Vorsatz geplatzt und nun?

Ich war gestern im Fitnessstudio und habe mich gefreut: langsam lichtet sich der Wald. Zu Beginn des Jahres 2017 war es nicht anders als auch 2016, die Leute standen Schlange, um sich anzumelden; die ersten Januartage war es unerträglich voll und verschwitzt. Das hat keinen Spaß gemacht. Aber jetzt ist das Gros wieder weg, die hochgepuschten Vorsätze haben, wenn überhaupt, zwei Wochen gehalten. Eigentlich mag ich diese Karteileichen gerne, denn sie bescheren mir eine günstigere Mitgliedschaft und stören mich spätestens ab Februar nicht mit ihrer Anwesenheit und erlauben freiere Auswahl an allen Gerätschaften.

Mir ist es bis dato immer noch ein Rätsel, warum gerade beim Jahreswechsel gute Vorsätze gefasst werden müssen. Sie halten sich hartnäckig diese Vorsätze, das kann ich immer wieder neu bestaunen, wenn das lokale Fitnessstudio im Januar schier aus allen Nähten platzt, im November und Dezember zuvor jedoch gähnende Leere herrscht.

Vorsätze, die aufgrund äußerer Umstände gefasst werden und auf eine bestimmte Zeit begrenzt sind, scheinen mir erfolgreicher zu sein. Wie zum Beispiel bei der Bloggerin Thao Tran, die sich vorgenommen hatte, etwas in ihrem Leben zu ändern so lange sie noch ihre Masterarbeit in Vergleichender Literatur- und Kulturwissenschaft zu Ende schreibt. Sie hat gemerkt, dass es einige Faktoren gibt, die es ihr schwermachen, die Arbeit in Ruhe fertig zu schreiben:

Ich habe erkannt, dass ich die Masterarbeit niemals fertig bekommen würde, wenn  es weiterhin so viele Ablenkungen gibt. Was sind diese Ablenkungen? Es sind meine Nebenjobs, der Gedanke, endlich wieder etwas für meinen Blog tun zu müssen, soziale Verpflichtungen, das Internet…

Deshalb hat sie beschlossen für die letzten Monate des Studiums auf die Nebenjobs zu verzichten, nur noch einmal pro Woche etwas für den Blog zu machen und Social Media nur eine halbe Stunde am Tag zu betreiben. Weitere Details ihrer Vorsätze finden sich hier.

Ich weiß nicht, ob sie es tatsächlich durchhält einige Monate so diszipliniert an ihrer Arbeit zu schreiben. Ich wünsche es ihr. Auch wenn ihre Vorsätze immer noch sehr steil und ehrgeizig sind, so gefällt mir an ihrem Plan, dass er auf eine bestimmte Zeit beschränkt ist. Dann lässt sich das schon mal eher durchhalten, weil man weiß, dass es nicht für immer ist. Das ist insbesondere bei Vorsätzen wichtig, die eine radikale Verhaltensänderung einfordern.

Vorsätze sind auch dann eher durchsetzbar, wenn man sich klarmacht, dass sie eine Entscheidung gegen etwas anderes sind. Bei Thao heißt dies zum Beispiel, dass sie lieber auf Geld verzichtet und stattdessen ihre Masterarbeit in Ruhe zu Ende schreibt. Statt Erschöpfung wählt sie lieber Energie.

Ich schrieb in meinem letzten Beitrag, dass ich nicht mehr möchte, dass die Arbeit wieder monatelang in den Vordergrund rückt. Wenn ich mir bewusst mache, dass ich viel ausgeglichener und zufriedener bin, wenn ich mir Termine für Freunde bewusst einplane, hilft mir das meine Arbeit einzuschränken und mal Nein zu sagen. Lieber wähle ich Zufriedenheit statt schlechte Laune und Erschöpfung. Nicht, weil ich meine Arbeit nicht mag, sondern weil das dauerhafte Zuviel mir nicht guttut.

Ich weiß jetzt schon, dass ich sicherlich auch 2017 wieder Überstunden machen werde. Das habe ich ja bereits am ersten Arbeitstag gemacht. Aber ich sehe das gelassen. Mein Vorsatz ist nicht, dass ich nie wieder Überstunden schiebe, sondern dass es mir schneller bewusst wird, wenn die Arbeit zu lange im Vordergrund meines Lebens steht. Mein toller Terminkalender macht mir das bewusst, wenn ich wieder einmal ankreuzen muss, dass ich kaum etwas für und mit meinen sozialen Kontakten gemacht habe. Er ist also meine tägliche Erinnerungshilfe und zeigt mir schnell auf, wenn ich wieder gegenlenken muss.

Nie-wieder-Vorsätze sind utopisch. Wenn sie bei dir geplatzt sind, ist das meiner Meinung nach sogar gut. Denn dann hast du nochmal die Chance dir zu überlegen, worum es bei deinem Vorsatz eigentlich ging. Etwas nie wieder zu tun, kann man sich schenken, das schafft man meist nicht. Aber zu reflektieren warum du dir genau diese Veränderung wünscht, hilft die Weichen richtig zu stellen und in kleinen Schritten in die richtige Richtung zu gehen.

Ich habe mich zum Beispiel hingesetzt und meinen gesamten Urlaub für 2017 geplant. Das habe ich noch nie gemacht, normalerweise habe ich das eher kurzfristig in Angriff genommen oder ganz spontan entschieden. Aber wenn ich gerne mehr in meine sozialen Kontakte investieren möchte, dann muss ich mir die Zeit dafür einplanen. Also habe ich mir kurzerhand für einen geplanten Trip ein Zugticket für Hamburg – München besorgt. Und war erstaunt, dass ich ohne umsteigen mit ICE weniger als 40 EUR für Hin- und Rückfahrt bei der Deutschen Bahn bezahlen musste. Jetzt spare ich durch die frühzeitigere Planung sogar noch Geld.

Diese Aktion hat scheinbar nichts mit der vielen Arbeit zu tun. Gleichzeitig hilft mir die Terminplanung außerhalb der Arbeit zu entsprechender Zeit Nein zu sagen und weniger Überstunden zu machen. Wenn man noch einen Termin am Abend hat, kann man viel leichter die Arbeit Arbeit sein lassen und den Rest am Folgetag machen. Dann passiert es auch nicht, dass Urlaubstage verfallen. Dann steuere ich bewusst gegen zu viel Arbeit und habe ein Gegengewicht. Das finde ich schon mal einen sehr guten Anfang.

Man könnte meinen, dass mein Vorsatz gleich am ersten Arbeitstag in die Hose ging, weil ich länger blieb. Ich selbst bin jedoch total motiviert, so viele tolle Aktionen mit Freunden habe ich noch nie so früh geplant. Da freue ich mich schon drauf. Und dann macht es mir noch weniger aus mal länger zu bleiben, wenn ich weiß, dass ich definitiv viele Male auch rechtzeitig los muss.

Wie geht es dir mit deinen Vorsätzen? Sind sie schon geplatzt? Hast du deshalb gleich von Vorneherein keine neuen Vorsätze gefasst? Ich freue mich wie immer über Kommentare.

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