Employer Branding – eine Politikwissenschaftlerin und eine Germanistin in der Eigenwerbung

Vor sieben Monaten erschien dieser Blogeintrag bereits, nun nochmal mit weiteren Anmerkungen in kursiv. Wer mag sich äußern?

Ist es sinnvoll? Bringt das was? Das habe ich mich gefragt. Hier:  http://www.nina4airbnb.com/ macht eine junge Geisteswissenschaftlerinnen etwas, was normalerweise neumodisch „Employer Branding“ genannt wird (in ihrem Fall müsste man korrekter Weise von „Employee Branding“ sprechen). Employer Branding im Sinne einer positiven Darstellung und Positionierung der eigenen Firma, oder wie im Falle von Nina, sich selbst.

Die Amerikanerin Nina schreibt eine Bewerbung für das Unternehmen airbnb, in der sie den Business Plan, wie airbnb den arabischen Markt erobern könnte, darstellt. Ohne Frage, das ist eine Bewerbung, wie man sie wahrscheinlich selten sieht. Die hochgelobten Begriffe „hands-on“ und „proaktiv“ beweist sie mit dieser Studie sofort. Es ist eigentlich keine Bewerbung, sondern schlussendlich bereits geleistete Arbeit. Und das bringt mich zu der Frage, ob das wirklich so sinnvoll ist. Airbnb hat hier nun also eine Idee präsentiert bekommen für lau. Muss man sich als solcher Bittsteller darstellen, um eine Chance zu haben? Laut Linkedin-Profil ist Nina, die Politikwissenschaftlerin, aber noch nicht bei airbnb gelandet.

Update nach sieben Monaten: OK, Nina ist definitiv nicht bei airbnb gelandet, aber anscheindend hat ihre Strategie gefruchtet: Sie hat mittlerweile einen Job und berichtet von ihren Erfahrungen im Harvard Business Review. Sie schreibt ganz klar die vielen Jobanfragen ihrer ungewöhnlichen Bewerbung zu, die ihr mehrere Millionen Klicks brachte.

Oder dann die Süddeutsche Vanessa, die Germanistik studiert hat. Sie hat einen Blog erstellt, eine Homepage, auf der sie sich darstellt und auf bereits geleistete Arbeit verweist. Neben einem Kurzlebenslauf finden sich auch Links zu bereits veröffentlichen Artikeln in diversen Zeitschriften und Magazinen und eine Auflistung ihrer Stärken. Ihre „Bewerbungs-Webseite“ ist also allgemein gehalten, nicht auf einen speziellen Arbeitgeber zugeschnitten, sondern soll Aufmerksamkeit erregen.

Doch die Webseite gibt es heute, nach sieben Monaten, nicht mehr. Vanessa arbeitet nun in einer Redaktion, wie man ihrem Xing-Profil entnehmen kann, doch das Xing-Profil zeigt weiterhin Studentenstatus. Ganz sicher bin ich mir nicht, ob sie nun den Berufseinstieg geschafft hat oder nicht. 

Und wenn ich mir so die beiden anschaue, bin ich mir unschlüssig, ob ich das nun gut finde, originell und kreativ oder abschreckend. Muss man so aggressiv Werbung für sich als Arbeitskraft machen, um auf dem aktuellen Arbeitsmarkt eine Chance zu haben, insbesondere als Geisteswissenschaftlerin, oder wirkt es eher lächerlich? Bringt das etwas?

Immerhin haben beide jetzt einen Job. Aber inwieweit die Eigenwerbung dazu beigetragen hat, das lässt sich natürlich schwer nachvollziehen. 

Ich habe für mich im Laufe dieser sieben Monate, wo ich die beiden beobachtet habe, mitgenommen, dass die Art der Werbung, die man für sich selbst macht, zu einem passen muss. Nina schreibt eine sehr ungewöhnliche Businessanalyse als Bewerbung, Vanessa veröffentlicht ihren eigenen Lebenslauf und Arbeitsproben in Form von Artikellinks auf ihrer Webseite. 

Ich habe nun schon öfter gehört, dass professionelle Blogger Jobanfragen über ihren Blog erhalten haben. In dem Fall sprechen dann die Artikel oder Fotos oder was auch immer man in seinem Blog behandelt für sich. 

Wie auch immer man Aufmerksamkeit erregt, ob eher auf die stille und geduldige Art oder mit einer lauten Bewerbung, Eigenwerbung ist definitiv etwas, womit sich Geisteswissenschaftler schwertun. Da schließe ich mich definitiv ein, sonst hätte ich die beiden nicht so kritisch beäugt. Aber jetzt, nach sieben Monaten, muss ich zumindest sagen, dass es sich doch lohnt mal darüber nachzudenken.

Ich freue mich weiterhin über Kommentare und Meinungen.