Die Jagd nach dem perfekten Cookie

Ich habe einen Knall. Ich liebe Cookies. Ich bin das Cookie Monster, bin ich schon immer gewesen. Vielleicht liegt es daran, dass ich als Kind drei Jahre in USA gelebt habe, keine Ahnung. Seit Monaten bin ich auf der Jagd nach dem perfekten Rezept. Chocolate Chip Cookies sind meine Lieblingscookies. Wie die von Subway. So schön groß und voller Chocolate Chips und Kalorien, ganz weich und am Rande knusprig. Von chefkoch.de bis hin zu Food-Blogs, ich habe sie alle durchforstet nach dem perfekten Rezept. Geduldig habe ich sie gelesen, nachgebacken, verfeinert, verworfen, wieder gebacken, experimentiert, hinzugefügt, weggelassen oder mich strikt an sie gehalten. Bestimmt 20 Rezepte habe ich bereits ausprobiert, von einigen Variationen. Das vorletzte war ein Desaster, das war einfach nur ein Keks mit Schokostückchen, obwohl das Rezept mehr als 1.000 positive Rezensionen hatte und ganz viele Rezensenten behauptet haben sie schmecken paradiesisch lecker. Meiner Meinung nach hatte der Keks mit dem Subway-Cookies wenig zu tun. Also habe ich weitergesucht. Und bin jetzt fündig geworden. Bei einer Amerikanerin, natürlich. Sally’s Baking Addiction nennt sich ihr Blog. Ihr Rezept habe ich nur leicht angepasst, weniger Zucker für den deutschen Gaumen. Der Cookie ist immer noch nicht perfekt, aber er kommt den Subway-Cookies schon wesentlich näher. Den perfekten Chocolate Chip Cookie werde ich vielleicht nie finden. Und teile weiter unten deshalb das Rezept als beinahe perfekt. Bisheriges Lieblingsrezept. Auch wenn dies hier ein Blog zum Thema Berufseinstieg für Geisteswissenschaftler ist.

Warum ich das mache? Weil ich viele Parallelen sehe zwischen meiner Suche nach dem perfekten Rezept und meiner Suche nach dem perfekten Beruf. Unbewusst habe ich mir schon ziemlich früh einen perfekten Beruf ausgemalt, der mich 40 Stunden die Woche dauerhaft glücklich macht und habe dann angefangen nach ihm zu suchen. Aber den gibt es nicht, den wird es auch nie geben. Das ist eine Tatsache, die insbesondere die jüngere Generation, die gerade studiert und in der Ausbildung ist, noch schlucken muss. Ich musste sie auch schlucken. Wir sind in einem solchen Optimierungswahn, wir wollen immer schneller, höher, weiter, besser. Viele denken, dass es DEN Traumjob gibt, aber das ist eine Lüge. Ich denke, dass man in verschiedenen Berufsfeldern glücklich werden kann. Ich bin zum Beispiel sehr gerne Sprachlehrerin gewesen. Wenn die Rahmenbedingungen andere gewesen wären, wäre ich vielleicht sogar heute noch Trainerin. Jetzt fühle ich mich sehr wohl in der Personalabteilung und fange langsam an hier tiefer in die Materie zu tauchen. Diesen einen und ultimativen Traumberuf, den viele irgendwo vermuten, den gibt es nicht, es gibt immer nur Annäherungen und selbst da gibt es Annäherungen an verschiedene Berufsfelder. Wie sonst könnte man sich erklären, dass ein Mensch in komplett verschiedenen Berufen erfüllt arbeiten kann? Es gibt genügend Geschichten von Menschen, die eigentlich ihren bisherigen Beruf toll fanden, aber irgendwie nach Jahren Lust auf etwas anderes hatten und dann glücklich gewechselt sind. Selbst wenn man für sich meint einen tollen, erfüllenden Beruf gefunden zu haben, wird es auch bei ihm Aufgaben geben, die nicht immer Spaß machen. Das ist einfach so. Doch viele tun sich schwer damit und versuchen im ultimativen Trip der Selbstverwirklichung sowohl den perfekten Partner, den perfekten Beruf als auch das perfekte Leben zu führen.

Ich sehe auch deshalb Parallelen, weil es auch bei den Rezept-Foren eine Reihe naseweiser Forenmitglieder gibt, die meinen das Rezept diene nur als ungefährer Hinweis, was man denn backen will (einmal klang es ganz so in einem Kommentar, als ob die Person statt Chocolate Chip Cookie einen Zitronenkuchen im Sinn hatte mit alledem, was ihrer Meinung nach ersetzt, gestrichen und geändert werden musste). Es gibt auch bei der Berufssuche viele gutmeinende Menschen, die an den eigenen Rezeptideen viel auszusetzen haben, meinen hinzufügen zu müssen und manchmal abstruse Ratschläge parat haben, was man alles ändern sollte, damit das „Berufserfolgsrezept“ aufgeht.

Davon sollte man sich nicht beirren lassen. Genauso wenig wie von 1.000 Leuten, die behaupten, das Rezept wäre das Beste, was sie je gegessen hätten, man sich also ans Werk macht und am Ende bitter enttäuscht wird. Nicht jede Berufsidee, die man hat, passt zu einem. Was bei anderen funktioniert, funktioniert nicht unbedingt bei einem selbst. Nur weil alle BWL oder IT studieren, bedeutet das noch lange nicht, dass auch ich das tun sollte. Klingt zwar banal, aber man kann schnell in eine Sackgasse gelangen, wenn man den Eindruck hat, dass alle um einen herum voller Eifer ihren Beruf ausüben, mit Begeisterung dabei sind, nur man selbst hängt schlapp in den Seilen und ist sich unschlüssig, denn soooo schlimm ist es ja nun auch wieder nicht. Dann klar für sich sagen zu können, dass es vielleicht für den anderen toll sein mag, für einen selbst aber nicht, ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Es ist ein Gradseilakt zwischen der ewigen Suche nach DEM Traumberuf und der klaren Ansage, dass man im Moment einfach nicht glücklich ist im bisherigen Berufsfeld.

Ich sehe auch deshalb eine Parallele, weil ich der festen Überzeugung bin, dass man ausprobieren muss. Berufsidee hin oder her, nur wenn man bäckt, nur wenn man in dem Bereich arbeitet, kann man für sich ausloten, ob das was ist. Einige der Rezepte, die ich ausprobiert habe, wurden tausendfach gelobt, andere kamen eher unscheinbar daher. Nur darüber zu lesen, hören, zu recherchieren reicht nicht aus. Man muss sich ans Werk machen und mal probieren. Was so einfach klingt, lässt sich aber schwer in die Tat umsetzen. Ich weiß. Aber wie sonst soll man sonst merken, was man kann, was einem Spaß macht, was man nicht will und wovon man tunlichst die Finger lassen sollte?

Ich poste auch deshalb das Rezept hier, weil ich dazu stehen will. Den perfekten Cookie werde ich wohl nie backen, den gibt es nur in meinem Kopf, aber ich glaube für das richtige Leben reicht mir das genannte Rezept. Für heute, für das Jetzt bin ich mit meiner Berufswahl glücklich und zufrieden. Das unten stehende Rezept ist bisher meiner Meinung nach die beste Annäherung an den Subway-Cookie. Auch wenn ich zwei Stunden warten muss, bevor ich endlich einen Cookie essen kann. Ich habe auch einige Jahre gewartet, bis ich beruflich endlich hier angekommen bin. Es gab Wirrungen, ich habe nicht den Traumberuf gefunden, aber ich habe einen Beruf gefunden, den ich gerne ausübe.

Vielleicht hilft dir das Rezept auch beim Bewerbungsschreiben? Die Cookies sind in 10min gemacht, nur kühlen, das dauert leider seine Zeit. Vielleicht eine hilfreiche Deadline in den zwei Stunden die nächste Bewerbung fertig zu machen? Auf ein Glas Milch mit Cookie zur Stelle, die zufrieden macht und erfüllt – zumindest meistens: Prost!

Beinahe perfektes Rezept für Chocolate Chip Cookies (analog zu Subway)

Ergibt ca. 14-16 Stück

Zutaten:

170 gr Butter

120 gr brauner Zucker (je höher der Anteil an braunem Zucker, desto softer und weicher wird der Cookie am Ende)

70 gr weißer Zucker (einen kleinen Anteil weißen Zucker braucht man trotzdem, damit der Cookie seine typische Konsistenz erhält)

1 Ei und 1 Eigelb

1 TL Vanilleextrakt (gibt es bei Amazon oder im nächsten Urlaub; in fast allen Ländern zu haben)

280 gr Mehl

1 Päckchen oder 1 TL Natron

1 1/2 TL Speisestärke

180 gr Chocolate Chips (Amazon oder Dr. Oetker lassen grüßen, natürlich geht auch kleingehackte Zartbitterschokolade oder M&Ms oder, oder)

Zubereitung:

Die Butter in der Mikrowelle oder auf dem Herd fast komplett schmelzen und im Anschluss mit den beiden Zuckersorten gründlich in einer großen Schüssel vermischen bis eine homogene Masse entstanden ist. Erst das Ei und dann das Eigelb unterrühren, gefolgt vom Vanilleextrakt. Mit einem Löffel das Mehl, Natron und die Speisestärke unterheben. Als letztes die Chocolate Chips unterrühren.

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Der Teig ist sehr fest und leicht klebrig. Den Teig mindestens zwei Stunden, gerne auch über Nacht im Kühlschrank kühlen (ich weiß, ich hasse diesen Teil auch, aber es macht wirklich einen himmelweiten Unterschied, ich habe es mehrmals ausprobiert!). Im Anschluss zwei Backbleche mit Backpapier auslegen, den Ofen auf ca. 160 Grad Ober-und Unterhitze vorheizen. Pro Cookie ca. 1 reichlichen EL Teig verwenden und zu einem etwas höheren als breiten Bällchen formen (siehe Bild). Achtung, wenn der Teig über Nacht im Kühlschrank war, ist er extrem schwer zu formen, das ist normal.

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6-8 Bällchen auf das erste Blech setzen und nach Sicht ca. 11-12 Minuten auf mittlerer Schiene backen. Da jeder Ofen etwas anders funktioniert, ist die Backzeit als Richtwert zu verstehen. Der Rand der fertigen Cookies sollte bereits goldbraun sein, die Mitte noch weich und eher blass. Backblech rausnehmen und die Cookies auf dem Blech zu Ende backen lassen. Wer mag, kann an dieser Stelle auch noch strategisch weitere Chocolate Chips in die Cookies drücken, bevor man sie z.B. auf einem Teller komplett auskühlen lässt. Mit dem Restteig wieder Bällchen formen und backen, bis der Teig aufgebraucht ist.

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Was ich im Laufe meiner Cookie-Jagd gelernt habe:

  • Die Butter zu schmelzen ist sehr wichtig, von wegen chemische Reaktion und so, frag mich nicht.
  • Die Speisestärke macht den Cookie weicher und gleichzeitig dicker. Geschmacklich ist kaum ein Unterschied zu merken, aber der Cookie behält mit Stärke viel besser seine Form und fällt nicht in sich zusammen.
  • Natürlich kann man anfangen Butter mit Margarine, Zucker mit Honig usw. zu ersetzen. Aber wenn man eine gute Konsistenz erhalten möchte, braucht man beide Zuckersorten. Besonders viel braunen Zucker. Den kriegt man mittlerweile auch in Deutschland in jedem Supermarkt.
  • Die 2 Stunden Kühlschrankzeit abzuwarten sind es wirklich wert. Noch besser schmecken sie, wenn der Teig über Nach im Kühlschrank war. Als kleiner Tipp: man kann sich auch nur anteilig Cookies formen und backen, wenn man Sorge hat als Cookie Monster zu viele in sich hineinzustopfen. Der Teig hält im Kühlschrank ca. 1 Woche ohne Probleme. Man kann auch bereits vorgeformte Cookies einfrieren und muss sie dann nur länger nach Sicht backen.
  • Die Cookies dürfen nicht zu lange gebacken werden. Wenn sie noch ziemlich blass aussehen und nur am Rande goldbraun sind, sind sie genau richtig (natürlich kann man sie auch knuspriger backen, aber ich bin wie gesagt Subway-Cookie-Fan und der ist nunmal butterweich). Auf den Bildern sind die Cookies mit meinem Ofen 12 Minuten gebacken. Mehr nicht. Waren sie länger im Kühlschrank, kann sich die Backzeit verlängern.

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13 Gedanken zu “Die Jagd nach dem perfekten Cookie

      1. 😂 das kam bei mir auch nur durch Zufall. Immer mal bei Instagram mein Abendessen gepostet und dann hieß es…gibt es Rezepte dazu? Ich habe dann einfach nur für wenige intern die Rezepte aufgeschrieben und dann ist das entstanden 🙈 LG

        Gefällt 1 Person

  1. Das sehe ich auch so. Tolle Parallelen hast du gezogen und dein wichtiges Thema sehr greifbar gemacht. Lass dir die nahezu perfekten Kekse richtig gut schmecken .

    An dieser Stelle kommt mir ganz automatisch eine Folge von #HIMYM in den Sinn, in der einer der Protagonisten nach dem einmal gegessenen perfekten Burger sucht und diesen einen Laden nicht mehr findet, wo er ihn damals gegessen hat.

    Perfekt liegt im Auge des Betrachters.

    Gefällt mir

    1. Danke. Ich hab heute wieder einen Subway-Cookie gegessen und dachte, hm, sooo toll schmeckt er mir heute nicht. Es ist wohl tatsächlich eine Sache der Perspektive…, hab wohl in letzter Zeit zu oft selbstgemachte Cookies ohne Chemikalien gespeist und die waren einfach besser…

      Gefällt 1 Person

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