Beratung und Unterstützung gewünscht. Internet gab es damals (leider) noch nicht.

  1. Was hat Sie dazu bewogen zu promovieren?

Nach Abschluss meines Studiums mit einem Magister Artium hatte ich nach wie vor große Freude und Begeisterung am wissenschaftlichen Arbeiten.

  1. Wie verlief Ihr Berufseinstieg?

Der Einstieg ist unkompliziert verlaufen. Ich habe nach Stellen Umschau gehalten, die meinen breiten Interessen entsprachen. Beworben habe ich mich auch auf Stellen, die nicht explizit für Geisteswissenschaftler ausgeschrieben waren. Vier Monate nach Studienabschluss hatte ich drei Jobs zur Auswahl. Übrigens habe ich damals bei der Organisation, bei der ich meinen ersten Job bekam, angerufen und um einen kurzen Termin gebeten, um mehr über die Stelle zu erfahren. Wie ich später erfuhr, hat die Eigeninitiative den Personalchef sehr beeindruckt. Gleichwohl hatte ich noch eine Vorstellungsrunde bei sieben unterschiedlichen Personen zu absolvieren, bevor ich die Stelle tatsächlich erhielt.

  1. In welcher Branche sind Sie heute tätig und was sind typische Aufgaben für Sie?

Tätig bin ich seit vielen Jahren im Wissenschaftsmanagement. Das ist eine spannende Aufgabe mit immer neuen Herausforderungen. Meist geht es bei der Arbeit darum, komplexe Diskussionsprozesse in all ihren Facetten und Widersprüchlichkeiten schriftlich darzustellen mit dem Ziel, eine Entscheidung vorzubereiten. Dabei sind immer viele Beteiligte mit unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen.

Gefragt ist hier die Fähigkeit, sich schnell in neue Sachverhalte einzuarbeiten, das Ganze verständlich und korrekt schriftlich aufzubereiten. Hinzu kommen Aufgaben wie z.B. Gremien- und Prozessmanagement sowie Mitwirken bei Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Das sind alles Tätigkeiten, die man durch praktische Arbeit lernt. Fähigkeiten, die man in einem geisteswissenschaftlichen Studium erworben hat, sind hier eine wertvolle und hilfreiche Basis.

  1. Was geben Sie allgemein angehenden geisteswissenschaftlichen Berufseinsteigern mit auf die Reise?

Geisteswissenschaftler verfügen über fachübergreifende Kompetenzen und je nach Fach auch fachspezifische Kompetenzen. Das ist sehr wertvoll für die Arbeitswelt. Ein geisteswissenschaftliches Studium bildet zwar nicht primär für einen bestimmten Beruf aus, wie zum Beispiel ein Ingenieurstudium oder das Studium der Rechtswissenschaften, es ist aber auch keine Einbahnstraße. Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler stehen quasi vor der Herausforderung, sich mit ihren Kompetenzen als nützlicher und wertvoller Arbeitnehmer zu definieren und sich erfolgreich auf dem Bewerber- und Arbeitsmarkt zu vermarkten. Letzteres dürfte für Geisteswissenschaftler oft nicht leicht sein, weil sie oft nicht selbstbewusst genug auftreten. Es erfordert immer Mut, Eigeninitiative und Entschlossenheit, neue Wege zu gehen und sich in unbekanntes Berufsterrain zu wagen. Auch eine berufliche Selbstständigkeit kann im Einzelfall eine Alternative sein.

Das Wichtigste ist – Sie müssen sich für Tätigkeit und Aufgaben im angestrebten Job begeistern. Zeigen Sie sich offen, Neues zu lernen und sich neue Wissenswelten zu erschließen. Der Arbeitgeber, bei dem Sie arbeiten möchten, sollte ebenfalls zu Ihnen passen. Sie verbringen dort einen beträchtlichen Teil Ihrer (Lebens)-Zeit. Im Berufsleben wird immer die eine oder andere Aufgabe auf Sie zukommen, die Ihnen vielleicht nicht so liegt. Aber wenn Sie auch Aufgaben haben, die Sie mit Freude und Begeisterung lösen, dann gehen die nicht so geliebten Aufgaben meist leichter von der Hand. Dieser Rat ist unabhängig davon, in welchem Bereich Sie arbeiten bzw. arbeiten wollen.

Nie den Mut und die Zuversicht verlieren. Absolventen geisteswissenschaftlicher Fächer sollten sich beim Berufseinstieg nicht von den Gefühlen und Stereotypen anstecken und leiten lassen, dass Geisteswissenschaftler nur Taxi fahren oder an der Tankstelle jobben oder Jobs machen, die mit dem Mindestlohn vergütet werden.

In ihrem Buch „Brotgelehrte – andere Perspektiven für Geisteswissenschaftler“ beschreibt Mareike Menne 26 Tätigkeitsfelder für Geisteswissenschaftler. Das Buch liefert eine Menge Ideen und Anregungen für spannende berufliche Tätigkeiten nach einem geisteswissenschaftlichen Studium. Studierenden und Absolventen geisteswissenschaftlicher Fächer sei dieses Buch als lohnende und inspirierende Lektüre empfohlen. Hier der Link zu Amazon oder direkt zur Verlagsseite.

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