Die Künstlersozialkasse – Retter in der Not?

Nun kommt endlich der Eintrag zur Künstlersozialkasse.

Befasst man sich mit den Beitragszahlungen der Pflichtversicherungen als Selbstständiger, wie ich es in letzter Zeit getan habe, z.B. hier und hier, versteht man vielleicht, warum viele Künstler in den Untergrund abtauchen und überhaupt nicht mehr versichert sind, auch wenn dies natürlich illegal ist. Das hat dann irgendwann der deutsche Staat auch mitbekommen und die Künstlersozialkasse ins Lebens gerufen.

Die Künstlersozialkasse schreibt auf ihrer Website

Das am 01.01.1983 in Kraft getretene Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) bietet selbständigen Künstlern und Publizisten sozialen Schutz in der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung.

Wie Arbeitnehmer zahlen sie nur etwa die Hälfte der Versicherungsbeiträge; der andere Beitragsanteil wird über die Künstlersozialversicherung finanziert. Die hierfür erforderlichen Mittel werden aus einem Zuschuss des Bundes und aus einer Abgabe der Unternehmen finanziert, die künstlerische und publizistische Leistungen verwerten („Verwerter“).

Wer mag, kann hier selbst nachlesen. Im Endeffekt bedeutet dies, dass man als Künstler oder Publizist deutlich günstiger versichert ist, als wenn man auf andere Art sein Geld verdient, da man immer nur die Hälfte der Beträge zu zahlen hat. Die Künstlersozialkasse gibt hier sehr gute Rechenbeispiele wie viel Geld man monatlich für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung abdrücken muss. Mit den genannten Prozentzahlen kann man auch sehr leicht selbst errechnen wie viel man selbst wahrscheinlich zahlen müsste.

Voraussetzung für die Aufnahme in die Künstlersozialkasse ist allerdings, dass man hauptberuflich künstlerisch oder publizistisch tätig ist und dass man natürlich auch zu den künstlerischen oder publizistischen Berufsgruppen gehört. Als Beispiel für einen Grenzfall gibt die Künstlersozialkasse einen DJ an. Nicht jeder DJ ist laut Sozialkasse künstlerisch tätig, sondern es muss von Fall zu Fall entschieden werden. Die Künstlersozialkasse gibt zwar hier eine Liste an, wer dazugehört oder wer nicht, aber man sollte vorsichtig sein, wenn der eigene Beruf nicht explizit gelistet ist.

Man sollte auch gut aufpassen, wenn man im Anmeldebogen die ungefähre wöchentliche Stundenanzahl nennt, die man die künstlerische Tätigkeit ausübt. Liegt die bei unter 20 Stunden pro Woche, kann es durchaus sein, dass einem nicht zugestanden wird, dass es die Haupttätigkeit ist und somit die Künstlersozialkasse nicht zuständig ist. Da viele Freiberufler versuchen in die Künstlersozialkasse zu wechseln aufgrund der attraktiven „halben“ Preise, wie ich es mal nennen möchte, ist die Künstlersozialkasse sehr misstrauisch und überprüft durchaus auch Auftraggeber, die man in seinem Antrag genannt oder deren Rechnungen und Verträge man als Beweis mitgeliefert hat.

Im Gegensatz zur deutschen Rentenversicherung und gesetzlichen Krankenkasse ist die Künstlersozialkasse jedoch etwas flexibler. So kann man zum Beispiel, wenn abzusehen ist, dass man doch weitaus geringere Einnahmen hat als angenommen, einen Antrag zur Minderung des Beitrags stellen. Natürlich ist schlussendlich ausschlaggebend welche Einnahmen man am Ende des Jahres tatsächlich hatte, um die endgültigen Beiträge zu berechnen, aber immerhin gibt es diese Möglichkeit mitten im Finanzjahr seinen Hilferuf zu senden. Da die Künstlersozialkasse nur ausführendes Organ ist und man weiterhin bei der gesetzlichen Krankenkasse seiner Wahl Mitglied ist, besteht genauso auch Mutterschutz und die Möglichkeit der Familienmitversicherung und des Elterngeldes.

Grundvoraussetzung ist allerdings, dass man mindestens 3.900 EUR Einnahmen im Jahr aus publizistischer oder künstlerischer Tätigkeit erwirtschaftet, da ansonsten die Einnahmen als geringfügig gewertet werden. Dabei wird Berufsanfängern eine Frist von drei Jahren gewährt, wenn sie zum ersten Mal eine publizistische oder künsterlische Tätigkeit aufnehmen. Verdienen sie in der Zeit weniger, können sie trotzdem in der Künstlersozialkasse verbleiben.

Ich wär so gern mal Privatpatient…

Im Gegensatz zur Rentenversicherung gibt es bei der Krankenversicherung keine Festlegung von Berufen, die bei der gesetzlichen Krankenkasse versichert sein müssen (außer bei Künstlern, aber dazu habe ich hier einen separaten Blogbeitrag verfasst).

Das heißt, dass man als Selbstständiger die freie Wahl hat, entweder

  • weiterhin in der gesetzlichen Krankenkasse freiwillig versichert zu sein oder
  • sich privat versichern zu lassen

Bleibt man in der gesetzlichen Krankenkasse als freiwillig Versicherter, so gilt es folgendes zu beachten (alle Angaben ohne Gewähr für 2017):

  • Grundsätzlich wird bei der Krankenkasse nach Einkommen gezahlt, im Jahr 2017 sind dies 14,6% plus dem Zusatzbetrag der jeweiligen Krankenkasse, siehe z.B. hier. Die meisten Krankenkassen haben einen Prozentsatz von ca. 15,5-16%.
  • Für Selbstständige mit einem Einkommen von weniger oder gleich 1.487,50 EUR monatlich, zahlt man den Mindestbetrag von 223,13 EUR plus den jeweiligen Zusatzbetrag der Krankenkasse. Verdient man jedoch mehr, so greift wieder der oben genannte Prozentsatz. Erst wenn man monatlich mehr als 4.350 EUR verdient, wird der Beitrag nicht mehr prozentual angehoben, sondern liegt beim Höchstbetrag von 14,6% plus Zusatzbetrag.
  • Die genannten Beiträge gelten jedoch nur bei einer freiwilligen Versicherung ohne Krankengeld. Möchte man ab dem 43. Tag, an dem man krank ist, Krankengeld erhalten, so erhöhen sich die Beiträge nochmals.
  • Nicht vergessen sollte man, dass außerdem noch die Pflegeversicherung gezahlt werden muss (2,55%).
  • Der Höchstbetrag beträgt mit allen weiteren Zusätzen also mehr als 700 EUR.

Mit mindestens ca. 300-350 EUR monatlicher Beitragszahlung muss man also rechnen, wenn man in der gesetzlichen Krankenkasse bleibt und Geringverdiener ist. Für viele selbstständige Geisteswissenschaftler ist dies aber immer noch schwer zu stemmen. Deshalb überlegen viele zu wechseln. Wenn man sich jedoch privat versichern lässt, sollte man folgendes beachten.

Private Krankenversicherung

  • Pauschal lässt sich sagen, dass es immer einen Gesundheitscheck gibt, bevor man sich privat versichern kann. Zwar ist es nun gesetzlich verboten jemanden abzulehnen, der sich privat versichern will, aber auch hier muss man aufpassen. Seit 2009 sind alle privaten Krankenversicherungen gezwungen einen sogenannten Basistarif anzubieten, der vergleichbar mit dem Versicherungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung sein muss. Doch leider dient hier als Beitragsgrundlage der Höchstsatz wie bei der gesetzlichen, er liegt also bei ca. 700 EUR, womit der Basistarif meist nicht in Frage kommt.
  • Wenn man also gesundheitliche Probleme hat, bietet es sich weiterhin an, in der gesetzlichen Krankenversicherung zu bleiben. Als Faustregel für die private gilt, dass man umso günstiger einsteigen kann, je jünger und je gesünder man ist.
  • Meist trifft jedoch leider der Fall zu, dass die Beiträge immens steigen je älter man wird und dann die Beiträge in der gesetzlichen attraktiver werden. Um aber genau dem einen Riegel vorzuschieben, ist es nicht so leicht möglich im Alter wieder zurückzuwechseln.
  • Zur privaten Versicherung selbst will ich gar nicht so viel sagen, da es hier sehr stark vom Tarif abhängt, dem Alter und seiner gesundheitlichen Situation. Was man aber auf jeden Fall beachten sollte, wenn man in die private wechselt, ist die Frage danach.
  • Was passiert, wenn man seine selbstständige Tätigkeit aufgibt oder man finanziell kaum noch über die Runden kommt?
  • Zwar gibt es auch bei der privaten die Möglichkeit den Beitrag um 50% zu mindern, aber da sind wir dann immer noch bei 345 EUR. Wenn auch noch dieser Beitrag nicht zu stemmen ist, beteiligt sich die Sozialhilfe, mit anderen Worten ist man in dem Fall dann Hartz-IV-Empfänger und erhält Beitragshilfe.
  • Auch sollte man wissen, dass bei der privaten Partner und Kinder fast immer separat versichert sein müssen, eine Familienmitversicherung besteht meist nicht oder nur in sehr geringem Umfang.
  • Man sollte sich außerdem im Klaren sein, dass ein Wechsel von der Privatversicherung zur gesetzlichen nur bis zum 55. Lebensjahr möglich ist. Ein Wechsel danach ist fast immer nicht mehr machbar.
  • Nur wenn man eine Festanstellung gefunden hat oder seine selbstständige Tätigkeit komplett aufgibt, ist ein Wechsel zurück in die gesetzliche möglich.

Die Entscheidung, ob man sich gesetzlich oder privat krankenversichert, sollte also gut überlegt sein. Hier erkläre ich den Sonderfall Künstlersozialkasse. Glücklicherweise hat der deutsche Staat zumindest für Künstler eine Kasse geschaffen, wo die Beiträge für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung nur zur Hälfte gezahlt werden müssen und so eine im Vergleich sehr günstige Absicherung bieten.