Challenge geschafft

Die 14 Tage sind rum. 14 Tage lang habe ich mich in Dankbarkeit geübt. Insbesondere im Job. Dazu gab es jeden Tag eine Frage, die ich versucht habe im Laufe des Tages immer wieder zu bedenken und am Ende zu beantworten. Zum Beispiel welche Aufgaben mir bei der Arbeit Spaß machen oder wer mein Lieblingskollege ist. An manchen Tagen hat das besser geklappt als an anderen. Manchmal war die Frage sehr schnell und leicht zu beantworten und manchmal habe ich mich schwer getan. Zu einigen Fragen werde ich hier vielleicht ausführlicher antworten, aber heute will ich ein Gesamtfazit geben. Und das lautet: Dankbar zu sein ist anstrengender als gedacht, aber es lohnt sich.

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Ein wenig hat es mich schon erschreckt, dass ich manchmal so gar keine Lust hatte dankbar zu sein. Es ist viel einfacher alles schrecklich zu finden und zu meckern. Bewusst seine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, auf die positiven Dinge zu achten, das ist anstrengend. Aber gleichzeitig war ich auch positiv überrascht wie sehr meine dankbare Einstellung einen Einfluss auf den gesamten Tag hatte. Vieles ging mir leichter von der Hand, blöde Telefonate steckte ich einfacher weg, langweilige Aufgaben waren nicht ganz so übel. Ja, dankbar zu sein ist definitiv Arbeit, aber sie lohnt sich.

Unsere Gedanken sind viel machtvoller als ich gedacht habe. Wenn man versucht sie zu ändern, in andere Bahnen zu lenken, fällt einem erst auf wie schwer es ist die eingetretenen Wege zu verlassen. Zwar hat jeder von uns schon mal gehört, dass unsere Gedanken der Ursprung für unser Handeln sind, aber wenn man bewusst seine Gedanken lenkt, dann erst fällt es einem wirklich auf wie wichtig sie sind und wie sehr wir sorgsam auf sie achten sollten. So ging es zumindest mir.

Das bestätigte sich besonders gestern. Beim Joggen begegnete ich wieder der weithin berüchtigten alten Dame, die mit Gehstock und Hund öfter in der Schrebergärtenanlage zeitgleich mit mir unterwegs ist. Diese Dame hat eindeutig etwas gegen Läufer. Einmal schrie sie, dass Jogger eine Plage sind und fuchtelte gefährlich nah mit ihrem Gehstock bei meinen Beinen herum, gestern murmelte sie die ganze Zeit: „Furchtbar, furchtbar!“, als ich an ihr vorbeilief. Dass sie den Nachbarn bekannt ist, zeigte sich auch, als sich einmal zwei Jungs auf Skateboarden lautstark unterhielten, dass man in ihrer Nähe sehr aufpassen muss und die Dame ihren kläffenden Hund auf alles loslässt, was sich bewegt.

Als ich also gestern an ihr vorbeilief und sie eindeutig durch mein Laufen gestört war, musste ich darüber nachdenken, dass diese Dame unglaublich verbittert ist. Ich kenne sie nicht, aber ihre Verbitterung ist meilenweit zu sehen und hören. Ich bin wildfremd und dennoch sehe ich förmlich vor mir, wie sie sich nicht nur über die bösen Läufer und spielenden Kindern aufregt, sondern genauso auch über ihren Ehemann oder ihre Kinder, die sie nie besuchen und die lauten Nachbarn, die nichts Besseres vorhaben als sie in ihrem Frieden zu stören. Diese Dame hat ein ganzes Leben lang negative Gedanken gedacht. Sie hat der Bitterkeit viel Raum in ihrem Leben gelassen. So viel, dass die Bitterkeit nun alles andere überwuchert und nicht nur in ihren Gedanken den ersten Platz eingenommen hat, sondern genauso aus ihr herauswuchert.

Diese Dame zeigt mir ganz eindeutig, wie ich nicht enden möchte. Ich möchte nicht dauerhaft die Welt furchtbar finden, ich möchte mich nicht aufregen, weil sich etwas um mich herum bewegt. Sie hätte genauso gut den wunderbaren Frühlingsanfang genießen können. In der Schrebergärtenanlage waren viele verschiedene Vögel zu hören, die geschäftig dabei waren Nester zu bauen. Von Eichelhäher bis hin zum Rotkehlchen waren sie alle anzutreffen. Sie hätte die Sonnenstrahlen auf ihrer Haut spüren und tief die frische Luft einatmen können. Sie hätte Krokusse bestaunen können und Narzissen, Primeln und Hyazinthen, überspannt von einem hellblauen Himmel. Doch stattdessen fokussierte sie sich darauf sich über die Jogger aufzuregen, derer es übigens viele in der Anlage gibt. Sie wählte den lange ausgetretenen Pfad des Meckerns.

So anstrengend diese 14 Tage auch waren, so hat mich die Begegnung mit der Dame darin bestärkt mich weiterhin in Dankbarkeit zu üben. Nein, ich habe es nicht jeden Tag geschafft und manchmal ist es mir wie gesagt schwer gefallen. Aber darum geht es nicht. Es geht nicht darum zu gewinnen oder sich damit zu bürsten besonders dankbar zu sein. Ich möchte einfach lernen eine andere Haltung zu haben. Ich möchte lernen, egal, ob ich nun gerade arbeite oder nicht, dankbar zu sein. Natürlich geht das manchmal leichter, aber ich möchte lernen in jeder Situation das Positive zu sehen. Denn, das habe ich jetzt festgestellt: die eigene Einstellung macht einen großen Unterschied!

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2 Gedanken zu “Challenge geschafft

  1. Hallo Jenny, vielen Dank für die Challenge und deinen Erfahrungsbericht. Insbesondere in deiner Beschreibung mit der alten Frau erkennen sich bestimmt viele Leser wider. LG Gary

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