Mut zum Jobwechsel

Melanie Vogel lädt auf ihrer Blogparade „Mut zum Jobwechsel“ ein darüber nachzudenken, was das Positive an einem Jobwechsel ist. Ich bin jetzt 34 und war in meinem Berufsleben bereits Koordinatorin eines Jugendaustauschprogrammes, Jazzpianistin, Sprachtrainerin, Leiterin in einer Sprachschule, Relocation Managerin und arbeite jetzt im internationalen Bereich in der Personalabteilung. Ich habe als Angestellte erst ein Team von 50 Personen geleitet, bevor ich als Assistentin gearbeitet habe und war ebenso fünf Jahre lang mit zwei Standbeinen selbstständig. Mein Lebenslauf ist ein Flickenteppich und Jobs als auch Branchen habe ich gefühlt so oft gewechselt wie manch einer seine Unterhemden.

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Die meisten meiner Jobwechsel waren extern bedingt. Einmal wurde meine Stelle aus betrieblichen Gründen gestrichen und zwei Mal erhielt mein Mann ein attraktives Jobangebot in einer anderen Stadt, sodass ich kurzerhand kündigte und mir etwas Neues suchte. Ein anderes Mal reizte es mich etwas Neues auszuprobieren, andere Wege zu gehen.

Auch wenn die meisten meiner Jobwechsel extern bedingt waren und ich also gezwungen wurde erneut zu wechseln, habe ich im Laufe der Zeit gemerkt, dass sie gar nicht so schlimm sind wie alle immer meinen. Jobwechsel bergen eine Chance. Sie bergen die Chance neue Fähigkeiten an sich zu entdecken. Hätte man mir vor zehn Jahren gesagt, dass ich mal großer Excelfan werde, ich hätte gelacht. Es ist nicht umsonst, dass ich einen Abschluss in Sprachen und eine Zeitlang Jazzkklavier an einer Musikhochschule studiert habe. Von selbst wäre ich nie auf die Idee gekommen Gedankengänge in Excel festzuhalten oder Listen zu erstellen. Excel, so meine damalige Ansicht, braucht man nur, wenn man irgendwelche Budgets macht. Aber jetzt bin ich fasziniert, was man alles damit anstellen kann, nachdem ich beruflich gezwungen wurde mich mit der Materie auseinanderzusetzen.

Jobwechsel haben mich auch entspannter gemacht, wenn es um den Umgang mit Kollegen geht. Denn egal wie groß die Firma ist, egal welche Branche es ist, man wird immer wieder die gleichen Typen an Mensch vorfinden. Da gibt es die netten Kollegen, die guten Seelen des Hauses, mit denen man es sich auf keinen Fall verderben sollte. Dann gibt es die hochnäsigen Besserwisser, die überall ihren Senf dazugeben während sie durch die Trakte schreiten und die meist ziemlich empfindlich sind. Dann gibt es auch noch die stillen Mäuschen, oft sitzen sie bereits hochkonzentriert am Schreibtisch, wenn man selbst eintrifft. Zu Beginn übersieht man sie vielleicht, aber schon bald stellt man fest, dass sie die meiste Arbeit still und leise im Hintergrund erledigen während andere lärmend ein Meeting anberaumen. Konflikte unter Kollegen gibt es überall, es ist eher die Frage wie man in der Firma mit ihnen umgeht und wie man selbst auf die einzelnen Typen reagiert bzw. gelernt hat mit ihnen zurechtzukommen.

Jobwechsel führen auch dazu, dass man schneller auf das Wesentliche achtet. Die Software mag eine andere sein, die Prozessabläufe komplett verschieden, aber die grundlegenden Arbeitsschritte sind die gleichen. Ich habe es schon erlebt, dass ich mit anderen Augen auf die Prozesse schaue. Nicht nur, weil ich noch nicht betriebsblind bin, sondern auch, weil ich den gleichen Prozess bereits bei zwei verschiedenen Firmen erlebt habe und somit eine ganz andere Vergleichsbasis habe. Somit habe ich oft schon angestoßen Prozesse neu zu durchdenken und anders aufzusetzen.

Meine vielen Jobwechsel haben mich auch gelehrt mit Ungewissheit und Unsicherheit anders umzugehen. Wie zum Beispiel beim letzten Jobwechsel. Der Umzug von München nach Hamburg aufgrund eines Jobangebots für meinen Mann traf in meinem Bekanntenkreis auf viel Unverständnis. Warum wir denn unbedingt gemeinsam nach Hamburg wollten. Wäre es nicht sinnvoller, wenn mein Mann erst einmal alleine nach Hamburg ginge, bis er die Probezeit überstanden hatte und ich dann nachkam? Wäre es nicht klüger, wenn ich erst einmal ein Stelle in Hamburg hätte bevor ich kündigte?

Wir schlugen alle Ratschläge in den Wind. Wir hofften einfach darauf, dass mein Mann seine Probezeit bestehen und ich ebenso eine Stelle in Hamburg finden würde. Immerhin erhielt ich im schlimmsten Falle ja auch Arbeitslosengeld. Wir legten einfach los. Sollte es in Hamburg in die Hose gehen, so überlegten wir uns, würden wir einfach zurückkehren. Mein Arbeitgeber in München hätte mich mit Kusshand wieder genommen, auch mein Mann hätte sicherlich etwas Neues gefunden.

Es mag vielleicht naiv klingen, aber ich hatte durch meine vielen Jobwechsel gelernt darauf zu vertrauen, dass es immer irgendwie klappt. Denn so war es in der Vergangenheit immer gewesen. Irgendetwas ergab sich immer. Irgendwie ging es immer weiter. Auch wenn ich eine Weile in Hamburg arbeitslos war und sogar einen Tiefpunkt erlebte, weil ich gehofft hatte, dass die Stellensuche einfacher würde, da ich kein Berufseinsteiger mehr war, ergab sich nach einigen Monaten etwas. Mein Mann bestand die Probezeit und ich fand einen Job – unser Konzept ging auf.

Ich bin heute so froh, dass wir nach Hamburg gezogen sind. Denn ich habe jetzt zum ersten Mal das Gefühl beruflich angekommen zu sein. Ich habe jetzt den Wunsch tiefer in die Materie einzusteigen, mich zu spezialisieren und mich auch noch in fünf Jahren Personalerin im internationalen Bereich zu schimpfen. Ich wäre nie hierhingekommen, wenn ich in den meisten Fällen nicht dazu gezwungen wäre mich wieder neu zu bewerben. Zu jedem Jobwechsel gehört Mut. Mut loszulassen, Mut sich ins Ungewisse zu stürzen. Mut zum Risiko. Ich kann nur dazu ermutigen es einfach mal zu versuchen. Jeder einzelne Jobwechsel war für mich wertvoll. Entweder, weil ich im Kundenumgang geschult wurde, weil ich gemerkt habe, was ich nicht will oder weil ich als Quereinsteigerin zu neuen Ufern aufgebrochen bin und Fähigkeiten an mir entdeckt habe, von denen ich bis dato nicht wusste.

Natürlich sind Jobwechsel auch anstrengend. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren nicht schon wieder als die „Neue“ allen die Hand schütteln muss, während ich geduldig darauf warte, dass die IT meine E-Mailadresse aufsetzt und die Software installiert, bis ich erschöpft ins Bett falle, ob der vielen neuen Informationen, Abläufe und Prozesse. Natürlich sehne auch ich mich nach Stabilität. Ich mag, man mag es kaum glauben, durchaus auch Routine und erfreue mich an geregelten Arbeitsabläufen.

Aber diese Angst, dieser Fokus auf vermeindliche Sicherheit, die kann man meiner Meinung nach getrost in den Wind schlagen. Denn wenn ich etwas durch die Jobwechsel gelernt habe, ist, dass es sowieso immer alles anders kommt als man denkt. Deshalb: Mut zum Jobwechsel!

PS: Wer mag, kann hier nachlesen, warum ich auch meinen Studienabbruch nicht bereue.

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Ein Gedanke zu “Mut zum Jobwechsel

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