Im Berufsleben ankommen

Die Wila Bonn, eine Zeitschrift, die wöchentlich akribisch alle möglichen Zeitungen abgrast, um Stellenangebote nur für Geistes- und Sozialwissenschaftler zusammenzustellen und zu veröffentlichen, hat ein E-Book herausgegeben. Es nennt sich schlicht „Im Arbeitsleben angekommen“ und kann zum Beispiel hier als pdf kostenlos heruntergeladen werden. Den Artikel dazu mit weiteren Informationen gibt es hier.

Viele ehemalige Abonnenten der Zeitschrift erzählen im E-Book wie ihr eigener Berufseinstieg verlaufen ist. Das habe ich in diesem Blog zwar auch schon an verschiedener Stelle getan, aber es hat mich trotzdem gereizt die Fragen in dieser Form zu beantworten. Hier also ganz subjektiv wie es bei mir war:

Wie lange haben Sie nach Studienabschluss gebraucht, bis Sie Ihre erste passende Stelle gefunden haben? Wie sehen Sie diese Phase rückblickend?
Meine erste richtige Stelle im Sinne einer Vollzeitarbeitsstelle, hatte ich erst drei Jahre nach meinem Abschluss. Zwar war es mir vergönnt, dass ich direkt im Anschluss ans Studium eine Teilzeitstelle in einer NGO bekam, aber da ich blauäugig annahm, dass ich nur Geld für meine Projekte einzutreiben hatte und dabei vergaß, dass natürlich auch meine eigene Stelle irgendwie finanziert werden musste, durfte ich gerade mal neun Monate arbeiten bevor meine Stelle aus finanzielle Gründen gestrichen wurde und die große Sucherei begann.
Ein Jahr lang bewarb ich mich während der Phase. Rückblickend muss ich sagen, dass meine Ortsgebundenheit in Ostdeutschland wohl einer der Gründe war, warum nichts zu fruchten schien. Dieses eine Jahr der Sucherei, in dem ich mich mit einer zweigleisigen Selbstständigkeit über Wasser hielt, zehrte sehr an mir. Man zweifelt ständig an sich selbst, man kommt irgendwann an den Punkt, an dem man sich einfach nur über irgendeine Form der Arbeit freut, geschweige denn eine halbwegs passende und gut bezahlte. Erst als ich gezwungenermaßen mit meinem Mann nach München ging, wurde ich innerhalb weniger Monate fündig und hatte das Gefühl halbwegs den Berufseinstieg geschafft zu haben.
Wirklich beruflich angekommen bin ich jedoch erst jetzt, nach sieben Jahren.
Wie sind Sie bei der Suche vorgegangen und was hat sich als hilfreich erwiesen?
Neben den üblichen Wegen a la Suchmaschine und Co. war bei mir eine Xing-Bekanntschaft der ausschlaggebende Grund für meine erste Vollzeitstelle. Wie man systematisch über Xing Leute kennenlernen kann, die in der Wunschstadt im Wunschbereich arbeiten, habe ich hier erklärt.
Ich hatte die Dame über Xing angeschrieben, ob sie mir wohl ein wenig erzählen könnte was sie in ihrem Berufsleben mache, sie willigte ein und wir hatten ein sehr intensives Gespräch. Ich hatte zwar erwähnt, dass ich auf Jobsuche bin, aber wir hatten keine Vereinbarung getroffen, dass sie mich empfehlen sollte oder ähnliches. Am Ende leitete sie mir nach einigen Wochen unaufgefordert eine Stellenanzeige weiter, die ich selbst nach intensiver Googlesuche nicht fand und ohne ihre Hilfe mich also nie hätte bewerben können. Das hat mir zum ersten Mal gezeigt, was es mit diesem ominösen Netzwerken auf sich hat, denn am Ende bekam ich die Stelle.
Wie hat sich seit Ihrem Berufsstart Ihr Bild vom Arbeitsleben verändert?
Ich hatte zu Studienzeiten ein sehr negatives Bild von der Arbeitswelt. Aus unerfindlichen Gründen dachte ich sofort an behäbige Bankiers, die gierig und ohne Skrupel sich das Geld in die teuren Anzugstasche steckten, bevor sie in ihre Yacht stiegen. Die Arbeitswelt war etwas, was dunkel in der Ferne schwante, was mir irgendwann bevorstand.
Auch wenn ich schon während des Studiums arbeitete, um mich irgendwie finanzieren zu können, hatte ich keine Lust komplett in die Arbeitswelt einzutauchen. Denn ich ahnte Böses.
Heute muss ich beschämt zugeben, dass mein Bild so vollkommen jenseits der Realität angesiedelt war, dass es einfach nur noch lachhaft ist. Die Arbeitswelt tickt anders, ja, vieles lernt man nicht im Studium, aber das gruselige Bild habe ich ersetzen, wenn nicht gar komplett über den Haufen werfen müssen. Wenn man bedenkt wie viel Lebenszeit, auch im Verhältnis zum Studium oder der Ausbildung an sich, bei der Arbeit verbracht wird, lohnt es sich sich damit schon früh intensiv auseinanderzusetzen. Man muss seine Arbeit gerne machen, sonst werden die Tage lang und man wird unweigerlich schlechte Arbeit leisten.
Hat Ihr jetziger Job noch etwas mit Ihrem Studium oder ihrer Ausbildung zu tun?
Nicht wirklich, wenn man bedenkt, dass ich Deutsch als Fremdsprache und Amerikanistik studiert habe. Außer, dass Kollegen zu mir kommen, um einen Text auf Englisch zu formulieren oder aber ich E-Mails auf Rechtschreibfehler prüfe (das Wort E-Mail zum Beispiel ist nur so auf Deutsch richtig), habe ich kaum etwas von meinem Studium umsetzen können. Aber heute, sieben Jahre nach Studienabschluss, stört mich das auch nicht mehr so. Manchmal gibt es Phasen, wo ich nostalgisch an bestimmte Seminare denke, aber grundsätzlich bin ich mittlerweile damit im Reinen.
Im Studium habe ich immerhin gelernt mich schnell in unbekannte Themen einzuarbeiten, ich merke immer noch , dass ich gut ausgebildete Kommunikationskompetenzen habe, eine Präsentation vor versammelter Mannschaft zu halten verursacht kaum Nervosität. Wenn man sich damit abfindet, dass man inhaltlich kaum etwas mitnimmt, dafür aber Kompetenzen und andere Skills, fällt der Einstieg auf jeden Fall leichter. Bitterkeit ist ein denkbar schlechter Begleiter.
Welchen Rat geben Sie jungen Absolventen für den Einstieg in den Arbeitsmarkt?
Zunächst: einfach mal ausprobieren. Vielleicht klappt es nicht gleich mit der Traumstelle, vielleicht ist der Vertrag befristet, vielleicht klingt die Stelle doch nicht so vielversprechend. Aber jede Berufserfahrung ist wertvoll. Selbst als Taxifahrer kann man viel lernen und für sich für die nächste Station mitnehmen.
Zweitens: Jeder Weg ist anders. Bei dem einen funktioniert es so, beim anderen klappt es anders, die nächste hatte einfach ganz viel Glück. Lass dich nicht verunsichern. Ich habe nie meinen Flickenteppich beschönigt, und ja, es war nervig selbst nach vier Jahren Abschluss noch nicht sagen zu können was ich eigentlich will. Aber es lohnt sich. Ich wünsche dir einen langen Atem!
Und hier noch einmal die Empfehlung des E-Books, in dem 22 weitere Geisteswissenschaftler berichten wie ihr Berufseinstieg verlaufen ist.

Vortragsreihe Agentur für Arbeit Hannover

Die Agentur für Arbeit in Hannover hat in Zusammenarbeit mit dem Career Service der Leibnitz Universität Hannover die Vortragsreihe „Job-Chancen für Sozial- und Geisteswissenschaftler“ initiiert, bei der Geisteswissenschaftler von ihrem eigenen Berufseinstieg berichten und folgende Fragen beantworten:

  • Worum geht es in diesem Arbeitsbereich?
  • Wie sieht das Anforderungsprofil aus?
  • Wie komme ich an einen Praktikumsplatz oder Job?

Die kostenlose Vortragsreihe startet im Mai und läuft zweiwöchentlich bis Ende Juni. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen hier: https://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/mjkz/~edisp/l6019022dstbai806557.pdf?_ba.sid=L6019022DSTBAI806563

Ich werde beim Themenblock „Aus- und Fortbildung/Personal“ referieren und dabei insbesondere auf das Thema Firmenmitarbeiterentsendungen eingehen.

Was: Vortrag zum Thema „Aus- und Fortbildung/Personal“ im Unternehmen, mein Vortragsschwerpunkt „Firmenmitarbeiterentsendungen“

Wann: 11.05.2016, 16 – 18 Uhr

Wo: Agentur für Arbeit Hannover, BIZ

Kosten und Anmeldung: keine

Angekommen

Ich bin von Haus aus Pädagogin. Sowohl, was meinen familiären Hintergrund betrifft, von Schwester, Cousine, Eltern und anderen Verwandten, die sich Lehrer schimpfen, als auch vom Studium her. Ich habe neben Amerikanistik Deutsch als Fremdsprache studiert, ein Fach, bei dem man lernt wie man am besten Erwachsenen Deutsch beibringt.

Ich finde es spannend zu beobachten, wie ein Sprachanfänger sich innerhalb kurzer Zeit verständlich machen kann. Ich kann mich noch lebhaft an meinen ersten Schüler in Dresden erinnern, einen Bankdirektor, der in der DDR Russisch gelernt hatte und sich nun gezwungen sah aus beruflichen Gründen auf Englisch zu kommunizieren. Immer schüttelte er mir sehr akkurat gekleidet die Hand und half mir förmlich aus der Jacke, sobald ich sein Büro betrat. Er lernte schnell, auch im hohen Alter und freute sich wie ein kleiner Junge, als er zum ersten Mal selbst einen Anruf aus Mailand annehmen konnte und nicht einen jüngeren Mitarbeiter, der des Englisch mächtig war, als Übersetzer missbrauchen musste.

Ich habe fünf Jahre lang sehr gerne unterrichtet. Stundenlang saß ich zu Hause, entwickelte Materialien, durchforstete Youtube auf interessante Videos, schickte meine Deutschschüler per Smartphone auf Fehlersuche in die Innenstadt, wobei die Aufgabe darin bestand von der Speisekarte bis hin zu Werbeplakaten Rechtschreibfehler aufzuspüren und abzufotografieren.

Und doch bin ich jetzt keine Pädagogin, sondern arbeite in der Personalabteilung in einem mittelständischen Unternehmen. Der Weg von der Pädagogik zum Personal war lang und steinig. Der Hauptgrund, warum ich mich schweren Herzens vom Pädagogedasein verabschiedete, war rein finanzieller Natur. Solange man nicht Lehrer an einer Schule ist, sieht es finanziell mau aus. Da ich mir nicht vorstellen konnte vor pubertierenden Neuntklässlern die Autoritätsperson zu mimen, sondern schon immer lieber mit Erwachsenen zusammengearbeitet habe, blieb mir nichts anderes übrig als in der freien Wirtschaft als Sprachlehrerin Fuß zu fassen. Doch die hat ihre Tücken. Mittlerweile werden Sprachkurse zu 98% an Freiberufler vergeben. Zu einem Hungerstundenlohn, der oft dazu führt, dass in schlechten Phasen ohne Aufträge Sprachlehrer in Hartz IV abrutschen. Denn leider haben die wenigsten Unternehmen Lust direkt mit den Freiberuflern zu tun zu haben, sondern arbeiten lieber mit Sprachschulen zusammen. Das wiederum bedeutet, dass die Sprachschulen für die Organisation und Auftragsvermittlung einen Teil des Honorars einkassieren und somit weniger für den Freiberufler übrig bleibt. Ein zweites Problem ist, dass viele Sprachlehrer sich scheuen Kundenkaltakquise zu betreiben, womit man sich von Sprachschulen abhängig macht und wesentlich lukrativere Zusammenarbeiten ohne Zwischenmann und -vermittlung verbaut.

Ein trauriges Drama, dem ich auch deshalb den Rücken zugekehrt habe, weil es mich auf Dauer zu sehr frustriert hat ständig an der Armutsgrenze zu leben und dauerhaft schlechter bezahlt zu werden als ein einfacher Handwerker, obwohl ich einen Universitätsabschluss habe.

Jetzt, nach einer langen Odyssee, bei der ich viele verschiedene Sachen ausprobierte und einige Jahre lang nicht so richtig wusste wohin die Reise gehen soll, bin ich froh darum endlich meinen Platz gefunden zu haben. Wenn das, was man eigentlich gerne macht, nicht ausreicht zu überleben, kann es schwierig sein seinen neuen Platz zu finden. Ich kann ein Lied davon singen. Zunächst stürzt man sich voller Elan in die neuen Aufgaben und ist begeistert und dankbar, dass man auch dann weiterhin sein Gehalt bekommt, wenn man in den Urlaub fährt. Ich zumindest kann mich noch ganz genau daran erinnern, dass es für mich unfassbar war, dass ich genau eine Woche gearbeitet hatte und drei im Urlaub war und ich dennoch genau das gleiche Monatsgehalt bekam wie in urlaubsfreien Monaten. Wenn man fünf Jahre lang täglich gebangt hat krank zu werden, weil Kranksein gleich Verdienstausfall bedeutete und gleichzeitig unbarmherzig die Versicherungsbeiträge gezahlt werden mussten, dann weiß man diesen Aspekt als Arbeitnehmer sehr zu schätzen.

Zunächst war ich einfach nur dankbar überhaupt eine Festanstellung zu haben. Schwer genug war es gewesen diese zu finden. Doch auf Dauer macht auch eine Festanstellung nicht glücklich, wenn man darin nicht aufgeht oder wenn Zweifel an einem nagen. Ich will nicht sagen, dass das unbedingt bei jeder Stelle bei mir so war, aber irgendwie hatte ich die ganze Zeit unbewusst das Gefühl noch nicht angekommen zu sein. Auch wenn bei mir die meisten meiner Berufswechsel extern bedingt waren, hatte ich öfter das Gefühl, dass mir etwas fehlte. Ich konnte es noch nicht einmal in Worte fassen. Irgendwie diffus gab es da was. Manchmal konnte ich Störfaktoren sehr genau benennen, wie zum Beispiel das Verhältnis von Zeiteinsatz versus Bezahlung oder das Überhandnehmen einer bestimmten Aufgabe, die ich extrem ungern machte und somit das Arbeitsleben verdunkelten. Aber manchmal hatte ich einfach nur ein komisches Bauchgefühl.

Es hat bei mir vier Jahre gedauert, bis ich sagen konnte: ich weiß jetzt, wo mein Platz ist. Klar, wenn ich als Pädagogin in der Erwachsenenbildung angemessen bezahlt werden würde, würde ich vielleicht zurückwechseln. Aber jetzt weiß ich endlich, dass mir Personalarbeit genauso viel, wenn nicht gar mehr, Spaß macht. Vielleicht musste ich jede Station durchlaufen, um hier anzukommen. Vielleicht hat es auch deshalb so lange gedauert den Platz zu finden, weil es mir schwergefallen ist mich von meinem alten Traum zu trennen. Vielleicht. Ich weiß es nicht. Aber auch wenn es so lange gedauert hat, es ist ein schönes Gefühl. Zu wissen, hier will ich eine Weile bleiben. Hier kann ich lernen, hier kann ich mich austoben, hier bin ich zu Hause.

Es ist ein bisschen so wie wenn man ganz langsam entdeckt, dass man eine zweite Muttersprache hat.

Das Wunder von Hamburg

Martin Schemm pixelio.de

Neulich habe ich mit einer Absolventin ein längeres Gespräch gehabt. Nennen wir sie mal einfach Jule. Jule hat Kommunikations- und Kulturwissenschaft studiert, Bachelor. Eigentlich würde man erwarten, dass Jule extreme Probleme bei der Jobsuche hatte. Zumal sie „nur“ einen Bachelor hat und dann auch noch in so einem Allerweltsfach wie Kommunikation und Kultur. Hat sie aber nicht. Ihr Berufseinstieg hört sich wie eine wahre Märchengeschichte an.

Jule beschloss nämlich nach dem Bachelorstudium, dass sie nach Hamburg ziehen wollte. Weil ihr die Stadt so gefällt. Statt eine Weltreise zu machen oder mit einem Master anzufangen, ist Jule also mit Sack und Pack nach Hamburg gekommen und hat sich beworben. Intensiv. Ihre Eltern haben zwar zunächst die Miete bezahlt (die übrigens horrend in Hamburg sind), aber auch das mit dem Ultimatum, dass Töchterchen binnen weniger Monate einen Job finden musste, weil sonst die elterliche Geldquelle versiegen würde. Jule hatte also Druck. Aber Jule wurde glücklicherweise eingeladen zum Vorstellungsgespräch. Oft, sogar sehr oft. Ich weiß nicht wie oft insgesamt, aber zumindest einmal hat Jule es irgendwie geschafft, dass sie gleich in einer Woche sieben Vorstellungsgespräche hatte. Stelle man sich mal vor. Davon kann ich bis zum heutigen Tag nur träumen.

Ich habe also im Gespräch nachgehakt, habe gefragt, was Jule neben ihrem Studium noch so gemacht hat. Denn dass man einfach so einen Geisteswissenschaftler mit Bachelorabschluss so oft und so gerne einlädt, das kann einfach nicht sein, da muss mehr dahinter stecken. Jule hat nämlich eine Sache ziemlich schnell begriffen: dass Berufserfahrung das A & O ist. Sie hat also gleich von Anfang des Studiums an gejobbt. Hat Praktika gemacht. Sie hat für sich festgestellt was sie will und was nicht. Sie war auch schlau genug längere Praktika zu machen, von einem halben Jahr. Und sie hat sich auf eine sehr große Spannbreite an Berufen beworben, von der Assistentin der Geschäftsführung bis hin zum Trainee in der Personalabteilung.

Jule hat das große Glück gehabt, dass sie in vielen Bewerbungsgesprächen üben konnte. Sie hat keine Einladung ausgeschlagen, hat also innerhalb kurzer Zeit viele Gespräche geführt und wurde dadurch immer sicherer in ihrem Auftreten und in ihren Antworten. Sie hat am Ende die Unternehmen so damit beeindruckt, dass sie reihenweise Zusagen bekam. Sie konnte wählen.

Und obwohl sie bereits einige Zusagen hatte, wollte Jule unbedingt eine bestimmte Stelle. In einem Unternehmen hatte sie bisher nur das Erstgespräch geführt als Trainee in der Personalabteilung. Und auch wenn sie bereits eine Zusage von einem anderen Unternehmen für exakt die gleiche Position hatte, wollte sie lieber hier antreten. Und hat am Ende ihrem Lieblingsunternehmen sogar Druck gemacht. Hat mit offenen Karten gespielt und gesagt, dass sie eine Zusage habe, dass sie sogar schon den Vertrag zugeschickt bekommen habe, aber dass sie lieber hier anfangen würde. Und konnte damit punkten. Bekam am Ende, was sie wollte, nämlich die Traineestelle in ihrem Lieblingsunternehmen. Natürlich in Hamburg.

Wie kann das sein? Wie kann es sein, dass bei Jule alles so reibungslos funktioniert hat? Wie kann es sein, dass sie sich nur in einer Stadt beworben hat, dass sie einfach mal volles Risiko gefahren ist und gleich von vielen Unternehmen umschwärmt wurde? Ist es wirklich nur Glück gewesen? Ich weiß es nicht. Jules Geschichte ist so ziemlich konträr zu den Erfahrungen von vielen anderen geisteswissenschaftlichen Bachelorabsolventen mit viel Berufserfahrung. Sie macht mich ein bisschen neidisch, aber gleichzeitig macht sie mich hoffnungsvoll. Dass es manchmal doch klappt. Dass es manchmal doch funktioniert. Dass man auch mal volles Risiko fahren und auch noch dem Lieblingsunternehmen Druck machen kann. Hoffentlich gibt es noch ein paar mehr Jules auf der Welt!