Blogtürchen Nr. 2, doppelte Ladung

Das Thema Netzwerk ist in aller Munde. Jeder spricht davon auf Veranstaltungen zu netzwerken, es ist en vogue. Mich nervt oft an solchen Modewörtern, dass sie zu Worthülsen verkommen, keiner mir so richtig sagen kann, ob Smalltalk auf einer Messe schon netzwerken ist und vorallem, was das ganze eigentlich soll und warum man sich als eher schüchterner Mensch überhaupt zu durchringen sollte.

Deshalb beschreibe ich in diesem Beitrag „Von der Kunst beim Kaffeetrinken zu netzwerken“ was ich da eigentlich genau gemacht habe und wie mir tatsächlich diese Kaffeegespräche bei der Jobsuche geholfen haben.

Beim Beitrag „Netzwerken klappt nur, wenn man nicht an sich denkt“  geht es darum, dass netzwerken nur funktioniert, wenn man das Wohl der anderen im Blick hat. Denn sonst wird das Netzwerk ganz schnell in sich zusammenbrechen.

Wie kann ich ein Unternehmen dazu kriegen einen Geisteswissenschaftler einzustellen?

Ich habe heute einen Vortrag gehalten vor studierenden Geistes- und Sozialwissenschaftlern. In meinem Vortrag ging es unter anderem um meinen eigenen Berufseinstieg. Eine der Fragen, die nach dem Vortrag gestellt wurde, lautete, inwieweit es möglich ist Unternehmen dazu zu bekommen einen Geistes- oder Sozialwissenschaftler einzustellen.

Die kurze Antwort lautet, man kann es nicht. Ich glaube, dass ist auch gut so. Denn ganz ehrlich, ist es nicht besser, dass das Unternehmen mich gar nicht erst zum Gespräch einlädt, wenn es mich von vornherein misstrauisch beäugt, mir nichts zutraut? Da sollte man nichts erzwingen. Da kann man die Absage als Glück sehen, man hat sich die ganze Mühe gespart herauszufinden, dass man nicht zueinander passt. Gut so. Da freut man sich dann umso mehr über Einladungen zum Gespräch. Denn diese Unternehmen haben schon gesehen, dass ich Geisteswissenschaftler bin. Und wollen mich trotzdem oder vielleicht sogar deshalb.

Ich glaube aber auch, dass Geisteswissenschaftler sich sehr schwer damit tun sich selbst zu verkaufen. Sich als Produkt wahrzunehmen, als Verkäufer, das geht vielen gegen den Strich. Kontraproduktiv ist es ganz bestimmt, wenn man an die Firma herantritt und fragt, was sie denn für Möglichkeiten für einen Japanologen haben. Wahrscheinlich keine. Was soll ein Unternehmen denn mit einem Japanologen? Selbst wenn die Firma in Japan tätig sein sollte, reichen die Sprachkenntnisse nicht. Auch nicht nur die allerseits geschätzten Soft Skills a la Empathie, Kommunikationsvermögen, Analysefähigkeiten oder die Fähigkeit sich schnell in neue Themen einarbeiten zu können, werden ausreichen. Die Mischung macht es. Ja, wir als Geisteswissenschaftler haben einen großen Schatz an Soft Skills, in vielen Unternehmen werden diese auch geschätzt. Jedoch ist das noch nicht alles. Soft Skills haben schließlich alle Geisteswissenschaftler. Aber irgendwas anderes muss man noch können. Man muss sich ein Verkaufsargument erarbeiten.

Ich wurde für meinen jetzigen Job nicht nur wegen meiner Soft Skills eingestellt, auch wenn diese wichtig waren (in meinem Fall standen ganz vorne ausgezeichnete Englischkenntnisse und Kommunikationsstärke), sondern auch, weil ich schon Berufserfahrung in einem ganz bestimmten Bereich hatte. Ich war Spezialistin, natürlich in einem eher kleinen Gebiet, aber ich hatte Ahnung. Wie man eine Arbeitserlaubnis einholt und was für Visumsarten es in Deutschland gibt und für einen Arbeitgeber überhaupt relevant sind.

Ich war sehr offen im Vorstellungsgespräch, habe sehr klar formuliert, dass ich von bestimmten Themen keine Ahnung habe. Aber auch wenn ich das zugegeben habe, so konnte ich damit punkten in anderen Teilbereichen sogar besser informiert gewesen zu sein und Fachwissen zu haben als viele andere Bewerber. Das war mein Verkaufsargument. Ich konnte schon etwas, ich konnte dem Unternehmen etwas bieten, was für sie von Relevanz war.

Unser Japanologe hat vielleicht schon im Vertrieb gearbeitet, meinetwegen auch im Call Center. Hat Erfahrung im Kundenumgang. Und kann dann an das Unternehmen herantreten und sagen: Ich spreche japanisch und könnte mir vorstellen Ihre Kunden in Japan zu betreuen, vielleicht brauchen Sie auch Unterstützung im Bereich Business Development. Wäre das eine Option?“

Netzwerken klappt nur, wenn man nicht an sich denkt

Ich höre öfter mal Aussagen wie „Jetzt habe ich mich bei Xing und LinkedIn angemeldet, habe wie blöd Kontakte ausfindig gemacht und das war jetzt alles umsonst, da ist nichts bei rumgekommen, ich lösche meine Accounts wieder“.

Wer so denkt, sollte auch unbedingt die Account löschen, denn Netzwerke funktionieren wenig bis gar nicht, wenn sich alles nur um einen selbst dreht.

Die meisten Leute meinen, wenn sie nur reichliche Anfragen stellen und eine ansehnliche Kontaktliste vorweisen können, würden wie von selbst die Jobangebote und Nachfragen hereinflattern während sie Däumchen drehen. Aber warum sollte das passieren? Wenn ich meinen Lebenslauf ganz vielen Leuten in die Hand drücke, heißt das automatisch, dass ich Jobangebote erhalte? Wohl nicht unbedingt, die meisten werfen ihn weg im übertragenen Sinne.

Das Zauberwort lautet Altruismus, was der Duden mit „selbstlose Denk- und Handlungsweise; Uneigennützigkeit“ definiert. Nur, wenn ich anfange zu überlegen welche zwei meiner Kontakte wohl voneinander profitieren, wenn ich bereit bin Fragen in Gruppenforen zu beantworten, die ich beantworten kann, aus meinem Wissensschatz bereit bin weiterzugeben und eben nicht mich selbst als den Fokus meines Netzwerkes sehe, sondern meine Kontakte, macht man positiv auf sich aufmerksam.

Viele Leute fragen mich, was denn z.B. eine Anfrage zu meinem Wissensschatz mit dem zukünftigen Job zu tun hat. Es stimmt, oft nichts. Oft sind die Leute, denen man hilft und die man miteinander verbindet nicht unbedingt auch die Leute, die mir im Gegenzug helfen werden oder tolle Stellenangebote parat haben. Aber seltsamerweise kommt meist genau dann ein Jobangebot, vielleicht auch über tausend Ecken, wenn man gerade mit jemand völlig anderen beschäftigt ist und uneigennützig ein paar Tipps z.B. in den Gruppenforen mitgegeben hat. Manchmal ist es auch so, dass die Leute sich für die Hilfe bedanken und fragen, was sie im Gegenzug für einen tun können. Und dann kann man ganz offen sagen, dass man im Augenblick auf Jobsuche ist und sich freuen würde, wenn sie einfach mit die Augen und Ohren offen halten. Jemand, der mich in guter Erinnerung hat, wird um ein Vielfaches aufmerksamer seine Umgebung auf mögliche Stellen abgrasen, als wenn ich als leidiger Bittsteller an die Person herangetreten bin.

Manchmal wird man auch von stillen Lesern, die aufmerksam die verfassten Gruppenbeiträge verfolgen, kontaktiert. Solche Leute schauen gerne eine Weile zu, sie schauen wie man sich in der Gruppe verhält, wie man mit Kritik umgeht, wie oft man Beiträge schreibt und ähnliches, bevor sie an einen herantreten. Sie wollen vorab wissen mit was für einer Person sie es zu tun haben, wollen sich sicher sein, dass man auch bereit ist zu investieren, selbst wenn es zunächst keine „Belohnung“ gibt. Manchmal sind genau solche Leute dann bereit zu erzählen wo man sich umhören sollte oder wo gerade eine Stelle frei geworden ist. Weil man in diesem Fall mit seinem Fachwissen überzeugt hat und die Person sich sicher ist, dass man von seiner Art her zum Unternehmen X passen würde.

Deshalb sollte man als „echter“ Netzwerker immer wieder überlegen: Habe ich etwas zu bieten, kann jemand von meinem Wissen profitieren? In welchen Gruppen kann ich Wissen weitergeben? Welche meiner Kontakte sollten einander vorgestellt werden? Um welche Kontakte sollte ich mich mehr kümmern (das kann auch so etwas Banales sein wie ihnen zum Geburtstag zu gratulieren)?

Denn: netzwerken klappt nur, wenn man nicht an sich denkt, sondern an seine Kontakte.

Kontakt aufbauen über Xing

In letzter Zeit habe ich wieder vermehrt seltsame Anfragen über Xing erhalten. Mich ärgern insbesondere Kontaktanfragen, bei denen die anfragende Person sich nicht mal die Mühe gemacht hat mein Profil vorher anzuschauen oder mir eine Kontaktanfrage ohne persönliche Nachricht schickt. Warum mir in dem Fall überhaupt eine Kontaktanfrage geschickt wird, ist mir schleierhaft. Solche Anfragen lehne ich grundsätzlich ab.

Dabei braucht es gar nicht so viel, um sein Netzwerk zu erweitern. Die meisten Menschen, die man in Persona getroffen hat, nehmen Kontaktanfragen ohne Probleme an. Wenn man also weiß, dass man die Person in naher Zukunft trifft, muss man sich nur ein wenig gedulden und kann im Anschluss die Anfrage stellen. Dies gilt auch, wenn auch nicht immer, nach Messen, bei Netzwerktreffen, Workshops und ähnlichem. Allerdings ist Vorsicht geboten bei Leuten, die grundsätzlich mit einem extrem großen Kreis an Personen zu tun haben (z.B. firmeninternen Recruitern), da diese teilweise von den vielen Kontaktanfragen genervt sind und nicht jede Anfrage annehmen, nur weil man auf der Messe drei Worte miteinander gewechselt hat.

Ich bin auch ein großer Verfechter des ehrlichen Interesses. Keinen interessiert es, was für ein tolles Produkt man anbieten kann, niemand möchte Anfragen von Bittstellern erhalten. Unbekannte Personen, die man nicht oder nur schwer im echten Leben treffen wird, werden nur dann eine Anfrage annehmen, wenn man echtes Interesse signalisiert. Dazu gehört eben auch, dass man das Profil genau anschaut. Dazu gehört, dass man mit wachen Augen den Lebenslauf analysiert. Mich ärgern insbesondere Anfragen, bei denen es zwar offensichtlich ist, dass die Person mein Profil vorher angeschaut hat, aber leider so oberflächlich, dass wichtige Informationen entweder nicht gelesen oder bewusst unterschlagen wurden. Das ist insbesondere dann fatal, wenn man seine Anfrage auf diesem oberflächlichen Lesen aufbaut. Ein Beispiel: Ich habe eine Zeitlang als pädagogische Leiterin in einer Sprachschule gearbeitet, mittlerweile jedoch die Berufssparte gewechselt. Wenn mir nun jemand eine Anfrage stellt und von „möglichen Synergien“ faselt, da die Person Betreiber einer Sprachschule ist, kann ich nur schlussfolgern, dass die Person a) meinen Lebenslauf nicht gründlich gelesen hat, denn ansonsten hätte feststellen müssen, dass ich gar nicht mehr in dem Bereich arbeite und b) nur daran interessiert ist ihr/sein Produkt an den Mann zu bringen.

Es funktioniert zwar nicht immer, aber wenn man folgende Fragen im Hinterkopf behält, steigen die Chancen auf eine erfolgreiche Kontaktaufnahme: Was macht die Person heute beruflich? Welche Interessen/Gemeinsamkeiten überschneiden sich mit meinen eigenen? Was finde ich am Lebenslauf dieser Person besonders spannend und faszinierend? Was erhoffe ich mir durch die Kontaktanfrage? Erst wenn man diese Fragen beantworten kann, sollte man Kontaktanfragen an unbekannte Personen starten, denn sonst besteht die Gefahr, dass die Anfrage rigoros abgelehnt wird.