Challenge geschafft

Die 14 Tage sind rum. 14 Tage lang habe ich mich in Dankbarkeit geübt. Insbesondere im Job. Dazu gab es jeden Tag eine Frage, die ich versucht habe im Laufe des Tages immer wieder zu bedenken und am Ende zu beantworten. Zum Beispiel welche Aufgaben mir bei der Arbeit Spaß machen oder wer mein Lieblingskollege ist. An manchen Tagen hat das besser geklappt als an anderen. Manchmal war die Frage sehr schnell und leicht zu beantworten und manchmal habe ich mich schwer getan. Zu einigen Fragen werde ich hier vielleicht ausführlicher antworten, aber heute will ich ein Gesamtfazit geben. Und das lautet: Dankbar zu sein ist anstrengender als gedacht, aber es lohnt sich.

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Ein wenig hat es mich schon erschreckt, dass ich manchmal so gar keine Lust hatte dankbar zu sein. Es ist viel einfacher alles schrecklich zu finden und zu meckern. Bewusst seine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, auf die positiven Dinge zu achten, das ist anstrengend. Aber gleichzeitig war ich auch positiv überrascht wie sehr meine dankbare Einstellung einen Einfluss auf den gesamten Tag hatte. Vieles ging mir leichter von der Hand, blöde Telefonate steckte ich einfacher weg, langweilige Aufgaben waren nicht ganz so übel. Ja, dankbar zu sein ist definitiv Arbeit, aber sie lohnt sich.

Unsere Gedanken sind viel machtvoller als ich gedacht habe. Wenn man versucht sie zu ändern, in andere Bahnen zu lenken, fällt einem erst auf wie schwer es ist die eingetretenen Wege zu verlassen. Zwar hat jeder von uns schon mal gehört, dass unsere Gedanken der Ursprung für unser Handeln sind, aber wenn man bewusst seine Gedanken lenkt, dann erst fällt es einem wirklich auf wie wichtig sie sind und wie sehr wir sorgsam auf sie achten sollten. So ging es zumindest mir.

Das bestätigte sich besonders gestern. Beim Joggen begegnete ich wieder der weithin berüchtigten alten Dame, die mit Gehstock und Hund öfter in der Schrebergärtenanlage zeitgleich mit mir unterwegs ist. Diese Dame hat eindeutig etwas gegen Läufer. Einmal schrie sie, dass Jogger eine Plage sind und fuchtelte gefährlich nah mit ihrem Gehstock bei meinen Beinen herum, gestern murmelte sie die ganze Zeit: „Furchtbar, furchtbar!“, als ich an ihr vorbeilief. Dass sie den Nachbarn bekannt ist, zeigte sich auch, als sich einmal zwei Jungs auf Skateboarden lautstark unterhielten, dass man in ihrer Nähe sehr aufpassen muss und die Dame ihren kläffenden Hund auf alles loslässt, was sich bewegt.

Als ich also gestern an ihr vorbeilief und sie eindeutig durch mein Laufen gestört war, musste ich darüber nachdenken, dass diese Dame unglaublich verbittert ist. Ich kenne sie nicht, aber ihre Verbitterung ist meilenweit zu sehen und hören. Ich bin wildfremd und dennoch sehe ich förmlich vor mir, wie sie sich nicht nur über die bösen Läufer und spielenden Kindern aufregt, sondern genauso auch über ihren Ehemann oder ihre Kinder, die sie nie besuchen und die lauten Nachbarn, die nichts Besseres vorhaben als sie in ihrem Frieden zu stören. Diese Dame hat ein ganzes Leben lang negative Gedanken gedacht. Sie hat der Bitterkeit viel Raum in ihrem Leben gelassen. So viel, dass die Bitterkeit nun alles andere überwuchert und nicht nur in ihren Gedanken den ersten Platz eingenommen hat, sondern genauso aus ihr herauswuchert.

Diese Dame zeigt mir ganz eindeutig, wie ich nicht enden möchte. Ich möchte nicht dauerhaft die Welt furchtbar finden, ich möchte mich nicht aufregen, weil sich etwas um mich herum bewegt. Sie hätte genauso gut den wunderbaren Frühlingsanfang genießen können. In der Schrebergärtenanlage waren viele verschiedene Vögel zu hören, die geschäftig dabei waren Nester zu bauen. Von Eichelhäher bis hin zum Rotkehlchen waren sie alle anzutreffen. Sie hätte die Sonnenstrahlen auf ihrer Haut spüren und tief die frische Luft einatmen können. Sie hätte Krokusse bestaunen können und Narzissen, Primeln und Hyazinthen, überspannt von einem hellblauen Himmel. Doch stattdessen fokussierte sie sich darauf sich über die Jogger aufzuregen, derer es übigens viele in der Anlage gibt. Sie wählte den lange ausgetretenen Pfad des Meckerns.

So anstrengend diese 14 Tage auch waren, so hat mich die Begegnung mit der Dame darin bestärkt mich weiterhin in Dankbarkeit zu üben. Nein, ich habe es nicht jeden Tag geschafft und manchmal ist es mir wie gesagt schwer gefallen. Aber darum geht es nicht. Es geht nicht darum zu gewinnen oder sich damit zu bürsten besonders dankbar zu sein. Ich möchte einfach lernen eine andere Haltung zu haben. Ich möchte lernen, egal, ob ich nun gerade arbeite oder nicht, dankbar zu sein. Natürlich geht das manchmal leichter, aber ich möchte lernen in jeder Situation das Positive zu sehen. Denn, das habe ich jetzt festgestellt: die eigene Einstellung macht einen großen Unterschied!

Kleines Resümee nach 4 Tagen

Hier nochmal eine kleine Erinnerung, ich übe mich gerade 14 Tage lang in Dankbarkeit im Job. Heute ist der 4. Tag der Challenge, die ich mir selbst gestellt habe. An jedem Tag war eine Frage zu beantworten, hier nochmal die Frage von Tag 2:

Was magst du an deiner jetzigen Arbeitsstelle/im Studium/in deiner Situation?

Ich habe hier auf dem Blog in zwei verschiedenen Beiträgen davon berichtet, warum ich meine Arbeitsstelle mag. Einmal war das zum Einjährigen bei meiner jetzigen Arbeitsstelle, einmal als ich drei Wochen im Urlaub gewesen war und dankbar für meine Vertretung war. Deshalb belasse ich es erst einmal dabei.

Tag 3 bestand aus dieser Frage:

Wer ist dein Lieblingskollege/Lieblingskommilitone/Lieblingsmensch und warum?

Auch hier habe ich schon einmal einen Beitrag verfasst, bei dem ich über meine damalige Lieblingskollegin, noch bevor ich in diesem Unternehmen angestellt war, berichtet habe. Natürlich habe ich mir jetzt Gedanken zu einer heutigen Kollegin gemacht.

Heute lautete die Frage:

Mache dir heute für mitten am Tag (z.B. zum Mittagessen) eine Erinnerung (z.B. auf dem Handy) und überlege dir in dem Moment ganz spontan drei Dinge, für die du dankbar bist.

Dazu möchte ich mich jetzt nicht äußern, das werde ich an anderer Stelle tun, denn mir geht es heute darum ein kleines Fazit zu ziehen. Bringt es was, hat sich etwas verändert, helfen mir diese Fragen dankbarer zu sein?

Mein Antwort lautet heute schon: Ja! Ich finde es spannend zu sehen, dass selbst eine kleine simple Frage, die ich mir im Laufe des Tages immer wieder stelle, bereits zu einer Veränderung führt. Ich empfinde mich schon jetzt ein klitzekleines bisschen positiver, nehme dröge Aufgaben eher mit Schwung und sehe insgesamt dem Tag gelassener entgegeb. Das finde ich sehr wertvoll und begeistert mich. Ich möchte definitiv die 14 Tage komplett durchziehen, sicherlich auch noch länger.

Ich würde mich sehr freuen auch von dir zu hören, wenn du mitmachst, wie geht es dir mit den Fragen, siehst du irgendeine Veränderung?

14 Tage Challenge: Wofür bin ich (im Job) dankbar?

Vor einigen Tagen bin ich über die 14-Tage-Challenge von Goldenmelancholy gestolpert. Darin ruft sie auf 14 Tage lang Dankbarkeit mithilfe einer kleinen Frage zu üben. Auch wenn ihre Fragen sehr allgemein gehalten sind (wie z.B. für welchen Ort man dankbar ist), hat mich ihre Grundidee nicht losgelassen. Dankbarkeit ist etwas, was man üben muss.

Insbesondere im Job. Es ist sehr einfach sich über seinen Job aufzuregen. Blöde Projekte, blöde Kollegen, blöder Chef und bekloppter Vorstand. Es gibt immer irgendwas, was scheiße ist. Über seinen Job zu jammern, kann eine Gewohnheit werden. Vielen Menschen ist es zu einer Gewohnheit geworden ohne dass sie es merken. Man trifft sich in der Teeküche und schnackt und irgendwie kommt man unweigerlich darauf zu sprechen was alles schlecht läuft. Ist dir das schon mal aufgefallen? Sich aufzuregen, abzulästern, über Kollegen herziehen, das können wir gut. Es ist wie ein Sog, bei dem man mitgerissen wird und in dem wir schwimmen, was das Zeug hält.

Ich weiß selbst, dass es manchmal gut tun kann, wenn man mal den ganzen Frust loswird. Manchmal kann es helfen, wenn man mit einem Kollegen seines Vertrauens ein Gespräch führt und alles ablädt. Um diese speziellen Gespräche geht es mir hier gar nicht. Worauf ich hier hinauswill, sind diese typischen Teeküchengespräche, wenn zum Beispiel ein Kollege aus einer anderen Abteilung nachfragt wie es läuft und dann ein „Muss ja“ zu hören ist. Wenn auf einmal ein hochkomplexes Problem wegen der einen schnöseligen Kollegen nicht gelöst werden kann oder weil der Vorstand schon wieder zurückgerudert ist und jetzt doch auf einmal alles links soll, was vorher nur rechts richtig war.

Wir sind Weltmeister im Klagen, im Jammern, Meckern und Aufregen. Leider. Und um davon wegzukommen, möchte ich dich einladen an meiner Challenge teilzunehmen. Ich selbst werde diese Challenge am 13. März beginnen und am Ende meine Antworten in einem separaten Beitrag besprechen, vielleicht werden es sogar mehrere Beiträge. Du kannst auch teilnehmen, wenn du nicht arbeitest. Ich habe entsprechende Fragevariationen vorbereitet. Wie auch Goldenmelancholy möchte ich in diesem Beitrag die 14 Fragen auflisten und würde dich bitten jeden Tag nur eine Frage zu beantworten. Wann du startest, ist dir überlassen, du musst nicht unbedingt mit mir zusammen loslegen. Egal wann es bei dir losgeht, ich würde mich freuen, wenn du entweder auf deine Antworten verlinkst und hierauf verweist, du kannst aber auch nur ein Resümee als Kommentar hinterlassen.

Ich freue mich auf euer Mitmachen, hier nochmal genau, was geplant ist:

14-Tage-Challenge, Dankbarkeit (im Job) zu üben

Was: 14 Fragen (siehe unten), die an 14 aufeinanderfolgenden Tagen von dir beantwortet werden. Die Reihenfolge ist relativ egal, ich habe sie chronologisch so sortiert, dass es sich anbietet an einem Montag zu starten falls man arbeitet, aber grundsätzlich gibt es keine Regel, weder zur Abfolge noch Startwochentag.

Start: jederzeit, wann es bei dir passt, ich selbst beginne am 13.03.2017

Am Ende verlinkst du per Kommentar deine Antworten auf deinem Blog und verweist auf diesen Beitrag oder hinterlässt per Kommentar eine Art Resümee

14 Fragen (können hier ausgedruckt werden)

  1. Entferne heute mindestens drei Dinge von deinem Schreibtisch (wegräumen/wegwerfen) und suche dir einen symbolischen Gegenstand, der dich erinnert Dankbarkeit (im Job) zu üben, auch über diese 14 Tage hinaus. Erkläre den Gegenstand.
  2. Was magst du an deiner jetzigen Arbeitsstelle/im Studium/in deiner Situation?
  3. Wer ist dein Lieblingskollege/Lieblingskommilitone/Lieblingsmensch und warum?
  4. Mache dir heute für mitten am Tag (z.B. zum Mittagessen) eine Erinnerung (z.B. auf dem Handy) und überlege dir in dem Moment ganz spontan drei Dinge, für die du dankbar bist.
  5. Welche Aufgabe, die du im Augenblick bearbeitest, macht dir am meisten Spaß und warum?
  6. Nenne drei positive Eigenschaften, die deine Firmenkultur/Unikultur/eigene Arbeitsweise ausmachen.
  7. Drucke dir ein farbenfrohes Motiv aus, z.B. hier und schreibe diesen Satz zu Ende: Ich mag meine Arbeit/mein Studium/meine Situation, weil… (zur Not geht natürlich auch ein einfaches Blatt Papier). Hänge das Blatt gut sichtbar an deinem (Arbeits-)tisch auf.
  8. Spiele heute Raucherpause. Stehe mitten in einer Aufgabe, die du bearbeitest, auf und gehe für 5 Minuten an die frische Luft.
  9. Schreibe drei positive Dinge auf, die heute bei der Arbeit/im Studium/in deinem Alltag passiert sind.
  10. Gehe heute auf die Person von Frage Nr. 3 zu und sage ihr/ihm, warum du sie/ihn magst. Schreibe auf, wie du dich danach fühlst.
  11. Beschreibe eine Situation, die bei der Arbeit/im Studium/im Alltag heute passiert ist, die dich positiv überrascht hat.
  12. Was hat dich heute bei der Arbeit/im Studium/im Alltag glücklich gemacht?
  13. Auf welches (Arbeits-)Projekt, das du in den letzten drei Monaten gestartet/beendet hast, bist du stolz?
  14. Überlege dir drei Dinge, die du an deinem Chef/Professor/Sachbearbeiter Arbeitsamt/Partner/guten Freund magst.

Tabuthema Trauern bei Arbeitsverlust

Silke ruft in ihrem Blog „In lauter Trauer“ auf, heute über das Thema Trauer in seinen verschiedenen Facetten nachzudenken. Heute, weil heute der Geburtstag ihres Partners Julian ist, der vor vier Jahren aus ihrem Leben gerissen wurde, als er in Nepal plötzlich umkippte und verstarb.

Über Trauer, Tod und Verlust zu sprechen, fällt vielen Menschen sehr schwer. Oft fehlen die Worte, es kommen nur noch Worthülsen zum Vorschein und es gibt betretenes Schweigen. Das ist natürlich besonders der Fall, wenn jemand stirbt. Das gilt aber auch, wenn man seine Arbeitsstelle verloren hat. Auch hier gibt es viele Worthülsen a la „Das wird schon wieder!“, „Bald findest du was!“ oder noch schlimmer „Ich beneide dich, jetzt kannst du endlich ausschlafen!“, die einen verfolgen, wenn einem gekündigt wird.

Ich werde nie vergessen wie ich bei meinem ersten Job nach meinem Uniabschluss vom Chef herbeizitiert wurde und er mir mitteilte, dass meine Stelle gestrichen wurde. Ironischerweise war ich zum Termin mit einem Vorschlag erschienen wie man das Jugendprogramm, das ich koordinierte, noch bekannter machen konnte. Ursprünglich war der Termin angesetzt für die Ausarbeitung der Marketingtour. Vielleicht erklärt es, warum ich sehr lange im Gespräch brauchte bis mir dämmerte, was mein Chef gerade versuchte mir mitzuteilen. Ich war wie vor dem Kopf gestoßen. Als das Gespräch beendet war, ging ich zurück ins Büro zu meiner Kollegin und packte stumm meine Sachen. Es war gerade mal 10 Uhr morgens, aber an diesem Tag wollte und konnte ich nicht mehr arbeiten. Ich erzählte meiner Kollegin kurz und knapp, dass mir gekündigt worden war und dass ich jetzt nach Hause gehen würde. Sie nickte, ähnlich fassungslos wie ich, und ich verschwand.

Ich fühlte mich wie ein Roboter. Ich kann mich kaum an die nächsten Wochen erinnern. Irgendwie schaffte ich es weiterhin zur Arbeit zu gehen, aber jetzt machte ich so gut wie nichts und schloss nur noch halbherzig einige Sachen ab. Man wollte mich hier nicht, warum sollte ich Energie reinstecken in etwas, was sowieso für die Katz war. Auch wenn mein Chef mir versuchte zu erklären, dass es finanzielle Gründe waren, warum meine Stelle gestrichen wurde und es nichts mit meiner Arbeitsweise zu tun hatte, ich war betäubt und geschockt. Ich fing an auf Arbeit auf Stellensuche zu gehen, es war mir völlig egal, was meine Kollegen von mir hielten, denn lange würden sie mich nicht mehr erleben.

Irgendwann war es dann wirklich soweit, mein letzter Arbeitstag kam, ich ging, sehr leise und kaum einen interessierte es. Ich suchte also Zuflucht bei meinem Mann, meiner Familie und Freunden und versuchte mich aufzuraffen wieder Bewerbungen zu schreiben. Denn das ist das schlimme bei einer Kündigung, es bleibt einem kaum Zeit wirklich zu trauern. Es bleibt keine Zeit viel darüber nachzudenken, denn der finanzielle Druck war bei mir groß.

Heute weiß ich, dass ich mich viel über meine Arbeit identifiziere. Heute weiß ich, dass eine gute Arbeitsstelle mir viel bedeutet. Damals war es mir nicht so klar bewusst. Ich ging also mit dem Identitätsverlust so um, dass ich mich bis zur Erschöpfung mit Bewerbungen und Stellensuche beschäftigte. Aus finanzieller Not heraus baute ich meine bis dahin nebenberuflich ausgeführte Selbstständigkeit stärker aus und kam irgendwann an den Rande eines Burnouts.

Mein erster Job war mir gekündigt worden und es wollte einfach nicht mit einer neuen Stelle klappen. Zwischen all dem hektischen Suchen nach einer Stelle, dem Ausüben der Selbstständigkeit und dem ständigen Grübeln warum gerade mir das passieren musste, klammerte ich die Trauer komplett aus. Ich meinte keine Zeit zu haben der Wut, Verzweiflung, Angst und Frustration Raum zu geben oder diese Gefühle gar der Welt kundzutun.

Außerdem isolierte ich mich, igelte mich ein und sprach bald mit niemanden mehr über meine Arbeitslosigkeit. Ich schämte mich, weil es nicht klappen wollte und scheinbar niemand sonst so zu kämpfen hatte wie ich. Außerdem hatte ich keine Lust mir blöde Sprüche anzuhören und mich angeblich glücklich zu schätzen, weil ich nun endlich Zeit hatte. Nein, mein Arbeitsverlust war definitiv kein Gewinn für mich, er war ein Verlust, den ich aber nicht verstand gebührend zu verarbeiten, sondern den ich versuchte zu verdrängen und zu ignorieren. Meine Lösung bestand darin mich abzulenken.

Bei meiner letzten Arbeitslosigkeit hatte ich wenigstens im Ansatz einige Strategien, die mir halfen in dieser schwierigen Phase durchzuhalten. Ich habe meine persönlichen Tipps in diesem Beitrag beschrieben. Aber der Trauer bei Arbeitsverlust Raum zu geben und zum Beispiel um den Verlust zu weinen, das habe ich noch nicht so richtig gelernt.

Ich weiß im Moment nur, dass Arbeitslose niemals von mir hören werden, dass sich ganz bestimmt bald etwas ergeben wird. Ich weiß, dass ich nach den ersten Wochen der allgemeinen Bestürzung, wenn sie von der Kündigung erzählt, nachfragen und vielleicht zwischendurch hartnäckig ein Treffen anbieten muss, auch wenn die Person behauptet keine Lust zu haben. Ich weiß, dass ich beim Treffen auf einen Kaffee nicht fragen darf wie es gerade mit Bewerbungen oder Vorstellungsgesprächen aussieht, sondern über Gott und die Welt philiosophieren werde. Wenn die Person von sich aus auf das Thema zu sprechen kommt, höre ich erst einmal still zu und hüte mich gleich Ratschläge zu verteilen. Sollte die arbeitssuchende Person sportlich sein, würde ich ein Fitnessstudio-Abo abschließen und gemeinsam mit der Person regelmäßig hingehen oder zumindest versuchen sie dazu zu bewegen.

Ich weiß nur, dass der Verlust der Arbeit bei einigen Menschen ebenso tief einschlägt wie der Verlust einer geliebten Person. Die Arbeit zu verlieren ist etwas, was einen verändert, selbst wenn man selbst kündigt. Arbeitslosigkeit geht unter die Haut, verkneif dir blöde Sprüche, wenn du mit jemanden unterwegs bist, der/die gerade eine Stelle sucht und mach dir bewusst, dass diese Person einen Verlust erlitten hat.

Die Crux mit der Flexibilität

Nicht schon wieder! Das war mein erster Gedanke als mein Mann mir vor zwei Jahren erzählte, dass er ein Jobangebot bekommen hatte und wissen wollte, ob ich mir vorstellen könnte 800km umzuziehen.

Meine ablehnende Haltung ergibt sich aus meiner umzugsreichen Vergangenheit. Schon als Kind ging es in diverse Länder in Süd- und Nordamerika, bevor auch in Deutschland die Bundesländer NRW, Sachsen, Bayern und Hamburg zur Heimat wurden. Mein nächster Umzug wäre der 12.

Eigentlich müsste man meinen, dass diese Flexibilität und Internationalität mein Aushängeschild sind. Normalerweise sind sie das auch. Ich habe an unterschiedlicher Stelle berichtet, warum mir insbesondere Internationalität bei meiner Arbeit wichtig sind und warum ich bewusst Sprachen im Hinblick auf Internationalität studiert habe. Aber ich muss zugeben, je öfter ich umziehe und je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass jeder Umzug seinen Preis hat.

Manchmal muss ich müde lächeln, wenn wieder die obligatorische Frage gestellt wird, ob ich denn schon in der neuen Stadt angekommen bin. Was heißt denn bitteschön ankommen? Heißt das, dass ich weiß, wo sich der nächste Bäcker findet, ich einen guten Hausarzt gefunden habe und grob weiß wo welcher Stadtteil liegt? Heißt das, dass ich eine erschwingliche Wohnung gefunden und eingerichtet habe? Heißt das, dass ich Leute kennengelernt habe oder vielleicht, dass ich mich heimisch fühle, was auch immer das wiederum heißt?

Anzukommen, so sehr das auch meinen Gesprächspartnern widerstrebt, ist ein Prozess, der meiner Meinung nach nach ca. einem Jahr in der neuen Stadt beginnt. Ich weiß, dass ich mir mit dieser Meinung keine Freunde mache und habe schon diverse Diskussionen geführt, wo mein Gegenüber fast vom Stuhl gefallen ist, weil diese Frage oft in den ersten Monaten nach Ankunft in der neuen Stadt gestellt wird und ich also vehement verneint habe. Anzukommen beinhaltet so viel mehr als die grobe Orientierung, das simple Zurechtfinden im Alltag. Ankommen hat viel mit Menschen zu tun. Mit den Kollegen, aber natürlich auch mit den Menschen, die man außerhalb des Arbeitskontextes kennenlernt.

Ich behaupte, dass man erst nach einem Jahr wirklich anfängt Freundschaften zu schließen, dass Menschen sich öffnen und tiefer Einblick in ihr Privatleben geben. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber meiner Umzugserfahrung nach brauchen viele Menschen einfach so lange bis sie sich öffnen. Wir müssen uns vorher beschnuppern bis eine erste Vertrauensbasis entstanden ist.

Und deshalb ist mir diese ständig propagierte Flexibilität, die oft in Stellenbeschreibungen angesprochen wird, suspekt. Ist es das wirklich wert? Ist es wert für ein halbes Jahr für einen befristeten Vertrag umzuziehen, den ganzen Stress auf sich zu nehmen, wenn man am Ende nicht einmal schafft anzukommen?

Jetzt nochmal langsam: Ich bin absolute Befürworterin, wenn es darum geht ins Ausland zu gehen, egal ob zu Schul-, Studien-, oder Arbeitszeiten. Weg von der Heimat, vom Vertrauten, Aufbruch zu neuen Ufern, da bin ich dabei. Ich finde es ja eher erschreckend wie viele Studenten in ihrer Heimatstadt studieren und gar kein Bedürfnis haben wegzugehen oder wenigstens ein Auslandssemester zu machen, wenn es nicht Pflicht ist. Das ist so ganz gegen mein Naturell.

Grundsätzlich mag ich Flexibilität und habe explizit nach Jobs gesucht, die sie propagieren und leben. Jedoch fällt mir immer wieder auf, insbesondere wenn ich bei meiner Arbeit mit Behörden zu tun habe, dass Flexibilität manchmal ein Fremdwort ist. Dann erlebe ich dieses Scheuklappendenken, diese Einbahnstraße, auf der es klare Grenzen gibt und die sich für mich wie eine Sackgasse anfühlt. Manchmal wünsche ich mir dann, dass ein Sachbearbeiter einer Behörde mal eine Weile ins Ausland geschickt wird und ihm/ihr die Augen geöffnet wird. Da wünsche ich mir mehr Weite und insbesondere das Herz am rechten Fleck, was bei vielen schon ziemlich stumpf geworden scheint.

Flexibilität im Denken, Flexibilität im Leben, im Handeln, an sich ist das etwas Gutes. Das Nonplusultra scheint es ja bei Stellenbeschreibungen zu sein. Ich frage mich manchmal, warum. Was genau ist damit gemeint, flexibel zu sein? Heißt das, man wird ständig auf Reisen sein, heißt das, dass man sich darauf einstellen kann ständig andere Aufgaben betraut zu bekommen? Heißt das, dass Prozesse nicht definiert sind oder ich irgendwie mit dem Chaos klarkommen muss? Oft weiß man es nicht, muss es sich irgendwie zusammenreimen und erfährt hoffentlich im Vorstellungsgespräch was genau damit gemeint war.

Die Erwartungshaltung vom Arbeitgeber bzgl. Flexibilität ist groß. Ich finde jedoch, dass man für sich reflektieren muss inwieweit man flexibel sein möchte und kann. Egal, ob das nun heißt, dass ein Umzug in eine andere Stadt oder gar anderes Land ansteht, ob man viel reisen muss, ob indirekt erwartet wird ständig Überstunden zu schieben.

Flexibilität hat einen Preis. Flexibilität ist eben nicht das Nonplusultra. Die ganze Welt kann das behaupten und Flexibilität mit Lametta behängen, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass Flexibilität ihre Schattenseiten hat. Man sollte es sich gut überlegen, ob man bereit ist für sie zu zahlen oder nicht. Indem man zum Beispiel alle drei Monate in einen anderen Einsatzort kommt. Indem man für die neue Stelle alle Zelte abbricht. Ist es das wirklich wert?

Ein Arbeitgeber kann Flexibilität einfordern, aber das sollte einen nicht davon abhalten für sich zu klären, ob man bereit ist so flexibel zu sein wie es erwartet wird.

Vorsatz geplatzt und nun?

Ich war gestern im Fitnessstudio und habe mich gefreut: langsam lichtet sich der Wald. Zu Beginn des Jahres 2017 war es nicht anders als auch 2016, die Leute standen Schlange, um sich anzumelden; die ersten Januartage war es unerträglich voll und verschwitzt. Das hat keinen Spaß gemacht. Aber jetzt ist das Gros wieder weg, die hochgepuschten Vorsätze haben, wenn überhaupt, zwei Wochen gehalten. Eigentlich mag ich diese Karteileichen gerne, denn sie bescheren mir eine günstigere Mitgliedschaft und stören mich spätestens ab Februar nicht mit ihrer Anwesenheit und erlauben freiere Auswahl an allen Gerätschaften.

Mir ist es bis dato immer noch ein Rätsel, warum gerade beim Jahreswechsel gute Vorsätze gefasst werden müssen. Sie halten sich hartnäckig diese Vorsätze, das kann ich immer wieder neu bestaunen, wenn das lokale Fitnessstudio im Januar schier aus allen Nähten platzt, im November und Dezember zuvor jedoch gähnende Leere herrscht.

Vorsätze, die aufgrund äußerer Umstände gefasst werden und auf eine bestimmte Zeit begrenzt sind, scheinen mir erfolgreicher zu sein. Wie zum Beispiel bei der Bloggerin Thao Tran, die sich vorgenommen hatte, etwas in ihrem Leben zu ändern so lange sie noch ihre Masterarbeit in Vergleichender Literatur- und Kulturwissenschaft zu Ende schreibt. Sie hat gemerkt, dass es einige Faktoren gibt, die es ihr schwermachen, die Arbeit in Ruhe fertig zu schreiben:

Ich habe erkannt, dass ich die Masterarbeit niemals fertig bekommen würde, wenn  es weiterhin so viele Ablenkungen gibt. Was sind diese Ablenkungen? Es sind meine Nebenjobs, der Gedanke, endlich wieder etwas für meinen Blog tun zu müssen, soziale Verpflichtungen, das Internet…

Deshalb hat sie beschlossen für die letzten Monate des Studiums auf die Nebenjobs zu verzichten, nur noch einmal pro Woche etwas für den Blog zu machen und Social Media nur eine halbe Stunde am Tag zu betreiben. Weitere Details ihrer Vorsätze finden sich hier.

Ich weiß nicht, ob sie es tatsächlich durchhält einige Monate so diszipliniert an ihrer Arbeit zu schreiben. Ich wünsche es ihr. Auch wenn ihre Vorsätze immer noch sehr steil und ehrgeizig sind, so gefällt mir an ihrem Plan, dass er auf eine bestimmte Zeit beschränkt ist. Dann lässt sich das schon mal eher durchhalten, weil man weiß, dass es nicht für immer ist. Das ist insbesondere bei Vorsätzen wichtig, die eine radikale Verhaltensänderung einfordern.

Vorsätze sind auch dann eher durchsetzbar, wenn man sich klarmacht, dass sie eine Entscheidung gegen etwas anderes sind. Bei Thao heißt dies zum Beispiel, dass sie lieber auf Geld verzichtet und stattdessen ihre Masterarbeit in Ruhe zu Ende schreibt. Statt Erschöpfung wählt sie lieber Energie.

Ich schrieb in meinem letzten Beitrag, dass ich nicht mehr möchte, dass die Arbeit wieder monatelang in den Vordergrund rückt. Wenn ich mir bewusst mache, dass ich viel ausgeglichener und zufriedener bin, wenn ich mir Termine für Freunde bewusst einplane, hilft mir das meine Arbeit einzuschränken und mal Nein zu sagen. Lieber wähle ich Zufriedenheit statt schlechte Laune und Erschöpfung. Nicht, weil ich meine Arbeit nicht mag, sondern weil das dauerhafte Zuviel mir nicht guttut.

Ich weiß jetzt schon, dass ich sicherlich auch 2017 wieder Überstunden machen werde. Das habe ich ja bereits am ersten Arbeitstag gemacht. Aber ich sehe das gelassen. Mein Vorsatz ist nicht, dass ich nie wieder Überstunden schiebe, sondern dass es mir schneller bewusst wird, wenn die Arbeit zu lange im Vordergrund meines Lebens steht. Mein toller Terminkalender macht mir das bewusst, wenn ich wieder einmal ankreuzen muss, dass ich kaum etwas für und mit meinen sozialen Kontakten gemacht habe. Er ist also meine tägliche Erinnerungshilfe und zeigt mir schnell auf, wenn ich wieder gegenlenken muss.

Nie-wieder-Vorsätze sind utopisch. Wenn sie bei dir geplatzt sind, ist das meiner Meinung nach sogar gut. Denn dann hast du nochmal die Chance dir zu überlegen, worum es bei deinem Vorsatz eigentlich ging. Etwas nie wieder zu tun, kann man sich schenken, das schafft man meist nicht. Aber zu reflektieren warum du dir genau diese Veränderung wünscht, hilft die Weichen richtig zu stellen und in kleinen Schritten in die richtige Richtung zu gehen.

Ich habe mich zum Beispiel hingesetzt und meinen gesamten Urlaub für 2017 geplant. Das habe ich noch nie gemacht, normalerweise habe ich das eher kurzfristig in Angriff genommen oder ganz spontan entschieden. Aber wenn ich gerne mehr in meine sozialen Kontakte investieren möchte, dann muss ich mir die Zeit dafür einplanen. Also habe ich mir kurzerhand für einen geplanten Trip ein Zugticket für Hamburg – München besorgt. Und war erstaunt, dass ich ohne umsteigen mit ICE weniger als 40 EUR für Hin- und Rückfahrt bei der Deutschen Bahn bezahlen musste. Jetzt spare ich durch die frühzeitigere Planung sogar noch Geld.

Diese Aktion hat scheinbar nichts mit der vielen Arbeit zu tun. Gleichzeitig hilft mir die Terminplanung außerhalb der Arbeit zu entsprechender Zeit Nein zu sagen und weniger Überstunden zu machen. Wenn man noch einen Termin am Abend hat, kann man viel leichter die Arbeit Arbeit sein lassen und den Rest am Folgetag machen. Dann passiert es auch nicht, dass Urlaubstage verfallen. Dann steuere ich bewusst gegen zu viel Arbeit und habe ein Gegengewicht. Das finde ich schon mal einen sehr guten Anfang.

Man könnte meinen, dass mein Vorsatz gleich am ersten Arbeitstag in die Hose ging, weil ich länger blieb. Ich selbst bin jedoch total motiviert, so viele tolle Aktionen mit Freunden habe ich noch nie so früh geplant. Da freue ich mich schon drauf. Und dann macht es mir noch weniger aus mal länger zu bleiben, wenn ich weiß, dass ich definitiv viele Male auch rechtzeitig los muss.

Wie geht es dir mit deinen Vorsätzen? Sind sie schon geplatzt? Hast du deshalb gleich von Vorneherein keine neuen Vorsätze gefasst? Ich freue mich wie immer über Kommentare.

Wie viel Arbeit ist zu viel?

Ich hatte heute meinen ersten Arbeitstag nach einer ausgiebigen Weihnachts- und Silvesterpause. Ich war erschrocken, die vermeintlich ruhigen Feiertage produzierten 120 E-Mails. Heute bin ich fast eine Stunde länger als geplant geblieben, es gibt so viel zu tun.

Es ärgert mich, dass ich schon jetzt so viel gearbeitet habe, am ersten Arbeitstag im noch unbedarften Jahr. Ich mag meinen Arbeitgeber, ich mag meine Arbeit. Es macht mir nichts aus mal länger zu bleiben, weil ich meine Arbeit sehr gerne mache. Ich habe hier mal berichtet, was ich den lieben langen Tag mache und warum es mir Spaß macht. Aber, ja, es gibt ein Aber.

Arbeit ist nicht alles. Es ist bei mir noch nie alles gewesen und soll bei mir auch nicht alles sein, bitte nicht. Auch ich habe einen persönlichen Rückblick auf 2016 gemacht. Ich kann diese Rückblicke im Fernsehen ja gar nicht leiden. Die vermeide ich normalerweise tunlichst. Die verursachen nur schlechte Laune. Mein persönlicher Rückblick fühlt sich besser an, ich schaue mir jeden Monat an, was für Highlights es gab, woran ich mich gerne erinnere, woran nicht, was verursachte Wut, Traurigkeit, Glück, Freude? Manche Monate waren erstaunlich voll, viele Ereignisse, die intensiv erlebt wurden. Es gab Monate, in denen ein Gefühl dominierte. Die Südamerikareise in mein Geburtsland ein großer Höhepunkt im März, von dem ich bis heute noch zehre. Aber bis dahin, von Januar bis März dominierte genau ein Begriff: ARBEIT. In Großbuchstaben. Weil ich viel und lange arbeitete, weil die Arbeit viel Zeit, Energie und Raum einnahm. Weil meine Arbeit traditioneller Weise immer zum Jahresanfang Fahrt aufnimmt und viel abverlangt.

Die ARBEIT in Großbuchstaben hat mich zum Nachdenken gebracht. Kann es denn sein, dass gut zweieinhalb Monate nur die Arbeit im Mittelpunkt meines Lebens stand? Was war mit dem Rest? Mit den sozialen Kontakten, Freunden, dem Essen, der Gesundheit, dem Sport, dem Ausgleich zur Arbeit? Dass ich gerne arbeite und viel ist die eine Seite, aber dass für zweieinhalb Monate die Arbeit fast alles ist, kann und darf das überhaupt sein? Darf diese Seite dominieren für so lange Zeit?

Mein Rückblick hat mir zumindest in diesem Aspekt dann doch schlechte Laune gemacht. Denn meine Antwort dazu lautet eindeutig nein. So wichtig ist die Arbeit dann doch nicht. Silke, eine Bloggerin, die ihren Partner Julian mit 30 Jahren verlor, beschreibt es ziemlich gut:

Ich bereute aus tiefstem Herzen, die kurze Zeit, die ich mit Julian in diesem Leben haben durfte, allzu oft mit Überstunden oder sonstigem Stress vergeudet zu haben. All das war niemals wirklich wichtig gewesen. Ich realisierte, worum es wirklich geht im Leben: Darum, zu leben und Zeit mit den Menschen und Aufgaben zu verbringen, die wir lieben.

Mehr zu lesen gibt es hier.

Nein, ich möchte nicht bereuen zu viel gearbeitet zu haben. Ich möchte nicht am Ende meines Lebens sagen, wäre das nicht toll gewesen, wenn ich mehr Zeit mit Menschen verbracht hätte, die mir wichtig waren statt die vielen Überstunden zu machen.

Es macht mir auch jetzt schlechte Laune, dass ich schon heute wieder länger geblieben bin. Bis März soll das definitiv nicht normal sein. Und ich schreibe so offen hier darüber, weil ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. Unsere Gesellschaft zwängt uns in ein solches Hamsterrad, dass es schwer ist auszubrechen. Ich möchte nicht wieder für 2017 das gleiche sagen müssen. Ich arbeite gerne, darum geht es nicht, aber neben der Arbeit soll eben nicht alles andere ersticken, insbesondere nicht über Monate hinweg, auch wenn es „nur“ zwei sind.

Und weil es mir so schwer fällt, habe ich mir einen besonderen Terminplaner zugelegt. Ein guter Plan ist ein Terminplaner der besonderen Art. Zum Beispiel besteht jeden Tag die Möglichkeit anzukreuzen wie gut man geschlafen, gegessen, soziale Kontake gepflegt hat, ob man sich kleine Gut-Tu-Momente gegönnt hat und wie man sein Stresslevel beurteilt. Es dauert keine Minute jeden Tag anzukreuzen wie man das jeweilige Level bewertet, aber selbst jetzt, seitdem ich ab dem 27.12. jeden Tag fleißig gekreuzt habe, fällt mir bereits auf, was meine Zeitfresser sind und welche Bereiche ich in Angriff nehmen möchte. Neben dem Terminkalenderteil gibt es auch einen ausgiebigen Analyseteil, wo man sich zum Beispiel notieren kann, was einen grundsätzlich glücklich macht und was unglücklich. Eine Aufgabe, an der ich mich gerade versuche, lautet zunächst aufzulisten welche Aufgaben bei der Arbeit einem Stress geben und einen nerven und was passieren würde, wenn ich bei einer Aufgabe einfach Nein sagen würde. Die letzte Frage lautet, dass man sich fragen sollte, was passieren würde, wenn man besagte Aufgabe delegiert oder aber nicht macht.

Diese Perspektive ist für mich neu. Delegieren, gut, da komme ich noch drauf. Aber eine Aufgabe einfach nicht machen? Ich bin ein gewissenhafter Typ, ich will es richtig machen. Etwas einfach nicht zu machen, obwohl ich es soll, hm, damit habe ich so meine Probleme.

Aber genau darüber denke ich gerade viel nach. Ob ich mir dieses „Sollen“ vielleicht selbst auferlege. Was ist, wenn ich es einfach nicht mache? Was ist, wenn ich einfach regelmäßig pünktlich gehe? Was ist, wenn ich in den acht Stunden gut und intensiv arbeite, aber dann einen Schlussstrich ziehe? Was ist das schlimmste, was passieren könnte?

Ich musste mal eine Zeit lang viele Kunden vertrösten, weil meine Abteilung unterbesetzt war und ich nicht für fünf Leute gleichzeitig arbeiten kann. Ich habe also auf gefühlt jede E-Mail geantwortet, sorry, kann ich erst in zwei Wochen bearbeiten, ich bin allein und schaffe es nicht.

Ich war überrascht, wie viel Verständnis mir entgegengebracht wurde. Es gab unter den vielen genau einen Kunden, der es sofort erledigt haben wollte und das in dem Fall auch aus gutem Grund. Wir glauben, weil Menschen an uns herantreten mit einem Wunsch und einer Bitte, dass wir dann gleich sputen müssen. Zumindest glaube ich das. Aber viele Menschen haben Verständnis. Wenn man zwar reagiert, aber gesteht, dass man es nicht machen kann in nächster Zeit, sondern in zwei Wochen. Später als geplant.

Ich wünsche mir für 2017, dass ich noch mehr lerne meine Grenze zu ziehen. Dass ich Arbeit nicht überbewerte und dass ich lerne zu delegieren, aber eben auch mehr Nein zu sagen. Dass ich Kunden vertröste und lieber ein paar Tage mehr als Puffer einplane und die Aufgabe dann ganz bestimmt erledigt bekomme, als mir selbst zu enge Zeitfenster zu setzen und Versprechen dann nicht einhalten kann und mich stresse.

Mich würde auch interessieren, was deine Strategien sind, um Arbeit nicht zu viel werden zu lassen. Das kann auch eine intensive Bewerbungsphase sein. Was machst du, damit du vom Druck nicht überrollt wirst? Wie schaffst du es deine sozialen Kontakte trotz Arbeitslosigkeit, Bewerbungsphase oder Studienabschluss zu pflegen? Ich freue mich wie immer über Kommentare.