Eure Fragen – meine Antworten Teil 1

Hallo an alle,

Zu Weihnachten hatte ich eine Gewinn-Aktion gestartet und euch gebeten mir mitzuteilen welche Fragen euch interessieren, hier könnt ihr alle Kommentare auch nochmal gesammelt nachlesen. Die Gewinnerin hat das Mindestabo des Wissenschaftsladens Bonn erhalten, eine Zeitschrift, die wöchentlich deutschlandweit Stellenanzeigen für Geisteswissenschaftler auswertet und zusammenstellt.

Heute möchte ich nun ein paar der aufgeworfenen Fragen aufnehmen und aus meiner persönlicher Sicht beantworten.

Heute stehen Marijkes Fragen im Vordergrund. Sie schrieb:

Was sind ihre (gemeint sind Geisteswissenschaftler) Tätigkeiten? Wie haben sie nach Stellen gesucht ? Sprich, welche Jobbezeichnungen haben sie angegeben? Gab es externe Unterstützer (jobcenter etc)?

Gehen wir mal die Fragen einzeln durch:

1. Was sind meine Tätigkeiten?
Ich habe mal in diesem Beitrag beschrieben, was ich heute den lieben langen Tag so mache. Ich bin mir sicher, dass andere mit der gleichen Jobbezeichnung ganz andere Aufgaben übernehmen, denn da spielen immer so viele Faktoren hinein: wo groß ist das Unternehmen, wie groß die Abteilung, welche Rolle hat man, was liegt einem und macht einem Spaß. Als ich vor zwei Jahren nach Hamburg zog und gezielt unbekannte Personen über Xing ansprach, ob sie mir bei einem Kaffee etwas aus ihrem Berufsalltag erzählten, war ich erstaunt, was für unterschiedliche Antworten ich erhielt. Denn damals war mir klar, dass ich in den Personalbereich wollte. Ich suchte also nur Personen auf Xing, die in diesem Bereich in Hamburg arbeiteten. Und war völlig erstaunt, als mir langsam dämmerte, wie verschieden die Berichte doch klangen, obwohl sie alle im Personalbereich arbeiteten.

Deshalb ist es sehr schwierig zu beantworten welche Tätigkeiten man ausführt, die Antworten werden so vielfältig ausfallen wie die Unternehmen. Ich arbeite in der Personalabteilung, aber ich habe noch nie ein Arbeitszeugnis erstellt oder eine Stellenanzeige geschaltet. Denn Global Mobility ist ein sehr spezifischer Bereich, der besondere Spezialkenntnisse erfordert und eben nicht die Betreuung des Durchschnittsfirmenmitarbeiters darstellt.

Wenn dich ein bestimmtes Berufsfeld interessiert, kann ich dir nur raten mit möglichst vielen Leuten zu sprechen, die in diesem Berufsfeld arbeiten. Falls du dich traust, mache es wie ich über Xing. Mehr als die Hälfte aller angeschriebenen Personen waren bereit dazu und wie gesagt kannte ich niemanden vorher. Du wirst viel über die Tätigkeiten lernen und kannst für dich ausloten, ob dir das Berufsfeld grundsätzlich zusagt oder nicht.

2. Wie habe ich nach meiner Stelle gesucht und welche Jobbezeichnungen angegeben?
Du wirst lachen, aber ich habe mich jeden Morgen sehr geduldig durch Monster, stepstone usw. geklickt. Ich hatte genau ein Suchwort: Hamburg. Ja, natürlich waren 99,9% der Stellen, die ich dann angezeigt bekam, nichts für mich. Ja, ich hätte so etwas wie HR, Personal oder ähnliches eingeben können. Aber wenn es eine Sache gibt, die ich im Laufe meiner häufigen Bewerbungsphasen gelernt habe, dann, dass Geisteswissenschaftler alles und nichts können und dass es deshalb kaum Stellen gibt, die auf mich zugeschnitten sind. Die Suchbezeichnung „Geisteswissenschaftler“ ist für die Katz, das hatte ich sehr schnell raus. So klickte ich mich also geduldig durch die vielen Stellen und blieb dann hängen bei den wenigen, die interessant klangen und für die ich in Frage kam. Oft nahm ich dann die interessante Stelle zum Anlass genau die Jobbezeichnung nochmal bei Jobsuchmaschinen einzugeben und zu schauen, ob es noch weitere Stellen in Hamburg gab.

Natürlich habe ich dann im Laufe der Zeit gemerkt, dass es doch einige Stichworte gab, die hilfreich waren. Aber dazu muss man schon eine Weile dabei sein, ich konnte das erst nach einigen Wochen, nachdem ich jeden Tag mindestens eine oder zwei Stunden gesucht hatte. Und ich bin kein Berufsanfänger mehr. Ich weiß, das klingt dröge und anstrengend. Das ist es auch, aber ich weiß, dass mir sonst einige interessante Stellen durch die Lappen gegangen wären.

Meine zweite Strategie war mithilfe der Zeitschrift Wila Bonn, die wie oben beschrieben wöchentlich Stellen für Geisteswissenschaftler deutschlandweit zusammenstellt, unabhängig von der Postleitzahl zu schauen, was für Stellen für Geisteswissenschaftler gelistet waren. Die Zeitschrift half mir, mir einen Überblick zu verschaffen und besser zu begreifen welche Qualifikationen und Anforderungen gestellt wurden, was für Jobbezeichnungen typisch waren, denn diese ändern sich ja auch immer wieder, als auch besser zu fassen, was es alles für Berufsfelder überhaupt gibt.

Die dritte Strategie war gezielt Leute über Xing anzusprechen als auch an diversen Veranstaltungen teilzunehmen, wie zum Beispiel dem Bewerbungscafe Kiel, das sich als „Netzwerkforum für arbeitssuchende Akademiker/innen, die Erfahrungen und Fragen rund um das Thema Bewerbung und Jobsuche austauschen möchten“ bezeichnet.

Meine jetzige Stelle habe ich übrigens tatsächlich über Umwege mithilfe der ersten Strategie gefunden. Ich bewarb mich zunächst per stepstone auf eine Stelle, wurde abgelehnt, um dann zwei Wochen später vom Unternehmen angerufen zu werden, ob ich nicht an einer anderen Stelle Interesse hätte.

Aber in der Vergangenheit habe ich insbesondere mit dem Ansprechen über Xing gute Erfahrungen gemacht und darüber auch einmal eine Stelle als Relocation Managerin antreten können.

3. Wurde ich bei meiner Suche unterstützt?
Nein, leider nein. Deswegen habe ich auch diesen Blog gestartet, weil ich weiß, dass so viele auf sich alleine gestellt sind und im stillen Kämmerlein verzweifeln. Arbeitssuchend zu sein macht keinen Spaß, vielen geht das an die Nieren, mir auch. Meine Begegnungen mit der Agentur für Arbeit waren sporadisch und eher kontraproduktiv (meine Sachbearbeiterin raufte sich die Haare, weil sie nicht „Amerikanistik“ als Studienfach in der Datenbank auswählen konnte). Da scheinen mir eher Programme wie „Mentor Me“ mehr Sinn zu ergeben, wenn man sich Unterstützung wünscht.

Soweit zunächst meine Antworten. Fragt gerne mehr, wollt ihr was genauer wissen, habt ihr vielleicht ganz andere Erfahrungen gemacht? Ich freue mich wie immer über Kommentare!

Grüße,
Jenny

5 Gründe, warum ich blogge

Manchmal werde ich gefragt, warum ich eigentlich blogge. In Zeiten, in denen gefühlt die Hälfte aller Blogs professionalisiert sind und die andere Hälfte sich entweder mit Fashion/Mode, Food, Büchern oder Diät/abnehmen beschäftigen, stellt sich die Frage, warum ich zum Nischenthema Berufseinstieg für Geisteswissenschaftler blogge. Hier gebe ich fünf Gründe.

1. Ich blogge, weil ich den Austausch mit anderen Geisteswissenschaftlern suche und brauche.

Als ich Ende März 2015 mit diesem Blog anfing, war ich arbeitslos. Zu der Zeit bestand meine Hauptaufgabe darin alleine vor dem Computer Stellen zu suchen, bis mir die Augen weh taten. Wenn man so völlig isoliert mit Absagen auf Bewerbungen zu kämpfen hat, kann man schnell verzweifeln. Ich selbst bin in der Zeit ziemlich verzweifelt, siehe auch mein erster Blogeintrag. Über den Blog erhoffte ich mir Austausch, hoffte ich andere Leidensgenossen zu finden.

Nach bald zwei Jahren des Bloggens bin ich froh, dass ich mich getraut habe. Hin und wieder bekomme ich Anfragen, mailen mir Leute ihre Fragen, habe ich es sogar geschafft mich mit einigen persönlich auf einen Kaffee zu treffen. Was ich damals erahnte, hat sich im Nachhinein immer wieder bewahrheitet. Vielen geht es ähnlich. Es gibt einem viel Kraft und ermutigt, wenn man feststellt, dass man nicht alleine ist.

2. Ich blogge, weil mir bei vielen Ratgebern für Bewerbung & Co. die persönliche Note fehlt.

Bin ich Konkurrenz zur karrierebibel? Mitnichten. Auf meinem Blog erzähle ich oft von persönlichen Erlebnissen, wie z.B. die Kaffeetassegeschichte oder berichte von Einzelschicksalen, wie in diesem Fall, bei dem eine Bachelorstudentin der Geisteswissenschaften eine Stelle in Hamburg fand.

Leser haben mir oft schon zurückgemeldet, dass sie insbesondere meine Ehrlichkeit schätzen. Mein Blogeintrag „Bewerbungsfrust: bleib dran!“ ist nur ein Beispiel, es ist eben nicht so, dass wir eine Stellen finden, wenn wir die „zehn Schritte wie man eine erfolgreiche Bewerbung schreibt“ befolgen. Unser Leben ist nicht so glattgebügelt wie uns das hochglanzpolierte Magazine glauben machen. Nein, wir kämpfen noch oder schon wieder. Ich habe meinen Berufseinstieg mal mit einer S-Bahn verglichen. Der Berufseinstieg bei Geisteswissenschaftlern ähnelt oft den langsamen S-Bahnen, die an noch so jedem popeligen Bahnhof halten, nein, wir rauschen eben nicht durchs Leben wie ein stromlinienförmiger ICE.

3. Ich blogge, weil ich Geisteswissenschaftlern, die überlegen selbstständig zu werden, ein paar Tipps mitgeben will.

Als ich damals notgedrungen als Sprachtrainerin und Jazzpianistin selbstständig wurde, stand ich da wie ein Ochs vor dem Berg. Gab es irgendwen, der mir erklären konnte was ich in welcher Reihenfolge zu tun hatte, um selbstständig zu sein? Nein. Ich rief also das Finanzamt an, um zu erfahren, was zu tun sei, die Rentenversicherung und meine Krankenkasse. Alle Behörden schickten mir daraufhin Fragebögen zu, die ich zum Teil überhaupt nicht verstand und ich also viele Rückfragen hatte, was wiederum zu weiteren Telefonaten führte. Als ich damit noch zugange war, hatte ich den ersten Kunden an der Strippe und musste mir auf die Schnelle ein Honorar ausdenken. Nachdem auch das geschafft war, wusste ich nicht wie es mit dem Schreiben der eigenen Rechnung funktioniert.

Um das nochmal ganz klar zu sagen: Meine Beiträge zum Thema Selbstständigkeit sind die absoluten Basics. Ich hätte mir damals gewünscht, dass mich jemand in die richtige Richtung schubst, dazu sind sie gedacht. Nachdem du dich ein wenig in die Thematik eingearbeitet hast, würde ich dir in jedem Fall raten Existenzgründungsseminare zu besuchen, es gibt viel zu beachten und zu bedenken. Ich habe damals mit Kreacon gute Erfahrungen gemacht. Existenzgründungsberater gibt es wie Sand am Meer, aber wenige spezialisieren sich so explizit auf Geisteswissenschaftler.

4. Ich blogge, weil ich Geisteswissenschaftler gerne miteinander vernetzen möchte

Ein bisschen liegt es im Naturell des typischen Geisteswissenschaftlers, das man eher eigenbrödlerisch unterwegs ist. Wir studieren entsprechend unserer Interessen und Neigungen. Was der Rest der Welt so macht, ist uns erst einmal egal. Wir wurschteln zunächst einmal vor uns hin, im Studium und dann später auch beim Berufseinstieg.

Nach vielen Gesprächen mit geisteswissenschaftlichen Berufseinsteigern habe ich gemerkt, dass viele überrascht sind, wenn sie feststellen, dass andere genau die gleichen Probleme beim Berufseinstieg haben. Irgendwie glauben sie immer die einzigen zu sein. Mir ging es zumindest so. Dann freue ich mich Leute miteinander zu verknüpfen oder Wissen weitergeben zu können. Ich empfehle zum Beispiel gerne die Zeitschrift Wila Bonn weiter. Die Wila Bonn durchkämmt wöchentlich deutschlandweit diverse Zeitungen und Jobportale und stellt dann alle Stellenanzeigen, die für Geisteswissenschaftler in Frage kommen, in ihrer eigenen Zeitschrift zusammen. Außerdem gibt es in jeder Ausgabe noch nette Artikel und Tipps. Vor knapp einem Jahr habe auch ich ein Interview gegeben.

5. Ich blogge, weil ich gerne schreibe und glaube, dass Geisteswissenschaftler gerne lesen.

Wer bis hierhin geschafft hat zu lesen: Herzlichen Glückwunsch. Vielleicht bin ich die einzige, aber mich stört es ungemein, dass Artikel in Onlinezeitungen immer kürzer werden und die Bilder und Werbung immer größer. Wenn ich lese, darf ein Beitrag oder ein Artikel gerne mehr als 1.000 Wörter lang sein. Ich habe genügend Phantasie und brauche nicht alle drei Sätze ein neues Bild zur Stimulation.

Umgedreht schreibe auch ich ziemlich lange Blogeinträge, weil mir schreiben Spaß macht. Geisteswissenschaftler haben in ihrem Studium viel lesen müssen, da ich Germanistik studiert habe, kann auch ich ein Lied davon singen. Viel davon war langweilig und öde, aber mit Wörtern zu spielen, das macht mir bis heute Spaß. Kommunikation ist eine unserer großen Stärken. Auch wenn ich hier sehr selten poetische Beiträge schreibe, gib es sie doch. „Freu dich, du bist ein roter Luftballon!“ und „Ohnmacht und Wehmut“ sind zwei Beispiele dazu.