Berufsfeld Aufräum-Coach

Manchmal stolpere ich im Netz über Artikel und dann bleibt mir die Spucke weg. In diesem Fall im positiven Sinne. Es gibt sie wirklich. Die ultra-um-die-Ecke-denkenen Berufe, an die man nicht im Traum gedacht hat. Wie zum Beispiel den Aufräum-Coach. Was macht denn bitte ein Aufräum-Coach? Er bringt die eigene Wohnung, das Büro, das Haus oder den Nachlass der lieben Oma in Ordnung. Er sortiert, strukturiert, bringt weg und organisiert und schafft so Klarheit, Ruhe und – Ordnung. So wie zum Beispiel Gunda Borgeest, die den Service „Schönste Ordnung“ begründete. Ihre Arbeit kann man in diesem sieben-minütigen Video bestaunen:

Welche Kenntnisse man für dieses Berufsfeld mitbringen muss, sind meiner Meinung nach folgende:

  • Einen Sinn für Ordnung und Struktur und die Fähigkeit Ordnungssysteme zu erschaffen
  • Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen und Ordnungstypen
  • Den Blick für das Ganze im Auge behalten
  • Bereitschaft Entscheidungshilfe zu sein

Hier finden sich noch weitere Links zu Ausbildungsstätten sowie weiterführende Literatur: https://brotgelehrte.wordpress.com/2016/09/21/aufraeum-coach-konmariconsultant/

Wer noch nicht genug hatte, kann sich auch dieses sieben-minütige Video zu ihrer Arbeit anschauen:

Vortragsreihe Agentur für Arbeit Hannover

Die Agentur für Arbeit in Hannover hat in Zusammenarbeit mit dem Career Service der Leibnitz Universität Hannover die Vortragsreihe „Job-Chancen für Sozial- und Geisteswissenschaftler“ initiiert, bei der Geisteswissenschaftler von ihrem eigenen Berufseinstieg berichten und folgende Fragen beantworten:

  • Worum geht es in diesem Arbeitsbereich?
  • Wie sieht das Anforderungsprofil aus?
  • Wie komme ich an einen Praktikumsplatz oder Job?

Die kostenlose Vortragsreihe startet im Mai und läuft zweiwöchentlich bis Ende Juni. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen hier: https://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/mjkz/~edisp/l6019022dstbai806557.pdf?_ba.sid=L6019022DSTBAI806563

Ich werde beim Themenblock „Aus- und Fortbildung/Personal“ referieren und dabei insbesondere auf das Thema Firmenmitarbeiterentsendungen eingehen.

Was: Vortrag zum Thema „Aus- und Fortbildung/Personal“ im Unternehmen, mein Vortragsschwerpunkt „Firmenmitarbeiterentsendungen“

Wann: 11.05.2016, 16 – 18 Uhr

Wo: Agentur für Arbeit Hannover, BIZ

Kosten und Anmeldung: keine

„Was machst du beruflich?“

Die Frage kommt. Ständig. Da ich in meinem Leben schon viel umgezogen bin, habe ich sie schon viele, viele Male beantworten müssen. Neben der Frage „Wo kommst du her?“ ist sie eine meiner persönlichen Hassfragen. Denn das, was ich jetzt beruflich mache, lässt sich wieder einmal schwer erklären. Das war schon öfter so. Sowohl als Relocation Managerin als auch jetzt im Bereich Global Mobility weiß ich darauf nicht so recht zu antworten. „Ich ziehe Menschen um die Welt“ trifft es wohl nicht so richtig. „Ich bin Personalerin“ auch nicht. Da war Sprachtrainerin in der Erwachsenenbildung oder Pianistin zumindest noch einfacher.

Auch wenn ich die Frage nicht leiden kann, stelle ich sie anderen Menschen auch. Und habe festgestellt, dass es immer mehr gibt, deren Beruf man nicht in einem Satz erklären kann. Wegen Spezialisierung, Digitalisierung und zunehmender Komplexität in der Berufswelt.

Ich bin fasziniert davon, wie andere, die in der gleichen Situation stecken wie ich, sich versuchen aus der Affäre zu ziehen. Versuchen mit wenigen Worten einen Einblick zu geben, der keiner ist, weil die Beschreibung viel zu kurz war. Und die dann meist mit einem Seufzen beginnen genauer zu erklären, was sie wirklich machen, wenn ich hartnäckig bleibe. So als ob es anstrengend ist jemanden zu erklären, was man den lieben langen Tag macht.

Ich finde es auch spannend zu beobachten, dass die Reaktion auf „Pianistin“ eine ganz andere ist als auf „Personalerin“. So als ob mein Beruf meine Persönlichkeit so verändern würde und die Menschen nun anders mit mir umgehen müssen.

Warum die Frage immer so früh gestellt wird, warum es so wahnsinnig wichtig ist, was man beruflich macht, ist mir sowieso schleierhaft. Die meisten lassen sich nämlich mit „Ich ziehe Menschen um die Welt“ abspeisen. Eine Konversation entsteht dadurch meist nicht, warum die Frage gestellt wurde, bleibt offen. Schublade auf, Schublade zu, wobei ich mich frage, in welche Schublade ich gesteckt werde, wenn ich mein Sprüchlein aufsage, „Beruf undefiniert?“

Sie wird wieder kommen, die Frage. Auch ich werde sie wieder stellen. Bleibt nur zu hoffen, dass etwas mehr herauskommt als ein anschließendes „Aha.“

Berufsfeld Global Mobility/Firmenmitarbeiterentsendung

Hurra, ich habe meine Probezeit bestanden! Grund genug ein bisschen genauer zu beschreiben was ich heute beruflich mache. Vorab, ich bin heute in einer Personalabteilung im Bereich Global Mobility tätig. Die wenigsten wissen, worum es dabei geht. Hier habe ich bereits beschrieben, was die Aufgabe eines Relocation Managers ist, der sich auch um Firmenmitarbeiterentsendungen kümmert, allerdings als Dienstleister. Heute also nochmal das gleiche Thema aus Personalersicht. Ich habe sozusagen die Stühle getauscht. Denn, und das habe ich jetzt gelernt und bin immer noch dabei zu verstehen: Firmenmitarbeiterentsendungen aus Personalabteilungssicht umfassen nochmal viel mehr Themen und sind noch komplexer als die Arbeit eines Relocation Managers.

Gehen wir mal von dem Fall aus, dass ein Mitarbeiter in der eigenen Firma in ein anderes Land entsendet werden soll. Gründe dafür sind zahlreich, entweder fehlt das Know-how vor Ort, ein neuer Standort soll aufgebaut werden oder aber der Mitarbeiter soll sich neue Fähigkeiten aneignen, die dann später im Ursprungsland Anwendung finden sollen. Hier kommt nun die Abteilung Global Mobility in Spiel, denn ein wichtiger Punkt, für den sie zu Rate gezogen werden, ist die Kostenfrage. Global Mobility Experten berechnen wie viel die Entsendung dem Unternehmen kostet. Sowohl dem Heimatland als auch dem Gastland. Dazu stellen sie den Entscheidungsträgern erst ein paar grundsätzliche Fragen. Zum Beispiel:

  • Wie sieht die vertragliche Situation des Mitarbeiters aus, ist es ggf. möglich die Person lokal im Gastland anzustellen?
  • Falls nur eine Entsendung in Frage kommt (die immer mehr Kosten verursacht), wie wird sicher gestellt, dass der Mitarbeiter nach der Entsendung wieder in seinen alten Arbeitsplatz integriert wird und seine alte Rolle einnehmen kann oder soll?
  • Manchmal ist es auch wichtig sehr früh zu klären wie schwierig es in der Länderkonstellation, Nationalität Entsandter, Heimatland und Gastland eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, da dies ein sehr langwieriger Prozess sein kann und sich oft über Monate hinzieht und damit der Startzeitpunkt der Entsendung evtl. nach hinten verschoben werden muss

Sobald grundsätzlich die Entscheidung in der Firma getroffen wurde, dass ein Mitarbeiter entsendet werden soll, rechnet Global Mobility. Rechnet das Grundgehalt aus, wie viel Steuern und Sozialversicherungen sowohl im Heimat- als auch Gastland anfallen, rechnet aus, wie viele Zulagen in welcher Höhe der Entsandte bekommt, schaut nach wie viel Flüge zurück ins Heimatland kosten, was als Zuschlag für die Miete im Gastland in Frage kommt, wie das mit dem Umrechnungskurs gehandhabt werden soll usw. Natürlich stehen Global Mobility dafür Datenbanken zur Verfügung, die von externen Dienstleistern bereitgestellt werden. Viele Firmen haben auch eine eigens entwickelte Entsendungsrichtlinie, die genau festlegt wie die Zulagen berechnet werden. Aber schlussendlich geht es im ersten Schritt darum möglichst genau zu erfassen wie viel die Entsendung dem Unternehmen kosten wird. Und sobald diese Kosten freigegeben sind, nimmt Global Mobility Kontakt zum Entsandten auf und bespricht die Details. In vielen Fällen kommt es dann nochmal zu Verhandlungen, sodass die Zahlen, die als Basis genommen wurden, sich nochmals ändern und somit erneut Berechnungen angestellt werden müssen. Scheu vor Zahlen sollte man also nicht haben.

Ein zweiter wichtiger Aspekt, der einen großen Teil der Arbeit ausmacht, sind steuerliche  als auch sozialversicherungsrechtliche Themen. Fragen sind zum Beispiel:

  • Wie lange soll der Entsandte ins Ausland gehen und wo werden die Kosten getragen? Denn davon hängt ab wo er steuerpflichtig wird und ob ggf. Anträge gestellt werden müssen, damit eine doppelte Besteuerung in Heimat- und Gastland vermieden werden oder eine Steuerbefreiung erwirkt wird.
  • Gibt es ein Sozialversicherungsabkommen zwischen Heimat- und Gastland? Falls ja, auf welche Zweige der Sozialversicherungen bezieht sich das Abkommen? Falls nein, was gibt es zu beachten und wie vermeiden wir auch hier, dass der Entsandte evtl. in beiden Staaten Sozialabgaben machen muss (die Frage ist sowohl auf Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerseite relevant).

Das heißt, man sollte Spaß daran haben vieles zu recherchieren und mit den Personalern der ausländischen Niederlassung zu agieren, denn oft ist es der Fall, dass es eine neue Länderkombination gibt, wo die Konstellation von Steuern und Sozialversicherung wieder anders ist und individuell geklärt werden muss. Es erübrigt sich von selbst, dass man sich auch mit dem Thema Steuern und Sozialversicherung anfreunden sollte.

Wenn denn die endgültigen Zahlen stehen, der Mitarbeiter mit dem Angebot zufrieden ist und geklärt werden konnte wie die steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Situation aussieht, besteht dann der dritte große Teil der Arbeit in der Organisation und Koordination der Entsendung. Wer wird zuerst worüber informiert, womit man auch Feingefühl und Geschick in firmenpolitischen Belangen haben sollte, dann aber natürlich auch die Organisation des Umzugs, der Wohnungssuche und, ganz wichtig, der Einholung der Arbeitserlaubnis. Oft wird dieser Teil an externe Dienstleister abgegeben, also an die Relocation Manager, was ich vorher gemacht habe.

Tipp: Wöchentliche Zeitschrift mit Stellenanzeigen für Geisteswissenschaftler

Wila Bonn

Viele wissen es nicht, aber es gibt tatsächlich eine wöchentliche Zeitschrift namens Wila Arbeitsmarkt, die viele verschiedene deutschsprachige Zeitungen nach Stellen nur für Geisteswissenschaftler durchforstet und diese dann gebündelt im Originalwortlaut in ihrer eigenen Zeitschrift veröffentlicht.

Hier erst einmal der Link: http://www.wila-arbeitsmarkt.de/

Die Stellenanzeigen sind nach zwei Systemen sortiert, zunächst nach diesen acht Themenbereichen:

  • Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit, Verlags- und Bibliothekswesen
  • Schule, Aus- und Weiterbildung
  • Kunst und Kultur
  • Leitende Funktionen und Geschäftsführungen, Referent/innen und Beauftragte
  • Internationaler Austausch, Sprachen und Tourismus
  • Sozialwesen und Psychologie
  • Wissenschaft, Hochschule Forschung
  • Weitere Stellen für Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen, u.a. in der Wirtschaft

Und dann innerhalb dieser Kategorien wiederum nach Postleitzahl.

Man kann die Zeitschrift also entweder nach Kategorien durchsuchen oder aber, wenn man örtlich gebunden ist, jeweils nach Postleitzahlen.

Im ersten Teil der Zeitschrift gibt es immer noch ein Thema, z.B. ein Berufsfeld, Bewerbungstipps u. ä., zu dem es meist einen längeren Artikel gibt, manchmal zwei. Dann folgen alle Stellenanzeigen (meist zwischen 400-500) für ganz Deutschland, teilweise Österreich und Schweiz und einige im Ausland. Im letzten Teil gibt es noch einige Kurzinformationen und die Leserbriefe, die oft sehr persönlich berichten wie die eigene Suche gelaufen ist und warum das Abo meist aufgrund von neuem Stellenantritt gekündigt wird.

Ich kann das Abo nur empfehlen. Die Mindestlaufzeit beträgt vier Monate und es gibt Ermäßigungen für Studenten und Hartz-IV-Empfänger.

Berufsfeld Relocation Manager

Immer wieder mal will ich hier im Blog Berufe vorstellen. Nicht so sehr die klassischen für Geisteswissenschaftler, wie zum Beispiel Journalist, Redakteurin oder Übersetzer, sondern eher die, die entweder noch ziemlich neu sind oder die Exoten. Deshalb hier also ein Beruf, in dem ich bereits gearbeitet habe und der noch ziemlich unbekannt in Deutschland ist, nämlich der Beruf Relocation Manager.

Auf Deutsch gibt es das schöne lange Wort Firmenmitarbeiterentsendungen. Um die geht es nämlich in diesem Berufsfeld. Nehmen wir mal an, wir haben einen großen Konzern, der weltweit agiert und entsprechend auf allen Kontinenten Niederlassungen hat. Nun soll entweder eine weitere Niederlassung in einem weiteren Land eröffnet werden oder man hat jemanden in Führungsposition in einem Land sitzen, der/die es in einem anderen Land richten soll, wo es nicht so gut läuft. Die Gründe sind zahlreich und verschieden, was aber allen gemeinsam ist, ist, dass ein Firmenmitarbeiter von Land A nach Land B „entsendet“ wird, wie es in der Fachsprache heißt. Eine Entsendung dauert typischerweise drei Jahre, es geht aber durchaus auch länger oder kürzer.

Nun kann man entweder also selbst den Firmenmitarbeiter bitten seinen Umzug zu organisieren. Fast immer übernimmt jedoch der Konzern das, da die Firmenmitarbeiter meist mit vielen Verlockungen wie z.B. Übernahme der Flug-, Wohnungs- und Schulkosten überredet werden in das andere Land zu gehen. Nehmen wir z.B. den Fall, dass jemand von Frankreich nach Venezuela geht. Die wenigsten würden wahrscheinlich freiwillig in dieses Land ziehen, weshalb der Konzern ein attraktives Paket schnüren muss, damit der Mitarbeiter ja sagt.

Wenn das erfolgt ist, ist es am allerwichtigsten die Arbeitserlaubnis für Venezuela zu bekommen. Außerdem muss natürlich der Umzug organisiert werden, der in diesem Fall per Seefracht (also per Container, der durch die Welt shippert) oder per Luftfracht (also per Flugzeug) erfolgt. Des Weiteren muss unser Mitarbeiter natürlich eine entsprechende Wohnung vor Ort finden, samt Internet, Telefon und Anmeldung in der Stadt. Wenn die ganze Familie auch noch mitkommt, muss man für die Kinder Schulen finden, evtl. lässt man dem Mitarbeiter noch ein interkulturelles Training angedeihen oder Sprachunterricht.

Soweit so gut. Viele der großen Konzerne wollen aber nicht eine Arbeitserlaubnis einholen, entweder, weil sie selbst noch gar nicht in Venezuela vertreten sind, es ihnen zu kompliziert ist und sie lieber Fachleuten vertrauen oder weil sie schlicht nicht die Zeit dafür haben. In dem Fall käme man dann selbst ins Spiel. Die Firma, für die ich als Relocation Managerin gearbeitet habe, hat das nämlich als Dienstleistung angeboten. Nämlich genau diese Dinge zu organisieren, wie eine Arbeitserlaubnis einzuholen, einen internationalen Umzug durchzuziehen, eine Wohnung zu suchen, ein interkulturelles Training zu organisieren usw. Und zwar weltweit.

Als Relocation Manager hat man dann im jeweiligen Land Leute vor Ort, die sich auskennen, denn diese Ortskenntnis ist unglaublich wichtig. Zum Beispiel ist es in vielen Ländern als Normalsterblicher gar nicht möglich eine Arbeitserlaubnis einzuholen, sondern das hat über einen Einwanderungsanwalt zu erfolgen. Es gibt einige Länder, wo man tatsächlich auf einen Schlag die komplette Jahresmiete zu Mietbeginn zu bezahlen hat, in vielen Ländern wird die Maklercourtage von den Vermietern übernommen und in einigen Ländern kann man ohne einer gültigen Arbeitserlaubnis gar keinen Mietvertrag unterschreiben.

Man ist also immer mit den Partnern, die vor Ort alles regeln, in Kontakt. Man sieht zu, dass alle ihren Job machen und alle parallel ablaufenden Prozesse in der richtigen Reihenfolge angestoßen werden. Man ist aber nicht nur für die Partner vor Ort Ansprechperson, sondern genauso auch für die Entsandten selbst, die logischerweise viele Fragen zu ihrem großen Umzug haben. Und dann muss man der Personalabteilung des großen Konzerns, die einen eingekauft haben, Rede und Antwort stehen. In vielen Konzernen gibt es eine extra Abteilung innerhalb der Personalabteilung, die sich Global Mobility nennt und die sich um die eigenen Entsendungen kümmert. Bei so großen Konzernen können das schnell mehr als Hundert pro Jahr sein.

Vielleicht ist bei dieser Beschreibung der Aufgaben schon angeklungen, welche Fähigkeiten man mitbringen sollte: Kommunikationsstärke und Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere in Englisch, sind das A und O. Ich habe vom Zollbeamten bishin zum Tierarzt, Makler, Anwalt und natürlich vielen Auslandsämtern und anderen Behörden zu tun gehabt. Ich musste einmal ein Pferd von Europa nach Südamerika transportieren lassen und die Entsandte überreden es nicht in die 8-Millionen-Stadt, in die sie gezogen ist, mitzunehmen, sondern lieber etwas außerhalb in einem Gestüt aufzunehmen. Ich war geschockt über die horrenden Mietpreise in Tokio und habe mich gewundert wie schnell es möglich war in Kolumbien eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, allen Vorurteilen zum Trotz. Einmal gab es einen Motorschaden bei einem Containerschiff und somit musste mein Entsandter drei Wochen länger auf seine Möbel warten. Ich hatte schon die wildesten Kombinationen an Familien, wo jedes einzelne Familienmitglied in einem anderen Land geboren war, der Vater nochmal woanders studiert hatte und alle zusammen nun ins andere Land zogen. Das bedeutete für mich, dass ich in zig Ländern neu ausgestellte und insbesondere beglaubigte Geburtsurkunden und eine Heiratsurkunde zu beauftragen hatte und auch das Universitätsdiplom legalisiert werden musste, denn alle diese Dokumente sind klassischerweise für die Visa und Arbeitserlaubnis nötig.

Man muss aber nicht nur gut kommunizieren, sondern auch organisieren und koordinieren können. Eine Entsendung ist ein bisschen wie ein Dominospiel, wenn einmal irgendwo der Wurm drin ist, hat das meist Auswirkungen auf andere Prozesse. Zum Beispiel braucht man immer ein gültiges Visum, wenn man den angekommenen Container aus dem Zoll holen will. Wenn es da zu Verzögerungen kommt, muss man für die Zolllagermiete teures Geld bezahlen. Oft kann man sich ohne Visum auch nicht im Land anmelden, womit es schwierig wird einen Telefonanbieter zu finden. Wie Dominosteine ist es hier also wichtig alle Prozesse gut zu koordinieren und ein Organisationsass sein.

Man muss auch Spaß daran haben mit Leuten aus der ganzen Welt zu tun zu haben. Wenn man morgens ins Büro kommt, muss man als erstes die Fälle nach Asien organisieren, bevor die Asiaten Feierabend machen und nachmittags und abends kann man dann in Nord- und Südamerika anrufen, wenn diese langsam aufwachen und ihre Arbeit beginnen. Man darf sich auch nicht scheuen täglich viele E-Mails zu schreiben als auch zu beantworten und auf der ganzen Welt zu telefonieren.

Und die letzte wichtige Fähigkeit ist Problemlösefähigkeit. Denn irgendwas geht immer schief, auf einmal will ein Sachbearbeiter ein Dokument haben, das man bisher kein einziges Mal für das Visum gebraucht hat, obwohl man schon einige Entsendungen in das Land betreut hat, vielleicht haben die Entsandten komplett falsche Vorstellungen was sie für das Geld als Wohnmöglichkeit bekommen oder können sich nicht vorstellen, dass es durchaus mal länger als ein halbes Jahr dauern kann bis man die Arbeitserlaubnis bekommt. Da wird pikiert geschaut, wenn man den Entsandten rät zu heiraten, weil sonst der Partner nicht als Angehöriger ins Land kann.

Und zu guter Letzt wollte ich darauf hinweisen, dass man als Quereinsteiger in diesem Berufsfeld sehr gute Chancen hat. Die Hälfte meiner Kollegen waren als Speditionskaufmann/frau ausgebildet, die andere Hälfte war wie ich Geisteswissenschaftler. Wenn man keine Scheu hat ins kalte Wasser zu springen und sich Kenntnisse sowohl in der Logistik, in Zusammenarbeit mit den Partnern im internationalen Arbeits- und Aufenthaltsrecht als auch Mietrecht anzueignen, dem kann ich es nur ans Herz legen sich in diesem Bereich umzuschauen. Spannende und kuriose Geschichten erlebt man in diesem Berufsfeld ständig.