5 Gründe, warum ich blogge

Manchmal werde ich gefragt, warum ich eigentlich blogge. In Zeiten, in denen gefühlt die Hälfte aller Blogs professionalisiert sind und die andere Hälfte sich entweder mit Fashion/Mode, Food, Büchern oder Diät/abnehmen beschäftigen, stellt sich die Frage, warum ich zum Nischenthema Berufseinstieg für Geisteswissenschaftler blogge. Hier gebe ich fünf Gründe.

1. Ich blogge, weil ich den Austausch mit anderen Geisteswissenschaftlern suche und brauche.

Als ich Ende März 2015 mit diesem Blog anfing, war ich arbeitslos. Zu der Zeit bestand meine Hauptaufgabe darin alleine vor dem Computer Stellen zu suchen, bis mir die Augen weh taten. Wenn man so völlig isoliert mit Absagen auf Bewerbungen zu kämpfen hat, kann man schnell verzweifeln. Ich selbst bin in der Zeit ziemlich verzweifelt, siehe auch mein erster Blogeintrag. Über den Blog erhoffte ich mir Austausch, hoffte ich andere Leidensgenossen zu finden.

Nach bald zwei Jahren des Bloggens bin ich froh, dass ich mich getraut habe. Hin und wieder bekomme ich Anfragen, mailen mir Leute ihre Fragen, habe ich es sogar geschafft mich mit einigen persönlich auf einen Kaffee zu treffen. Was ich damals erahnte, hat sich im Nachhinein immer wieder bewahrheitet. Vielen geht es ähnlich. Es gibt einem viel Kraft und ermutigt, wenn man feststellt, dass man nicht alleine ist.

2. Ich blogge, weil mir bei vielen Ratgebern für Bewerbung & Co. die persönliche Note fehlt.

Bin ich Konkurrenz zur karrierebibel? Mitnichten. Auf meinem Blog erzähle ich oft von persönlichen Erlebnissen, wie z.B. die Kaffeetassegeschichte oder berichte von Einzelschicksalen, wie in diesem Fall, bei dem eine Bachelorstudentin der Geisteswissenschaften eine Stelle in Hamburg fand.

Leser haben mir oft schon zurückgemeldet, dass sie insbesondere meine Ehrlichkeit schätzen. Mein Blogeintrag „Bewerbungsfrust: bleib dran!“ ist nur ein Beispiel, es ist eben nicht so, dass wir eine Stellen finden, wenn wir die „zehn Schritte wie man eine erfolgreiche Bewerbung schreibt“ befolgen. Unser Leben ist nicht so glattgebügelt wie uns das hochglanzpolierte Magazine glauben machen. Nein, wir kämpfen noch oder schon wieder. Ich habe meinen Berufseinstieg mal mit einer S-Bahn verglichen. Der Berufseinstieg bei Geisteswissenschaftlern ähnelt oft den langsamen S-Bahnen, die an noch so jedem popeligen Bahnhof halten, nein, wir rauschen eben nicht durchs Leben wie ein stromlinienförmiger ICE.

3. Ich blogge, weil ich Geisteswissenschaftlern, die überlegen selbstständig zu werden, ein paar Tipps mitgeben will.

Als ich damals notgedrungen als Sprachtrainerin und Jazzpianistin selbstständig wurde, stand ich da wie ein Ochs vor dem Berg. Gab es irgendwen, der mir erklären konnte was ich in welcher Reihenfolge zu tun hatte, um selbstständig zu sein? Nein. Ich rief also das Finanzamt an, um zu erfahren, was zu tun sei, die Rentenversicherung und meine Krankenkasse. Alle Behörden schickten mir daraufhin Fragebögen zu, die ich zum Teil überhaupt nicht verstand und ich also viele Rückfragen hatte, was wiederum zu weiteren Telefonaten führte. Als ich damit noch zugange war, hatte ich den ersten Kunden an der Strippe und musste mir auf die Schnelle ein Honorar ausdenken. Nachdem auch das geschafft war, wusste ich nicht wie es mit dem Schreiben der eigenen Rechnung funktioniert.

Um das nochmal ganz klar zu sagen: Meine Beiträge zum Thema Selbstständigkeit sind die absoluten Basics. Ich hätte mir damals gewünscht, dass mich jemand in die richtige Richtung schubst, dazu sind sie gedacht. Nachdem du dich ein wenig in die Thematik eingearbeitet hast, würde ich dir in jedem Fall raten Existenzgründungsseminare zu besuchen, es gibt viel zu beachten und zu bedenken. Ich habe damals mit Kreacon gute Erfahrungen gemacht. Existenzgründungsberater gibt es wie Sand am Meer, aber wenige spezialisieren sich so explizit auf Geisteswissenschaftler.

4. Ich blogge, weil ich Geisteswissenschaftler gerne miteinander vernetzen möchte

Ein bisschen liegt es im Naturell des typischen Geisteswissenschaftlers, das man eher eigenbrödlerisch unterwegs ist. Wir studieren entsprechend unserer Interessen und Neigungen. Was der Rest der Welt so macht, ist uns erst einmal egal. Wir wurschteln zunächst einmal vor uns hin, im Studium und dann später auch beim Berufseinstieg.

Nach vielen Gesprächen mit geisteswissenschaftlichen Berufseinsteigern habe ich gemerkt, dass viele überrascht sind, wenn sie feststellen, dass andere genau die gleichen Probleme beim Berufseinstieg haben. Irgendwie glauben sie immer die einzigen zu sein. Mir ging es zumindest so. Dann freue ich mich Leute miteinander zu verknüpfen oder Wissen weitergeben zu können. Ich empfehle zum Beispiel gerne die Zeitschrift Wila Bonn weiter. Die Wila Bonn durchkämmt wöchentlich deutschlandweit diverse Zeitungen und Jobportale und stellt dann alle Stellenanzeigen, die für Geisteswissenschaftler in Frage kommen, in ihrer eigenen Zeitschrift zusammen. Außerdem gibt es in jeder Ausgabe noch nette Artikel und Tipps. Vor knapp einem Jahr habe auch ich ein Interview gegeben.

5. Ich blogge, weil ich gerne schreibe und glaube, dass Geisteswissenschaftler gerne lesen.

Wer bis hierhin geschafft hat zu lesen: Herzlichen Glückwunsch. Vielleicht bin ich die einzige, aber mich stört es ungemein, dass Artikel in Onlinezeitungen immer kürzer werden und die Bilder und Werbung immer größer. Wenn ich lese, darf ein Beitrag oder ein Artikel gerne mehr als 1.000 Wörter lang sein. Ich habe genügend Phantasie und brauche nicht alle drei Sätze ein neues Bild zur Stimulation.

Umgedreht schreibe auch ich ziemlich lange Blogeinträge, weil mir schreiben Spaß macht. Geisteswissenschaftler haben in ihrem Studium viel lesen müssen, da ich Germanistik studiert habe, kann auch ich ein Lied davon singen. Viel davon war langweilig und öde, aber mit Wörtern zu spielen, das macht mir bis heute Spaß. Kommunikation ist eine unserer großen Stärken. Auch wenn ich hier sehr selten poetische Beiträge schreibe, gib es sie doch. „Freu dich, du bist ein roter Luftballon!“ und „Ohnmacht und Wehmut“ sind zwei Beispiele dazu.

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2 Gedanken zu “5 Gründe, warum ich blogge

  1. Mir gefällt dieser Beitrag/Blog sehr gut. Klare Sprache, Tiefgang und praktische Tipps. Alles, was man so braucht, wenn man nicht auf markige Sprüche und leere Worte steht. Auch wenn ich längst nicht mehr zu den Einsteigern gehöre, so interessiert mich dennoch, mit welchen Schwierigkeiten die unterschiedlichen Gruppen der jungen Generationen zu kämpfen haben. Das beobachte ich recht genau. Ich bedaure sehr, dass die Geisteswissenschaften im Interesse so weit hinter allem, was mit Wirtschaft zu tun hat, stehen. Die gesellschaftlichen Folgen sind erschreckend und offensichtlich. Machen Sie weiter!

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