Bewerbungsfrust: Bleib dran!

Habe ich schon erzählt, dass meine letzte Bewerbungsphase im Jahr 2015 (ja, du hast richtig gelesen, ich bin jetzt 34 und 2015 war meine letzte Bewerbungsphase) mit Abstand die schlimmste von allen war? Und dabei habe ich schon so einige mitgemacht.

2009 kurz vor Ende des Studiums: 50 Bewerbungen, sehr magere Ausbeute, aber glücklicherweise wurde ich als Berufsanfängerin in einer NGO genommen.

2010: Nachdem meine Stelle aus finanziellen Gründen gestrichen werden musste, schrieb ich 100 Bewerbungen, weil ich gerne in der gleichen Stadt bleiben wollte, blieb jedoch erfolglos.

2012: Umzug in eine Großstadt, überraschend schnell erhielt ich nach 50 Bewerbungen eine Stelle.

2013: Zum ersten Mal Bewerbung aus einer Festanstellung heraus, nach 25 Bewerbungen klappte es.

2015: Umzug nach Hamburg, weil mein Mann hier ein attraktives Angebot erhielt, ich kündigte also und begann mich wieder einmal zu bewerben. Meine detaillierte Bilanz zu dieser Bewerbungsphase kann man hier nachschauen, hier traf ich nach 30 Bewerbungen die Entscheidung für eine Stelle.

Insgesamt also ca. 255 Bewerbungen geschrieben und so einige Vorstellungsgespräche geführt. Für die visuellen unter uns, anbei noch die Grafik:

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Die letzte Phase fand ich am allerschlimmsten. Besonders, weil ich schon Berufserfahrung hatte und es trotzdem länger dauerte als geplant. Ich schrieb also Tagebuch. Zusätzlich zum Blog. Und schrieb folgenden Eintrag (gekürzt und anonymisiert):

„Da kommt sie also. Die fünfte Absage nach dem fünften Vorstellungsgespräch. Wie leicht fängt man an, an sich selbst zu zweifeln. Wie leicht ist es sich zu fragen, ob man zu hohe Ansprüche hat, ob man sich vielleicht doch mit weniger zufriedengeben sollte.

Irgendwie habe ich immer Pech. Das erste Vorstellungsgespräch, das zweieinhalb Stunden gedauert hat, ist ein so klassisches Beispiel. Woran ist es schlussendlich gescheitert? Laut Aussagen der Dame, die mich interviewt hat und die meine direkte Chefin gewesen wäre, lag es weder an mir noch an ihr. Sie hätte mich eingestellt. Sie hätte mich genommen. Ich war bis zum Schluss ihre Lieblingskandidatin. Aber dann wurde von oben entschieden, dass lieber jemand intern die Stelle besetzten sollte. Lieber bleibt man unter sich und zieht sich selbst den Nachwuchs hoch. Die Person, die diese Entscheidung gefällt hat, hat mich nie gesehen, vielleicht hat sie auch nicht einmal meinen Lebenslauf angeschaut. Aber sie hat entschieden, dass ich eine Absage erhalte.

Oder dann Gespräch Nr. 2. Das kann ich bis jetzt nicht so richtig einordnen. Eigentlich hatte ich gedacht, dass es ziemlich gut gelaufen ist. Es gab zwar auch dort einige Warnsignale, wie zum Beispiel, dass ein Gesprächspartner partout das Gespräch auf Deutsch führen wollte, obwohl er kaum deutsch konnte und sich dann schnell vom anderen Kollegen zwischendurch im Hausruckverfahren alles übersetzen lassen musste. Dann doch gleich auf Englisch, das alle Beteiligten fließend und verhandlungssicher beherrschten. Ein wenig hatte ich das Gefühl das Vorstellungsgespräch wurde zum Deutschunterricht missbraucht, mich vorstellen konnte ich kaum, wir wurden ständig unterbrochen. Auch konnte ich nur einseitig den Gesprächspartner fragen, der deutsch sprach. Es besserte sich erst als wir nach der Hälfte endlich auf Englisch umschwenkten.

Gespräch Nr. 3 lief super, bis wir zum Thema Gehalt kamen. Noch mal eine Gehaltsverschlechterung wollte und konnte ich nicht hinnehmen. Ich sagte also ab. Und da hätte ich mir gewünscht, dass das Unternehmen bereits in der Stellenausschreibung oder gar vor Einladung eine Gehaltsspanne genannt hätte, dann hätten wir uns den ganzen Stress sparen können. Schade.

Gespräch Nr. 4 ähnlich, an der Reaktion, als man partout keine Zahl rausrücken wollte, sondern unbedingt von mir mein Gehalt wissen wollte, sah man direkt, dass ich zu hoch gegriffen hatte. Dumm gelaufen. Viel Lärm um nichts.

Gespräch Nr. 5 schoss dann den Vogel ab. Es begann mit ganz unsubtilen Fangfragen, die mit dem Satz eingeleitet wurden „Diese Frage müssen Sie mir nicht beantworten, aber…“. Ja, genau, so geht man mit potenziellen neuen Mitarbeitern um, man horcht sie gleich zu Beginn aus zu Thema Familienplanung etc. und lässt durchblicken, dass man sich durchaus bewusst ist, dass man sich im Graubereich bewegt. So lerne ich doch meinen zukünftigen Arbeitgeber gerne kennen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und dann diese seltsame Vorgehensweise zum Ende des Gesprächs. Kaum hatte ich mich von den Fangfragen erholt, bat man mich fünf Minuten vor die Tür zu gehen, man besprach sich kurz und machte mir anschließend ein Jobangebot. An sich ja schön, wenn Entscheidungen so schnell gefällt werden, aber leider hatte die Sache einen Haken, ich „durfte“ genau eine Nacht über das Angebot nachdenken. Als ich am Folgetag anrief und sagte, ich würde gerne ein weiteres Gespräch abwarten, kam knallhart die Absage. Offensichtlich war man also doch nicht so begeistert von mir wie man beim Angebot tat, sondern wollte mich nur nehmen, weil ich gleich einen Tag später anfangen konnte.

Bin ich irgendwie komisch? Werde ich vom Pech verfolgt? Warum passieren nur mir solche Sachen? Immerhin wurde ich schon fünf Mal eingeladen und dann? Fünf Mal absoluter Mist in zig Variationen. Fünf Mal für die Katz. Toll, wirklich toll…“

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Doch dann, nach all den komischen Gesprächen, nach dem ganzen Drama und Chaos kam über Umwegen endlich das attraktive Angebot. Als ich schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte. Und darauf will ich mit diesem Beitrag hinaus. Es gibt sie doch, die netten Arbeitgeber, die Geisteswissenschaftler nehmen. Die einem zutrauen, dass man sich in Fachthemen einarbeiten kann. Es gibt sie doch, die Unternehmen, die nicht für jede Stelle erneut Bewerber bittstellen lassen, sondern für ähnliche Positionen die alten Stapel durchgehen, weil es neben der einen Person, die die Stelle erhielt, andere gibt, die ähnlich gut waren. Ich hätte es damals auch nicht geglaubt. Knapp eine Woche nachdem ich den Tagebucheintrag schrieb, rief mich mein jetziger Arbeitgeber an. Nach zwei Gesprächen und einem Test wurde ich genommen und bin jetzt nach anderthalb Jahren immer noch gerne dabei und finde weiterhin, dass mein Arbeitgeber mir sehr viel bietet. Gib nicht auf, der lange Atmen macht es!

Mein persönlicher Umgang mit Absagen

Ich kann mich noch ziemlich genau erinnern, wie ich vor etwa anderthalb Jahren vor meinem Computer saß und die Absage nach dem Vorstellungsgespräch erhielt. Ich musste schlucken, es traf mich hart. Besonders deshalb, weil ich bisher oft Erfolge verzeichnet hatte, wenn ich es zum Vorstellungsgespräch geschafft hatte. Wenn ich denn eingeladen wurde, was ja selten genug war, dann erhielt ist fast immer den Job im Anschluss. Doch diesmal nicht. Diesmal wollte man mich nicht. Diesmal hatte ich also nicht überzeugt, diesmal hieß es weitersuchen, hieß es wieder einmal den Markt nach potenziellen Stellen abgrasen.

Als erstes musste was zu essen her, ab der Absage nach dem meiner Meinung nach sehr gut verlaufenen Vorstellungsgespräch zügelte ich mich nicht mehr, es brachte ja doch nichts. Wenn ich schon zu Hause herumhocken musste, wenn ich denn schon nichts anderes tat als stundenlang durch das Internet zu surfen, die verschiedensten Jobbörsen besuchte und geduldig Suchbegriffe bei Google eingab, dann machte es ja wohl nichts aus, wenn ich im Pyjama, was zu knabbern und einer Tasse Tee in der Hand mich ein wenig gehen ließ. Schokolade zum Frühstück? Aber sicher, um 11 Uhr zweites Frühstück, warum denn nicht? Interessierte ja doch niemanden. Abends nochmal was kochen, ja, klar!

Es zeigte sich auf der Waage, ich legte innerhalb kurzer Zeit 6 kg zu. Es zeigte sich im Äußeren, Schlabberpulli und verwaschene T-Shirts begleiteten mich tagein und tagaus. Es zeigte sich im Internetverlauf, statt Stellen zu suchen, las ich private Blogs oder entdeckte lustige Videos und beobachtete erbitterte Forenkämpfe. Ich wollte und konnte einfach nicht mehr. Zu oft hatte ich Bewerbungen geschrieben, hatte mich zur Schau gestellt, hatte einfach keine Lust mehr auf dieses ewige Auf und Ab, das Zittern und Bangen, ob es was wird, die Aufregung und Nervosität bis die E-Mail endlich, endlich eintraf, um mich entweder von dem Leiden zu erlösen oder aber mich weiter zu bestätigen, dass ich anscheinend nichts konnte und man mir absagen musste.

Die Bewerbungszeit ist eine harte Zeit, da gibt es nichts dran zu rütteln. Da ich schon so einige Bewerbungsphasen mitgemacht habe, weiß ich nur zu gut wovon ich spreche. Ich weiß nicht so genau warum meine letzte Bewerbungsphase von 2015 mich so besonders hart traf, ich kann zwar ein paar Gründe nennen, aber irgendwie gibt es auch einen undefinierbaren unlogischen Wutgrund, der mich gleichzeitig tatenlos und lieblos werden ließ. Lieblos auch im Bezug auf das Schreiben von Bewerbungen. Einen Scheiß muss ich, so lässt sich meine letzte Bewerbungsphase wohl am besten zusammenfassen. Ich hatte einfach keine Lust, weder zu suchen, noch zu schreiben, noch diese Bewerbungsmaske aufzusetzen, die man unweigerlich aufsetzt, wenn man zum Gespräch eingeladen wird.

Ich war lustlos und ließ mich treiben. Bis ich mich eines Tages tatsächlich auf die Waage traute und die 6kg mir unbarmherzig zeigten, dass ich mich langsam aber sicher auf den Abgrund zubewegte. Zwischen dem Seriengucken und der Snacks, die ich mir fortwährend in den Mund schob, gab ich mir schließlich einen Ruck. Die Absagen flatterten weiterhin rein, ich musste weiterhin mühsam Stellen suchen, es ging nicht auf einmal alles besser und einfacher. Der Bewerbungssumpf war immer noch der gleiche. Aber mit einem müden Seufzen beschloss ich, dass ich etwas ändern musste. Und machte folgendes:

1. Ich begann diesen Blog. Mein erster Eintrag, aus dem März 2015, befasst sich mit der Künstlichkeit von Vorstellungsgesprächen. Ihm folgte ein Beitrag zum Thema Bitterkeit, was mich selbst zu dem Zeitpunkt sehr beschäftigte. Denn zynisch und bitter wird man bei der Jobsuche schnell.

Der Blog strukturierte meinen Alltag. Während meiner Arbeitslosigkeit schrieb ich jeden Wochentag einen Beitrag, Themen fielen mir viele ein. So entwickelte ich schnell eine Routine, stand morgens auf, um mir erst einmal Gedanken zu machen worum es im Blog gehen würde, machte den Grobentwurf oder veröffentlichte den Artikel gleich und machte mich dann im Anschluss mit etwas mehr Elan an die Jobsuche.

Der Blog half mir auch mich stärker zu vernetzen. Wenn auch nicht oft, so lernte ich manchmal andere Bewerber kennen, tauschte mich aus und bekam wieder etwas mehr Mut. Es gab noch andere, denen es genauso ging wie mir. Ich war nicht allein.

2. Ich machte regelmäßig Sport. Die 6kg mussten weg, wenn nicht gleich noch ein paar mehr.

Wann, wenn nicht während der Arbeitslosigkeit hatte ich die Möglichkeit Sport in einem solchen Maße zu treiben? Wann würde ich jemals wieder so viel Zeit finden mithilfe einer App ganz langsam das Laufen zu trainieren? Jetzt war die Gelegenheit dazu. Ich raffte mich also auf und ging laufen. Hier habe ich mal beschrieben, was es für mich bedeutet, dass ich jetzt in der Lage bin regelmäßig 7km zu laufen ohne tot umzufallen. Schnell merkte ich, dass ich beim Laufen tolle Ideen bekam wie ich ein Anschreiben formulieren sollte oder konnte mit frischen Augen erneut die Jobbörsen durchsuchen und wurde plötzlich dort fündig, wo ich zuvor offensichtlich die interessante Stelle übersehen hatte.

3. Ich bepflanzte zum ersten Mal meinen großen Balkon.

Als Arbeitslose hatte ich natürlich einen schmaleren Geldbeutel. Klar. Also beschloss ich statt bereits ausgewachsener Blumen Blumensamen zu kaufen. Sie sind deutlich günstiger und viel ergiebiger. Ich las welche Blumen pflegeleicht waren, welche wohl auf meinem Balkon gedeihen würden und machte mich alsdann ans Werk und deckte mich mit Blumensamen ein. Einige Pflanzen mussten eher ausgesät werden als andere, einige hatte ich zunächst drinnen aufzuziehen bevor ich sie nach draußen bringen konnte, andere brauchten feuchtere Erde als andere. Ich probierte also fröhlich herum, verteilte großzügig Samen in verschiedenen Töpfen, machte mir einen Spaß daraus einige Töpfe akribisch zu beschriften und bei anderen eine völlig willkürlich zusammengestellte Samenmischung einzupflanzen und mich einfach überraschen zu lassen. Jeden Tag verbrachte ich automatisch gleich morgens etwas Zeit auf dem Balkon und hatte nach überraschend kurzer Zeit Sämlinge sprießen, unterschiedlicher Couleur und Größe. Es dauerte nicht lang und dann kamen die Bienen und Schmetterlinge, auch ich wurde magisch angezogen meine Bewerbungen lieber bei den duftenden Blumen auf dem Balkon zu schreiben als drinnen.

Das tägliche Blumengießen, das Abknicken von verblühten Blüten, das regelmäßige Prüfen, ob die Erde entsprechend den Vorlieben der Blume feucht oder trocken genug war, erdete mich. Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch und komme innerlich besonders gut zur Ruhe, kann mich entspannen, wenn Natur um mich ist. Ich atme automatisch tiefer, ich fühle mich gleich wohl. Wenn auch der Balkon ein eingeschränkter Naturraum ist, so halfen mir meine selbstgepflanzten Blumen den Bewerbungsstress etwas gelassener zu nehmen.

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Und das bringt mich zu dir. Wie gehst du mit Absagen um? Was sind deine Strategien, wie du mit dem Bewerbungsfrust umgehst, dem entgegenwirkst? Ich freue mich wie immer über Anmerkungen und Kommentare.

Vielleicht mal kreativ bewerben?

Irgendwann hatte ich es satt. Dieses ständige Werbung für mich machen, mein Anschreiben genau auf das Unternehmen zuzuschneiden, mir irgendwelche schwülstigen Sätze aus den Fingern zu saugen, warum gerade ich, warum genau dieses Unternehmen, wie viel Prozent Umsatz ich gesteigert hatte, blabla.

Nach mehr als 250 Bewerbungen dauerte das Schreiben einer Bewerbung bei mir meist weniger als eine Stunde. Irgendwann hatte ich so viele Phrasen, so viele Beschreibungen von mir gesammelt (ich kam irgendwann auf einige Word-Seiten), sodass am Ende nur die richtigen Phrasen und Sätze zusammengestellt werden mussten, um das „maßgeschneiderte“ Anschreiben zu erstellen. Ich ging dabei ganz pragmatisch vor, ich durchsuchte die Stellenanzeige nach Schlüsselwörtern und suchte mir dann die entsprechenden Phrasen, die ich dazu bereits formulierte hatte, heraus. Entsprechend der Förmlichkeit der Anzeige wählte ich dann den richtigen „Ton“ und zack, hatte ich bereits einen Satz fertig. Wurde zum Beispiel Organisationsfähigkeit erwünscht, konnte ich zwischen verschiedenen Sätzen wählen, in denen ich beschrieb, wie ich weder den Kopf noch die Übersicht verlor, wenn ich X und Y ausführte oder Z Fälle gleichzeitig zu bearbeiten hatte. Dann suchte ich das nächste Schlüsselwort und meine passende Formulierung dazu usw.

Das gleiche galt für den Lebenslauf. Ich hatte einen Masterlebenslauf, in dem ich jede einzelne berufliche Station ausführlich beschrieb, jedes Praktikum, jede Fortbildung und jede noch so schnöde Qualifikation. Entsprechend der Stellenbeschreibung löschte ich alles Irrelevante weg und passte gegebenenfalls die Wortwahl an. Wie gesagt, am Ende verschickte ich Bewerbungen mit einem Aufwand von weniger als einer Stunde.

Und auch wenn der Aufwand gering war, ich hatte es irgendwann leid. Es nervte mich, dieses ewige Leistungsdenken, das ewige „Ich bin so toll, ohne mich bricht euer Laden zusammen.“ Zumindest auf die klassische Art. Deshalb beschloss ich, etwas zu gestalten, das mir mehr entsprach. Und entwarf folgende Bewerbung:

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Sehr geehrter Herr X,

gerne würde ich mich bei Ihnen als pädagogische Mitarbeiterin für den Bereich Learning & Development bewerben. Hier ein kleiner Überblick zu mir als Person.

Meine Fähigkeiten

Nach Studium der Erwachsenenbildung 5 Jahre Trainerin

Vom Einzelunterricht eines Topmanagers, der für eine Verhandlung in Milliardenhöhe im arabischen Raum einen Englischcrashkurs bei mir machte, über das Üben eines Elevator Pitches für sich-selbst-ungern-verkaufende Germanisten, bis hin zum eintägigen Workshop für Professoren, die Probleme hatten ausländischen Studenten zu verdeutlichen worauf es bei Hausarbeiten ankommt: Ohne Methodenvielfalt, handlungsorientiertem Lernen und echtem Wissenstransfer geht es bei mir nicht.

Ein Jahr pädagogische Leitung

Stundenpläne basteln, mich in ein komplett neues Thema einarbeiten, einen Stoffverteilungsplan entwerfen, Materialien neu entwickeln, das Format der Prüfungsvorbereitung für ein neues Deutsch-Programm aufziehen, Teilnehmer beruhigen, Feuer unter dem Hintern machen oder trösten, Lehrerausfall mit Improvisationskunst begegnen und die Geschäftsleitung davon überzeugen, dass das Lehrwerk nach Jahren definitiv ausgetauscht werden muss.

Was Kollegen zu mir sagen

Hilfsbereit, freundlich, ehrlich, sehr konzentriert und gewissenhaft, nimmt sich manchmal berufliches zu sehr zu Herzen und ist dann gestresst, vertrauenswürdig, organisiert, in der Lage sich auf Neues einzulassen und zu lernen, „gerade raus“ mit den Mitmenschen, deswegen manchmal unwirsch, grundsätzlich sehr positives Wesen, locker, persönlicher Kontakt zu Kollegen ist sehr wichtig.

Was ich mag

Netzwerken, neue Ideen ausprobieren und immer wieder und wieder anpassen bis etwas Gutes daraus entsteht, Wortspiele, Ehrlichkeit, bloggen, beobachten, Menschen dabei zusehen, wie sie etwas lernen und ihnen ein Kronleuchter aufgeht, das Warum, Ungewöhnliches.

Was ich nicht mag

Stundenlange Meetings ohne Ergebnis, eingefahrene Bahnen, Menschen, die keine Lust auf Neues haben, Zickenkrieg, Statusdenken und Drängeltrödler

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Ich habe die Bewerbung nie abgeschickt. Nicht, weil ich nicht von ihr überzeugt war, das bin ich noch immer. Sondern weil ich überraschend ein anderes Jobangebot erhielt und somit gar nicht dazu kam diese Bewerbung zu verschicken. Manchmal wünschte ich, dass sich nicht so urplötzlich etwas anderes ergab, denn dann hätte ich testen können, ob es ein völliger Fehlgriff war oder Aufmerksamkeit erregt hätte.

Dieses Anschreiben zu konzipieren machte mir unglaublichen Spaß. Insbesondere meine ehemaligen Kollegen um eine ehrliche Einschätzung meiner Persönlichkeit zu bitten, gab mir zu denken und war Grund genug mich selbst nochmal zu hinterfragen.

Im müden Trott des ständigen Suchens von Stellenanzeigen und Bewerbungen schreiben gab mir dieses „Miniprojekt“ Aufschwung. Es inspirierte mich und half mir nochmal mich selbst besser zu fassen und zu reflektieren.

Vielleicht ist es bei dir auch mal dran? Aus dem Trott auszubrechen, dich kreativ mit dem Thema Bewerbung auseinander zu setzen. Freunde, Eltern, Kollegen und Bekannte zu bitten dich in deiner Arbeitsweise einzuschätzen. Etwas zu schreiben, dass dir mehr entspricht und dir hilft aus dem engen Korsett Bewerbung auszubrechen. Wer weiß, vielleicht ergibt sich sogar etwas aus genau dieser einen kreativen Bewerbung?

Ich freue mich über eure Meinung und eure Erfahrungen zu dem Thema.

Fälle erst eine Entscheidung, wenn du ein Angebot hast

Das Stellenangebot fand ich im Internet. Als ich wieder einmal stundenlang die gängigen Jobportale durchforstete. Man hat ja als Geisteswissenschaftler das große Vergnügen geduldig in Portalen Stelle um Stelle anzuschauen, die in den letzten Tagen hochgeladen wurden, denn gängige Suchbegriffe gibt es nicht. Das ist das Manko der Allrounder, es gibt viel, was wir können, aber deshalb ist es umso schwieriger zu finden, was zu uns passt.

Manchmal habe ich mich dabei wie ein Goldwäscher gefühlt. Jedes Mal, wenn ich wieder über eine Stelle stolperte, für die ich in Frage kam, war zunächst die Freude groß. Ein kleines Goldnugget gefunden, endlich, nach der langen Sucherei und dem gebeugten Rücken im Fluss mitsamt den kalten Füßen! Aber nach wenigen Minuten Glücksgefühl ging es dann gleich los, das Goldnugget wurde kritisch unter der Lupe beäugt, ihm wurde auf den Zahn gefühlt:

  • Passt die Stelle zu mir?
  • Bin ich qualifiziert genug?
  • Klingt die Stelle überhaupt interessant?
  • Ist es nicht doch zu weit weg?
  • Bestimmt kann ich nicht so viel Gehalt verlangen?

Ich gehöre der Sorte Mensch an, die durchdachte Entscheidungen treffen will. Ich halte auch weiterhin nicht viel davon Berge an Bewerbungen zu fabrizieren, um der Bewerbung willen und sie wahllos in alle Himmelsrichtungen zu senden. Das bedeutet aber auch, dass ich mich manchmal zu früh gegen ein Stellenangebot entschieden habe.

  • Was ist denn so schlimm daran, wenn die Stelle vielleicht nicht ganz hundertprozentig passt?
  • Vielleicht gibt es Aufgabenbereiche, die nicht so spannend sind, aber sollte man die nicht wenigstens in einem Gespräch klären, sondieren wie viel sie von der eigentlichen Arbeit ausmachen?
  • Man möchte nicht aus der Stadt ziehen, aber gibt es vielleicht doch die Möglichkeit zu pendeln?
  • Besteht nicht auch nach einem Vorstellungsgespräch die Möglichkeit abzusagen, wenn es einem immer noch nicht zusagt und die Nachteile überwiegen?

Mir ist klar, dass in jeder Bewerbung, wenn man sie denn ordentlich macht, viel Arbeit steckt und dass man sich natürlich nicht auf Stellen bewerben sollte, bei denen man von vorneherein ein ganz schlechtes Gefühl hat. Ich habe aber gemerkt, dass es oft Stellenangebote gibt, bei denen man sich nicht sicher ist. Entweder, weil sie so vage und schwammig gehalten sind, dass man sich nicht sicher ist, ob man dazu passt oder nicht oder weil ein kleiner Aspekt abschrickt oder der Ort eine Rolle spielt oder, oder, oder. Und genau bei diesen Stellenangeboten, die im Graubereich liegen, bei denen man nicht gleich ein klares Nein zu hat, kann ich nur dazu raten es einfach mal zu versuchen. Was ist das schlimmste, was einem passieren kann?

Genau, dass man zum Gespräch eingeladen wird. Ich habe es bisher noch nie erlebt, dass eine Firma nicht bereit gewesen wäre mir vorab am Telefon nochmal kurz zu erklären worum es bei der Stelle geht, wenn ich prüfen wollte, ob ich die Reise überhaupt antreten sollte. Aber da zeigt es sich gleich wieder, diese Tendenz irgendwie alles immer prüfen zu müssen, obwohl ich noch nicht einmal ein Angebot hatte.

Ich kann nur dazu raten die finale Entscheidung zu treffen, wenn man ein Angebot hat. Auch die Möglichkeit besteht, die Firma sagt einem nach dem Gespräch ab und dann fühlt man sich wie ein begossener Pudel, hat so viel Arbeit reingesteckt, hat so viel in so verschiedene Richtung gedacht und im Endeffekt war es umsonst. Die Firma hat einem in dem Fall die Entscheidung abgenommen. Aber auch erst dann, als es dran war. Denn erst nach dem Gespräch muss entschieden werden, ob man zusammenkommt oder nicht. Aber ich gehöre der Sorte Mensch an, die schon viel früher grübelt, sich Gedanken macht und über verschiedene Möglichkeiten nachdenkt.

Deshalb finde ich, dass man sich auch mal „einfach so“ bewerben kann, dass man, wenn die Stelle dann doch nicht so toll ist wie erst gedacht, es auch noch zu viel späteren Zeitpunkten die Möglichkeit gibt abzusagen. Und ich schreibe bewusst vom Plural, „Zeitpunkten“.

Triff Entscheidungen erst, wenn du es musst, nicht vorher, was im Bewerbungsbereich heißt, wenn du ein Angebot vorliegen hast. Gib auch mal „grauen“ Stellenbeschreibungen eine Chance, vielleicht verbirgt sich hinter ihnen etwas ganz anderes, als du vermutest.

So wie bei mir. Das Stellenangebot aus meinem Eingangssatz. Es war eine Stelle, zu der ich nicht wirklich gut passte, aber bei der ich dachte, dass ich es mal einfach versuchen wollte. Es war eine Traineestelle, für die ich eigentlich schon zu alt war und mit wahrscheinlich zu viel Berufserfahrung. Ich bewarb mich also, ich erhielt die Massenabsage vor Einladung zum Gespräch, was mich nicht wirklich überraschte und wurde dann zwei Wochen später vom gleichen Unternehmen angerufen, ob ich nicht stattdessen auf eine andere Stelle Lust hätte. Ich hatte und arbeite bis heute im Bereich Global Mobility.

Versuch es einfach mal, eine wirkliche Entscheidung treffen musste ich erst, als ich nach mehreren Gesprächen mit dem Unternehmen ein Angebot erhielt. Mach nicht den Fehler dich zu früh dagegen zu entscheiden.

Verdeckter Stellenmarkt – persönliche Erlebnisse

Vorab: ich habe mich schon viel in meinem Leben ganz klassisch beworben. Sehr viel. Die längste Strecke war ein ganzes Jahr lang, in dem ich mehr als hundert Bewerbungen verschickte. Meine letzte Bewerbungs-Bilanz aus dem Jahr 2015 kann man sich hier anschauen.

Heute möchte ich jedoch von eigenen Erlebnissen berichten, bei denen ich über Beziehungen oder durch andere Umstände Jobangebote erhalten habe. Für mich war es nämlich immer schwierig zu fassen wie man denn sonst vorgehen soll, wenn man nicht ganz klassisch eine Bewerbung verschickt. Es wird viel über den verdeckten Arbeitsmarkt geredet, aber außer, dass irgendwie Beziehungen wichtig sind, konnte mir niemand so richtig sagen, wie man über den verdeckten Markt an Stellen rankommt. So vage Ratschläge wie „netzwerken“oder „Kontakte knüpfen“ finde ich bis heute wenig hilfreich. Deshalb also an dieser Stelle einige persönliche Erlebnisse, die vielleicht besser fassen, worauf es ankommt und wie man vorgehen kann.

  • Mein erstes Jobangebot per Anfrage erhielt ich von einem Kunden. Damals war ich Sprachtrainerin und unterrichtete unter anderem auch Führungskräfte. Per Empfehlung hatte ich angefangen einen Kunden zu unterrichten, der Englischanfänger war und ganz plötzlich ein Projekt in Dubai gewonnen hatte. Natürlich bedeutete dies, dass er ganz schnell Englisch lernen musste. Zwei Mal die Woche fuhr ich also in die Firma und gab ihm Intensiv-Einzelunterricht über mehrere Monate hinweg. Zwischendurch flog er nach Dubai und konnte sogleich seine neuerworbenen Englischkenntnisse ausprobieren. Eines Tages, mein Kunde war gerade wieder in Dubai, erhielt ich plötzlich einen Anruf aus Dubai von ihm. Es war gerade die heiße Phase der Verhandlungen, bei denen es um einen Millionenvertrag ging und die Kommunikation mit dem Vertragspartner war kaum möglich, er verstünde einfach nichts, ob ich wohl spontan am Telefon übersetzen könnte? Urplötzlich sah ich mich der Aufgabe gegenüber angestrengt einem Araber per schlechter Verbindung zu lauschen, der mir etwas im gebrochenem Englisch mitteilte und gab dann das Verstandene auf Deutsch an meinen Kunden weiter, bevor er mich wieder instruierte, was ich dem Araber auf Englisch mitteilen sollte. Ich war sehr erleichtert, als mein Kunde am Ende des Telefonats meinte, er wüsste jetzt, worum es geht und fände das Angebot gut, er würde den Vertrag unterschreiben. Als mein Kunde wieder in Deutschland war und die nächste Englischstunde anstand, fragte er mich spontan, ob ich mir nicht vorstellen könnte als festangestelltee Übersetzerin im Unternehmen eingesetzt zu werden und nach Dubai mitzufliegen.

Ich erhielt also in dem Fall eine Anfrage, weil ich mein Können unter schwierigen Bedingungen unter Beweis gestellt hatte und man jemanden mit genau diesen Kenntnissen im Unternehmen suchte. Dass jemand überhaupt gebraucht wurde, wurde der Führungskraft erst klar, als er in großer Kommunikationsnot mich auf meinem Handy anrief.

  • Ich hatte mich klassisch per Onlinebewerbung für einen Bereich beworben, wurde abgelehnt und dann zwei Wochen später angefragt, ob ich nicht stattdessen Interesse an einer anderen Stelle hätte, die zwar auch im gleichen Bereich, aber in einer anderen Unterabteilung angesiedelt war. Hier war das Unternehmen schlau genug nicht gleich eine neue Stelle auszuschreiben, sondern bereits eingereichte Bewerbungen nochmals mit einem anderen Fokus zu sichten.

Eine Kollegin erzählte mir später, dass sie mehr als 300 Bewerbungen für die Stelle erhalten hatten, auf die ich mich als erstes beworben hatte. Sie fand es sehr traurig, dass sie so vielen guten Leuten absagen musste, weil nunmal nur eine Stelle ausgeschrieben war. Sie war dann aber um so glücklicher, dass es bei mir dann doch geklappt hatte, auch wenn es dann in einer anderen Unterabteilung war.

In dem Fall erhielt ich also eine Anfrage, weil die Firma sich die ganze Arbeit sparen wollte, die eine Neueinstellung mit sich bringt. Wenn es in einer großen Abteilung mehrere Stellen gibt, kann ich jedem Unternehmen nur raten bereits abgelehnte Bewerbungen nochmals hervorzuholen statt mit einer Stellenausschreibung zu starten. Das spart viel Zeit und Kosten und kann, wie in meinem Fall, durchaus klappen.

  • Ich habe mittlerweile schon viele Jobangebote per Xing erhalten. Auch wenn natürlich die meisten Anfragen von Headhuntern stammen, so gibt es vereinzelt auch Anfragen von Firmen. Ich persönlich sehe keine Relation, dass man mehr angefragt wird, je mehr Kontakte man hat. Was ich aber schon merke, ist, dass es wichtig ist sein Netzwerk zu informieren, wenn man auf Jobsuche ist. Einmal erhielt ich über eine Xing-Bekanntschaft ungefragt ein Stellenangebot, das ich niemals selbst entdeckt, geschweige denn von gewusst hätte. Ein anderes Mal konnte ich über eine Xing-Bekanntschaft per Empfehlung meine Bewerbung verschicken, da ich wusste, dass er in der Firma arbeitete, die die Stelle ausgeschrieben hatte. Auch als Freiberuflerin erhielt ich oft über Xing Anfragen, weshalb ich sehr bald dazu überging nachzuhaken nach welchen Stichwörtern die Person gesucht hatte und meine „Ich biete“ und „Ich suche“ Kategorieren sehr genau zu spezifizieren.

Im Falle von Xing und Linkedin  gibt es also zwei Punkte, die einem helfen können den verdeckten Arbeitsmarkt für sich zu erschließen: sein Profil ordentlich zu pflegen (SEO sag ich da nur) und seine Kontakte darüber zu informieren, wenn man auf Suche ist. Abgesehen davon bin ich weiterhin ein großer Fan über Xing Leute anzuquatschen, die in dem Wunschberufsfeld und in der Wunschstadt arbeiten, um von möglichen Stellen zu erfahren. Wie das funktioniert, habe ich hier mal erklärt.

Bewerbungsgespräch in der Wirtschaft vs. Wissenschaft

Nachdem ich in einem Beitrag berichtet hatte wie ich ein Bewerbungsgespräch für eine Stelle an einer privaten Hochschule erlebt habe, haben mir einige Leute Rückmeldung gegeben, dass meine Beschreibung des Prozederes gar nicht so ungewöhnlich war (abgesehen vom Verhalten der Interviewerin, das auch alle meine Gesprächspartner ziemlich unmöglich fanden). Ich war völlig überrascht und fing an nachzubohren. Ließ noch mal die 30 Bewerbungesgespräche, bei denen ich Bewerberin war, Revue passieren und fragte herum. Am Ende stand fest: Es gibt tatsächlich einige gravierende Unterschiede zwischen Bewerbungsgesprächen in der freien Wirtschaft und der Wissenschaft.

Hier der Versuch eines Vergleichs (Kommentare und Amerkungen sind herzlich willkommen):

Bewerbungsfrist und Bewerbungsform

  • Hochschulen geben eine Bewerbungsfrist und bitten teilweise bis zum heutigen Tage um Bewerbungen in Papierform. Hat man bis zum genannten Datum seine Unterlagen nicht eingereicht, hat man Pech.
  • Unternehmen wiederum müssen keine Bewerbungsfrist vorgeben. Zwar gibt es auch hier manchmal welche, aber wenn sich bis dahin immer noch kein passender Kandidat gefunden hat, verlängert man kurzerhand die Frist oder lässt es gleich bleiben. Bewerbungen sind entweder per E-Mail erbeten oder aber man muss online seine Angaben machen.

Gehaltsangaben

  • Im universitären Kontext werden Tarifangaben gemacht. Man kann also laut Entgelttabelle ziemlich schnell errechnen wie viel Gehalt einem geboten wird. Das hat den Vorteil, dass man sich erst gar nicht bewerben muss, wenn einem das Gehalt zu niedrig ist.
  • In der freien Wirtschaft hingegen wird in gefühlten 90% der Fälle gebeten Gehaltswünsche anzugeben. Hier hat mal also als Bewerber die Bringschuld und liegt vielleicht völlig daneben. Zwar kann es auch sein, dass man auch hier nach Tarif bezahlt wird, jedoch teilen die wenigsten Unternehmen das bereits im Stellenangebot mit.

Einladung zum Vorstellungsgespräch

  • In der Wissenschaft erhält man oft sogar noch per Brief die Einladung zum Vorstellungsgespräch oder alternativ per E-Mail. Der Termin ist festgelegt und man muss zusehen, dass man zum genannten Zeitpunkt verfügbar ist. Bewirbt man sich also, sollte man sichergehen, dass man jederzeit vorstellig werden kann.
  • In der Wirtschaft ist es üblich entweder einige Terminvorschläge per E-Mail zu machen oder mit dem Bewerber per Telefon die Terminfrage zu klären. Das gilt natürlich nicht bei Assessment Centern, wobei diese Veranstaltungen meist mindestens einen halben, wenn nicht gleich ganzen Tag in Anspruch nehmen.

Anzahl der Personen im Vorstellungsgespräch

  • Im universitären Kontext ist es durchaus üblich, dass bis zu fünf Personen das Gespräch führen. Ich selbst erlebte einmal ein Gespräch, bei dem zehn Personen anwesend waren. Oft sind zwei Personen die Gesprächsführer, aber manchmal erhält man überraschend dann doch noch von einer bis dahin still teilnehmenden Person eine Einzelfrage.
  • In der Wirtschaft sind es meist maximal drei Personen, oft zwei oder auch nur eine. Assessment Center wieder ausgeschlossen.

Dauer des Gesprächs

  • Ich habe oft etwas von 30 bis maximal 45 Minuten erlebt. Oft waren die Fragen schon vorformuliert. Grundaussage lautet, dass man eine Vergleichsbasis haben will und die Bewerber nach den gleichen Kriterien bewerten möchte. Oft ist eine Person abkommandiert während des Gesprächs emsig Protokoll zu führen. Entsprechend „normal“ ist es, wenn man dem nächsten Bewerber die Türklinke in die Hand gibt (abgesehen davon, dass man sich schnell an mündliche Prüfungen zu Studienzeiten zurückversetzt fühlt).
  • In der freien Wirtschaft sind längere, aber auch kürzere Gespräche möglich. Durchschnitt ist ca. eine Stunde. Es können Standardfragen gefragt werden oder auch nicht. Man muss auf alles vorbereitet sein.

Antwort nach dem Gespräch

  • Aufgrund der Bewerbungsfrist kann es manchmal sein, dass man monatelang auf Antwort von der Universität wartet.
  • In der freien Wirtschaft kann man durchaus nach zwei Wochen nachfragen, wenn man keine konkrete Angaben bekommen hat wann die Entscheidung gefällt wird.

Netzwerken klappt nur, wenn man nicht an sich denkt

Ich höre öfter mal Aussagen wie „Jetzt habe ich mich bei Xing und LinkedIn angemeldet, habe wie blöd Kontakte ausfindig gemacht und das war jetzt alles umsonst, da ist nichts bei rumgekommen, ich lösche meine Accounts wieder“.

Wer so denkt, sollte auch unbedingt die Account löschen, denn Netzwerke funktionieren wenig bis gar nicht, wenn sich alles nur um einen selbst dreht.

Die meisten Leute meinen, wenn sie nur reichliche Anfragen stellen und eine ansehnliche Kontaktliste vorweisen können, würden wie von selbst die Jobangebote und Nachfragen hereinflattern während sie Däumchen drehen. Aber warum sollte das passieren? Wenn ich meinen Lebenslauf ganz vielen Leuten in die Hand drücke, heißt das automatisch, dass ich Jobangebote erhalte? Wohl nicht unbedingt, die meisten werfen ihn weg im übertragenen Sinne.

Das Zauberwort lautet Altruismus, was der Duden mit „selbstlose Denk- und Handlungsweise; Uneigennützigkeit“ definiert. Nur, wenn ich anfange zu überlegen welche zwei meiner Kontakte wohl voneinander profitieren, wenn ich bereit bin Fragen in Gruppenforen zu beantworten, die ich beantworten kann, aus meinem Wissensschatz bereit bin weiterzugeben und eben nicht mich selbst als den Fokus meines Netzwerkes sehe, sondern meine Kontakte, macht man positiv auf sich aufmerksam.

Viele Leute fragen mich, was denn z.B. eine Anfrage zu meinem Wissensschatz mit dem zukünftigen Job zu tun hat. Es stimmt, oft nichts. Oft sind die Leute, denen man hilft und die man miteinander verbindet nicht unbedingt auch die Leute, die mir im Gegenzug helfen werden oder tolle Stellenangebote parat haben. Aber seltsamerweise kommt meist genau dann ein Jobangebot, vielleicht auch über tausend Ecken, wenn man gerade mit jemand völlig anderen beschäftigt ist und uneigennützig ein paar Tipps z.B. in den Gruppenforen mitgegeben hat. Manchmal ist es auch so, dass die Leute sich für die Hilfe bedanken und fragen, was sie im Gegenzug für einen tun können. Und dann kann man ganz offen sagen, dass man im Augenblick auf Jobsuche ist und sich freuen würde, wenn sie einfach mit die Augen und Ohren offen halten. Jemand, der mich in guter Erinnerung hat, wird um ein Vielfaches aufmerksamer seine Umgebung auf mögliche Stellen abgrasen, als wenn ich als leidiger Bittsteller an die Person herangetreten bin.

Manchmal wird man auch von stillen Lesern, die aufmerksam die verfassten Gruppenbeiträge verfolgen, kontaktiert. Solche Leute schauen gerne eine Weile zu, sie schauen wie man sich in der Gruppe verhält, wie man mit Kritik umgeht, wie oft man Beiträge schreibt und ähnliches, bevor sie an einen herantreten. Sie wollen vorab wissen mit was für einer Person sie es zu tun haben, wollen sich sicher sein, dass man auch bereit ist zu investieren, selbst wenn es zunächst keine „Belohnung“ gibt. Manchmal sind genau solche Leute dann bereit zu erzählen wo man sich umhören sollte oder wo gerade eine Stelle frei geworden ist. Weil man in diesem Fall mit seinem Fachwissen überzeugt hat und die Person sich sicher ist, dass man von seiner Art her zum Unternehmen X passen würde.

Deshalb sollte man als „echter“ Netzwerker immer wieder überlegen: Habe ich etwas zu bieten, kann jemand von meinem Wissen profitieren? In welchen Gruppen kann ich Wissen weitergeben? Welche meiner Kontakte sollten einander vorgestellt werden? Um welche Kontakte sollte ich mich mehr kümmern (das kann auch so etwas Banales sein wie ihnen zum Geburtstag zu gratulieren)?

Denn: netzwerken klappt nur, wenn man nicht an sich denkt, sondern an seine Kontakte.

Jobangebote sind wie alte Freunde – sie kommen immer überraschend und zu den unmöglichsten Zeiten

Neulich hat mich jemand gefragt, was die beste Strategie bei der Jobsuche ist. Ganz ehrlich? Ich hab keine Ahnung, außer, dass man immer offen und bereit sein sollte und bereitwillig davon erzählt, dass man gerade sucht. Denn Jobangebote kommen manchmal ganz plötzlich hereingeschneit, wenn man es gar nicht erwartet, so wie alte Freunde.

So auch bei mir: Einmal habe ich ein Stellenangebot unaufgefordert weitergeleitet bekommen von jemanden. Die Person wusste zwar, dass ich gerade suche, aber mehr auch nicht. Ich habe mich also kurzerhand beworben, denn es war eine Stelle, die interessant klang. Natürlich habe ich versucht die Stelle zu googeln, aber bei keinen der gängigen Jobsuchmaschinen gefunden. Hätte mir die Person das Stellenangebot nicht weitergeleitet, hätte ich mich nie bewerben und schlussendlich die Stelle antreten können.

Ein anderes Mal erhielt ich aus heiterem Himmel ein Jobangebot von einem Kunden. Er wusste nicht, dass ich suche, er wollte es einfach probieren, weil er die Zusammenarbeit mit mir schätze. Es war ein sehr verlockendes Angebot, auch wenn es mich dazu zwang zu überlegen inwieweit ich tatsächlich meine damalige Stelle kündigen wollte und konnte.

Einmal bewarb ich mich auf eine Stelle, erhielt eine Absage und zwei Wochen später einen Anruf. Dass sie tatsächlich jemand anderes für die Stelle gefunden hätten, aber eine weitere Position zu besetzen sei, eine, die weitaus besser passen würde, ob ich daran vielleicht Interesse hätte und dafür zum Gespräch erscheinen wollte? Ich wollte und bekam über diesem Wege die Stelle.

Einmal bekam ich die Antwort, dass ich es nach dem Vorstellungsgespräch leider nur auf Position 2 geschafft hätte. Ich legte diese Firma also ad acta und bekam ein halbes Jahr später einen Anruf. Dass nun ganz plötzlich eine Stelle frei geworden wäre und sie sofort hätten an mich denken müssen. Ob ich jetzt vielleicht das Angebot annehmen wollte?

Was ich damit sagen will: Es gibt kein Geheimrezept wie man am besten bei der Jobsuche vorgeht. Ja, auch ich habe über den klassischen Weg der Bewerbung Stellen angetreten. Aber die genannten Beispiele zeigen vielleicht, dass Jobs oft unerwartet vergeben werden, oft genau dann, wenn man sich damit abgefunden hat länger arbeitslos zu sein oder wenn man gerade erst eine neue Stelle angetreten hat. Bei vielen der Anrufe habe ich mich erst einmal für das Interesse bedankt, aber gebeten ein wenig Bedenkzeit zu erhalten. Man fragt sich, warum man so eine lange Durststrecke zurücklegen musste, bei der es entweder nur Absagen gehagelt hat oder man überhaupt keine Reaktion von Firmen erhielt. Und dann plötzlich wollen einen gleich mehrere Firmen.

Manchmal kommen Angebote auch von völlig anderer Seite als erwartet. Ich zum Beispiel hätte niemals erwartet, dass sich eine Firma noch ein halbes Jahr später an meine Wenigkeit erinnert, zumal wir uns nur in einem ungefähr einstündigen Vorstellungsgespräch kennengelernt hatten.

Deshalb: immer schön Augen und Ohren offen halten und sich nicht scheuen zu erzählen, dass man aktiv auf Suche ist. Wer weiß, wenn man einen bleibenden Eindruck beim Vorstellungsgespräch hinterlässt, hat man vielleicht trotz Absage später nochmal eine Chance.

Endlich

Ihr habt es wahrscheinlich schon gemerkt, die letzten Tage war es ruhig auf meinem Blog, denn das hatte auch einen wichtigen Grund: ich habe ein Jobangebot angenommen. Endlich hat es geklappt. Endlich hat die Bewerbungsphase im Jahr 2015 ein Ende. Meine Bilanz?

In 14 Wochen oder dreieinhalb Monaten
30 Bewerbungen geschrieben (das sind im Schnitt pro Woche 2,1 Bewerbungen und ich habe mich bewusst nur auf Stellen beworben, die ich interessant fand und bei denen ich mir vorstellen konnte zu arbeiten)
19 Absagen ohne Einladung zum Vorstellungsgespräch
6 Einladungen zum Vorstellungsgespräch erhalten (das sind gerade mal 20%)
5 Absagen entweder vom Unternehmen oder von mir nach dem Vorstellungsgespräch

Was ich damit sagen will? Dass die Jobsuche für einen Geisteswissenschaftler auch dann noch schwierig ist, wenn man bereits fünf Jahre oder mehr Berufserfahrung hat, leider. Dass es deshalb sehr leicht ist sich auf ein Angebot einzulassen, bei dem man ein mulmiges Gefühl hat. Ich brauche wohl niemanden zu erzählen, dass so eine Vollzeitjobsuche an die Substanz geht. Aber es lohnt sich. Natürlich hatte auch ich meine Zweifel als ich Angebote von Unternehmen ausgeschlagen habe. Kann ich mir das überhaupt leisten? Muss ich nicht froh sein um jedes Angebot, das so halbwegs passt? Es ist natürlich immer ein Leichtes im Nachhinein zu sagen, doch, es hat sich gelohnt zu warten, auszuharren und nicht gleich das erstbeste Angebot anzunehmen. Die Jobsuche hätte sich auch noch viel länger hinziehen können. Aber trotzdem bin ich so froh, dass ich gewartet habe, weil ich nun in meinem Wunschbereich arbeiten werde.

Das wird aber auch bedeuten, dass ich nun nicht mehr jeden Tag von Montag bis Freitag außer an Feiertagen Beiträge hier auf dem Blog veröffentlichen werde. Im Moment erscheint mir einmal wöchentlich ein realistisches Vorhaben.

„Dann kommen wir nicht zusammen“

Ich hatte vor kurzem ein Bewerbungsgespräch. Da hat irgendwie nichts gestimmt. Fragen wurden in militärischer Präzision abgefeuert, da wurde sehr offensichtlich versucht mir Informationen zu entlocken, die nichts in einem Vorstellungsgespräch zu suchen haben, auch fand ich es sehr merkwürdig, dass ich am Ende des Gesprächs gebeten wurde für fünf Minuten den Raum zu verlassen, um dann wieder hereingebeten zu werden mit einem überraschenden Jobangebot. Allerdings mit der Knebelvariante – ich hatte genau eine Nacht Zeit über das Angebot nachzudenken. Als ich am nächsten Tag anrief und mitteilte, dass ich gerne noch ein anderes Gespräch abwarten wollte bevor ich entschied, kam die sofortige Absage.

Jetzt im Nachhinein bin ich froh darum. Denn es hat mir gezeigt, dass ich mit diesem Arbeitgeber nicht glücklich geworden wäre. Und umgekehrt sicherlich auch nicht. Denn dabei geht es doch schlussendlich im Bewerbungsgespräch, dass man versucht herauszufinden, ob man zueinander passt.

Im Gespräch gab es viele Warnsignale, auch die Einladung zum Gespräch mutete seltsam an. Hier eine Auflistung:

  • Ich kenne zwei Varianten wie man zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird (und wie gesagt habe ich in meinem Leben bereits fast 30 Vorstellungsgespräche als Bewerber geführt). Entweder ruft die Person an und man klärt den Termin telefonisch (diese Variante wird besonders gerne genommen, wenn es keine oder kaum Terminwahl gibt) oder aber man erhält eine Einladung per E-Mail. Wenn die Einladung per E-Mail erfolgt, habe ich bisher immer mindestens zwei, meist jedoch weitaus mehr, Wahloptionen erhalten und entsprechend das mir passende Datum in meiner Antwort genannt. Bei dieser Einladung wurde mir jedoch nur ein Termin per E-Mail zur Auswahl gestellt.

Bereits dieses Vorgehen hätte mir zeigen müssen, dass hier der Bewerber mit seinen Bedürfnissen kaum gesehen wird. Im Gespräch gab es dann weitere Warnsignale.

  • Ich hätte gleich misstrauisch werden sollen, als die Dame mehrmals ihre Frage mit der Floskel einleitete „Diese Frage müssen Sie mir nicht beantworten, aber…“ Wenn ein Arbeitgeber Fragen zu Partnerschafts- und Familienverhältnissen, zur Familienplanung, Religionszugehörigkeit oder Krankheitsgeschichte direkt im Gespräch anspricht, sollten bei dir alle Alarmglocken schrillen. Das war kein Versehen. Mit dieser Floskel signalisierte sie, dass sie sich sehr wohl bewusst war, dass die Frage rechtlich gesehen nicht gestellt werden darf. Aber warum machte die Dame es dann trotzdem? Mir hat es gezeigt, dass in diesem Unternehmen nicht nur beim Bewerbungsgespräch versucht wird Gesetze zu umgehen. Abgesehen von dem Fakt, dass ich es immer schwierig finde angemessen auf solche Fragen zu reagieren, zeigt mir ein solches Verhalten schlicht, dass man sich in diesem Unternehmen nicht an Vorgaben hält, dass man Privatsphäre nicht respektiert und dass hier kontrolliert wird. Eventuell auch mit unerlaubten Mitteln.
  • Die Einladung zum Gespräch kam zwei Monate nachdem ich die Bewerbung abgeschickt hatte. Im Vorstellungsgespräch teilte mir die Dame mit, dass sie bereits zahlreiche Vorstellungsgespräche geführt hatte, aber leider die einzigen zwei Kandidaten, die in die engere Auswahl kamen, erst in drei Monaten verfügbar waren. Bei mir wäre es ja so toll, dass ich bereits jetzt verfügbar sei. Mit dieser Aussage schlussfolgerte ich, dass ich 1. nicht die Wunschkandidatin war, weil ich sonst viel früher zum Gespräch eingeladen worden wäre, 2. ich nur aus dem Grunde plötzlich an Popularität gewann, weil ich sofort verfügbar war. Die knallharte Absage, nachdem ich mitteilte, dass ich noch ein weiteres Gespräch abwarten wollte, zeigte mir außerdem, dass das Jobangebot aus Verzweiflung erfolgte. Nicht ich als Person war wichtig, nicht, ob ich den Aufgaben gewachsen war oder ob ich gut ins Team passen würde, sondern schlicht, dass ich sofort anfangen konnte. Auch wenn die Person mir nach dem Gespräch sonstwas vorschwärmte und mir deshalb das sofortige Jobangebot machte, sprach ihr Verhalten am Ende Bände. Auch die Absage kam auf unschönem Wege. Hatte ich nur die Assistentin, die beim Gespräch mit dabei gewesen war, erreichen können, hatte ich um Rückruf gebeten und ihr kurz die Sachlage geschildert. Natürlich wurde ich nicht zurückgerufen, sondern erhielt sehr steif formuliert per E-Mail die Absage ohne vorherigen weiteren Kontakt.
  • Als ich aus dem Gespräch ging (wohlgemerkt mit einem ganz überraschenden Jobangebot), fühlte ich mich verwirrt und gleichzeitig wütend. Ich habe es mir schon seit langem zur Regel gemacht, dass ich die Gefühle direkt nach dem Gespräch genau beobachte und analysiere, da sie mir schon oft wichtige Fingerzeige waren. Ich konnte mir nicht genau erklären, warum ich wütend war. Irgendwie fühlte ich mich eingeengt, es regte mich auf, dass ich nur eine Nacht Zeit hatte zu entscheiden, insbesondere vor dem Hintergrund, dass ich die Bewerbung schon vor zwei Monaten verschickt hatte und es definitiv nicht meine Schuld war, dass dieses Unternehmen so unorganisiert vorging und deshalb auf die Knebelvariante zurückgriff.
  • Und genau aus dem Grund entschied ich mich die Wahrheit zu sagen und von der anderen Einladung zu sprechen. Ich hätte theoretisch zusagen können, hätte einfach mal anfangen können und im schlimmsten Fall in der Probezeit innerhalb von zwei Wochen kündigen können. Aber der Grund, warum ich mich entschied die Wahrheit zu sagen, war, weil ich dem Unternehmen eine Grenze setzen wollte. Wenn ich dazu abkommandiert werden konnte eine Nacht für meine Entscheidung zu haben, so wollte ich im Gegenzug sehen, was passieren würde, wenn ich das Unternehmen dazu zwang mir mehr Zeit zu geben. Wenn sie mich wirklich wollten, hätten sie mir die Zeit gegeben. Wenn sie wirklich daran interessiert waren jemanden auf Vertrauensverhältnis einzustellen, dann hätten sie meine Ehrlichkeit als wertschätzend erlebt, man hätte sicherlich einen Kompromiss gefunden. Denn darum geht es mir als Bewerberin auch, ich möchte dem Unternehmen vertrauen, ich möchte, dass es mir gegenüber ehrlich ist, so wie ich ehrlich gegenüber dem Unternehmen bin. Ich kann es gar nicht leiden, wenn ich bespitzelt werde, weil man mir nicht vertraut. Mit der sofortigen Absage wurde dann aber klar, dass genau dieses Vertrauensverhältnis nie zustande kommen würde.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich gar nicht erst eine Nacht darüber schlafen muss, sondern bereits am Ende eines solchen Gespräches voller Warnsignale ohne Umschweife sagen kann, dass wir nicht zusammenkommen und ich meine Bewerbung zurückziehe.