Oh wie lieben wir die Steuererklärung!

Ich habe heute einem ausländischen Freund geholfen seine erste deutsche Steuererklärung abzugeben. Seit 2013 ist er in Deutschland und hat bisher, da zu Beginn Werkstudent, noch nie eine deutsche Steuererklärung abgegeben. Ich musste schmunzeln, als er Berge an Quittungen von Lebensmitteleinkäufen anschleppte. Ob das alles Zutaten für Geschäftsessen wären? Nein? Ob das sonst irgendwie mit seinem Berufsleben zu tun hätte? Er verneinte. Er hatte irgendwo mal aufgeschnappt, dass man in Deutschland Quittungen aufbewahren sollte und hatte also treuherzig bei jedem einzelnen privaten Lebensmitteleinkauf eine Quittung verlangt und sie aufbewahrt. Seit 2013 wohlgemerkt. Feierlich entsorgten wir also den Zettelberg und ich beschloss ihm erst einmal grundsätzlich zu erklären wie das in Deutschland mit den Steuern gehandhabt wird und welche Quittungen man aufbewahren sollte und welche nicht.

Das hat mich dann daran erinnert, als ich direkt nach dem Studium meine erste Steuererklärung abzugeben hatte und das gleich als Freiberuflerin. Das Finanzamt faselte von Einnahmeüberschussrechnung statt Bilanzführung, ich verstand nur Bahnhof und beschloss mir einen Steuerberater zu suchen. Der würde es schon richten. Ja, er richtete es, indem er mir nach wildem Rechnen, unzähligen Terminen und Einfordern von Unterlagen ein Blatt Papier unter die Nase hielt und mir mitteilte wie viel Steuern ich noch abzuführen hätte und legte mir gleich auch noch seine saftige Rechnung dazu. Ich schluckte. Eine vierstellige Zahl an Steuern hatte ich abzudrücken. Mir war nie bewusst gewesen, dass ich die ganze Zeit über dafür hätte ansparen müssen. Als ob es nicht schon genug war, dass die vielen Versicherungen monatlich ihre Beträge unbarmherzig von meinem Konto abbuchten, nein, ich hätte auch beachten müssen, dass man als Freiberufler erst zum Ende des Jahres ausgerechnet bekam, was ich an Einkommenssteuern dem Staat zu zahlen hatte. Ein schönes Los als Selbstständiger. Ein böses Erwachen ist das nach dem ersten Jahr.

Ich will nicht sagen, dass ich jetzt als Angestellte heiß darauf bin meine Steuererklärung zu machen. Ja, es ist Arbeit, ja man muss die ganze Zettelwirtschaft sortieren und es ist mühsam und langatmig. Auch ich habe es geschafft mal anzugeben, dass ich Rente beziehe und habe damit meinen armen Sachbearbeiter im Finanzamt fast zur Weißglut gebracht, weil ich mich partout geweigert habe Bescheide einzureichen bis wir das Missverständnis klären konnten, dass ich mit Anfang 30 natürlich keine Rente beziehe, sondern einzahle. Aber trotzdem: liebe Leute, wir kriegen als Angestellte doch in gefühlten 90% der Fälle Geld zurück! Warum ist es schon fast eine Zika-Virus-Epidemie wie sich Leute darüber aufregen ihre Steuererklärung machen zu müssen und so tun als sei das das allerschlimmste der Welt. Ein schlechteres Smalltalkthema lässt sich bei mir kaum finden. Da wird gejammert und gestöhnt und ich nicke nur stumm und denke daran, dass ich mich jedes Mal freue, wenn ich jetzt als Angestellte sogar noch Geld zurückbekomme. Hört auf rumzuheulen! Ja, es ist vielleicht nervig die Steuererklärung zu erstellen, aber immerhin gibt es am Ende eine Belohnung! Geld, von dem man sich etwas Besonderes leisten kann. Im Land meines ausländischen Freundes würde es sowas niemals geben, dass man vom Staat etwas zurückbekommt, da wird immer nur gefordert und gefordert. Er war ein sehr dankbarer Abnehmer und war schon aus dem Häuschen, als die Steuer-CD anzeigte, dass er 27 EUR zurückerstattet bekommen würde. Für ihn ist Deutschland das Wunderland, in dem der Staat ehrlich genug ist zu sagen, dass jemand evtl. zu viel an Einkommenssteuer gezahlt hat und tatsächlich Geld zurückerstattet.

Wenn du zum ersten Mal eine Steuererklärung als Arbeitnehmer machen musst: Such dir professionelle Hilfe in Form eines Steuerberaters oder kauf dir eine CD, wo du durch die gesamte Steuererklärung geführt wirst und du jedes Jahr ein bisschen mehr lernst, was man noch alles absetzen kann und wie das mit der Abschreibung funktioniert. Hör nicht darauf, wenn alle immer rumheulen, so schlimm ist das gar nicht und am Ende winkt meist eine Erstattung. Ich mache mir mittlerweile einen Spaß daraus so lange herumzuknobeln und zu recherchieren bis ich verstanden habe wie die Zahlen der Erstattung zustande kommen.

Und an alle angehenden Freiberufler und Selbstständigen: macht euch gleich jetzt zu Beginn des Jahres schlau, berechnet wie viel ihr an Einnahmen 2016 voraussichtlich haben werdet und informiert euch wie hoch der Prozentsatz für die Einkommenssteuer ist. Lieber vorab zumindest ein kleines Polster ansparen, als am Ende das böse Erwachen zu erleben! Ich kann auch diese Beratung für kreative Berufe empfehlen, die auch unter anderem Steuererklärungen für einen machen können und beim Thema Existenzgründung zur Seite stehen.

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Die leidliche Frage des Honorars

Wer meine vorherigen Blogbeiträge gelesen hat wie viele Ausgaben man bereits durch die Sozialversicherungen hat, geschweige denn Lebenshaltungskosten, der wird vielleicht langsam begreifen, warum Honorar-Dumpingpreise im Endeffekt einem selbst schaden.

Zu Beginn ist man unsicher, hat noch keinerlei Erfahrungswerte und kennt weder den Wert der eigenen Arbeit, noch weiß man um die vielen Ausgaben, die man als Selbstständiger zu bestreiten hat.

Vor kurzem bin ich über einen interessanten Blogeintrag gestolpert, wo der Autor das deutsche Durchschnittsgehalt als Anhaltspunkt genommen hat, um das Stundenhonorar oder den Tagessatz für einen Freiberufler oder Selbstständigen zu berechnen. Wer mag, kann sich den kompletten Artikel hier anschauen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass man einen Tagessatz von mindestens 610,69 EUR und einen Stundensatz von 76,34 EUR zuzüglich Mehrwertsteuer fordern sollte, wenn man vergleichbar mit einem Angestelltem leben möchte.

Mir ist klar, dass insbesondere im geisteswissenschaftlichen Bereich ein solches Honorar undenkbar ist, gerade auch, wenn man gerade erst angefangen hat. Aber dennoch sollte man genau solche Überlegungen machen (wie z.B., dass man auch als Selbstständiger mal Urlaub machen möchte und dementsprechend in der Zeit keine Einnahmen hat, aber dennoch weiterhin seine Versicherungen zu zahlen hat, oder der Fakt, dass man nicht 365 Tage im Jahr arbeiten kann und somit die Anzahl der Tage, an denen man Einnahmen erwirtschaften kann, deutlich reduziert), bevor man einen zu niedrigen Stundensatz angibt.

Teilweise muss man auch erst lernen seinen Stundensatz selbstbewusst vorzutragen und oft genug zu verteidigen. Die meisten Kunden werden versuchen den Preis runterzuhandeln, es gibt einige, die auf die Tränendrüse drücken und sich so einen Preisvorteil erhoffen. Sich ein gutes Honorar zu überlegen, dauert seine Zeit. Auch sollte man immer den Kontakt zu anderen Freiberuflern in seiner Branche suchen, Plattformen und Netzwerke gibt es zuhauf. Auch über den Weg wird man schnell lernen, was ein realistisches Honorar ist und erhält wertvolle Tipps wie man vorzugehen hat.

Aber eine weitere Anmerkung würde ich zum Schluss gerne noch mitgeben wollen: Wie viel Honorar verlangen Friseure oder Handwerker für eine halbe Stunde oder eine Stunde Arbeit? Oft genug habe ich mir als Freiberuflerin das Gejammer der Kunden angehört, die über die horrenden Stundenpreise klagten. Wenn ich dann aber darauf hinwies wie viel Geld sie beim Friseur für eine halbe Stunde Arbeit hinterließen, wurden sie meist still. Deshalb: Netzwerke, suche dir andere Freiberuflern in deiner Branche und frage nach Einstiegshonoraren. Du wirst schnell feststellen wo die sich bewegen und langsam, aber stetig mehr verlangen können, je besser du wirst.

Die Künstlersozialkasse – Retter in der Not?

Nun kommt endlich der Eintrag zur Künstlersozialkasse.

Befasst man sich mit den Beitragszahlungen der Pflichtversicherungen als Selbstständiger, wie ich es in letzter Zeit getan habe, z.B. hier und hier, versteht man vielleicht, warum viele Künstler in den Untergrund abtauchen und überhaupt nicht mehr versichert sind, auch wenn dies natürlich illegal ist. Das hat dann irgendwann der deutsche Staat auch mitbekommen und die Künstlersozialkasse ins Lebens gerufen.

Die Künstlersozialkasse schreibt auf ihrer Website

Das am 01.01.1983 in Kraft getretene Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) bietet selbständigen Künstlern und Publizisten sozialen Schutz in der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung.

Wie Arbeitnehmer zahlen sie nur etwa die Hälfte der Versicherungsbeiträge; der andere Beitragsanteil wird über die Künstlersozialversicherung finanziert. Die hierfür erforderlichen Mittel werden aus einem Zuschuss des Bundes und aus einer Abgabe der Unternehmen finanziert, die künstlerische und publizistische Leistungen verwerten („Verwerter“).

Wer mag, kann hier selbst nachlesen. Im Endeffekt bedeutet dies, dass man als Künstler oder Publizist deutlich günstiger versichert ist, als wenn man auf andere Art sein Geld verdient, da man immer nur die Hälfte der Beträge zu zahlen hat. Die Künstlersozialkasse gibt hier sehr gute Rechenbeispiele wie viel Geld man monatlich für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung abdrücken muss. Mit den genannten Prozentzahlen kann man auch sehr leicht selbst errechnen wie viel man selbst wahrscheinlich zahlen müsste.

Voraussetzung für die Aufnahme in die Künstlersozialkasse ist allerdings, dass man hauptberuflich künstlerisch oder publizistisch tätig ist und dass man natürlich auch zu den künstlerischen oder publizistischen Berufsgruppen gehört. Als Beispiel für einen Grenzfall gibt die Künstlersozialkasse einen DJ an. Nicht jeder DJ ist laut Sozialkasse künstlerisch tätig, sondern es muss von Fall zu Fall entschieden werden. Die Künstlersozialkasse gibt zwar hier eine Liste an, wer dazugehört oder wer nicht, aber man sollte vorsichtig sein, wenn der eigene Beruf nicht explizit gelistet ist.

Man sollte auch gut aufpassen, wenn man im Anmeldebogen die ungefähre wöchentliche Stundenanzahl nennt, die man die künstlerische Tätigkeit ausübt. Liegt die bei unter 20 Stunden pro Woche, kann es durchaus sein, dass einem nicht zugestanden wird, dass es die Haupttätigkeit ist und somit die Künstlersozialkasse nicht zuständig ist. Da viele Freiberufler versuchen in die Künstlersozialkasse zu wechseln aufgrund der attraktiven „halben“ Preise, wie ich es mal nennen möchte, ist die Künstlersozialkasse sehr misstrauisch und überprüft durchaus auch Auftraggeber, die man in seinem Antrag genannt oder deren Rechnungen und Verträge man als Beweis mitgeliefert hat.

Im Gegensatz zur deutschen Rentenversicherung und gesetzlichen Krankenkasse ist die Künstlersozialkasse jedoch etwas flexibler. So kann man zum Beispiel, wenn abzusehen ist, dass man doch weitaus geringere Einnahmen hat als angenommen, einen Antrag zur Minderung des Beitrags stellen. Natürlich ist schlussendlich ausschlaggebend welche Einnahmen man am Ende des Jahres tatsächlich hatte, um die endgültigen Beiträge zu berechnen, aber immerhin gibt es diese Möglichkeit mitten im Finanzjahr seinen Hilferuf zu senden. Da die Künstlersozialkasse nur ausführendes Organ ist und man weiterhin bei der gesetzlichen Krankenkasse seiner Wahl Mitglied ist, besteht genauso auch Mutterschutz und die Möglichkeit der Familienmitversicherung und des Elterngeldes.

Grundvoraussetzung ist allerdings, dass man mindestens 3.900 EUR Einnahmen im Jahr aus publizistischer oder künstlerischer Tätigkeit erwirtschaftet, da ansonsten die Einnahmen als geringfügig gewertet werden. Dabei wird Berufsanfängern eine Frist von drei Jahren gewährt, wenn sie zum ersten Mal eine publizistische oder künsterlische Tätigkeit aufnehmen. Verdienen sie in der Zeit weniger, können sie trotzdem in der Künstlersozialkasse verbleiben.

Ich wär so gern mal Privatpatient…

Im Gegensatz zur Rentenversicherung gibt es bei der Krankenversicherung keine Festlegung von Berufen, die bei der gesetzlichen Krankenkasse versichert sein müssen (außer bei Künstlern, aber dazu habe ich hier einen separaten Blogbeitrag verfasst).

Das heißt, dass man als Selbstständiger die freie Wahl hat, entweder

  • weiterhin in der gesetzlichen Krankenkasse freiwillig versichert zu sein oder
  • sich privat versichern zu lassen

Bleibt man in der gesetzlichen Krankenkasse als freiwillig Versicherter, so gilt es folgendes zu beachten (alle Angaben ohne Gewähr für 2017):

  • Grundsätzlich wird bei der Krankenkasse nach Einkommen gezahlt, im Jahr 2017 sind dies 14,6% plus dem Zusatzbetrag der jeweiligen Krankenkasse, siehe z.B. hier. Die meisten Krankenkassen haben einen Prozentsatz von ca. 15,5-16%.
  • Für Selbstständige mit einem Einkommen von weniger oder gleich 1.487,50 EUR monatlich, zahlt man den Mindestbetrag von 223,13 EUR plus den jeweiligen Zusatzbetrag der Krankenkasse. Verdient man jedoch mehr, so greift wieder der oben genannte Prozentsatz. Erst wenn man monatlich mehr als 4.350 EUR verdient, wird der Beitrag nicht mehr prozentual angehoben, sondern liegt beim Höchstbetrag von 14,6% plus Zusatzbetrag.
  • Die genannten Beiträge gelten jedoch nur bei einer freiwilligen Versicherung ohne Krankengeld. Möchte man ab dem 43. Tag, an dem man krank ist, Krankengeld erhalten, so erhöhen sich die Beiträge nochmals.
  • Nicht vergessen sollte man, dass außerdem noch die Pflegeversicherung gezahlt werden muss (2,55%).
  • Der Höchstbetrag beträgt mit allen weiteren Zusätzen also mehr als 700 EUR.

Mit mindestens ca. 300-350 EUR monatlicher Beitragszahlung muss man also rechnen, wenn man in der gesetzlichen Krankenkasse bleibt und Geringverdiener ist. Für viele selbstständige Geisteswissenschaftler ist dies aber immer noch schwer zu stemmen. Deshalb überlegen viele zu wechseln. Wenn man sich jedoch privat versichern lässt, sollte man folgendes beachten.

Private Krankenversicherung

  • Pauschal lässt sich sagen, dass es immer einen Gesundheitscheck gibt, bevor man sich privat versichern kann. Zwar ist es nun gesetzlich verboten jemanden abzulehnen, der sich privat versichern will, aber auch hier muss man aufpassen. Seit 2009 sind alle privaten Krankenversicherungen gezwungen einen sogenannten Basistarif anzubieten, der vergleichbar mit dem Versicherungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung sein muss. Doch leider dient hier als Beitragsgrundlage der Höchstsatz wie bei der gesetzlichen, er liegt also bei ca. 700 EUR, womit der Basistarif meist nicht in Frage kommt.
  • Wenn man also gesundheitliche Probleme hat, bietet es sich weiterhin an, in der gesetzlichen Krankenversicherung zu bleiben. Als Faustregel für die private gilt, dass man umso günstiger einsteigen kann, je jünger und je gesünder man ist.
  • Meist trifft jedoch leider der Fall zu, dass die Beiträge immens steigen je älter man wird und dann die Beiträge in der gesetzlichen attraktiver werden. Um aber genau dem einen Riegel vorzuschieben, ist es nicht so leicht möglich im Alter wieder zurückzuwechseln.
  • Zur privaten Versicherung selbst will ich gar nicht so viel sagen, da es hier sehr stark vom Tarif abhängt, dem Alter und seiner gesundheitlichen Situation. Was man aber auf jeden Fall beachten sollte, wenn man in die private wechselt, ist die Frage danach.
  • Was passiert, wenn man seine selbstständige Tätigkeit aufgibt oder man finanziell kaum noch über die Runden kommt?
  • Zwar gibt es auch bei der privaten die Möglichkeit den Beitrag um 50% zu mindern, aber da sind wir dann immer noch bei 345 EUR. Wenn auch noch dieser Beitrag nicht zu stemmen ist, beteiligt sich die Sozialhilfe, mit anderen Worten ist man in dem Fall dann Hartz-IV-Empfänger und erhält Beitragshilfe.
  • Auch sollte man wissen, dass bei der privaten Partner und Kinder fast immer separat versichert sein müssen, eine Familienmitversicherung besteht meist nicht oder nur in sehr geringem Umfang.
  • Man sollte sich außerdem im Klaren sein, dass ein Wechsel von der Privatversicherung zur gesetzlichen nur bis zum 55. Lebensjahr möglich ist. Ein Wechsel danach ist fast immer nicht mehr machbar.
  • Nur wenn man eine Festanstellung gefunden hat oder seine selbstständige Tätigkeit komplett aufgibt, ist ein Wechsel zurück in die gesetzliche möglich.

Die Entscheidung, ob man sich gesetzlich oder privat krankenversichert, sollte also gut überlegt sein. Hier erkläre ich den Sonderfall Künstlersozialkasse. Glücklicherweise hat der deutsche Staat zumindest für Künstler eine Kasse geschaffen, wo die Beiträge für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung nur zur Hälfte gezahlt werden müssen und so eine im Vergleich sehr günstige Absicherung bieten.

Was denn nun, Freiberufler, freier Mitarbeiter, Freelancer, Honorarkraft, selbstständig?

Da steht man da wie der Depp und weiß sich nicht zu helfen, was ist man denn nun, Freiberufler, freier Mitarbeiter, Freelancer, Honorarkraft oder selbstständig?

Beim Wirrwarr der Bezeichnungen kann einem ganz anders werden. Wie gesagt bin ich kein Steuerberater oder Finanzwirt, aber mir hat es geholfen folgendes zu beachten:

Wenn es geht, sollte man versuchen Freiberufler zu sein, denn Freiberufler haben einige steuerliche Vorteile. Sie müssen im Gegensatz zu anderen Selbstständigen keine Gewerbesteuer bezahlen und dementsprechend kein Gewerbe anmelden. Freiberufler heißen nicht umsonst Frei-berufler, sie sind nämlich freier als andere Selbstständige, da sie kein Zwangsmitglied in der IHK sind, sie müssen keine doppelte Buchführung machen, sondern können eine einfache Einahmeüberschussrechnung einreichen (dazu an anderer Stelle mehr). Laut deutschem Einkommenssteuergesetz wird ein Freiberufler folgendermaßen in Paragraph 18 definiert:

„Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe“, siehe komplett auch hier. Da dies eine Auflistung ist, werden Freie Berufe als Katalogberufe bezeichnet. Die allgemein unter „wissenschaftlich, künsterlisch, schriftstellerisch, unterrichtend und erzieherisch“ zusammengefassten Berufe, werden oft als Tätigkeitsberufe bezeichnet.

Natürlich gibt es Streitfälle. Findet man seinen Beruf in der oben genannten Auflistung (z.B. Dolmetscher), kann kein Finanzamt einem den Status als Freiberufler streitig machen. Leider bietet jedoch der kleine Zusatz „und ähnliche Berufe“ Raum für Interpretationen. Deswegen hat es sich eingebürgert zu den sogenannten Katalogberufen der Auflistung auch noch „katalogähnliche“ Berufe als freie Berufe zu bezeichnen. Nehmen wir mal das Beispiel eines Musikers. Ein Musiker ist klar künstlerisch tätig, wird jedoch nicht in der Auflistung explizit mit genannt, wodurch typischerweise ein Musiker einen katalogähnlichen Beruf als auch Tätigkeitsberuf hat und somit auch Freiberufler ist. Bei einem Social Media Manager gestaltet es sich schon schwieriger, denn schriftstellerisch tätig ist diese Person zwar auch, aber in weitaus geringerem Maße als z.B. der Journalist. Zählt dieser dann noch als Freiberufler oder muss er ein Gewerbe anmelden?

Zusätzlich zum oben genannten Gesetz wird auch oft das sogenannte Partnerschaftsgesellschaftsgesetz hinzugezogen, um genauer zu fassen, was ein Freiberufler ist. In Paragraph 2 findet sich folgende Aussage: „Die Freien Berufe haben im allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt. Ausübung eines Freien Berufs im Sinne dieses Gesetzes ist die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Heilpraktiker, Krankengymnasten, Hebammen, Heilmasseure, Diplom-Psychologen, Mitglieder der Rechtsanwaltskammern, Patentanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer (vereidigte Buchrevisoren), Steuerbevollmächtigten, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Lotsen, hauptberuflichen Sachverständigen, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer und ähnlicher Berufe sowie der Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, Lehrer und Erzieher“ (Hervorherbungen meinerseits), komplettes Gesetz siehe hier.

Mein Tipp an dieser Stelle lautet, sich im Zweifelsfall an seinen Sachbearbeiter im Finanzamt zu wenden und den Sachverhalt zu klären, denn schließlich ist es diese Person, die die Einkommenssteuererklärung anschauen und über den Fall entscheiden wird, da sollte man lieber direkt zu Beginn wissen woran man ist, wenn man seine Einkommenssteuererklärung ausfüllt, bevor dann das böse Erwachen kommt. Es gibt insbesondere bei den katalogähnlichen Berufen zahlreiche Fälle, wo das Finanzamt im Nachgang dann noch die Gewerbesteuer einfordert und eben nicht die Tätigkeit als freien Beruf einstuft.

Natürlich kann man auch einen Steuerberater hinzuziehen oder, wenn man es ganz genau wissen will, auch eine verbindliche Auskunft von seinem Finanzamt einfordern, jedoch kostet dies eine Gebühr, siehe hier. Wenn der Beruf jedoch nicht klar aufgelistet ist, würde ich empfehlen diesen Antrag zu stellen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Nun aber zurück zu der Unterscheidung von Freiberufler, freier Mitarbeiter, Freelancer, Honorarkraft und Selbstständigem. Kurz gesagt ist es oft branchenabhängig, ob man vom freien Mitarbeiter redet (z.B. gang und gäbe im Journalismus) oder aber von der Honorarkraft (z.B. üblich im Bildungsbereich und Sozialpädagogik). Schlussendlich ist die wichtigste Unterscheidung Freiberufler oder Gewerbetreibender, auch wenn diese Unterscheidung seltsamerweise im Alltag so gut wie nie vorgenommen wird. Denn nur diese Unterscheidung ist schlussendlich wichtig für das Finanzamt und die Steuererklärung. Auch als Freelancer (wie z.B. es oft in der IT-Branche üblich ist), ist es möglich, dass man Gewerbetreibender ist (z.B. wenn man hauptsächlich das Produkt Software verkauft), anders verhält es sich jedoch, wenn man die Software selbst programmiert.

Dass heißt, bevor man den ersten Auftrag bekommt, sollte man sich als erstes klar werden, was man denn nun genau ist und wie man steuerlich eingeordnet wird. Sobald das klar ist, kann man dann den ersten Schritt gehen und seine selbstständige Tätigkeit beim Finanzamt anmelden. Doch aufgepasst: Nur Freiberufler melden sich direkt beim Finanzamt, Gewerbetreibende müssen sich erst beim Gewerbeamt melden bevor sie sich auch beim Finanzamt melden, deshalb ist diese Unterscheidung auch so wichtig.

Wie man sich beim Finanzamt anmeldet, werde ich morgen erklären.